Die bulgarischen Mannschaftsmeisterschaften

14.10.2013 –  Bulgarien hat einen eindeutigen Standortvorteil. Mit Beginn des Herbstes kann man Schachturniere prima in den nun nicht mehr ganz ausgebuchten Hotels an den Badeorten am Schwarzen Meer durchführen. Das Wetter ist aber noch angenehm genug, um die freie Zeit am Strand zu genießen. Dort trifft man nicht nur die üblichen Schachnerds. Dejan Bojkov berichtet. Bericht, Partien, Schachnerds...

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Schach und Poker

Die bulgarischen Mannschaftsmeisterschaften bieten immer eine gute Gelegenheit, um alte Freunde zu treffen, zu hören, wie es ihnen geht, zu plaudern und die Zeit zu genießen. Schön sind auch die Orte, in denen die Meisterschaften gespielt werden. Entweder spielt man in Kurorten im Gebirge oder, was häufiger vorkommt, in Kurorten am Meer.

Sunny Beach

Sunny Beach ist einer dieser hübschen Orte, und dort wurden dieses Jahr vom 19. bis 25. September die Meisterschaften gespielt.

Turnierleitung

Ein paar Worte zum Modus: In der Spitzengruppe A spielen acht Mannschaften ein Rundenturnier jeder gegen jeden. Die beiden letztplatzierten Mannschaften steigen aus der „Meistergruppe“ ab und werden durch die beiden besten Mannschaften aus Gruppe B ersetzt. Die Männermannschaften bestehen aus sechs Spielern und zwei Ersatzleuten, die Frauenmannschaften aus vier Spielerinnen und einer Ersatzspielerin.

Dieses Jahr habe ich zum ersten Mal in der Mannschaft von “Abritus” Razgrad gespielt. Ein Team, das aus mehreren Gründen ungewöhnlich ist. Zunächst einmal haben wir den größten Fan-Club. Meistens gibt es bei den bulgarischen Mannschaftsmeisterschaften mehr Fans des Teams als Spieler. Zweitens finanziert sich das Team durch Poker.

Loek van Wely meint, Schach würde seine Pokerabenteuer finanzieren, doch bei “Abritus” ist es andersherum. Das Geld für die Mannschaft wird zu gleichen Teilen von einem erfolgreichen pharmazeutischen Unternehmen und drei erfolgreichen Schach- bzw. Pokerspielern aufgebracht. Stelyan Georgiev (Spirit), Vladimir Velikov (Bushi) und Yanko Yankov haben eine Menge Gemeinsamkeiten. Sie sind professionelle Pokerspieler, aber haben zunächst als Schachspieler angefangen. Auch ihr Trainer, Schachmeister Rosen Rusev, ist ein erfahrener Pokerspieler. Seit ein paar Jahren unterstützen sie den Verein nicht nur moralisch, sondern auch finanziell. Letztes Jahr haben sie es sogar geschafft, dass GM P. Eljanov und GM K. Miton bei den Bulgarischen Mannschaftsmeisterschaften dabei waren.

Damit nicht genug, Stelyan und Vladimir haben sogar Raum für Profispieler gemacht und in der Zweiten Liga gespielt. Da haben sie gut gepunktet, vor allem Vladimir, der ein Ergebnis von 4 aus 5 erzielt hat.

Zu Beginn der diesjährigen Meisterschaft mussten wir allerdings noch ein paar Probleme lösen. Zunächst einmal war da die Mannschaftsaufstellung. Unsere Mannschaft besteht aus fünf GMs und zwei starken IMs (und einer von ihnen, I. Enchev, ist dieses Jahr bei der Bulgarischen Einzelmeisterschaft Zweiter geworden!). Wir entschieden uns für die Strategie, zu versuchen, an den vorderen Brettern die Kasse zu halten und an den hinteren Brettern zu punkten. Im Nachhinein scheint das eine kluge Entscheidung gewesen zu sein, denn dieser Plan ging voll und ganz auf. Außerdem haben alle Spieler der Mannschaft ein Plus-Score erzielt.

 

Endstand

 

Rk. Team 1 2 3 4 5 6 7 8  TB1   TB2   TB3 
1 ''Abritus'', Razgrad  *  3 4 4 5 5 13 28.0 0
2 ''Lokomotiv'', Plovdiv 3  *  3 3 5 2 5 4 9 25.0 0
3 ''Lokomotiv'', Sofia 2 3  *  3 3 5 9 23.0 0
4 ''Nayden Voynov'', Vidin 3 3  *  4 4 8 22.5 0
5 ''Lokomotiv 2000'', Plovdiv 1 3  *  3 3 7 20.5 0
6 ''Marek-Union Ivkoni'', Dupnitsa 2 4 2 3  *  3 6 20.0 0
7 ''Energiya 21'', Dobrich 1 1 1 3 3  *  3 3 14.5 0
8 ''Maritsa-Iztok'', Radnevo 1 2 2 3  *  1 14.5 0

Quelle: Chess-results...

Partien...

 

Größere Probleme warf dann das zweite Problem auf: Wir mussten entscheiden, wo und wann wir den Titelgewinn feiern sollten… Am Ende der Mannschaftsbesprechung fassten wir den demokratischen und weisen Entschluss, den Titel schon eine Runde vor Schluss sicher zu haben, damit noch genug Zeit zum Feiern verblieb.

IM Kalin Karakehajov mit Freundin

 

GM Momchil Nikolov mit Tsveta Galunova

 

Mariya Ruseva und Denitsa Kukleva

Und da wir alle verantwortungsbewusste Menschen sind, mussten wir uns an diesen Plan halten. Tatsächlich gewannen wir die ersten sechs der sieben Wettkämpfe und mit 12 Mannschaftspunkten lagen wir eine Runde vor Schluss ganze vier Punkte uneinholbar vor dem Zweiten.

Unsere Meistermannschaft bestand aus GM K. Rusev, GM V. Georgiev, GM B. Chatalbashev, GM M. Nikolov, GM D. Bojkov sowie IM I. Enchev und IM K. Karakehajov.

Die Silbermedaille ging an Titelverteidiger Lokomotive Plovdiv, die Bronzemedaille gewann Lokomotive Sofia.

Wie schon so oft verlief das Rennen bei den Frauen sehr viel spannender. Vor der letzten Runde konnten sich nicht weniger als drei Mannschaften Hoffnungen auf den Titel machen, und zwei von ihnen, CSKA und Shah 21, mussten in der letzten Runde gegeneinander antreten. Die dritte Mannschaft mit Titelambitionen, Lokomotiv Plovdiv, gewann in der letzten Runde nur denkbar knapp und musste warten, welche Medaille denn nun dabei heraussprang. Am Ende war es Silber, denn die letzte Partie des Turniers zwischen E. Raeva (Shah 21) und A. Stojanovic (CSKA) endete zugunsten der Spielerin von CSKA, die damit ihrer Mannschaft Sieg und Titel sicherte.

Die Mannschaft des Siegerteams bei den Frauen bestand aus WIM E. Raeva, WGM M. Velcheva, WGM S. Maksimovic und M. Stefanova.

 

Rk. Team 1 2 3 4 5 6 7 8  TB1   TB2   TB3 
1 Shah XXI, Sofia  *  2 2 3 4 12 20.5 0
2 Lokomotiv, Plovdiv 2  *  2 4 4 12 19.5 0
3 CSKA, Sofia  *  2 3 4 9 19.0 0
4 Lokomotiv 2000, Plovdiv 2 2  *  2 4 9 17.5 0
5 Spartak Pleven XXI ½ 2 1  *  2 3 3 6 13.0 0
6 Marek-Union Ivkoni, Dupnitsa 1 ½ ½ 2  *  5 11.5 0
7 Ivis-plus, Sofia ½ 0 ½ 2 1 ½  *  2 2 6.5 0
8 Viktory, Blagoevgrad 0 0 0 0 1 2  *  1 4.5 0

Quelle: Chess-results.com

Partien...


Lokomotiv 2000, Plovdiv, v.re.: Iva Videnova, Adriana Nikolova , Darena Sirkova, Nurgyul Salimova

Adriana Nikolova

Spartak Pleven XXI

Plamena Andreeva

 

Bei den Männern schafften Yuri Benderev Pernik und CSKA den Aufstieg in Gruppe A, bei den Frauen dürfen Etar und Krakra Pernishki nächstes Jahr um den Titel spielen.

GM Dejan Bojkov

http://dejanbojkov.blogspot.com/

Ausflug zum Meer

 

Am Yachthafen

Das Team von Spartak Pleven XXI nutzte die Zeit vor den Runden zu einem Ausflug am Strand

Slaveja Shtereva denkt über ihre letzte Partie nach

Svetlana Tsvetkova

Die Spielerinnen tanken Energie für die nächste Runde

Slaveja Shtereva hat Spaß

Slaveja Shtereva, Svetlana Tsvetkova, Stefi Bednikova

Slaveja Shtereva, Svetlana Tsvetkova, Elitza Raeva

Die besten Ideen hat man an der frischen Luft

Guter Team Spirit an der Bar

Veronika Andreeva ist guter Dinge

Jetzt aber auf die nächst Partie vorbereiten...

Was gibt es Neues im Najdorf-Sizi?

Bis zum nächsten Mal...


Fotos: Veronika Adreeva und Denitsa Kukleva

 


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