3+3 > 5+1

15.11.2013 – Die Mathematik beginnt mit gesunden natürlichen Zahlen. Wer mit Schach anfängt, rechnet mit ihnen. Die Dame ist 9 Punkte wert, der Turm 5 usw. Während die Grundrechenarten aber auch in der höheren Mathematik gelten, entsteht beim Schach oft ein massives Ungleichgewicht auch dann, wenn "gleichwertiges" Material getauscht wird. GM Bojkov zeigt, wie man dieses Mysterium für sich nutzt. Mehr...

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Dejan Bojkov: Der wahre Wert der Figuren

Rezension von Lukas Wedrychowski

Die Verwertung positioneller Vorteile ist für viele schwerer als die Verwertung eines deutlichen Materialvorteils. Wer eine Figur mehr hat (Turm = 5 Bauerneinheiten, Springer/Läufer = 3 BE, Dame 9 BE), versucht Figuren zu tauschen und in ein Endspiel abzuwickeln, welches die Realisierung dieses Vorteils erleichtert. Doch was, wenn man ein materielles Ungleichgewicht hat? Damit meine ich die Situation, wenn ein Spieler zwei Leichtfiguren für einen Turm bekommt, oder aber zwei Türme gegen eine Dame? Wie verhält man sich in so einem Moment? Zwei Türme müssten rein rechnerisch mit ihren je fünf Bauerneinheiten einer Dame um einen ganzen Bauern überlegen sein. Doch genauso wie Endspiele mit einem Mehrbauer nicht immer zwingend gewonnen sind (siehe Remisstellungen etc.) so ist auch ein solches Materialverhältnis nicht immer einfach einzuschätzen. Vieles hängt von den konkreten Bedingungen auf dem Schachbrett ab und davon, ob die Spieler in der Lage sind mit ihren jeweiligen Materialkonstellationen etwas zu bewirken.

Wenn wir das Beispiel oben heranziehen, dann wird die Partei mit der Dame versuchen die Beweglichkeit und die Manövrierfähigkeit der Dame zu nutzen, um die Kraft der Doppeltürme zu kompensieren. Die Stärke der Dame liegt darin, dass sie schnell und präzise einzelne Punkte unter Beschuss nehmen kann. Angreifer haben selten eine Chance eine Dame zu erwischen, da sie die Beweglichkeit von Turm und Läufer kombiniert. Die Turmpartei hingegen wird sich dran machen, die Türme zu koordinieren, d.h. sie zu verbinden und dann mit Hilfe der Doppelturmbatterie Schwächen direkt anzugreifen. In diesen Fällen zeigt sich, warum zwei Türme einen Bauern mehr Wert sind als die Dame. Eine Dame kann einen Punkt nur ein einziges Mal verteidigen, während zwei Türme den Punkt zwei Mal angreifen können. Somit sind Schwächen nicht alleine mit der Dame zu decken.

Was für Ideen existieren, um das jeweilige Material voll zur Geltung zu bringen, zeigt Großmeister Dejan Bojkov, der nicht nur selbst enorme Turniererfahrung hat, sondern unter anderem auch als Trainer einiges zu bieten hat. Gemäß dem Titel “Materielles Ungleichgewicht – was nun?” klärt er das große Mysterium um die unterschiedliche Materialkonstellation. Nicht nur, dass er intensivst auf das obere Beispiel eingeht, er behandelt zudem noch die folgenden Themen:  

  • Drei Figuren besser als die Dame (direkt aus der Eröffnung / Freibauer)
  • Dame besser als drei Figuren (Koordination / Freibauer / schwacher König)
  • Laskers Kompensation
  • Vereinte Kraft der Bauern
  • Bauern mit Läufer
  • Bauern mit Läufer – König vorn
  • Dame dominiert
  • Dame wechselt Farben
  • Festung
  • Opfer für die Festung
  • Festung mit Turm und Springer
  • Figuren gewinnen
  • Fehlplatzierte Dame
  • Zwei Schwächen
  • Gemeinsame Kräfte
  • Drei Figuren gewinnen gegen zwei Türme und noch über eine Handvoll an weiteren Lektionen

Mit über 40 (!!) Lektionen ist diese DVD reich an Material und gibt zahlreiche Motive und Pläne, die die jeweilige Seite anzuwenden hat. Es ist wichtig diese Pläne zu wissen, da man diese in Langzeitpartien mitunter noch aufstellen kann, in Blitz- bzw. Schnellschachpartien jedoch selten die nötige Zeit dazu hat, alle taktischen Nuancen und strategischen Einzelheiten herauszuarbeiten.

Durch die einzelnen Ideen, z.B. eine Figur gegen ein paar Freibauern zu opfern, wie es ab und an in der Sveshnikov Variante der Sizilianischen Verteidigung geschieht, bekommt man ein größeres Spektrum an Möglichkeiten und erweitert sein Blickfeld. Man sieht somit viel mehr als der Gegner und schließt mehr Möglichkeiten ein, die in der gegebenen Stellung sogar psychologische Vorteile bringen kann.

Wie dem auch sei: 20 Lektionen sind schon eine Menge, aber 40 bedeuten ein längeres Training. Meine Empfehlung wäre jede Lektion Schritt für Schritt zu bearbeiten. Jede Materialkonstellation ist für sich schon sehr komplex und es gibt zahlreiche Details, manche die nicht in den Clips erwähnt werden konnten. Daher ist es wichtig, sich mit den Stellungen auseinanderzusetzen oder aber die Chess´Base-Funktionen zu benutzen um Stellungen mit ähnlichen Materialbildern zu finden.

Die einzelnen Videos sind in einfachem Englisch gehalten und das Sprechtempo ist normal und konstant. Somit sollte die DVD auch jenen, die Englisch lediglich ein paar Jahre in der Schule gesprochen haben, keine Probleme bereiten.

Fazit: Eine DVD für den stärkeren Spieler. Der Inhalt geht ohne Zweifel über das Grundstudium hinaus und verlangt einiges an technischen Fertigkeiten vom Spieler. Ich würde die DVD für Spieler jenseits der 1800er Marke empfehlen, da die Themen teilweise sehr schwere Kost darstellen. Wer jedoch eine Herausforderung sucht und sich gezielt mit diesem Thema auseinandersetzen möchte, dem sei diese DVD definitiv ans Herz gelegt. Mir gefallen die DVDs von Herrn Bojkov gut, da ich seit längerem seine Internetartikel zu diversen schachlichen Themen verfolge und ich daher von seiner herangehensweise ebenfalls sehr angetan bin.

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Zur Oiriginalrezension von Lukas Wedrychowski...


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