Anton Smirnov: Schachtalent

von James-Satrapa
25.06.2014 – Anton Smirnov, Jahrgang 2001, lebt in Australien und gilt als eines der größten Talente der Welt. Seine Erfolge haben den Australischen Schachverband zu einem mutigen Schritt veranlasst: Im August spielt Smirnov bei der Schacholympiade in Tromsø für Australien. James Satrapa hat die steile Schachkarriere des Jungtalents verfolgt. Mehr...

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Anton Smirnov: Wunderkind

Anton Smirnov 2014 (Foto: Eric Lippey)

Anton Smirnov lebt mit seiner Familie im australischen Sydney und das Schach liegt ihm im Blut, denn sein Vater, Vladimir Smirnov, ist IM. Anton war vier Jahre alt, als sein Vater ihm die Regeln des Spiels beigebracht hat und nur wenige Monate später gewann Anton die australischen U8-Meisterschaften. Da war er fünf. Ein Jahr später sammelte er bei der U8-Weltmeisterschaft in der Türkei erste internationale Erfahrungen. Mit 6,5 Punkten erzielte er das beste Ergebnis aller 6-jährigen. Insgesamt nahm Anton drei Mal an den U8-Weltmeisterschaften teil und 2009, beim dritten Anlauf, landete er auf dem geteilten zweiten Platz.

Smirnovs rasche Fortschritte zeigten sich auch in Australien, wo er bald sogar Titelträgern gefährlich wurde. So spielte er 2009 beim Australian Young Masters Turnier Remis gegen FM Gene Nakauchi und besiegte FM Junta Ikeda (der mittlerweile IM ist) beim gleichen Turnier 2010. Ein Jahr später, 2011, landete Smirnov als 10-jähriger beim Australasian Young Masters mit 5,5 aus 9 auf dem geteilten vierten Platz. Anfang 2012 wurde Smirnov beim Australian Junior U18 Open mit 7,5 geteilter Zweiter. Ein Jahr später stand er beim gleichen Turnier eine Runde vor Schluss bereits als Sieger fest - ein erstaunliches Ergebnis für einen 12-jährigen!

Der 12-jährige FM Anton Smirnov

Mit 10 nahm Smirnov das erste Mal an den Australischen Landesmeisterschaften der Herren statt. In einem Feld mit 30 Teilnehmern startete er als Nummer 25 der Setzliste und landete am Ende mit 5,5 aus 11 (+3 -3 =5) auf dem geteilten zwölften Platz. 2013 wurde er bei der Landesmeisterschaft von New South Wales Dritter und wenig später holte er sich beim Zonenturnier Ozeaniens den FM-Titel. Bei den Australischen Meisterschaften sorgte er Janur 2014 beinahe für eine Sensation: Vor der elften und letzten Runde lag er auf dem geteilten ersten Platz und hätte mit einem Sieg in der Schlussrunde im Alter von 12 australischer Meister werden können. Aber er unterlag IM Max Illingworth, der das Turnier gewann. Smirnov landete mit 7 aus 11 auf dem geteilten fünften Platz.

Illingworth gegen Smirnov, die entscheidende Begegnung bei der Australischen Meisterschaft 2014

Seine ersten Elo-Wertungen erzielte Anton 2008 bei der U8-Weltmeisterschaft und beim Ford Memorial Open in Sydney. Hier ist er regelmäßig dabei und 2011 gewann er das Turnier vor 69 weiteren Teilnehmern mit 8 aus 9 und wurde damit zum jüngsten Sieger aller Zeiten. Auf Platz zwei landete FM Gregory Canfell, den er in der Direktbegegnung besiegen konnte.

Das Sydney International Open (SIO) 2009 war das erste internationale Open, an dem Smirnov teilnahm, und bei diesem Debüt kam er auf ein solides Ergebnis von 3,5 Punkten aus 8 Partien. Weitere gute Ergebnisse erzielte er beim City of Sydney Open 2010 und beim Doeberl Cup 2010 in Canberra. 2011 nahm er am Australian Open teil, im gleichen Jahr spielte er auch beim Aeroflot Open in Gruppe C und beim Moskau Open in Gruppe E. Seine Ergebnisse waren nicht überragend, aber brachten ihm weitere Elo-Punkte ein.

Im September 2012 landete er beim John Purdy Memorial Open 2012 zusammen mit Michael Morris mit 8 aus 9 auf dem geteilten ersten Platz, und Ende 2012 gewann der erst 11-jährige das Australian Masters mit 6 aus 9. Das brachte ihm einen Elo-Gewinn von 47 Punkten und mit seinem Gewinn gegen IM James Morris seinen ersten Sieg gegen einen IM überhaupt. Für seine Erfolge verlieh ihm der Australische Schachverband 2012 die Arlauskas-Medaille (als bester australischer Jugendspieler des Jahres).

 

Das Finish der Partie zwischen GM Vasily Papin und FM Anton Smirnov bei der Australischen Blitzmeisterschaft 2014

Nach ein paar kleineren Rückschlägen zeigte Smirnov beim Doeberl Cup 2013 und beim Sydney International Open wieder gute Leistungen (in Sydney holte er seine erste IM-Norm und gewann das erste Mal gegen einen Großmeister, Rajaram R. Laxman). Diese Erfolge brachten ihm weitere 89 Elo-Punkte und Ende des Jahres war er damit offiziell der beste U12 der Welt. Seine zweite IM-Norm holte Smirnov im Oktober 2013 beim Indonesian Open, die zweite IM-Norm verpasste er beim Australasian Masters GM-Normenturnier in Melbourne nur knapp. Ende 2013 lag Smirnovs Elo-Zahl bei 2318 - damit hatte er in nur 12 Monaten 160 Punkte gewonnen.

Mit einem guten Ergebnis beim Easter Doeberl Cup startete Smirnov gut in das Jahr 2014. Ohne seine Schlussrundenniederlage gegen Moulthun Ly hätte Smirnov eine weitere IM-Norm erzielt.

Elo-Fortschritt

(Quelle: FIDE)

Doch wie geht es weiter? Natürlich muss Smirnov darauf achten, die Schule nicht zu vernachlässigen. Konkrete Ziele, wann er IM oder GM werden will oder welche Titel er holen möchte, hat er sich nicht gesetzt. Er vertritt die Meinung, dass Titel und Normen sich ganz von alleine einstellen, wenn er sich darauf konzentriert, sein Spiel zu verbessern. Irgendwann wird er auf Schul- und Jugendturnieren in Australien allerdings keine adäquaten Gegner mehr haben und Turniere in aller Welt spielen, um sich zu verbessern. Wie wichtig solche Turniere sind, hat auch der Australische Schachverband erkannt, der für die Olympiade in Tromsø ganz auf die Jugend setzt und das jüngste Team aller Zeiten nominiert hat. So geht Anton im August in Norwegen für Australien an den Start.

Von den aktiven Spielern beeindruckt Magnus Carlsen Smirnov am meisten. Wegen seiner zahlreichen Erfolge wie den Gewinn der Weltmeisterschaft und das Erreichen der höchsten Elo-Zahl aller Zeiten. Aus ähnlichen Gründen ist auch Garry Kasparov, der lange Zeit Schachweltmeister und die Nummer eins der Weltrangliste war, Smirnovs absoluter Lieblingsspieler. Was das Training betrifft, so löst Smirnov gerne Studien und Taktikaufgaben und arbeitet an seinen Eröffnungen. Er blitzt gerne im Internet, wo er auch gelegentlich Trainingspartien mit einer Bedenkzeit von 25+10 spielt. Sein Lieblingsschachbuch ist Ivashchenkos Manual of Chess Combinations, seine Lieblingsschachseite im Internet ist Chessbase.

Auf die Frage nach seinem größten Durchbruch, antwortete er: "Als ich sechs war, habe ich gelernt, mit Springer und Läufer Matt zu setzen. Am Ende habe ich dafür nicht einmal eine Minute gebraucht."

Körperlich fit hält sich Smirnov mit Schwimmen, Tennis und Tischtennis. Außerdem geht er für seine Schule als Läufer an den Start.



James Satrapa stammt aus Australien und hat in jedem Staat des Landes gelebt und gearbeitet. Früher hat er leidenschaftlich gern an Vereins- und Staatsmeisterschaften teilgenommen, aber nach etlichen Niederlagen gegen junge Spieler, die kaum übers Brett schauen konnten, zieht er die Annehmlichkeiten des Internetschachs und des Schreibens vor.
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