5. Karpov-Turnier in Pojkovsky

19.03.2004 – Wenn man von Moskau immer weiter östlich fährt, stößt man irgendwann auf den Ural, der Europa und Asien voneinander trennt. Nun sind es nur noch 500 km bis man zu dem Punkt kommt, wo sich in der sibirischen Taiga Füchse und Rehe gute Nacht sagen. Zum Beispiel am Ortsrand von Pojkovsky. Einmal im Jahr - und dies nun schon zum fünften Mal - treffen sich hier jedoch auch einige der besten Großmeister und spielen ein Turnier zu Ehren von Anatoly Karpov - keine Angst: ihm ist nichts passiert. Manche kommen eben schon zu Lebzeiten zu einem Gedenkturnier, wenn auch etwas abseits der großen Metropolen. Nach drei Runden führt Sergei Rublevsky. Turnierseite (russisch)...Partien, Tabelle, Infos...

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Teilnehmer und Folklore
Foto: Atarov

 

Die Partien der ersten drei Runden...

 

Mehr über Pojkowsky 

Poikowsky...?

Poikowsky liegt ca. 500 km östlich des Urals in der westsibirischen Taiga am Fluss Ob und gehört zum Bezirk der Stadt Nefteyugansk. Es liegt in etwas nördlichern Breiten als z.B. Helsinki.

Im Sommer wird es zwischen 16 und 19 Grad warm, im Winter zwischen -18 bis -23 Grad kalt. Der Hauptcharakter der umgebenden Landschaft ist Sumpf - in jede Himmelsrichtung mindestens 500 km, meist mehr - mit ausgedehnten Waldgebieten (Zedern, Pinien).

Die nächstgrößere richtige Stadt ist Tjumen, in südlicher Richtung 500 km entfernt. Die nächstgrößere Millionenstadt ist Nowosibirsk, ca. 1000 km in südöstlicher Richtung entfernt. Moskau ist über 1500 km entfernt.

Der Bezirk Nefteyugansk des autonomen Khanty-Mansiysk Okrug in der Tyumen Region wurde 1980 gebildet. Verwaltungszentrum ist die Stadt Nefteyugansk. Insgesamt gehören 16 Ansiedlungen zum Bezirk, in denen zusammen 30.000 Menschen wohnen. Nur noch 300 Einwohner des Bezirks sind Angehörige der Ureinwohner der Chanten (Khanty) und Mansen.

Die wirtschaftliche Hauptbetätigung ist heute die Öl- und Gasförderung. Große Öl-und Gasfelder sind bereits erschlossen, neue kommen ständig hinzu: Mamontovskoye, Pravdinskoye, Malo-Balykskoyem Ust-Balykskoye, Yuzhno-Surgutskoye. Die Ölförderung wird durch die Firma Yuganskneftegas vorgenommen, die zur großen russischen Ölgesellschaft Yukos gehört. Yukos prodizierte Ende der Neunziger pro Jahr 25 Mio Tonnen Öl. Yukos bzw. Yugankneftegas nimmt großen Einfluss auf die Entwicklung der Region.

Ein weiterer sehr bedeutsamer Wirtschaftszweig ist die Holzgewinnung. Außerdem gibt es einige landwirtschaftliche Betriebe. Die Transportwege des Bezirks auf Schiene, Straße und Wasser sind überdurchschnittlich gut entwickelt. Die Region isr reich und nicht auf Subventionen aus Moskau angewiesen.

Eine der größten und modernsten Ansiedlungen im Nefteyugansk Bezirks ist das Städtchen Poykowsy (19.000 Einwohner). Hier haben bereits 84 Wirtschaftsunternehmen ihren Sitz. Die Entwicklung und Ausbreitung der Stadt geht rasant vonstatten. Neben vielen Einkaufsmöglichkeiten und einem großen Krankenhaus gibt es seit 1997 auch einen Zweig der Tyumen Staatlichen Universität mit den Fachrichtungen Recht, Finanzen und Kreditwesen und Verwaltungswissenschaft.

In der Nähe, stromaufwärts am Fluss Bolshoi Salym ("Großer Salym") gelegen, wurde der Geschichts- und Naturpark "Punsi" zum Schutz und zur Erforschung der Sumpflandschaft angelegt. Außerdem ist es der einzige Platz, an dem die Urbevölkerung der Chanten unter historischen kulturellen Bedingungen leben können. Der Park enthält über 200 archäologische Objekte, die ältesten stammen aus dem 5.Jahrtausend. vor Chr.

Khanty-Mansiysk...?


Khanty-Mansiyks ist die Hauptstadt des gleichnamigen Verwaltungszentrum mit 37.000 Einwohnern. Der Name wird aus den Namen der zwei nordsibirischen Volksstämme gebildet, die hier siedeln: Chanten und Mansen.

Die Stadt geht auf eine 1637 am Westufer des Flusses Irtysch, nicht weit von der Mündung in den Ob,  gegründete Ansiedlung "Samorowo" zurück. Anfangs lebte man von der Landwirtschaft und Fischfang, nach der Einführung der Dampfschiffe, die zwischen Tymen und Tomsk verkehrten, kam ab 1860 ausgedehnter Handel hinzu. 1912 wurden 1000 Einwohner gezählt. Nach 1930 wurde die Stadtentwicklung voran getrieben,  große Teile der Zedernwälder abgeholzt und neue Gebäude errichtet. Nach 1935 wurde die Infrastruktur des Bezirks verbessert. Dazu gehörten Straßenbau und der Bau eines Kraftwerks (1937-41). Heute gibt sich die Stadt modern. Im neu gebauten Skizentrum wurden 2001 die Jugend Biathlon Weltmeisterschaften ausgerichtet.



Die Region hat etwa 1,3 Mio Einwohner. Sie wurde 1930 eigentlich als eigenständiger Bezirk für die Bevölkerung der Chanten und Mansen gegründet.

 


Chanten und Mansen...?

Weitere Informationen zu den Chanten (Khanty)...
Informationen zu den Mansen (Mansi)...

Chanten (Khanty) und Mansen (Mansi) sind zwei verwandte sibirischen Völker die zur finno-ugrischen Sprachgruppe gehören.  In Europa gibt es die zwei Sprachen Finnisch und Ungarisch, die zur gleichen Sprachgruppe gehören. In Finnland wird es von den um die Zeitenwende eingewanderten Finnen und Samen gesprochen und hat sich als Staatssprache durchgesetzt. Die Ungarn wanderten 896 n Chr. in die heutigen Siedlungsgebiete.

Die Chanten werden teils auch als Ostjaken (Ostyaki) oder Obugrier (Ugrier, die am Ob wohnen) bezeichnet, die Mansen als Wogulen (Voguly, Vogulichi). Kulturelle Identität finno-ugrischer Gruppen kann bis in Nordsibirien  bis ins 6. Jahrtausend zurück verfolgt werden.

Die Anzahl der zum Volk der Chanten (Obugrier) gehörenden Menschen wird mit etwa 22.500 gezählt (1989). Die Mansen (Vogulen) umfassen ca. 8500 Menschen (1989). Davon beherrschen noch etwa 35% die eigene Volkssprache. 1930 kam es zu Massakern an Mansen, bei denen viele erwachsene männliche Mansen ermordet wurden.

Öl- und Gasförderung gefährden heute in hohem Maße die Lebensgrundlage der beiden Völker.


Etnische Verbreitung in Westsibirien:
Finnen: 1. Samen
Ugrier: 2. Chanten, 3.Mansen
Samojaden: 4.Nensen

 

André Schulz/20.4.2002

 

 


Themen Poikovsky
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