ACO-Amateur-Weltmeisterschaft auf Kos

von Bettina Trabert
21.05.2015 – Unter dem Titel ACO-Amateur-Weltmeisterschaft organisiert die ACO Schachturniere an attraktiven Urlaubsorten, zum Beispiel auf Kos. Die Teilnehmer spielten in sieben Gruppen, gestaffelt nach Elo. Sieger der höchsten Spielklasse wurde Thomas Pähtz. Bei der Siegerehrung wurden alle (!) Telnehmer geehrt. Den meisten Applaus erhielt allerdings der Koch des Hotels. Mehr...

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Reise nach Kos

Als uns relativ kurzfristig eine Einladung nach Kos ins Haus (bzw. in die Mailbox) flatterte –für die ACO-Amateuer-Weltmeisterschaft wurde noch ein Großmeister-Trainer gesucht – entschieden wir uns kurz entschlossen, alle drei zu fahren: Spyridon Skembris sollte die Partien analysieren und ein paar Vorträge halten, und unser 5-jähriger Sohn Simon freute sich, mal eine andere griechische Insel kennen zu lernen als Korfu, die Heimatinsel seines Papas.

Kos empfing uns mit bedecktem Himmel, recht kühlem Wind und einem menschenleeren, kilometerlangen Sandstrand.

Aber dies sollte auch die einzige Eintrübung bleiben – für den Rest der Woche zeigte sich das Maiwetter von der schönsten Seite: Sonnig, nicht zu heiß, das Meer noch frisch, aber schon warm genug zum Baden – kurzum perfekt für einen Urlaub am Mittelmeer. Auch das 5-Sterne-Hotel „Helona Resort“ am südlich gelegenen Kap Helona ließ kaum Wünsche offen.

Die Qual der Wahl: Pool oder Meer?

Ach ja, da war ja noch das Schach! Als wir abends ankamen, war die erste Runde bereits gespielt und im Turniersaal ein Blitzturnier im Gange, mit gleichzeitiger Übertragung des Fußballspiels Bayern-Barcelona auf großen Leinwänden. Einige spielten Schach, andere sahen Fußball, die übrigen taten beides…

Die ACO „Amateur Chess Organization“ mit Sitz in Stuttgart ist erst wenige Jahre alt und richtet sich an alle Amateure, die ja den allergrößten Teil aller Schachspieler ausmachen. Neben Trainingsangeboten und kleineren Turnieren ist der Hauptpunkt des Programms die alljährliche Amateur-WM, die diesmal zum vierten Mal stattfand. In den letzten Jahren wurde sie in Dubai, Kreta und Rhodos ausgetragen und ist seitdem im Umfang gewachsen: Rund 240 Teilnehmer aus 27 Ländern waren diesmal am Start. Der größte Teil kam aus Deutschland und anderen mitteleuropäischen Ländern, aber einzelne Spieler waren auch von weither, z.B. aus Australien, Argentinien, USA und Indien angereist.

Inspiriert vom Ramada-Cup wurde in sieben Ratinggruppen gespielt: Bis 2400, 2200, 2000, 1800 usw. Der Vorteil ist offensichtlich: Dass auch Spieler mit einer kleineren Elozahl gegen etwa gleichstarke spielen und eben auch mal ein Turnier gewinnen können. Ausgewertet werden die Turniere in DWZ, aber nicht in Elo – die FIDE stört sich an dem Begriff der Weltmeisterschaft und wertet das Turnier nicht aus. Doch weder Teilnehmer noch Organisatoren ließen sich dadurch stören, manche fanden es sogar ganz gut, mal ohne den Blick auf die Elozahlen befreit aufspielen zu können. Und dass der eigentliche Weltmeister aus Norwegen kommt, bezweifelt natürlich auch keiner.

Die Idee, Schach und Urlaub im gehobenen Rahmen miteinander zu verbinden, schien für alle Beteiligten perfekt aufzugehen. Die Reise und der Aufenthalt in einem 5-Sterne-Hotel sind natürlich nicht ganz billig, aber dafür bekamen die Teilnehmer auch eine erstklassige Organisation geboten sowie einige Extras, die es in anderen Turnieren normalerweise nicht gibt. So konnte jeder, der wollte, seine Partie direkt mit einem Großmeister analysieren: Spyridon stand bzw. saß dafür in jeder Runde direkt vor dem Turniersaal bereit, sobald die ersten Partien beendet waren. Jeden Abend gab es dann entweder Blitzturniere, ein Simultan oder GM-Vorträge zu verschiedenen Themen.

Partieanalyse im kleinen Rahmen. Bei den abendlichen Vorträgen waren bis zu 90 Spieler da – das erlebt man bei Schachvorträgen selten.

All dies war für die Teilnehmer kostenlos, aber natürlich nicht verpflichtend. Etwa die Hälfte der Teilnehmer war mit Begleitung angereist, und manche zogen es vor, den Abend gemütlich zu verbringen. Das nicht zu große Hotel war so gut wie vollständig von den Schachspielern inkl. Begleitung belegt, was zu einer sehr familiären Atmosphäre beitrug, und man hatte den Eindruck, dass viele Freundschaften aufgefrischt bzw. neue geknüpft wurden. Im Großen und Ganzen gefiel es allen so gut, dass die Organisatoren bei der Siegerehrung ankündigten, nächstes Jahr etwas ganz Neues zu machen: Nämlich das Turnier wieder am gleichen Ort zur gleichen Zeit auszutragen!

Apropos Siegerehrung: Zum ersten Mal habe ich es bei einem Turnier solcher Größe erlebt, dass ALLE Spieler auf die Bühne gebeten wurden und sowohl Applaus als auch eine Teilnahmeurkunde bekamen. Geehrt wurden auch die am weitesten gereisten Spieler sowie die ältesten und jüngsten Teilnehmer (84 bzw. 7 Jahre). Einen riesigen Applaus bekam auch der Chefkoch des Hotelrestaurants. Gewürzt mit einigen Geschichten und Anekdoten blieb die Siegerehrung auch kurzweilig: Da war zum Beispiel Nikolay Gutsulyak in der Gruppe G aus einem kleinen russischen Ort, der bisher nur im Internet gespielt hatte und noch nie an einem Turnier teilgenommen hatte! Zu Anfang fragte er, wie die Uhr funktionierte, was Schweizer System sei, usw. Und – er gewann sein Turnier mit 9 aus 9!

Der Argentinier Antonio Maset startete schon vor zwei Jahren in Gruppe E und damals sagte er vor dem Turnier, er wäre froh, wenn er wenigstens eine Partie gewinnen könnte: Das tat er, und nicht nur eine: Er gewann das Turnier damals in Kreta, ebenso wie in diesem Jahr in Kos!

In Gruppe B gewann WGM Carla Heredia Serrano aus Ecuador vor der auch hier fast ausschließlich männlichen Konkurrenz.

Dünn besetzt war diesmal die A-Gruppe (bis Elo 2400) mit nur vier Spielern, darunter drei Titelträgern. GM Thomas Pähtz, Vater der Großmeisterin Elisabeth Pähtz, holte hier einen weiteren Titel in die Familie. Übrigens kamen alle sieben Gruppensieger aus sieben verschiedenen Ländern!

Alle Sieger: Von links: Antonio Maset (ARG), Thomas Pähtz (GER), Kim Heiner-Larsen (DEN), Nikolay Gutsulyak (RUS), Carla Heredia Serrano (ECU), Ojars Petersons (LAT), Michal Redzisz (POL)

 

Ein paar Eindrücke aus dem Turniersaal:

Das überschaubare Turnier A – jeweils mit Weiß vorne Thomas Pähtz, hinten Vasilios Sarantos, diesmal der einzige Grieche bei dieser Meisterschaft.

Carla Heredia Serrano aus Ecuador gewann die stark besetzte B-Gruppe.

Einstein alias Günther Fiebig

Ein zukünftiger Großmeister?

Die jüngste Teilnehmerin (7 Jahre). Kinder und Jugendliche waren diesmal weniger da, weil es im Mai leider nirgendwo Schulferien gibt.

Die jüngsten – Simon (5) und Lionel (6) trainieren draußen vor dem Turniersaal.

Am spielfreien Tag wurde eine Inselrundfahrt angeboten. Zunächst ging es zum Asklepieion, der berühmtesten Sehenswürdigkeit auf Kos.

Das Heiligtum des Asklepios war in der Antike eines der wichtigsten Heilstätten und machte Kos zu einer Art Wallfahrtsort für Kranke. Viel ist von den alten Gebäuden leider nicht erhalten, aber man bekommt dennoch einen Eindruck von der Größe und Konzeption der antiken heiligen Stätte. Übrigens kam auch der berühmte Arzt Hippokrates, der ein bedeutendes Stück Medizingeschichte schrieb, von der Insel Kos.

Im Gegensatz zu vielen umlegenden Inseln besitzt Kos Süßwasserquellen. Dieser hier wurde eine Heilwirkung zugeschrieben.

Die Ruhe und schöne Umgebung wirkt auch heute noch heilsam.

Weiter ging es zur nahe gelegenen Stadt Kos, der Hauptstadt der Insel.

Die Türkei scheint hier zum Greifen nahe…

Und die fast 400 Jahre türkischer Herrschaft haben ihre Spuren hinterlassen. Eine von zwei erhaltenen Moscheen (heute allerdings sind hier Cafés oder Souvenirläden angesiedelt).

Die „Platane des Hippokrates“ ist wohl doch nicht ganz so alt, dass Hippokrates hier doziert haben könnte.

Schließlich ging die Fahrt noch in die Berge. Das Dikeos-Gebirge erhebt sich 846 Meter über den Meeresspiegel. Viele der Bergdörfer sind heute verlassen, ein großer Teil der Einwohner ist aufs Festland oder in die Küstenorte gegangen.

Ein paar der Dörfer wurden auch als Touristenorte herausgeputzt, wie hier in Zia, wo sich ein Andenkenladen an den nächsten reiht. 90 Prozent der Koer leben heute vom Tourismus.

Kos ist eine grüne Insel, aber von der Landwirtschaft lebt heute kaum noch einer. Doch die meisten einheimischen Familien besitzen auch heute noch mehr oder weniger viele Olivenbäume, aus denen auf traditionelle Weise Öl gewonnen wird. Schließlich ist Olivenöl eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel in Griechenland.

Einen Eindruck von der einheimischen Kultur bot auch der Griechische Abend mit Musik und Tanz auf der Hotelterrasse.

Zuerst tanzten die Profis…
 

 … dann auch alle anderen.
 

Das Organisationsteam, von links: Tobias Hirneise, Falko Bindrich, Lothar Hirneise und Jens Hirneise.

Familie Hirneise ist übrigens auch sonst im Schach aktiv und hat seit Anfang des Jahres auch die Herausgabe der Zeitschrift „Rochade“ übernommen. Der Termin für die nächste Amateur-WM steht übrigens schon fest, und zwar vom 7.-16.5.2016. Dann soll es noch weitere Ausflugsangebote geben, z.B. auf die nahe gelegene Vulkaninsel Nissiros, aus deren begehbarem Vulkankrater auch heute noch Schwefeldämpfe aufsteigen.

Diese Partie ist wohl remis ausgegangen und die Spieler sind ins Meer gesprungen?! Die Berge im Hintergrund gehören zur Insel Nissiros.

Alle mal winken – bis zum nächsten Mal!

Turnierseite...

 



Bettina Trabert, seit 2000 WGM, nahm an mehreren Jugendweltmeisterschaften teil und spielte an fünf Schacholympiaden und zwei Mannschaftseuropameisterschaften für Deutschland. Für die ChessBase Nachrichtenseite hat sie bereits eine Vielzahl von Turnierberichten verfasst.
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