Carlsen wie Capablanca

von André Schulz
10.11.2014 – Bei Raul Capablanca, dem 3. Weltmeister, bewunderte man die große Leichtigkeit, mit der er Gewinnstellungen erreichte. Auf gleiche Weise kam gestern Magnus Carlsen zum ersten Sieg im WM-Kampf gegen Anand. Carlsen selbst schien nicht ganz zu verstehen, wie ihm das eigentlich gelungen war: "Eigentlich hatte ich nur eine leichte Initiative." Daniel King erklärt im Video, was passiert ist. Mehr...

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Optimaler Beginn für Magnus Carlsen, schlechter Start für Anand bei der Schach-Weltmeisterschaft 2014 in Sotchi. Der Verlauf der ersten beiden Partien erinnert an die letzte Weltmeisterschaft. Auch beim Wettkampf in Madras kam der Inder häufig gut aus den Eröffnungen, dann verlor er im weiteren Verlauf der Partien die Kontrolle und machte unter Druck grobe Fehler.

In der 1. Partie setzte Anand einen guten Aufschlag, begann mit 1.d4 und bedrängte Carlsen in dessen Grünfeld-Verteidigung aggressiv mit langer Rochade. Doch der Titelverteidiger hielt Anands kleine Initiative gut aus und übernahm im Schwerfigurenendspiel das Kommando. Bei etwas präziserem Spiel hätte Carlsen vielleicht schon die erste Partie gewinnen können.

 

Daniel King zur 1. Partie

 

In der 2. Partie ging Carlsen gleich mit 1.e4 offensiv zur Sache. Anand wählte 1..e5 und es entwickelte sich eine Anti-Berliner Variante mit 4.d3, nichts besonderes. Carlsen wich bald von allen Vorbildern ab, ist aber vielleicht einer tiefen strategischen Vorbereitung gefolgt. Die Züge a4, d4 und Ta3 folgen alle dem selben Plan, nämlich die weiße Streitmacht am Königsflügel zu versammeln. Mit Sh4-f5, Dh5 und Tg3 wurden die Drohungen konkret. Carlsen ließ sich Zeit und überlegte gar nicht lange an Opferangriffen. Sein Angriffsplan war strategischer Natur. Ganz langsam rollte er ein schweres Geschütz nach dem anderen vor den weißen Königsflügel, während Anand keinerlei Gegenspiel entwickelte. Unter dem Druck wickelte der Herausforderer in ein schlechtes Schwerfigurenendspiel ab, in dem Carlsen alle Trümpfe in der Hand hielt und einen nach dem anderen auch ausspielte.

Ganz zum Schluss stellte Anand die Partie mit einem groben Fehler ein, doch da stand er schon lange unter schwerem Druck und wusste, dass er die schwierige Partie auf Dauer wohl nicht halten würde. Wo hat er aber davor den entscheidenden Fehler gemacht? Mit Ausnahme des letzten Fehlers gab es in Anands Spiel keine schweren Fehler, besonders keine, die mit Schachengines festzustellen wären. Nach und nach verschlechterte sich seine Stellung immer mehr, oder aus der Sicht von Carlsen: Jeder Zug vergrößerte den weißen Vorteil. Alles, was Carlsen machte, hatte Hand und Fuß und war planvolles strategisches Spiel.

 

Daniel King erläutert die 2. Partie

 

Möglicherweise ist Anands Fehler psychologischer Natur. Er wollte mit Schwarz - nach alter Schule - auf Ausgleich spielen und geriet in eine rein positionelle Stellung, in der Carlsen seine gewaltigen strategischen Fähigkeiten ausspielen konnte. Der Norweger erinnert dabei stark an Capablanca. Auch der Kubaner erreichte mit großer Leichtigkeit Gewinnstellungen und hinterher wusste niemand so recht, wie ihm das eigentlich gelungen war.

Leontxo Garcia und Peter Doggers unter den Journalisten vor Ort

Entweder hat Anand sehr befangen gespielt oder er hat den weißen Aufmarsch völlig unterschätzt. Oder er ist dem Weltmeister auf strategischem Geläuf unterlegen, wie Kasparow meint. So gesehen war 1...e5 für dieses Match vielleicht nicht die beste Wahl. Wenn Anand Carlsen bedrängen will, muss er auch mit Schwarz aggressiv spielen und versuchen, die Partie in komplizierte taktische Gefilde zu lenken. Die nächsten Partien werden zeigen, zu welchen Schlüssen Anand gekommen. Morgen, um 13 Uhr MEZ, geht es weiter.

Die Berichterstattung im Netzt ist sehr ausführlich. So gut wie alle großen Zeitungen berichten auf ihren Internetpräsenzen. In Norwegen ist das Boulevard-Magazin VG Net am nächsten dran und veröffentlichte eine Video-Interview mit Carlsen, kurz nach der zweiten Partie.

Video bei VG Net

 

Carlsen selbst bediente seine Fans mit Meldungen auf Facebook und Twitter.

 

Die 2. Partie

 

 

 

Schach-Weltmeisterschaft 8. bis 27. November 2014, Sotchi

  Elo 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12   Stand
Magnus Carlsen 2863 ½ 1                       1,5
Anand Viswanthan 2792 ½ 0                       0,5

 

Alle Partien

 

 

 

 

Am Rande des WM-Kampfes gibt es eine Vielzahl von Rahmenveranstaltungen. Boris Spassky, ältester noch lebender Weltmeister (77 Jahre alt), stellte unter anderem ein neues Buch vor

Boris Spassky im Gespräch mit Anastasya Karlovich

Spassky, Ilyumzhinov, Filatov

Peter Svidler gibt Autogramme

Olga Girya spielt simultan

Ein echter Schachroboter

 

Fotos: Wettkampfseite

 

Die Weltmeisterschaft mit live Kommentaren auf Playchess:

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Presse:

 

Nach der 2. Partie
 

Schach-WM bei ChessBase: alle Berichte

Spiegel: Carlsen feiert ersten Sieg

Spiegel: Videoanalyse der 2. Partie

Kicker: Anand patzt

Neuer Zürcher Zeitung: Carlsen geht in Führung

Stern: Carlsens schlägt zu

N-tv: Anand wirft zweite Partie weg

T-online: Anand geht in Führung

Handelsblatt: Carlsen gewinnt zweite Partie

N24: Carlsen geht bei Schach-WM in Führung

Sportschau: Carlsen holt ersten Sieg

 

Nach der 1. Partie
 

Schach-WM bei ChessBase: alle Berichte

Spiegel online: Videoanalyse der 1. Partie

Spiegel: Auftakt der Schach-WM

Süddeutsche: Umkämpftes Remis

Süddeutsche: Carlsen reizt, Anand patzt

FAZ: Umkämpftes Remis

N-tv: Umkämpfter Auftakt

 

Vor dem Match

Deutsch:

Schach-WM bei ChessBase: alle Berichte

Schach-WM bei Spiegel-online

Spiegel: Die Schwarz-Weiß-Denker

Kicker: Carlsen setzt auf Höhentraining

Sportal: Mozart gegen Tiger...

Süddeutsche: Anand und Carlsen nehmen Platz

rp-online: Carlsen nicht mehr unbesiegbar

Kölner Rundschau: Carlsen tritt gegen Anand an

Neues Deutschland: Carlsen in neuer Rolle

Tagesspiegel: Die indische Verwandlung

n-tv: Carlsen unter Druck

Tagesspiegel: Die Rechenmonster greifen an

Deutsche Welle: Carlsen, eigenwilliges Genie

Handelsblatt: Schneller schlau

Sächsische Zeitung: Höhentraining am Brett

Thüringische Landeszeitung: Duell im olympischen Dorf

Standard: Die Revanche

Kurier: Vertauschte Rollen...

Stefan Kindermann zeigt die entscheidende Partie des letzen Matches (Süddeutsche)

Artikel über Anand bei Spox

 

International:

Interview mit Anand bei Firstpost

Artikel zum Match bei Firstpost

The Hindu: Less pressure on Anand

Times of India: have psychological edge over Anand: Magnus Carlsen

 

 

Live-Kommentare auf Schach.de

Alle Runden werden live auf dem Fritzserver in vier Sprachen in bewährter Weise von unserem Kommentatorenteam analysiert und kommentiert. Neben den üblichen deutschen und englischen Kommentaren wird es zum WM-Match Carlsen gegen Anand auch französische und spanische Live-Kommentare geben.

Spielplan, Kommentatorplan

  Deutsch Englisch Französisch Spanisch
08.11.2014
Runde 1
Thomas Luther Daniel King
Parimarjan Negi
Yannick Pelletier Ana Matnadze
Marc Narciso
09.11.2014
Runde 2
Oliver Reeh
Karsten Müller
Simon Williams
Nicholas Pert
Christian Bauer Sergio Estremera
10.11.2014
Ruhetag
Ruhetag      
11.11.2014
Runde 3
Markus Ragger
Harald Schneider-Zinner
Daniel King
Loek van Wely
Fabien Libiszewski Sergio Estremera
12.11.2014
Runde 4
Klaus Bischoff Daniel King
Rustam Kasimdzhanov
Romain Edouard Sergio Estremera
13.11.2014
Ruhetag
Ruhetag      
14.11.2014
Runde 5
Klaus Bischoff Simon Williams
Irina Krush
Sebastien Mazé Sergio Estremera
15.11.2014
Runde 6
Klaus Bischoff Daniel King
Yannick Pelletier
Fabien Libiszewski Sergio Estremera
16.11.2014
Ruhetag
Ruhetag      
17.11.2014
Runde 7
Klaus Bischoff Simon Williams
Loek van Wely
Sebastien Mazé Sergio Estremera
18.11.2014
Runde 8
Klaus Bischoff Daniel King
Loek van Wely
Romain Edouard Sergio Estremera
19.11.2014
Ruhetag
Ruhetag      
20.11.2014
Runde 9
Oliver Reeh
Merijn van Delft
Simon Williams
Irina Krush
Christian Bauer Sergio Estremera
21.11.2014
Runde 10
Oliver Reeh
Merijn van Delft
Daniel King
Simon Williams
Yannick Pelletier Ana Matnadze
Marc Narciso
22.11.2014 Ruhetag Ruhetag      
23.11.2014
Runde 11
Yannick Pelletier Chris Ward
Parimarjan Negi
Fabien Libiszewski Sergio Estremera
24.11.2014
Ruhetag
Ruhetag      
25.11.2014
Runde 12
Oliver Reeh
Karsten Müller
Simon Williams
Rustam Kasimdzhanov
Sebastien Mazé Sergio Estremera
26.11.2014 Ruhetag      
27.11.2014 Stichkampf      
         

 

 

 

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Unsere Kommentatoren:

Deutsch:
 

Klaus Bischoff
Deutscher Meister und "Anchorman" der deutschen Schachkommentierung

 

 

Oliver Reeh
Genannt "Taktik-Reeh". Allen deutschen Schachfreunden nicht nur durch seine wöchentliche TV-ChessBase-Sendung bestens bekannt.

 

Dr. Karsten Müller
Promovierter Mathematiker und Schachgroßmeister. Mit seinen Arbeiten zum Endspiel hat er das Endspieltraining revolutioniert

 

Thomas Luther
Der mehrfache deutsche Meister ist in der Behinderten-Kommission der FIDE aktiv

 

Merijn van Delft
Aus der Apeldoorner Schachlehrer-Dynastie der van Delfts. Lebt wechselweise in den Niederlanden und in Hamburg

 

Yannick Pelletier
Mehrfacher Schweizer Meister. Das sprachliche Multitalent kommentiert in jeder gewünschten Sprache

 

Markus Ragger
Großmeister und bester Spieler Österreichs

Harald Schneider-Zinner
Schachtrainer und Moderator von ChessBase TV Austria


Oder mögen Sie lieber englische Kommentare? Dann haben Sie die Möglichkeit  auf dem "Zweiten TV-ChessBase Programm" den Ausführungen von zahlreichen englischsprachigen Experten zu folgen.

Englisch

Irina Krush
Einzige Frau im Kommentatorenteam, mehrfache US-Meisterin

 

Daniel King
Der englische GM ist als TV-Schachmoderator in England so bekannt, dass Audi ihn einst sogar für einen Werbespot verpflichtet hat

 

Simon Williams
Englischer Großmeister, hat mit seinen beiden tollen Königs-Gambit-DVDs bei ChessBase eine Lücke gefüllt

 

Chris Ward
Drachenexperte und Schachkommentator

 

Niclas Pert
Großmeister, englischer Jugendtrainer und Autor einiger ausgezeichneter Fritztrainer-DVDs

 

Loek van Wely
Niederländischer Rekordmeister und schlagfertiger Schachkommentator

 

Parimarjan Negi
Der indische Großmeister war einst der jüngste Großmeister der Welt und hat sich gerade als Buch- und DVD- Autor hervor getan

 

Rustam Kasimdzhanov
Der FIDE-Weltmeister von 2004 war mehrfach Anands Sekundant bei dessen WM-Kämpfen

 


Wer mag, kann die Live-Kommentare auch in der Sprache Voltaires genießen

Französisch

Christian Bauer
GM, mehrfacher französischer Landesmeister und Nationalspieler

 

Fabien Libiszewski
IM und französischer Nationalspieler

 

Romain Edouard
GM, Jugendeuropameister und Jugendvizeweltmeister, französischer Nationalspieler

 

 

Sebastien Mazé
GM seit 2007 und französischer Nationaltrainer

Spanisch

Ana Matnadze

 

Marc Narcisco

 

Sergio Estremera

 

Turnierseite...

Anand bei Twitter...

Carlsen bei Twitter...

 



André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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Klaus Wockenfuß Klaus Wockenfuß 11.11.2014 09:37
die brooker geben anscheinend keinen pfifferling mehr auf anand, beispielsweise heute quote 6.5 für sieg anand mit weiss !!!, für remis gibt es 1.5, sieg MC 3.8
nilshero nilshero 10.11.2014 07:32
Tatsächlich hat Anand in der zweiten Partie mindestens drei mal bessere Züge ausgelassen: 18...Df7=, 19...Td7+=, 20...Kh8= bevor er in dem schwierigen Schwerfiguren-Endspiel landete. Und Carlsen hat in dem Endspiel dann ebenfalls bessere Züge ausgelassen: 29.Te7, 30.Te7, 32.f3. Am Schluß hätte Anand mit 34..Dd2 gute Chancen auf Remis gehabt. Wer mehr wissen möchte: http://www.chess.com/blog/nils78 (englischsprachig)
Klataro Klataro 10.11.2014 01:38
Anand hat bis 20. ... Lxf5 umsichtig gespielt. Ich bin zwar kein Profi, aber ich glaube, dieser Zug war der Entscheidende "Fehler", wenn man ihn so bezeichnen darf. Er hat Schwarz ziemlich eingeengt und den Vorposten e6 geschaffen. Ich finde seltsam, dass der Zug Lxf5 in der Analyse als Entlastung bezeichnet wird. Danach wurde es immer schwieriger für Schwarz und er musste stets den optimalen Zug finden. Was hätte Weiß nach z.B. 20. ... Td8-d7 konkret unternehmen können? Es ist klar, dass es ausserordentlich schwierig ist, dem Druck stand zu halten, der von Carlsen ausgeht wenn er kleine Vorteile verdichtet, das kann man Anandnicht anlasten.
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