Das Talent des Genesis Potini

von André Schulz
08.06.2016 – Am 16. Juni läuft in den deutschen Kinos ein Film an, den Experten für den besten neuseeländischen Film aller Zeiten halten. Es ist die Verfilmung der Lebensgeschichte des Genesis Potini, eines Maori, der mit Hilfe des Schachs seine manisch-depressive Veranlagung bekämpfte und als Schachtrainer benachteiligten Kindern ein besseres Selbstwertgefühl vermittelte. Mehr...

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"Das Talent des Genesis Potini" (Originaltitel: "Dark Horse") ist ein neuseeländischer Film von James Napier Robertson, 2014 gedreht, der nun in deutsche synchronisierter Fassung in die Kinos kommt. Er erzählt die Geschichte des neuseeländischen Maori Genesis Potini, genannt "Dark Horse", der ein talentierter Schachspieler war, seine Schachlaufbahn aber wegen einer manisch-depressiven Persönlichkeitsstörung aufgeben muss. Nach eine langen psychiatrischen Behandlung, kämpft er sich mit Hilfe des Schachs zurück in die Gesellschaft, diesmal als Schachtrainer. Seinen eigenen Wunsch, durch Erfolg im Schach gesellschaftliche Anerkennung zu finden, überträgt er nun auf seine Schachschüler, zumeist Kinder vom gesellschaftlichen Rand. Potini beweist dabei ausgezeichnete Fähigkeiten als Lehrer und Motivator und schafft es am Ende, seine Schüler bis in die Junioren-Meisterschaften von Auckland zu bringen.

Potini, gespielt von Cliff Curtis, der für den Film 30 Kilo zunahm, lebt bei seinem Bruder Arikiri, und unterrichtet auch seinen Neffen, Arikiris Sohn Mana (James Rollesston) im Schach. Arikiri, Mitglied einer kriminellen Biker-Gang, hält allerdings nicht viel von dem Spiel und möchte seinen Sohn lieber zum "richtigen Mann" erziehen. Über diese Frage kommt es zum Konflikt zwischen den beiden Brüdern. Gegen den Widerstand seines Vaters versucht der sensible Mana, zusammen mit seinem Onkel seinen Traum von der Schachkarriere zu verwirklichen.

Mana (James Rollesston)

Der Film orientiert sich weitgehend, mit gewissen künstlerischen Freiheiten, am tatsächlichen Lebenslauf des früh verstorbenen Genesis Potini (5. September 1963- 15. August 2011). Potini hatte keinerlei akademische Ausbildung, war aber auffallend intelligent und sprach drei Sprachen: Maori, Englisch und Chinesisch. Zusammen Noble Keelan gründete er im Jahr 2000 den "Gisborne Eastern Knights Chess Club". Die beiden kannten sich flüchtig aus der Jugend und waren im gleichen Viertel aufgewachsen, ohne aber viel miteinander zu tun zu haben. Keelan, so berichtet Desmond Rooplal in seinem Artikel, wollte mit dem groben und "irren" Potini auch nichts zu tun haben. 15 Jahre später tauchte Potini bei Keelan auf und fragte nach einem Schachpartner. Keelan und Potini spielten dann oft tagelang miteinander Schach, teilweise wirklich fast 24 Stunden am Stück, bevor sie dann ihren gemeinsamen Club gründeten. Besonders im Blitzschach und 1-Minuten-Schach entwickelte Potini besondere Fähigkeiten.

Der wirkliche Genesis Potini mit seinem Schachschülern

Disziplin gehört beim Schach dazu

Potini begann seine Trainertätigkeit zunächst aus rein egoistischen Motiven heraus. Über den Unterricht von anderen wollte er sich selber im Schach verbessern. Am Anfang unterrichtete er nur Maori-Kinder, um zu zeigen, dass Maoris nicht dümmer sind als andere. Nachdem er gesehen hatte, mit welcher Begeisterung die Kinder sich mit dem Schach beschäftigten, unterrichtete er alle Kinder, die zu ihm kamen. Dann bemerkte er, dass Kinder mit ADHS, Legasthenie und andere Problemkinder vom Schach auf enorme Weise profitierten. Nun begann er gezielt, solche Kinder in seine Schachklassen zu integrieren. Dieser Aspekt seines Wirkens wurde in dem Film zugunsten anderer Element zurückgestellt, spielte aber eine große Rolle.

 

Genesis Potini, "Gen da Man", spricht darüber, was Schach ihm gegeben hat.

 

Die dramatische Handlung des Films dreht sich zum großen Teil um den familiären Konflikt zwischen den beiden Brüdern. Im Hintergrund steht dabei die Unterdrückung der Ureinwohner Neuseelands, der Maoris, die von den europäischen Einwanderern zunächst versklavt, dann an den Rand der Gesellschaft gedrückt wurden und versuchen, in der europäischen Lebensweise Fuß zu fassen. Während Arikiri mit seinen Bikern nach seinen eigenen Gesetzten lebt und auf diese Weise gegen Armut und soziale Diskriminierung kämpft, wählt Genesis Potini mit seinen Schülern das Schachbrett als intellektuelles Schlachtfeld. Seinen Schülern gibt er als Auftrag auf den Weg: "Jeder von euch ist ein Krieger auf diesem Brett!"

Der Film setzt das Thema spannend und mitreißend um, bietet Einblicke in die Befindlichkeit und Situation der neuseeländischen Ureinwohner und befindet sich damit auch in der Tradition des berühmten neuseeländischen Klassiker von 1994 "Once we were Warriors".

Nachdem die Maori-Bevölkerung, die in Wirklichkeit in verschiedene Stämme zerfällt, im 19. Jahrhunder zeitweise durch Krieg und Krankheit bis auf 50.000 Personen reduziert war, beträgt der Anteil heute etwa 15% an der Gesamtbevölkerung des Landes, etwa 500.000 Personen. Die Kultur und Sprache der Maoris wird von der Regierung gefördert. 2008 erhielt ein Kollektiv aus sieben Maoristämmen als Wiedergutmachung große Waldgebiete zugesprochen.

 

Trailer deutsch:

 

 

 

Genesis Potini starb mit 46 Jahren an einem Herzanfall.

Dark Horse erschien am 17. Juli 2014 in Neuseeland, am 1. April 2016 kam er in die US-Kinos. Die deutsche Version " Das Talent des Genesis Potini" ist ab 16. Juni 2016 zu sehen.

"Dark Horse", (in der deutschen Fassung: "Das Talent des Genesis Potini"), wurde auf vielen Film-Festivals für Auszeichnung nominiert und gewann viele der Wettbewerbe. Der führende neuseeländische Filmexperte Dan Slevin bezeichnete ihn als "besten neuseeländischen Film aller Zeiten".

Im Jahr 2003 war bereits ein mehrfach ausgezeichneter Dokumentationsfilm über Potini mit dem Titel: "Dark Horse" erschienen.

 

Das Talent des Genesis Potini
(Originaltitel: Dark Horse)

Regie: James Napier Robertson

Produktion: Tom Hern

Buch: James Napier Robertson

Hauptdarsteller: Cliff Curtis, James Rolleston

Musik: Dana Lund

Kamera: Denson Baker

Schnitt: Peter Roberts

Verlage: Four Knights Film, Southern Light Films

Laufzeit: 124 Minuten

Land: Neuseeland



Offizielle Filmseite...

Rezension, englisch, von Desmond Rooplal, Teil 1...

Rezension, englisch, von Desmond Rooplal, Teil 2...

Dark Horse bei Wikipedia...

Genesis Potini bei Chessgames...

 



André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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Silvio Z Silvio Z 09.06.2016 12:26
Sehr schöne Rezension, vielen Dank dafür!
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