Unbestechlicher Sizilianer

12.02.2015 – Wer gegen 1.e4 mit Französisch, Caro-Kann oder Aljechin aufwartet, läuft Gefahr, gegen schwächere Gegner mit einer Abtauschvariante ein Remis angedreht zu bekommen. Christian Höthe hat eine anspruchsvolle Eröffnung gefunden, in der einem das nicht passieren kann und für die man dennoch keine Theorie pauken muss. Seine Empfehlung: "The Sicilian Taimanov-Scheveningen" von Ramirez. Mehr...

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Alejandro Ramirez: The Sicilian Taimanov-Scheveningen

Rezension von Christian Höthe (Braunschweig)

Sie sind auf der Suche nach einer schlagkräftigen Waffe gegen 1. e4? Und Sie möchten dem Gegner möglichst nicht die Gelegenheit bieten, eine der zahllosen Abtauschvarianten wie in Französisch, Aljechin oder Caro Kann zu spielen, die einem das Spiel auf Sieg gegen vermeintlich schwächere Gegner oft so unendlich schwer machen?

Wie wäre es dann mit Sizilianisch? Okay, Sie denken sofort an scharfe Theorieduelle im Najdorf oder Drachen, in denen meist derjenige gewinnt, der die aktuellste Neuerung im 25. Zug parat hat und nicht derjenige, der das grössere Schachverständis hat? Das kann ich sehr gut nachvollziehen.

Und eben deshalb möchte ich Ihnen Alejandro Ramirez´ DVD zum Taimanov-Scheveninger-Sizilianer empfehlen!

Der Taimanov-Sizilianer, der in der Regel nach den Zügen 1. e4 c5, 2. Sf3 e6, 3. d4 cd4:, 4. Sd4: Sc6, 5. Sc3 Dc7 entsteht, gilt als überaus flexibel und widerstandsfähig. Er wird von vielen Spitzenspielern auch als der "sicherste Sizilianer" bezeichnet. Als eifrige Verfechter dieses Systems sind u.a. Anand, Jakovenko, Ivanchuk, Grischuk, Svidler und Polgar zu nennen. Schwarz entwickelt seine Figuren auf die natürlichsten sizilianischen Felder und behält sich insbesondere vor - je nach Aufstellung des Anziehenden - seinen Lf8 nach e7, d6, c5 oder gar b4 zu entwickeln.

Ein stupides Auswendiglernen von Varianten steht im Vergleich zum Najdorf- oder Drachen eher im Hintergrund. Die Energie des Taimanov-Scheveningers steckt in seiner trügerisch positionellen Fassade. Oft behält sich Schwarz die Festlegung seiner zentralen Bauernstruktur noch vor. So können sowohl d7-d6, d7-d5 als auch e6-e5 folgen. Das demonstriert Ramirez gleich in mehreren Videos eindrucksvoll. In seiner scheinbaren Ruhe liegt die Kraft dieses Sizilianers!

In fast fünf Stunden Spielzeit präsentiert ein überaus sympathischer wie eloquenter Grossmeister Ramirez, bisher einziger Grossmeister aus Zentralamerika, in sehr gut verständlichem Englisch seine Repertoire-Empfehlungen aus schwarzer Perspektive. Er erklärt dabei insbesondere, wann es aus seiner Sicht besser ist, den Läufer statt auf b4 beispielsweise auf e7 zu parken sowie d7-d6 - den Scheveninger Aufbau à la Kasparov - folgen zu lassen, was meiner Meinung nach sehr gut begründet wird. Er lässt dabei keinen weissen Aufbau aus, behandelt Systeme mit g3 ebenso wie ein frühes f2-f4 und legt den Schwerpunkt deutlich auf die Besprechung des englischen Angriffs und des klassischen Aufbaus mit weissem Le2 und Le3.

Beispielvideo ansehen 

Was ich an dieser DVD besonders gut finde: Ramirez übersieht auch frühe Abweichungen nicht, die oft unangenehm sind, wenn man sie nicht vorbereitet hat. So zum Beispiel Aufbauen, in denen Weiss früh c2-c4 zieht oder das trendige 1. e4 c5, 2. Sf3 e6, 3. g3, das sogar im WM-Match zwischen Carlsen und Anand auf dem Brett stand. Gegen diese Modevariante bringt Ramirez gleich zwei Empfehlungen, mit denen Schwarz - analog Carlsen-Anand - gutes, aktives Gegenspiel erhält.

Fazit: Suchen Sie nicht länger nach einer Waffe gegen 1. e4 - hier wird Ihnen ein gutes, schlagkräftiges Repertoire gegen den offenen Sizilianer empfohlen!

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