Das Kandidatenturnier 2018 wird in Berlin gespielt

11.09.2017 – Berlin, 2015 schon Gastgeber der Blitz-und Schnellschach-Weltmeisterschaften, wird im nächsten Jahr erneut Schauplatz eines hochrangigen FIDE-Turniers sein. Heute gab AGON offiziell bekannt, dass das Kandidatenturnier 2018 in Berlin stattfinden wird.

Kandidatenturnier 2018 in Berlin

Gerüchteweise wurde von mehr oder weniger gut unterrichteten Kreisen schon seit einiger Zeit kolportiert, dass Berlin Gastgeber des kommenden Kandidatenturniers sein soll. Heute hat Ilya Merenzon, Geschäftsführer des FIDE-Vermarkters und Ausrichters Agon, dies in einer Presseerklärung offiziell bestätigt. 

In der Tat spricht einiges für die deutsche Hauptstadt als Gastgeber eines großen Schachturniers. Im Herbst 2015 hat Agon erstmals mit den Blitz-und Schnellschachweltmeisterschaften ein hochrangiges FID-Turnier in Berlin durchgeführt. Schauplatz war das Veranstaltungszentrum "Molkerei", mitten in Berlin, in Fußweite vom Berliner Hauptbahnhof und dem  Regierungsviertel gelegen. Die toll hergerichtete alt "Molkerei" bot eine stimmungsvolle Kulisse für die beiden Weltmeisterschaften in der "kurzen Distanz", war allerdings bei der Vielzahl der teilnehmenden Spieler damals vielleicht etwas zu eng - für ein Turnier mit acht Spielern wäre sie allerdings eine ideale Bühne. Allerdings hat Agon in Bezug auf den genauen Austragungsort in Berlin bisher noch keinerlei Stellung bezogen, außer, dass das Turnier in Zentrumsnähe stattfinden wird.  Neben der Molkerei bietet Berlin natürlich noch eine riesige Auswahl an alternativen Veranstaltungsorten - man denke nur an die zentrale Bundesliga-Endrunde im Hotel Maritim. 

Der Zuschauerandrang bei den Blitz-und Schnellschachweltmeisterschaften 2015 war gewaltig - sogar weit größer als die Organisatoren es erwartet hatten.  Tatsächlich besitzt Berlin eine vitale und aktive Schachszene mit ca. 50 Klubs und einer langen Schachtradition. Hier wurden die ersten Schachklubs gegründet und die immer noch bestehende Berliner Schachgesellschaft von 1827 ist einer der ältesten noch bestehenden Schachklubs der Welt. Auch Agon verweist in seiner Presseerklärung auf die große Schachtradition, nicht nur in Berlin, sondern auch in Deutschland überhaupt. "23% aller Deutschen spielt regelmäßig Schach. Unser Sport ist in diesem Land unglaublich populär", sagt Ilya Merenzon. "Der Deutsche Schachbund ist zudem einer der größten Schachverbände der Welt," ergänzt FIDE-Vize Georgios Makropulos. Last, but noch least: Berlin besitzt eine ausgezeichnete Infrastruktur und ist von allen Punkten der Welt leicht zu erreichen, sogar mit dem Flugzeug auf einigen kleineren Flugplätzen.

Das Kandidatenturnier wird mit acht Spielern ausgetragen. Der Sieger wird Ende 2018 Weltmeister Magnus Carlsen herausfordern. Sergey Karjakin ist als Verlierer des letzten WM-Matches vorqualifiziert. Zur Zeit wird beim World Cup in Tiflis noch um zwei Qualifikationsplätze gekämpft. Zwei Plätze werden über die Grand Prix-Serie vergeben. Hier liegen zur Zeit Shakhriyar Mamedyarov und Alexander Grischuk in Führung. Zwei Plätze werden über die ELO-Zahl vergeben. Hier führen Fabiano Caruana und Vladimir Kramnik. Wesley So ist nah dran. 

Der achte und letzte Platz wird per Wildcard vergeben. Voraussetzung ist, dass der Spieler über einen gewissen Zeitraum über 2700 Elo inne hatte. Ein deutscher Spieler kommt dafür leider nicht in Betracht. Immerhin kann Levon Aronian für sich in Anspruch nehmen, als "Berliner" durchzugehen. Der armenische Spitzenspieler hat einige Zeit in Berlin gelebt und seine Eltern wohnen immer noch hier. Für ihn  wäre es ein Heimspiel.

Das Kandidatenturnier wird vom 9. bis 28. März in Berlin ausgetragen und doppelrundig gespielt. Die erste Runde findet am 10. März statt. Der Preisfonds beträgt 420.000 Euro. Agon plant einer Pay-per-viev Internet-Liveübertragung (Preise: 15 $), aus der 10% der Einnahmen in den Preisfonds fließen sollen. 

Eintrittskarten sind ab. 2. Oktober erhältlich.

Zeitplan

März 09 Freitag Eröffnungsfeier
März 10 Samstag Runde 1
März 11 Sonntag Runde 2
März 12 Montag Runde 3
März 13 Dienstag Rest Day
März 14 Mittwoch Runde 4
März 15 Donnerstag Runde 5
März 16 Freitag Runde 6
März 17 Samstag Ruhetag
März 18 Sonntag Runde 7
März 19 Montag Runde 8
März 20 Dienstag Runde 9
März 21 Mittwoch Ruhetag
März 22 Donnerstag Runde 10
März 23 Freitag Runde 11
März 24 Samstag Runde 12
März 25 Sonntag Ruhetag
März 26 Montag Runde 13
März 27 Dienstag Runde 14/Schlussfeier
März 28 Mittwoch Tie Breaks/Schlussfeier

Foto: Agon

Offizielle Hashtags des Turniers: #candidates2018 und #berlinplayschess

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Thomas Richter Thomas Richter 11.09.2017 07:19
"Der achte und letzte Platz wird per Wildcard vergeben. Voraussetzung ist, dass der Spieler über einen gewissen Zeitraum über 2700 Elo inne hatte."
Genauer gesagt, Elo mindestens 2725 in einer Eloliste anno 2017 (eine reicht). Zum Beispiel wäre Bacrot möglich, da er aktuell 2728 hat - Rapport dagegen nicht, da er zwar mal über 2725 hatte, aber zuletzt im November 2016. Aus deutscher Sicht: Nisipeanu müsste sich bis Dezember um gut 50 Punkte verbessern - nicht total unmöglich aber doch sehr unwahrscheinlich.
Lt Marseille Lt Marseille 11.09.2017 07:50
Kandidatenturnier in Berlin! Absolut toll. Indessen: Was will Agon? 15$ Gebühr für Live-Partien? Wir sind hier nicht beim Fußball (Sky! - und die Dauerpannen bei Eurosport mal gar nicht betrachtet), und die meisten Schachspieler sind nicht gerade Millionäre, international betrachtet erst recht nicht. Ich bin für eine freie Übertragung auf dem Chess-Base-Server, alles Andere wäre für das Schach in Deutschland das vollkommen falsche Signal.
knight100 knight100 11.09.2017 10:55
Eine schöne Nachricht... Bitte sorgt für große mediale Präsenz... TV-Live, etc. (siehe Norwegen)
acepoint acepoint 12.09.2017 03:36
acepoint Gerade
Berlin? Super! AGON? Wenn deren Internetangebot so schlecht bleibt, wie bei der vergangenen WM oder dem vorherigen Kandidatenturnier, kann man sich das besser vor Ort anschauen. Oder kostenlos bzw. im Rahmen des Abos auf einer der zahlreichen Schachplattformen, von denen es ja auch zwei gute mit Sitz in Deutschland gibt ;-). Dann gibt es zwar keine bewegten Bilder, dafür aber fachlich gute Kommentare, und die Software funktioniert.

Im letzten Jahr hat AGON uns Bezahl-Zuschauern sogar eine Erstattung des Kaufpreises angeboten, nachdem sich einige massiv beschwert hatten. So übel waren die Darbietungen via selbstenwickelter Apps bzw. Webseite (sowohl inhaltlich, als auch technisch).
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