Deutscher Schachpreis für Björn Lengwenus: Die Preisverleihung

12.02.2009 – Der Deutsche Schachpreis ist die höchste Auszeichnung, die der Deutsche Schachbund vergibt, und mit Björn Lengwenus hat der DSB einen Preisträger gefunden, der diesen Preis wirklich verdient hat. Lengwenus ist einer der ganz großen Motoren im Schulschach, sprudelt über voller origineller Ideen, wie man Schach noch populärer machen kann und setzt diese auch um. Seine Schachlernideen, einst in seiner Schulschachgruppe entwickelt und ausprobiert, fanden inzwischen Eingang in das vielfach preisgekrönte Schachlernspiel Fritz&Fertig. Mit seiner Idee "Schach statt Mathe" bringen Hamburger Lehrer Schülern mathematische Vorgänge spielerisch mit Hilfe des Schachspiels bei. Seine Partnerschulaktion machte die Schacholympiade 70.000 Schülern an 180 Schule bekannt und das nun von ihm organisierte Schulschachturnier "Rechtes gegen linkes Alsterufer" ist das größte der Welt und wird mit dem neuen Sponsor, der Hamburger Wohnungsgesellschaft SAGA, zum "SAGA-haften" Schachturnier, wie Christian Zickelbein in seiner Laudatio vermerkte. Die Hamburger Bildungssenatorin Christa Goetsch war am vergangenen Dienstag Ehrengast der Preisverleihung und sah mit eigenen Augen, was ihr viele zuvor berichtet haben: Schach macht einen Riesenspaß! Bericht, Bilder, Videos...

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Deutscher Schachpreis für Björn Lengwenus
Von André Schulz
Fotos: Thomas Schloemann, Carsten Israel, Pascal Simon Andre Schulz

Am Dienstag Nachmittag wurde Björn Lengwenus im Rahmen einer Feier in der Villa Finkenau vom Vizepräsidenten des Deutschen Schachbundes Dr. Matthias Kribben der Deutsche Schachpreis überreicht. Dieser Preis ist die höchste Auszeichnung, die der Deutsche Schachbund zu vergeben hat. Gastgeber der kleinen Feier, in deren Rahmen die Übergabe stattfand, war die "SGHHUB", die Schachgemeinschaft Heinrich-Hertz-Schule und Gymnasium Uhlenhorst-Barmbek. Gegründet wurde diese Schulschachgruppe 1956 vom damaligen Schüler Christan Zickelbein an der Heinrich-Hertz-Schule. 1964 kam das Gymnasium Uhlenhorst -Barmbek als zweiter Standort hinzu. Ende der Siebziger verlagerte sich auch der Schwerpunkt der Schachgemeinschaft mehr und mehr zum GUB. Zwei Besonderheiten unterschieden diese SG von anderen ähnlichen Initiativen. In der SGHHUB war Schach zwar ganz klar der Mittelpunkt, aber es war bei Weitem nicht das einzige gemeinsame Interesse der Schüler. Darüber hinaus gab es viele andere Dinge, die die Schüler verband. Und: Die SG war schon immer von den Schülern "autonom" verwaltet, lange bevor dieses Wort überhaupt modern wurde.


Stefan und Nele von der SG führen durch das Programm


Björn Lengwenus wird interviewr


Nele Hammer spielte jedes Jahr beim Turnier "Rechtes gegen linkes Alsterufer" mit und moderiert


Viele Gäste

Im Jahr 1983 erlebte Björn Lengwenus eine Stunde, die sein Leben - und nicht nur seines - nachhaltig veränderte. Er lernte von Dr. Gundolf Weseloh im GUB Schach. "Was wäre wohl gewesen, wenn ich an diesem Tag zufällig gefehlt hätte", dachte Björn Lengwenus bei seiner Ansprache laut über sich selber nach.


Björn Lengwenus

"Mein Leben wäre ja völlig anders verlaufen!" Aber er hatte nicht gefehlt. Und so nahm sein Leben eine Richtung, in der Schach, aber auch Unterricht, eine zentrale Rolle spielte. Nachdem Lengwenus selbst im Schach auf sicheren Füßen stand - mit 13 Jahren, brachte er nun anderen Schülern das Spiel bei.

Sein Trainer Gundolf Weseloh legte seine Erkenntnisse über die Phase der Eröffnung in der Vereinszeitung in der Reihe " Gundolfs Eröffnungslehre" nieder. Es gelang ihm, in zwölf Folgen diese für manche schon entscheidende Phase im Schach präzise darzustellen, ohne dabei auch nur ein einziges Mal in die Verlegenheit zu kommen, Schachzüge verwenden zu müssen - allein über die allgemeinen Grundsätze, die jeder beherrschen sollte. Da wird der Spaß, der in der SG herrschte, geradezu mit Händen greifbar. Aus den Folgen wurde später übrigens ein Sonderdruck generiert. Die wenigen noch erhaltenen Exemplare sind unter Sammlern höchst begehrt.

Lengwenus wurde schließlich selber Lehrer und unterrichtete auch als solcher natürlich neben seinen Lehrfächern weiter Schach. Im Zuge der Schließung des Gymnasiums Uhlenhorst-Barmbeks wurde der "SG" vom Hamburger Senat für Schule und Bildung und deren vormaligen Senatorin Alexandra Dinges-Dierig inzwischen die Villa Finkenau als neues Hamburger Schulschachzentrum zur Verfügung gestellt, wobei der Schwerpunkt weiter in den Ortsteilen Uhlenhorst und Barmbek liegt. Fünf Schulen sind inzwischen an diesem Projekt beteiligt, darunter nicht zuletzt auch die Ganztagsschule Fraenkelstraße, an der inzwischen Björn Lengwenus als Schulleiter tätig ist.

Etwa eine Stunde dauerte die Feier der Preisverleihung. Die Aufgabe der Eröffnungsansprache übernahm als Ehrengast die amtierende Bildungssenatorin Christa Goetsch, die ihren "lieben Kollegen" - denn auch Christa Goetsch ist Lehrerin - für sein großes Engagement lobte.


Bildungssenatorin Christa Goetsch



Video:

Christian Zickelbein hielt auf besonderen Wunsch des Preisträgers die Laudatio. In gewissem Sinne ist Björn Lengwenus der Nachfolger von Zickelbein. Was der eine Schüler, dann Lehrer, einst begann, setzte der andere Schüler, dann Lehrer, im gleichen Geiste fort. Doch während Zickelbein noch ohne Technik aufwuchs - da wurde unter der Schulbank noch mit einem Steckschach heimlich gespielt-, ist Lengwenus ein Mitbegründer neuer Techniken. Seine lebendigen und unkonventionellen Schachlehrmethoden haben heute unzählige Schachschüler verinnerlicht - über das Programm "Fritz&Fertig". Dort sind die Lehrmethoden des Björn Lengwenus aus der SG mit Hilfe der liebenswerten Figuren des Zeichners Jörg Hilbert zu digitalem Leben erwachte. "Heute spielen die Kinder drahtlos mit zwei Nintendo DS-Konsolen unter der Bank mit Fritz&Fertig gegeneinander", wusste Zickelbein zu berichten und meinte augenzwinkernd: "Meine lieben Lehrer, wissen Sie, worauf Sie sich da mit dem Schach einlassen?"

Christa Goetsch und Christian Zickelbein skizzierten in Umrissen das Werk von Björn Lengwenus, das in der Tat so umfangreich ist, "dass ich Stunden brauchen würde", wie Zickelbein meinte.


Christian Zickelbein



Ihm wurden aber nur zehn Minuten Redezeit zugestanden.

Video:

Trotzdem erfuhren die zahlreichen Gäste, dass Lengwenus jetzt von Norbert Fortmann die Organisation des größten Schulschachturniers der Welt "Rechtes gegen linkes Alsterufer" übernommen hatte. Unterstützt wird das Hamburger Schulschach und seine größte Schachveranstaltung nun vom Hamburger Wohnungsunternehmen SAGA-GWG. Als Vertreter waren der Leiter für Unternehmenskommunikation Mario Spitzmüller und das Vorstandsmitglied Michael Sachs unter den Gästen anwesend. "Nun wird das Turnier zum "SAGA-haften" Schulschachturnier, meinte Zickelbein, erinnerte aber auch an die kleinen Anfänge und den Erfinder des Turniers, den Volksschullehrer Franz Buroh.

Neben den hochrangigen Ehrengästen von der SAGA GWG und der Hamburger Bildungssenatorin Christa Goetsch, die am Verlauf dieser Preisverleihung ihr sichtbares Vergnügen hatte, waren natürlich auch viele bekannte Gesichter aus dem Schach zu sehen.


Bringen das Schulschach nach vorne: Michael Sachs, Björn Lengwenus, Christa Goetsch

Christan Zickelbein und der DSB-Vize Matthias Kribben wurden bereits erwähnt. Darüber hinaus waren der Hamburger Verbandspräsident André van de Velde, der Geschäftsführer der Deutschen Schachjugend Jörg Schulz, Christian Warneke und Jacob Roggon, ebenfalls von der Deutschen Schachjugend, Alsterufer-Organisator Norbert Fortmann und selbstverständlich auch Gundolf Weseloh erscheinen, um nur einige zu nennen.

"Schach statt Mathe" ist ein anderes Projekt von Lengwenus, das er zusammen mit seiner Nachbarschule Genslerstraße ins Leben gerufen hat. "Mit Schach kann man die gleichen Dinge lernen wie mit Mathe: Räumliches Denken, Rechnen usw., aber es macht mehr Spaß", erläuterte die Bildungssenatorin die Idee von Lengwenus. So wurde eine Stunde Mathe zugunsten von Schach geopfert. Lehrer und Eltern, aber vor allem die Schüler sind begeistert. Im nächsten Jahr soll der Erfolge über eine Evaluierung gemessen werden.

Schließlich hat Björn Lengwenus mit der Partnerschulaktion für die Schacholympiade unzählige Schüler, Lehrer und Eltern in den vergangenen zwei Jahren für die Schacholympiade, aber auch für ihre Partnerländer, die dort teilnahmen, begeistert. 180 Schulen, 70.000 Schüler waren daran beteiligt. An der Eröffnung und Auslosung hatte sogar der damalige Weltmeister Vladimir Kramnik teilgenommen.

Dr. Matthias Kribben überreichte schließlich als Vizepräsident im Namen des Schachbundes den Preis, durch einen bunten großen Springer symbolisiert.


Dr. Matthias Kribben


Journalistenandrang bei der Preisübergabe

Nach den Ansprachen gab es Action. Zunächst kam es zum Duell im Fritz&Fertig-Schlagspiel zwischen dem Grundschüler Bosse und dem Bundesligaspieler Niclas Huschenbeth.


Bosse legt gut vor




Niclas Huschenbeth


Konzentriert beim Schlagspiel




Jede zu schlagende Figur muss angeklickt werden

Hamburgs bester Schachjugendlicher siegte klar und standesgemäß und erklärte, warum: "Ich habe früher auch viel mit Fritz&Fertig trainiert." Schließlich zeigte Björn Lengwenus noch ein anderes seiner vielen Talente. Im Stile eines Rundfunkreporters kommentierte er drei Blitzpartien seiner "Schach statt Mathe"-Schüler.


Die Senatorin macht den ersten Zug


Björn Lengwenus kommentiert


Da sind alle gespannt
 

Video:

"Schach ist ein schneller Actionsport!", lautet seine Botschaft.

Das Echo der Medien war groß: Das Hamburger Abendblatt hatte die Preisverleihung angekündigt, die Welt Björn Lengwenus Arbeit in einem halbseitigen Artikel gewürdigt und auch die Morgenpost vermeldete die Preisverleihung an den "Barmbeker  Jung". Das Fernsehen war gleich mit drei Sendern erschienen.

RTL Regional schnitt Szenen aus der Preisverleihung in ein Portrait von Björn Lengwenus ein. Der NDR berichtete am gleichen Tag im Hamburg Journal. Außerdem war Hamburg Eins vor Ort.


Interviews


Links:

RTL: Der Schach-Mathe-Lehrer...

Hamburg Journal: Hamburger erhält Schachpreis...

Morgenpost: Sein ganzes Leben dreht sich um König und Dame...

Deutscher Schachbund...

 

 

 

 

 

 


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