Bilderrätsel

von Dr. Franz Hager
15.09.2014 – Immer wieder taucht Schach auf Bildern, in der Literatur, in Film und Werbung auf. Oft als Symbol für Klugheit und die Fähigkeit zum strategischen Denken. Das hat Tradition und war schon vor Jahrhunderten so. Aber nicht immer weiß man, wer auf alten Bildern eigentlich Schach spielt und was das bedeutet. Franz Hager hat nachgeforscht. Mehr...

ChessBase 14 Download ChessBase 14 Download

ChessBase 14 ist die persönliche Schach-Datenbank, die weltweit zum Standard geworden ist. Und zwar für alle, die Spaß am Schach haben und auch in Zukunft erfolgreich mitspielen wollen. Das gilt für den Weltmeister ebenso wie für den Vereinsspieler oder den Schachfreund von nebenan.

Mehr...

 

Bilderrätsel

Ölgemälde um 1550: Wer ist der rechte Spieler? (Jan Cornelisz Vermeyen, Holz, 65 x 92 cm (Gotha, Schloßmuseum, Inv.-Nr. 751/705))

Weder im Museum in Gotha noch bei sonstigen kulturhistorischen Beschreibungen dieses Gemäldes oder auch in Schachpublikationen wird der Name des rechten, am Zug befindlichen Spielers genannt. Wer ist dieser "Bewacher" in spanischer Montur? Das Gemälde wird Jan Cornelisz Vermeyen zugeschrieben und soll zwischen 1548-1554 entstanden sein. Die Figur links ist eindeutig der Kurfürst von Sachsen, der Protestant Johann Friedrich der Großmütige (1503-1554).

Nach der Niederlage der deutschen Protestanten bei der Schlacht von Mühlberg, die sich unter Führung von Johann Friedrich von Sachsen und Phillip von Hessen im Schmalkaldischen Krieg 1547 gegen den katholischen "spanisch"-deutschen Habsburger Kaiser Karl V. aufgelehnt hatten, empfing der Aufrührer Johann Friedrich gottesfürchtig sein Todesurteil. Dabei soll er mit seinem Mitgefangenen Herzog Ernst von Braunschweig unerschrocken weiter Schach gespielt haben. Letztendlich wurde Johann Friedrich dann aber doch nur inhaftiert und 1552 begnadigt.

Johann Friedrich gab das Bild, das ihn unerschrocken beim Schachspiel zeigt, während seines Aufenthaltes als Gefangener Kaiser Karls V. in Brüssel selbst in Auftrag. Wer ist aber der Ziehende, der die linke Hand zur Vorsicht am Schwert hält? Johann Friedrichs Mitgefangener Herzog Ernst kann es wohl nicht sein.

Weder im Museum von Gotha noch bei sonstigen Beschreibungen dieses Bildes wird der Name dieser Figur erwähnt. Auch Gerhard Josten geht in seinem hervorragend zusammengestellten und analysierten Werk "Schach auf Ölgemälden", in dem er zahlreiche Schachgemälde mit Hilfe einer Kunsthistorikerin detailliert darstellt, von einem "spanischen Bewacher" aus. Anfangs erhoffte ich einen der frühen Schachmeister des 16. Jahrhunderts auf dem Gemälde zu erblicken. Zum Beispiel wäre ein Abbild des Spaniers Ruy Lopez des Segura (1530-1580), des Namensgebers der Spanischen Eröffnung, eine schachliche Sensation gewesen.

Ruy Lopez auf finnischer Briefmarke

Vom Alter her würde das in etwa hinkommen. Doch dann tippte ich auf einen der führenden Kriegsteilnehmer, den spanischen Herzog der Niederlande, von Alba. Dafür scheint der Spieler aber doch etwas zu jung. Aber eigentlich ist die Figur auf dem Bild oben unverkennbar! Der junge Mann, der gegen Johann Friedrich von Sachsen Schach spielt, ist eindeutig Erzherzog Ferdinand II. von Tirol, Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies, der Sohn des späteren deutschen Kaisers, des Habsburgers Ferdinand I. Wenn man annimmt, dass Vermeyen das Bild im Jahre 1550 angefertigt hat, wäre Erzherzog Ferdinand II. zu diesem Zeitpunkt ca. 23 Jahre alt gewesen.

Erzherzog Ferdinand war damals Statthalter (Vizekönig) von Böhmen und griff von dort aus in den Schmalkaldischen Krieg ein. Das Bild könnte somit auf den von ihm gemachten ersten Zug verweisen. Vielleicht aber verdankt der Sachse Johann Friedrich, der auf dem Bild zu sehen ist, Erzherzog Ferdinand II aber auch seine Begnadigung? Oder das Bild soll die jugendliche Kraft der siegreichen Habsburger symbolisieren?

Ferdinand II. von Tirol (geboren am 14.6.1529 in Linz, gestorben am 24.1.1595 in Innsbruck)

Ferdinand II. war Erzherzog von Österreich und von 1547 bis 1567 Statthalter (Vizekönig) in Böhmen. Ab 1564 bis zu seinem Tod 1595 war er regierender Landesfürst (gefürsteter Graf) in Tirol mit seinen reichen Silbergruben um Schwaz und den österreichischen Vorlanden in Schwaben, wo er die Gegenreformation durchsetzte. Der kunstsinnige Ferdinand war mit der reichen bürgerlichen Augsburger Kaufmannstochter Philippine Welser (1527-1580) verheiratet. Die Ehe wurde aber nur unter der Bedingung der Verschwiegenheit genehmigt, die Kinder waren nicht erbberechtigt.

Ferdinand baute das Schloss Ambras nahe Innsbruck aus, wo seine berühmte Kunst- und Wunderkammer untergebracht war. Diese beinhaltet auch ein übergroßes gold-silbernes Schachspiel, allerdings mit zusätzlichen Figuren. Und ein Glasschachbrett des 16. Jhd. aus der Innsbrucker Glasmanufaktur.

Vermeyens oben gezeigtes Bild ist nicht das einzige, das Johann Friedrich beim Schachspielen zeigt.

Vier Gemälde mit Szenen aus dem Leben Johann Friedrich des Großmütigen von Sachsen

Unbekannter Künstler: Schlacht bei Mühlberg und Gefangenschaft Johann Friedrichs I,
1. Drittel 17. Jh., Öl/Holz, 146 x 260 cm (Berlin, Deutsches Historisches Museum, Inv.-Nr. Kg 58/16).
Auch hier sieht man Johann Friedrich I beim Schachspiel.
Das Bild ist Teil einer Serie von vier Gemälden.

Dazu schreibt Elke Anna Werner: "Im Deutschen Historischen Museum in Berlin befinden sich vier Gemälde, die Szenen aus dem Leben des sächsischen Kurfürsten Johann Friedrichs I., dem Großmütigen, (1503-1554) zeigen. Die vier Tafeln schildern in 28 Szenen das Leben Johann Friedrichs I., der als letzter sächsischer Kurfürst aus der ernestinischen Linie der Wettiner eine wichtige Rolle in den politischen Wirren der Reformationszeit spielte. Im Zentrum stehen jedoch die Ereignisse des Schmalkaldischen Krieges, der von 1546 bis 1547 dauerte, und in dem Kaiser Karl V. gegen die protestantischen deutschen Fürsten, die sich im Schmalkaldischen Bund zusammengeschlossen hatten, kämpften."

Zitiert nach: Elke Anna Werner, DHM-Magazin, Heft 16, 6.Jahrgang, Berlin, Winter 1995/1996

Eine weitere Habsburgerin beim Schachspiel

Bei den Habsburgern des 16. Jahrhunderts (Erzherzog Ferdinand II. und seine Schwester Anna ) wurde Macht und Herrschaft offenbar künstlerisch mit Hilfe des Schachs symbolisiert. Diese Dominanz des Schachspiels als Herrschaftssymbol könnte auf die Burgunderlinie der Habsburger (Karl der Kühne war der Schwiegervater von Kaiser Maximilian) zurückzuführen sein.

Es ist allerdings immer ungewiss, ob die Abgebildeten tatsächlich Schach gespielt haben oder das Schach auf den jeweiligen Bildern nur Repräsentationszwecken diente. Wobei die Quellen bei Johann Friedrich dem Großmütigen dafür sprechen, dass er Schach gespielt hat.

1552 entstandenes Gemälde von Hans Mielich, das Anna,
Erzherzogin von Österreich (1528-1590), und ihren Gemahl
Herzog Albrecht V. von Bayern beim Schachspiel, zeigt.

Anna war die Tochter des Kaisers Ferdinand I. und die Schwester von Erzherzog Ferdinand II. von Tirol und wurde durch Heirat bayerische Herzogin.

Für weitere Schachgemälde siehe Gerhard Josten, Schach auf Ölgemälden, Books on Demand. 2006, ISBN 3-8334-5013-4.

 



Dr. Franz Hager ist Jurist, verheiratet, zwei studierende Kinder. Sein Interesse gilt neben der Geschichte des Salzburger Schachs.
Discussion and Feedback Join the public discussion or submit your feedback to the editors


Diskutieren

Regeln für Leserkommentare

 
 

Noch kein Benutzer? Registrieren