Power Play 23 und 24

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Der Schachspieler

28.07.2004 – Vielleicht war es ein Glück für die Schachwelt, dass Friederich Dürrenmatt nicht mehr dazu kam, seinen makabren Entwurf auszuführen, bei dem Richter und Staatsanwalt Schach spielen: um Menschenleben. So müssen sich die alten Damen, engstirnige Kleinstädter und Physiker den zweifelhaften Ruhm teilen, den seine Stücke auf sie werfen. Der Schweizer Dramatiker lebte zuletzt einen Steinwurf von Biel entfernt am Hang des Bieler Sees. Sicher hat er das Schachfestival einmal besucht und sich dort inspirieren lassen. Seinen Ursprung hat das Festival übrigens in einem Pavillon im Bieler Stadtpark. 1968 gewann dort beim ersten GM-Turnier ein unbekannter Holländer. Fast 40 Jahre später wird es wohl erneut Alexander Morozevich (Bild) sein. In Biel und um Biel und um Biel herum...
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Bericht aus Biel
Von André Schulz

Die Entstehungsgeschichte der Schweiz ist schnell erzählt: Eines Tages gelangte ein Katalog des Modellbauherstellers Märklin in geschickte Schweizer Hände und man beschloss, alles im Großen nachzubauen - nur viel besser natürlich. Zahlreiche Berge mit einer Gipfelhöhe von über 4000 Meter bilden seitdem das dramatische Gerippe des Landes. An den Rändern haben sich die Häuser zu Dörfern und Städten gesammelt und in den Tälern hat man Flüsse verlegt, die sich von Zeit zu Zeit zu Bergseen ansammeln (gibt's bei Märklin nicht). Wahrscheinlich werden die Schweizer diese Version bestreiten und das Gegenteil behaupten. Sie wissen schon: "Wer hat's erfunden...?

In der Realisierung der Verkehrswege, Straßen und Eisenbahn, zeigt der Schweizer Anpassungsvermögen und Durchsetzungsfähigkeit gleichermaßen. Wo möglich schmiegen sich die Straßen und Bahnen an den Hängen entlang und huschen zwischen den Bergen durch. Falls das nicht möglich ist, dann geht's eben mittendurch und geradeaus. Die Schweizer bauen Tunnel und Viadukte und fuhren unten durch oder oben drüber. Die zweifelnden Blicke des fremdländischen Flachländers werden mit einem beruhigenden "Ääss gääht!" beantwortet.

Die Anfrage an einem Schweizer Bahnhofsschalter, ob man hier mit einer Bergbahn fahren kann, wäre so als würde man in einem friesischen Teehaus, "Einen Tee, bitte!" bestellen: Es gibt Tausende von Bergbahnen, die Leute schneller oder langsamer in die Höhe bringen können. Jeder Berg hat eine und Berge hat es viel in der Schweiz.

Unweit von Biel kommt man an den Thuner See. Hier entstand 1954 der berühmte "Geist von Spiez". In Spiez hatte die Deutsche Fußballnationalmannschaft während der Fußball-WM 1954 ihr Quartier und raufte sich dort mit Hilfe vieler Vitaminspritzen zum Finalsieger zusammen. Seitdem wird während Welt- und Europameisterschaften der Geist von Spiez beschworen und kehrt als Geist von Cordoba, München, Koichenbroich und dergleichen wieder. In zwei Jahren, wenn die Deutsche Mannschaft bei der WM im eigenen Land um den Einzug in das Viertelfinale kämpft, wird man ihm wieder begegnen. Allerdings immer nur vor den Spielen und nicht auf dem Rasen.


Spiez liegt an linken Ufer des Thuner Sees (von Süden gesehen)


re.: Die Dorfjungen haben sich um die Dorfschönheit versammelt

Hinter dem See liegt im Berner Oberland das bekannte Interlaken (von lat: inter lacctis = zwischen den Seen). Von hier aus hat man an guten Tagen Sicht auf drei Viertausender, Jungfrau, Mönch und Eiger.

Begonnen hat die Tradition der internationalen Schachturniere 1968. Damals wurde in einem Pavillon im Stadtpark gespielt und der bis dahin völlig unbekannte Holländer Jan Timman gewonnen.




Hier hat alles angefangen


"Das Kiffen ist hier untersagt"

Ob diese Bank hier zu jener Zeit, oder schon davor so beschriftet wurde und ob dies etwas mit dem Turnierseiger zu tun hat, weiß man heute natürlich nicht mehr. Langjähriger Turnierleiter war Hans Suri, der auch heute noch im Allgemeinen Open mitspielt.


Hans Suri

Am Montag gab es einige tieriesche Zwischenfälle. Zunächst hatte sich eine Taube im Hallenbad der Kongresshalle verflogen und musste eingefangen werden. Dann besuchte ein herrenloser Hund das Turnier und schaute sogar im Turniersaal vorbei. Er wurde schließlich verhaftet und abgeführt.




 

Schach gespielt wurde natürlich auch:


Zuschauer beim Blitzfinale


Mittendrin: Alexandra Kosteniuk


Die Schiedsrichter: Beat Rüetsegger und Lucio Barvas


Die Frauen spielen ihr Accentus-Turnier ebenfalls auf der Bühne im großen Saal


Monika Seps


Iweta Radziewicz


Luke McShane


Sein Coach Peter Wells spielt im Open.


Alexandra Kosteniuk spielt ebenfalls das Open mit


Auch Nadeshda Kosintseeva ist dort zu finden


Am Dienstag sorgte Yannick Pelletier für die Sensation und schlug den Exweltmeister, was in der Schweizer Presse für großes Aufsehen sorgte.


Alexander Morozevich wird auch diesmal gewinnen


 

Friedrich Dürrenmatt

In Friederich Dürrenmatts Hinterlassenschaft fand man zahlreiche Entwürfe, Stoffe genannt, darunter auch einen, in dem das Schachspiel eine Rolle spielt. Zum Schachfestival hätte der Dramatiker es nicht weit gehabt. Von seinem Wohnort Neuendorf nach Biel ist es nicht weit. Zeitweise hat er sogar direkt am Bieler See nahe Ligierz gewohnt. Von dort hätte er mit dem Tretboot zum Schachfestival fahren können. In seinem Entwurf "Der Schachspieler" spielen Richter und Staatsanwalt als Spieleinsatz um das Leben von Menschen.

Der Schachspieler...

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