Chrilly Donninger zum Tod von Jan Louwman

09.12.2002 – Jan Louwman, der Vater der erstaunlichen niederländischen Computerschachszene, starb in der letzten Woche im Alter von 78 Jahren. Chrilly Donninger (Foto) hat einen Nachruf geschrieben. Für ein Butterbrot: Ein Nachruf auf Jan Louwman...

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Für ein Butterbrot:

Ein Nachruf auf Jan Louwman

Mein Computerschach Debüt fand 1990 bei der Computerolympiade in Maastricht statt. Nimzos Jungfern-Partie war gleich gegen Gideon von Ed Schroeder. Gideon wurde von Jan Louwman bedient. Dieser begrüßte mich mit "Dag Meneer Waldheim" (guten Tag, Herr Waldheim). Ich lebte damals in den Niederlanden und wußte was gemeint war. Der österr. Bundespräsident Waldheim war für einen Holländer der Inbegriff des häßlichen Nazi-Österreichers. Eigentlich sollte ich beleidigt sein. Aber irgendwie war mir Jan sympathisch und anstatt beleidigte Leberwurst zu spielen, gab ich ihm Kontra. Die Limburger/Maastrichter fühlen sich als das Aschenputtel Hollands. Ich fragte Jan daher, ob er überhaupt ein Einreisevisa für Maastricht hätte. "Auf so einen Unsinn kann auch nur ein Waldheim-Österreicher können, hier ist doch Holland" war seine Antwort. Auf die Aussage, "hier ist doch Holland" erntete Jan massiven Widerspruch umstehender Maastrichter. Man fand die Idee für Holländer ein Visum einzuführen durchaus überlegenswert. Es stand 1:1 und wir schüttelten uns zu Beginn der Partie bereits sehr herzlich die Hände.

Das holländische Wort Apartheid gehört zum Weltsprachschatz: Die südafrikanischen Buren haben die Apartheid nicht erfunden, sondern aus dem holländischen Mutterland mitgebracht. Es ist ihnen nur auf der langen Reise die in Holland zugehörige Toleranz über Bord gegangen. Obwohl wir uns redlich bemühten, lebte ich mit meiner Frau Anni lange vereinzelt, getrennt, eben apart, von der holländischen Gesellschaft. Bis Coby und Jan Louwman uns eines Tages auf ein Butterbrot einluden. Es gab wirklich nur ein Butterbrot und Kaffee, aber es war die schönste Einladung die wir jemals erhalten haben. Der Bann war gebrochen, Jan und Coby gaben uns das Gefühl dazu zu gehören.

Jans Haus war von oben bis unten mit Schachcomputern vollgerammelt. Überall surrte und blinkte es. Er spielte Tag und Nacht Test-Partien für befreundete Programmierer. Jan hatte keine Ahnung wie Schachprogramme intern aufgebaut sind, aber er hatte oft ein weit besseres Gefühl für die Stärken und Schwächen als der Programmierer selbst.
Jan zeigte mir auch ganz stolz ein Ehrengeschenk der holländischen Computerschach Vereinigung. Dies verwunderte mich: Er führte zur gleichen Zeit wieder einmal eine heftige "ruzie" (Zank) mit dem Vereinsvorstand. Aber so war er nun einmal. Nicht immer pflegeleicht, aber wenn man mit ihm umgehen konnte und nicht jedes Wort auf die Goldschale legte, ein sehr hilfsbereiter und humorvoller Mensch, der anerkannt und geliebt werden wollte. Jan hat mich seither tatkräftig unterstützt und auch mehrmals Nimzo bei den niederländischen Meisterschaften bedient. Als echter Holländer rechnete er mir laufend vor, in welche Unkosten er sich dabei gestürzt hat. Jan hatte in den letzten Jahren eine Reihe von schweren Krankheiten. Die wichtigste Medizin dagegen war die Computerschach Leidenschaft. Ich erstellte ihm daher eine Gegenrechnung für die gelieferte Nimzo-Medizin und wir waren wieder quitt.

Jan erlitt bereits bei der Computerschach-WM 1991 in Vancouver eine schwere Herzattacke. Ausgerechnet sein Computeschach-"Erzfeind" Ossi Weiner hat ihn damals durch sein umsichtiges Eingreifen das Leben gerettet. Im Frühjahr dieses Jahres verstarb Coby Louwman. Ich habe Jan bei Cobys Begräbnis gesagt, daß er gefälligst noch ein bisserl durchhalten soll. Ich kann mir nicht alle 14 Tage eine Reise nach Holland leisten. Jan hatte dafür großes Verständnis, er drückte mir liebevoll die Hand, aber Cobys Ableben hat ihn endgültig geknickt. Am 4-ten Dezember 2002 hat Jan jene Partie verloren, die wir alle auch einmal verlieren werden.
Danke Coby und Jan für das Butterbrot.



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