Dampfwalze mit Elomatik

30.11.2007 – Anfang des Jahres stellte das traditionsreiche Schachmagazin 64 von 14-täglicher auf monatliche Erscheinungsweise um. Eine Umstellung, die Sinn macht und von der Umfang und Themenvielfalt der einzelnen Ausgaben profitiert. In der aktuellen Ausgabe 12/2007 finden sich Berichte zu so konträren Themen wie der Mannschafts-EM, der WM im Schachboxen oder dem Politiker-Schachturnier in Berlin. Und auch der neue Fritz 11 wird unter die Lupe genommen. Chefredakteur Otto Borik hat vor allem die innovativen Trainingsfunktionen "Variantenberechnung" und "Taktikwettkampf" getestet, stets unter dem Gesichtspunkt ihrer Praktikabilität und Effektivität für den Anwender. "Die neuen Funktionen machen Sinn, einige begeistern sogar", lautet das Fazit seiner Blitzrezension. Zu Schachmagazin 64... Fritz 11 im Shop kaufen...Zur Rezension...

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Die ersten Eindrücke vom elften Fritz

Verbesserte Spielstärke, neue interessante Trainingsfunktionen, viele Detailverbesserungen

Von Otto Borik (Schachmagazin 64)

Am 15. November 2007 wurde die neueste Version des führenden Schachprogramms Fritz ausgeliefert. Rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft, aber zu kurz vor dem Redaktionsschluss, als dass ein ausführlicher Langzeittest möglich gewesen wäre, aber die Zeit reichte, um die wichtigsten Funktionen bzw. Neuerungen kennen zu lernen.

 Die Spielstärke wurde noch einmal, um ca. 80 Elopunkte angehoben. Da bereits der Fritz11-Vorgänger keinen Geringeren als Kramnik mit 4:2 geschlagen hat, leuchtet die – in einem ausländischen Magazin gedruckte – rhetorische Frage zunächst ein, welche Rolle es eigentlich noch spiele, ob man von einer 20-Tonnen-Dampfwalze überrollt wird, oder von einem noch fünf Tonnen schwereren Ungetüm. Witzig formuliert, aber es geht ja schon lange nicht mehr um ein Mensch-Maschine-Duell, das Programm entwickelt sich zunehmend zu einem „Schachwerkzeug“, und da hat eine weitere Spielstärkeanhebung sehr wohl einen Sinn, die Analysen werden besser oder sie können in einer kürzeren Zeit ausgeführt werden.

Ausgeliefert wird Fritz11 auf einer einzigen, aber randvoll gefüllten DVD. Die Silberscheibe ist voll von verschiedenen Zugaben, sie enthält Schachvideos mit Kramnik, Kasparow, Shirov, Kasimdzhanov, Kortschnoi und Dr. Pfleger, was natürlich auch der Eigenwerbung dient, dem Nutzer jedoch nicht lästig fällt, im Gegenteil. Auf dieser Weise kann ja der potentielle Käufer gut testen, ob ihn die eine oder andere Thematik interessiert und die Didaktik bzw. die Sprache zusagt oder auch nicht. Kurzum, ein Test-vor-Kauf, wie man ihn sich bei vielen Produkten wünschen würde.

Soweit zu der Zugabe, Hauptthema ist natürlich das Schachprogramm Fritz in der Version 11. Was hat der neue Fritz, was der alte nicht hatte?

Man kann es freilich auch anders formulieren: alles Bewährte von Fritz 10 ist geblieben, insbesondere die ausgezeichnete Funktion des „begleiteten Zuschauens auf dem Server“. Zur Erinnerung: Oft wird auf dem Server www.schach.de eine Direktübertragung von Turnieren oder Mannschaftskämpfen angeboten, an der man mit dem Fritz-Programm ab der Version 9 partizipieren kann. Die Kiebitze können via Datenleitung nicht nur zuschauen (bis zu acht Bretter auf einmal), sondern auch den elektronische Helfer, die zuschaltbare Analyse, „befragen“, und dabei auch im einfachen Kiebitzfenster ohne Ausklinken analysieren.

Das ist natürlich toll und die große Verbreitung des Fritz-Programms basiert nicht zuletzt gerade auf diesen Funktionen. Doch das ist auch ein bisschen wie Fernsehen beim Leistungssport; man wird gut informiert und unterhalten – und sitzt auf dem Sofa. „Beim Schach geht es im Kern um systematische Vorausberechnung. Nichts ist in einer praktischen Partie wichtiger. Die Fähigkeit, auf dem Brett Stellungen deutlich zu ‚sehen‘, die viele Züge voraus liegen, ist für Ihre Spielstärke so notwendig wie körperliche Kondition für einen Leistungssportler“, schreibt der Schachprogrammierer Matthias Wüllenweber, der sich – nach einem erfolgreichen Absprung in die Welt der Musikprogrammierung – jetzt wieder mit voller Kraft den Schachprogrammen widmet und dabei mit einem fast missionarischen Eifer dem computerunterstützten Training das Wort redet. Die in Fritz enthaltene Funktion „Rechentraining“ beschreibt er wie folgt:

 „Die Idee für das Rechentraining entstammt dem Zuschauen bei Live-Übertragungen auf dem Schachserver. Hier blickt man einfach zu oft passiv auf die Hauptvariante des mitlaufenden Schachprogramms. Das bringt bei einigen Zuschauern zudem eine Illusion der Überlegenheit gegenüber den spielenden Großmeistern mit sich, weil man anhand der in Sekunden umspringenden Enginebewertung Fehler sofort wahrnimmt, die der Spieler erst nach der Partie begreifen wird. Fritz11 bietet mit dem Rechentraining eine bessere Möglichkeit, einer Live-Partie zuzuschauen und dabei die eigene Spielstärke zu verbessern: Man rechnet konsequent selbst mit. Dabei geben Sie die Züge auf dem Brett ein, und diese erscheinen wie gewohnt in der Notation. Doch die Figuren verharren unbewegt in der Grundstellung.“

Damit wird eine echte Partie simuliert, auf dem Brett rührt sich nichts, im Kopf tut sich hoffentlich etwas. Während einer Partie hilft niemand, das ist ja auch strengstens verboten, aber beim Training wird der gen Himmel ausgestoßene Seufzer („hoffentlich stimmt es“) von Fritz 11 erhört und kommentiert, korrigiert, verbessert und sogar bewertet. Stellt man bei der Berechnung Material ein, gibt es Minuspunkte satt, aber im Erfolgsfall bleibt auch Lob nicht aus.

Die Funktion kann man auf dem Server einsetzen (sozusagen parallel mit einen Spitzenspieler rechnen und dann die Ergebnisse abgleichen), aber ebenso gut zu Hause. Im Prinzip kann sich jeder Fritz11-Benutzer eine taktisch geladene Stellung auf zwei Arten vornehmen:
* entweder passiv konsumierend (Fritz soll rechnen und das Ergebnis mitteilen) oder
* aktiv trainierend (die berechneten Varianten eingeben, ohne die resultierenden Stellungen zu sehen, erst dann „äußert sich“ der elektronische Freund und Helfer).

Der neue Fritz ermöglicht auch einen „Taktikwettkampf“. Das geht schon wieder via Internet. Man startet Fritz, geht auf den Server www.schach.de, wählt „Taktikwettkampf“ und bekommt fortan eine Taktikstellung nach der anderen zugeschickt. Wenn Sie den Lösungszug eingegeben haben, kommt gleich die nächste Aufgabe. Die Zeit für die gesamte Serie (ca. 5 Minuten) und die Zeit pro Stellung sind begrenzt. Punkte werden auch vergeben.

Fazit Trotz des noch kurzen „Besuchs“ in der Redaktion ist erkennbar: Die neuen Funktionen machen Sinn, einige begeistern sogar. Ein Update von früheren Versionen kann ruhigen Gewissens empfohlen werden.

Systemvoraussetzungen:
Minimal:
Pentium 300 MHz, 64 MB RAM, Windows Vista oder Windows XP (Service Pack 2), DVD-ROM Laufwerk, Windows-Media Player9.
Empfohlen: Pentium IV 2,2 GHz oder besser, 256 MB RAM, Windows Vista, GeForce5 Grafikkarte (oder vergleichbar) mit 64 MB Speicher oder besser, 100 % DirectX kompatible Soundkarte, Windows Media Player 9, DVD-ROM-Laufwerk.

 

 


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