Bundesliga: Schach in der Provinz

07.03.2007 – Am vergangenen Bundesligawochenende erreichten die Schachfreunde Berlin gegen Remagen mit einem 4:4 einen Achtungserfolg, der jedoch im Kampf gegen den Abstieg vielleicht nicht ausreichen wird. Als Vorletzter ist man zur Zeit vier Punkte vom rettenden 12.Platz entfernt. Zur Partie gegen Remagen waren die Berliner nach Köln-Porz gereist. Das klingt zwar nach Köln, ist aber in Wirklichkeit vom Kölner Stadtkern ein gutes Stück entfernt und liegt zudem auf der "schäl sick". Wenn Rainer Polzin seinen Bericht mit "Schach in der Provinz" übertitelt, spricht daraus jedoch nicht etwa Hauptstadtarroganz, sondern Unzufriedenheit über die Spielbedingungen. Berichte zur Bundesliga...Artikel bei Schachfreunde Berlin...Nachdruck....

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Schach in der Provinz
von Rainer Polzin

SC Remagen - SF Berlin 1903 4-4

Bundesliga spiele ich am liebsten in Berlin. Selbst wenn einmal nicht die großen Stars zu Gast sind kommen viele treue Zuschauer zu den Spielen. Einige von ihnen haben in den 10 Jahren, in denen wir Bundesliga spielen, keinen Mannschaftskampf verpasst. Sie fiebern mit und sorgen für gute Atmosphäre.

Köln ist die viergrößte deutsche Stadt und eigentlich sollten mehr als 20 Zuschauer zu Heimspielen des vielfachen Deutschen Meisters Porz kommen. Der tut allerdings auch vieles dafür, um Zuschauer zu vergraulen. Gespielt wird in einem ungemütlichen Raum, der auf einem alten Industriegelände untergebracht ist. Die Kabel baumeln von den Decken, immerhin wurden seit meinem letzten Besuch die alten Tapeten wieder festgeklebt. Als Spieler kann mich sich leider schlecht gegen solche Spielbedingungen wehren und muss versuchen, die zu kleinen Fenstervorhänge so hinzuzupfen, dass die Sonne nicht zu sehr blendet. Als Zuschauer kann man wegbleiben.

Der Wettkampf gegen Remagen begann für beide Mannschaften mit einer Überraschung: Denn mit der jeweiligen Mannschaftsaufstellung des Gegners hatte sicherlich keiner der Anwesenden gerechnet. Beide Mannschaften verzichteten auf ihre Spitzenbretter.

So kam es, dass schon in der Eröffnungsphase an einigen Brettern viel Zeit verbraucht wurde. Der Wettkampf entwickelte sich für uns sehr gut: Marco Thinius hatte nach einem doppelten Tempoverlust seines Gegners in der Eröffnung klaren Vorteil, Henrik Rudolf stand ausgangs der Eröffnung mit schwarz deutlich besser und auch ich konnte gegen die Aljechin-Verteidigung meines Gegners einigen Vorteil verbuchen. Ilja Schneider, Martin Borriss und Lars Thiede hatten hingegen mit leichten Problemen zu kämpfen.

Nach der Zeitkontrolle sah es dann auch gut für uns aus: Zwar hatte Lars Thiede verloren, aber durch Siege von Henrik Rudolf und mir lagen wir bei Remisen von Martin Borriss und Martin Krämer 3-2 in Front. Ilja Schneider hatte nur leichte Nachteile gegen Romuald Mainka und bald war das Remis unterschriftsreif. Marco Thinius stand inzwischen klar auf Gewinn und trotz der sich abzeichnenden Niederlage von Dirk Poldauf, der in Zeitnot aus guter Stellung einen Bauern verloren hatte, sah es nach einem 4,5-3,5 für uns aus.

Aber wie schon in einigen der vorangegangen Runden wollte uns auch an diesem Samstag in der fünften und sechsten Stunde nichts mehr gelingen: Marco Thinius ließ einige klare Gewinnmöglichkeiten aus und musste sich letztlich mit einem Remis begnügen.


SF Berlin 1903 - SG Porz 1-7

Die Geschichte dieses Mannschaftskampfes ist schnell erzählt: Ausgangs der Eröffnung hatte nur ich mit großen Problemen gegen Raffael Waganian zu kämpfen (die ich auch nicht mehr lösen konnte), an den übrigen Brettern war die Welt jedoch weitgehend in Ordnung. Nach zehn Jahren Bundesliga und zwei weiteren Pokalkämpfen gegen Porz wissen wir, was das bedeutet: Eine klare Niederlage. Weil irgendwann unweigerlich die Mehrzahl der Berliner Amateure gegen die Porzer Großmeistergarde umfällt.

Der Mannschaftskampf hatte allerdings zwei sportliche Highlights zu bieten:



Korneev (im Bild links) opferte gegen Thinus erst eine Figur und dann noch eine Qualität hinterher. Für den Minusturm hatte er zwei Bauern und ein mächtiges Läuferpaar. Die Computer zeigen beim Nachspielen zwar einen schwarzen Vorteil von ungefähr 1,5 Bauerneinheiten an, aber bei dem krassen Materialvorteil ist dieser vergleichsweise geringe Vorteil laut Computer ein untrügliches Zeichen dafür, dass der weiße Angriff durchschlagen wird. So kam es leider auch. Zur Analyse unbedingt empfohlen.



Bizarr verlief die Partie Schneider (im Bild rechts) gegen Sakaev. Im Caro-Kann mauerte der russische Großmeister in der Eröffnung seinen Läufer auf d7 mit Bauern auf a6, b7, c6, d5 e6 und f7 ein. Später opferte Weiß mit g6 einen Bauern. Schwarz frisst diesen mit seinem f-Bauern, muss in der Folge mit seinem Königsturm nach h6, kommt nicht zur Rochade, der Damenflügel zerfällt. Aber trotz dieser Grausamkeiten lebt er. Und gewinnt zum Schluss ein Leichfigurenendspiel nachdem er freiwillig unter Opfer von zwei Bauern dem Weißen einen gedeckten Freibauer verschafft hatte. Muss man nachspielen.

Letztlich schafften nur Lars Thiede und Henrik Rudolf ein Unentschieden.


Die Partien der Runden 10 und 11 mit Kommentaren von Rainer Polzin, Martin Borriss, Marco Thinius und Henrik Rudolf
zum Nachspielen (bei Sfr Berlin) ...


 

 

 

 

 


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