Bundesliga, Runde 5: "Beinahesensation" in Berlin

von Klaus Besenthal
06.02.2016 – Die Schachfreunde Berlin (Foto: Theo Heinze) waren nahe dran an der ganz großen Überraschung, doch letztlich wurde es nichts mit dem 4:4 gegen die übermächtige OSG Baden-Baden, weil Daniyyl Dvirnyy seinen Mehrbauern gegen Sergei Movsesian nicht verwerten konnte. Endstand: 4,5:3,5 für Baden-Baden. Die Tabellenführung ging an die SG Solingen, die den SK Norderstedt mit 7:1 abfertigte. (Foto: Theo Heinze) Mehr...

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Tabelle nach der 5. Runde (enthalten sind auch einige Begegnungen der 7. Runde):

 1. SG Solingen                12  36½ 
 2. OSG Baden Baden            12  34½ 
 3. SK Schwäbisch Hall         10  30½ 
 4. SV Hockenheim               8  29 
 5. SV Mülheim Nord             8  24½ 
 6. SV Werder Bremen            8  24 
 7. SK Turm Emsdetten           7  25 
 8. Hamburger SK                6  23½ 
 9. SC Hansa Dortmund           4  20 
10. Erfurter SK                 4  20 
11. FC Bayern München           4  18½ 
12. USV Dresden                 3  16½ 
13. SG Trier                    2  20 
14. SV Griesheim                2  19 
15. Schachfreunde Berlin        1  14½ 
16. SK Norderstedt              1  12 

Trier

Der erste Verein, der sich heute über zwei Mannschaftspunkte freuen konnte, war der Hamburger SK. Gegen die gastgebende SG Trier hatten Dimitrij Kollars und Sipke Ernst zwei Siege vorgelegt; nach einer Serie von Unentschieden stand es schließlich 4,5:2,5 für die Hamburger und es fiel nicht mehr ins Gewicht, dass Thies Heinemann sich gegen Miklos Galyas im Turmendspiel mit einem Minusbauern plagen musste und schließlich verlor. Der HSK kann also beruhigt der morgigen Auseinandersetzung mit der favorisierten SG Solingen entgegensehen. Trier hingegen mag sich grämen, doch das ändert nichts daran, dass man sicherlich morgen gegen den SK Norderstedt punkten wollen wird.

Nach einem noch klareren Sieg sah es in der anderen Begegnung in Trier aus: Die Solinger SG führte gegen Norderstedt schnell mit 4:0. Doch ein Blick auf die noch laufenden Partien zeigte, dass Norderstedt an drei Brettern besser stand - gegen Gegner mit mehr als 250 Elopunkten Übergewicht! Für eine Riesenüberraschung reichte es nach dem Remis zwischen Markus Ragger (Solingen, Elo 2695) und Simon Bekker-Jensen (Elo 2438) dann doch nicht - es stand 4,5:0,5 für Solingen. Eine kleine Überraschung war dieses Remis natürlich doch, und spannend blieb es in einem anderen Sinne ja weiterhin: In der Frage nämlich, ob Solingen die Tabellenführung würde an sich reißen können. Das gelang dann letztlich eindrucksvoll, denn es kippte nun eine Partie nach der anderen. Eine Ausnahme gab es aber doch noch: Das Remis zwischen Erwin l'Ami (Elo 2614) und Benedict Krause (Elo 2289). Endstand: Solingen 7, Norderstedt 1.

Erfurt

Eine Überraschung bahnte sich in Erfurt an, wo der bislang verlustpunktfreie SV Mülheim-Nord gegen den Erfurter SK früh in Rückstand geriet. Schuld daran war der Angriffssieg von Bernd Vökler (Erfurt) gegen den usbekischen GM Mihail Saltaev, der sich in der späten Eröffnungsphase zwei böse Schnitzer geleistet hatte. Zwar hatte Daniel Fridmann die Sache für die Mülheimer rasch ausgeglichen, doch nach einer weiteren Niederlage von Quinten Ducarmon gegen Franz Bräuer  stand es tatsächlich 4:3 für Erfurt und es war klar, dass die Mülheimer ihre weiße Weste verlieren würden. Weil Peter Enders (Erfurt) irgendwo gegen 21 Uhr ein schlecht stehendes Läuferendspiel gegen Michael Feygin doch noch retten konnte, gewannen die Erfurter am Ende gar mit 4,5:3,5.

 

Im zweiten Erfurter Kampf sah es anders aus, denn das favorisierte Schwäbisch Hall ging gegen den SC Hansa Dortmund früh in Führung und sammelte dann kontinuierlich Punkt für Punkt ein. Endstand: 5:3 für Schwäbisch Hall.

Berlin

Ungewöhnlich entwickelte sich der Kampf zwischen den Schachfreunden Berlin und dem haushohen Favoriten OSG Baden-Baden. Der deutsche Serienmeister hatte durch Francisco Vallejo Pons und Georg Meier zwei frühe Siege erzielt und es schien eigentlich alles klar zu sein. Nach einer Serie von Remisen stand es schließlich 4:2 für Baden-Baden - doch in den beiden verbleibenden Partien (Krämer - Bacrot und Dvirnyy - Movsesian) standen die Berliner gut. Ähnlich wie Konkurrent Solingen gegen Norderstedt sahen sich die Baden-Badener gegen das Co-Tabellenschlusslicht plötzlich mit ein paar Problemen konfrontiert. Und tatsächlich konnte Martin Krämer (Berlin) gegen Etienne Bacrot kurz danach einen vollen Punkt einfahren. Der Berliner hatte den Franzosen völlig überspielt. Es hätte jetzt die große Sensation werden können, denn Dvirnyy stand gegen Movsesian klar besser, doch letztlich fand der Italiener dann doch nicht die richtige Fortsetzung und musste die Stellung zum Remis abwickeln. Endstand: 4,5:3,5 für Baden-Baden - Blamage vermieden, aber die Tabellenführung war weg, weil im Kampf der Solinger gegen Norderstedt dann letztlich doch alles seinen gewohnten Gang nahm.

OSG Baden-Baden (Foto: Theo Heinze)

Schachfreunde Berlin (Foto: Theo Heinze)

 

Nicht weniger heftig umkämpft war die andere Begegnung in Berlin zwischen dem USV TU Dresden und Bayern München. Das 4:4 passte dann am Ende auch ganz gut - wegen des großen Kampfes ebenso, wie auch aufgrund der Tatsache, dass man im weiteren Sinne doch so etwas wie "Tabellennachbarn" gewesen war.

Bayern München (Foto: Theo Heinze)

USV TU Dresden (Foto: Theo Heinze)

Bremen

Nicht unbedingt eingeplant, aber auch nicht gänzlich überraschend war das 2,5:5,5 SV Werder Bremen gegen den SV Hockenheim. Zwei frühe Niederlagen an den Brettern 7 und 8 waren zu viel und ließen sich nicht mehr aufholen. Seiner Favoritenrolle voll gerecht wurde hingegen der SK Turm Emsdetten, der gegen den SV Griesheim zu einem ungefährdeten 5:3 kam. Es war zugleich der erste Kampf, der an diesem Nachmittag vollständig beendet wurde.

Begonnen hatte das Bundesligawochenende bereits am Freitag mit einer weiteren Begegnung der 7. Runde, in der die zu einem Pärchen zusammengefügten "Reisepartner" jeweils gegeneinander antreten müssen. Im Bremer Weserstadion war das am gestrigen Nachmittag ungestört möglich: Zwar mussten die Fußballer des SV Werder fast zeitgleich ebenfalls ein Bundesligaspiel bestreiten, doch fand dieses bekanntlich auswärts in Mönchengladbach statt. Reisepartner ist in der Regel der geographisch nächstgelegene Verein, und weil der Hamburger SK aus genau diesem Grunde bereits mit dem SK Norderstedt gemeinsam auf Reisen geht, haben die Bremer in der aktuellen Saison den SK Turm Emsdetten zugeteilt bekommen. Die kleine Stadt Emsdetten liegt ungefähr auf halber Strecke zwischen Osnabrück und dem niederländischen Enschede - also gar nicht weit entfernt von Bremen.

Beide Mannschaften hatten auf einige ihrer stärksten Spieler verzichtet, doch der SV Werder (2005 der letzte Deutsche Meister, der nicht Baden-Baden hieß) war dennoch besonders an den Brettern 2 bis 4 nominell etwas stärker besetzt, und dort wurde der Kampf dann auch entschieden: Luke McShane besiegte an Brett 2 Jorden van Foreest und Matthias Blübaum gewann an Brett 3 gegen Twan Burg. Alle anderen Partien endeten remis, so dass am Ende ein 5:3-Sieg für den SV Werder stand. Das bedeutete für die Bremer vor Beginn der 5. Runde Platz 4 in der Tabelle (8 Mannschaftspunkte), während Emsdetten mit weiterhin 5 Mannschaftspunkten nicht vom Fleck kam (Platz 7).

Partien der Runde 5:

 

Ergebnisse der 5. Runde:

Schachfreunde Berlin      3½-4½ OSG Baden Baden          
 1 Melkumyan,Hrant        ½ : ½ Kasimdzhanov,Rustam     6
 3 Kraemer,Martin         1 : 0 Bacrot,Etienne          8
 4 Schneider,Ilja         0 : 1 Vallejo Pons,Francisco  9
 6 Piorun,Kacper          ½ : ½ Naiditsch,Arkadij      10
 8 Dvirnyy,Daniyyl        ½ : ½ Movsesian,Sergei       12
 9 Sprenger,Jan Michael,D ½ : ½ Nielsen,Peter Heine    13
12 Berndt,Stephan         0 : 1 Meier,Georg            14
13 Baldauf,Marco          ½ : ½ Schlosser,Philipp      16
USV Dresden               4 - 4 FC Bayern München        
 2 Almasi,Zoltan          ½ : ½ Gabriel,Christian       2
 3 Gajewski,Grzegorz      ½ : ½ Bischoff,Klaus          3
 4 Bartel,Mateusz         1 : 0 Schenk,Andreas          4
 5 Socko,Bartosz          1 : 0 Fedorovsky,Michael      5
 6 Dziuba,Marcin          0 : 1 Dragnev,Valentin        7
 7 Maiwald,Jens-Uwe       ½ : ½ Belezky,Alexander       8
12 Neef,Maximilian        ½ : ½ Meister,Peter          11
15 Wegener,Dirk,Dr.       0 : 1 Schneider,Stefan       14
SV Werder Bremen          2½-5½ SV Hockenheim            
 1 Fressinet,Laurent      ½ : ½ Saric,Ivan              4
 2 Areshchenko,Alexander  ½ : ½ Balogh,Csaba            5
 3 McShane,Luke J         ½ : ½ Moiseenko,Alexander     6
 5 Bluebaum,Matthias      0 : 1 Buhmann,Rainer          7
 6 Edouard,Romain         ½ : ½ Baramidze,David         8
11 Werle,Jan              ½ : ½ Banusz,Tamas            9
12 Markgraf,Alexander     0 : 1 Braun,Arik             10
14 Meins,Gerlef           0 : 1 Rau,Hannes             13
SK Turm Emsdetten         5 - 3 SV Griesheim             
 2 Swiercz,Dariusz        ½ : ½ Izsak,Gyula             7
 8 Van Foreest,Jorden     ½ : ½ Grabarczyk,Miroslaw     8
10 Burg,Twan              ½ : ½ Farago,Ivan             9
12 Janssen,Ruud           1 : 0 Jarmula,Lukasz Andrzej 10
13 Fiebig,Thomas          1 : 0 Walter,Stefan          12
14 Zumsande,Martin        1 : 0 Schnitzspan,Lothar     15
15 Richter,Christian      0 : 1 Koehler,Ronald         16
16 van Foreest,Lucas      ½ : ½ Spitzl,Vinzent         17
SG Trier                 3½-4½ Hamburger SK             
 1 Erdos,Viktor           ½ : ½ Kempinski,Robert        3
 2 Lupulescu,Constantin   ½ : ½ Svane,Rasmus            5
 3 Parligras,Mircea-Emili 0 : 1 Ernst,Sipke             6
 4 Graf,Felix             ½ : ½ Cuenca Jimenez,Jose Fe 11
 5 Jaracz,Pawel           0 : 1 Kollars,Dmitrij        13
 7 Bobras,Piotr           ½ : ½ Carlstedt,Jonathan     14
11 Galyas,Miklos          1 : 0 Heinemann,Thies        15
13 Kolbus,Dietmar         ½ : ½ Sebastian,Dirk         16
SG Solingen               7 - 1 SK Norderstedt           
 2 Harikrishna,Pentala    1 : 0 Trent,Lawrence          2
 4 Ragger,Markus          ½ : ½ Bekker-Jensen,Simon     3
 5 L'Ami,Erwin            ½ : ½ Krause,Benedict         6
 6 Van Kampen,Robin       1 : 0 Polischuk,Viktor        9
 7 Smeets,Jan             1 : 0 Jochens,Arne           10
 8 Sandipan,Chanda        1 : 0 Michna,Christian       11
 9 Nikolic,Predrag        1 : 0 Meyer,Falko            13
13 Appel,Ralf             1 : 0 Kues,Hendrik           16
Erfurter SK               4½-3½ SV Mülheim Nord          
 1 Romanov,Evgeny         ½ : ½ Potkin,Vladimir         4
 2 Vovk,Andrey            ½ : ½ Tregubov,Pavel V.       5
 3 Mihok,Oliver           0 : 1 Fridman,Daniel          6
 5 Haba,Petr              ½ : ½ Landa,Konstantin        7
 7 Braeuer,Franz          1 : 0 Ducarmon,Quinten        9
 8 Machelett,Heiko        ½ : ½ Hausrath,Daniel        12
 9 Enders,Peter           ½ : ½ Feygin,Michael         13
10 Voekler,Bernd          1 : 0 Saltaev,Mihail         14
SK Schwäbisch Hall        5 - 3 SC Hansa Dortmund        
 2 Li,Chao                ½ : ½ Donchenko,Alexander     1
 3 Rodshtein,Maxim        ½ : ½ Mons,Léon               9
 7 Postny,Evgeny          ½ : ½ Zelbel,Patrick         10
 8 Cornette,Matthieu      ½ : ½ Pap,Misa               11
 9 Michalik,Peter         ½ : ½ Wegener,Olaf           13
11 Bai,Jinshi             1 : 0 Mainka,Romuald         14
13 Womacka,Mathias        ½ : ½ Kotter,Ralf            15
15 Raykhman,Alexander     1 : 0 Karger,Frank           16


Runde 7:

SV Werder Bremen          5 - 3 SK Turm Emsdetten        
 2 Areshchenko,Alexander  ½ : ½ Swiercz,Dariusz         2
 3 McShane,Luke J         1 : 0 Van Foreest,Jorden      8
 5 Bluebaum,Matthias      1 : 0 Burg,Twan              10
11 Werle,Jan              ½ : ½ Janssen,Ruud           12
12 Markgraf,Alexander     ½ : ½ Fiebig,Thomas          13
14 Meins,Gerlef           ½ : ½ Zumsande,Martin        14
16 Joachim,Sven           ½ : ½ Richter,Christian      15
17 Grigorian,Spartak      ½ : ½ van Foreest,Lucas      16

 

Fotos: Theo Heinze

 

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Klaus Besenthal ist ausgebildeter Informatiker und ein begeisterter Hamburger Schachspieler. Die Schachszene verfolgt er schon seit 1972 und nimmt fast ebenso lange regelmäßig selber an Schachturnieren teil.
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