Alexander Roschal gestorben

22.05.2007 – Nach kurzer schwerer Krankheit verstarb gestern Alexander Roschal. Vor fast 40 Jahren hatte Roschal zusammen mit Tigran Petrosian das wöchentliche Schachmagazin "64" gegründet, das sich im Laufe der Zeit, besonders nach dem Aufstieg von Anatoly Karpov, zu einem der beliebtesten Schachmagazine der UdSSR entwickelte. Nach dem Zerfall  der Sowjetunion übernahm Roschal das Magazin und verlegte es selbst. Roschals Vater wurde unter Stalin hingerichtet, seine Mutter verbrachte 18 Jahre im Lager und im Exil. Er lernte sie erst im Alter von neun Jahren kennen. Dennoch prägte ihn seine Liebe zu seiner Heimat "Ich bin ein russischer Jude!" Alexander Rochal wurde 71 Jahre alt. Mehr...

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Zum Gedenken an Alexander Roschal
(26.08.1936-21.05.2007)



Geboren 1936 gründete Alexander Roschal 1968 als junger Schachtrainer zusammen mit Tigran Petrosian das wöchentlich erscheinende Schachmagazin "64". Bald gab er alle Ambitionen als Spieler und Trainer auf, um sich ganz dem Schachjournalismus zu widmen. "64" wurde eines der populärsten Schachmagazin in der UdSSR. Und da Schach in der UdSSR eine ausgesprochen wichtige Rolle innehatte, war "64" ein ausgesprochen wichtiges Magazin.


Roschal mit Igor Botvinnik

Um so mehr wurde Alexander Roschal 1972 gerügt, als er dort Kurzgeschichten des in der UdSSR verfemten Dissidenten Vladimir Nabakov veröffentlichte. Dennoch war Alexander Roschal gegenüber dem Kommunismus und der UdSSR nicht wirklich kritisch eingestellt - dies, obwohl Roschals Vater 1937 verhaftet - Alexander wurde an diesem Tag gerade ein Jahr alt - und später hingerichtet worden war und Roschals Mutter insgesamt 18 Jahre in einem Lager und im Exil verbracht hatte. Dem jungen Alexander war es nur vergönnt, zwischen seinem neunten und sechzehnten Lebensjahr zusammen mit seiner Mutter zu leben. Eines der Vergehen von Roschals Vater hatte darin bestanden, eine der ersten schriftlichen Verfassungen eines möglichen Staates Israel schriftlich zu formulieren.

Alexander wuchs zunächst bei seiner Großmutter auf, ohne vom Schicksal seiner Eltern zu wissen. Da sie befürchteten, Alexander würde als Feind der Sowjetunion das gleiche Schicksal erleiden wie seine Eltern, sprachen die Familie nur in Yiddisch und hinter vorgehaltener Hand über die Vorgänge im Zusammenhang mit Alexander Roschals Eltern. Erst später fand Roschal kritische Schriften seines Vaters und erfuhr von dessen Schicksal.


Jussupow und Roschal

Als Alexander schließlich neun Jahre alt war, fuhr sein Onkel mit ihm nach Kasachstan. Dort wartete seine Muter am Bahnhof. Sie stiegen aus und sein Onkel sagt zu ihm: "Geh - das ist deine Mutter!"

Allein der Name "Stalin" habe ihn erschauern lassen, sagte Roschal später im Interview. Doch die Dinge änderten sich in der Ära von Leonid Breschnew. Roschal arbeitete nun als Schachkorrespondent für mehrere Magazine, Zeitungen, Radio und die Agentur Tass. Seine beste Zeit hatte er, als Anatoly Karpov sich 1975 anschickte, den Schachthron zu erobern. Er begleitete den kommenden Weltmeister das erste Mal 1975 bei einer Promotion-Tour durch Italien und war auch 1978 und 1981 bei den WM-Kämpfen an dessen Seite, um für die russische Schachöffentlichkeit von den Ereignisse zu berichten.

Im Interview, dass er Nezavisimaya Gazeta gab und das später bei Chess Café erschien, betonte der Roschal, der in einem Ghetto aufwuchs,  die Liebe zu seinem Heimatland Russland: "Ich bin russischer Jude. Ich wurde russisch erzogen." Anders als viele andere russische Juden, die der Einladung nach Israel folgten, blieb Roschal in Russland.


Roschal im Gespräch mit Kramnik

Nach dem Auseinanderfallen der UdSSR wurde "64" eingestellt, doch Alexander Roschal reanimierte das Magazin, privatisierte es und gab es nun selber heraus. In den folgenden Jahren besuchte er als "Grandseigneur" des russischen Schachs mit besten Kontakten in der russischen Schachszene viele Turniere. Außerdem vergab er einen jährlichen Schachoscar für den herausragenden Spieler des Jahres, gewählt von den Schachjournalisten der Welt.

Alexander Roschal starb am 21. Mai 2007 an Bauchspeicheldrüsenkrebs.

 

André Schulz

 

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