Die Europamannschaftsmeisterschaften auf Kreta

26.10.2007 – Morgen Nachmittag beginnen auf Kreta die Europamannschaftsmeisterschaften für Männer und Frauen. Der Wettbewerb ist außerordentlich gut besetzt und die meisten Länder schicken ihre besten Spieler ins Rennen. Deutschland tritt bei den Männern mit einer neu formierten Mannschaft an, die mit einem Durchschnittsalter von 23 Jahren die jüngste ist, die der DSB je bei einem solchen Wettbewerb aufgeboten hat. In der Setzliste liegt das Deutsche Team auf Rang 15. Die Frauenmannschaft ist nun mit Marta Michna verstärkt und ist mit einem Alterschnitt von 24 Jahren ebenfalls ein sehr junges Team. In der Setzliste nehmen die deutschen Frauen Platz Sieben ein. Gastgeber des Turniers ist das Creta Maris Hotel in der Nähe von Heraklion. Rundenbeginn ist jeweils um 15.30. Dagobert Kohlmeyer sprach mit Bundestrainer Uwe Bönsch über die Entwicklung in den deutschen Nationalmannschaften. Infos und Interview...

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Europamannschaftsmeisterschaften
27. Oktober - 7. November 2007
Creta Maris Hotel, Heraklion, Kreta 
http://www.euroteams2007.org

Mannschaften und Aufstellungen:

Männer... , Frauen...

Bisherige Sieger:

Männer:

 

 

Frauen:

Schedule
1957: USSR
1961: USSR
1965: USSR
1970: USSR
1973: USSR
1977: USSR
1980: USSR
1983: USSR
1989: USSR
1992: Russia
1997: England
1999: Armenia
2001: Netherlands
2003: Russia
2005: Netherlands
1992: Ukraine
1997: Georgia
1999: Slovakia
2001: France
2003: Armenia
2005: Poland
 
27 October: Arrival of Delegations
27 October: Captain’s Meeting - 22:00
28 October: Opening Ceremony - 15:00
28 October: Round 1 - 15:30
29 October: Round 2 - 15:30
30 October: Round 3 - 15:30
31 October: Round 4 - 15:30
1 November: Round 5 - 15:30
2 November: Free Day
3 November: Round 6 - 15:30
4 November: Round 7 - 15:30
5 November: Round 8 - 15:30
6 November: Round 9 - 11:00
6 November: Closing Ceremony – 20:00
7 November: Departure of delegations
 


„Einen großen Namen bekommt man nicht so schnell“
Interview mit Bundestrainer Uwe Bönsch
Von Dagobert Kohlmeyer

Bei der am Sonntag auf Kreta beginnenden Mannschafts-Europameisterschaft im Schach spielen Herren- und Damenteams an je vier Brettern. Der Deutsche Schachbund schickt zwei sehr junge Teams in den Kampf um Medaillen und Plätze. Dagobert Kohlmeyer sprach mit Bundestrainer Uwe Bönsch über die Vorbereitung der DSB-Aktiven, über ihre Chancen und andere aktuelle Vorhaben.

Uwe, Ihr seid kurz vor der EM wieder im Trainingslager gewesen. Wo habt Ihr Euch präpariert?

Wir waren in Gladenbach (Hessen), wo sich die Mannschaften der Damen und Herren vorbereitet haben. Der fünftägige Lehrgang war erfolgreich, ich bin mit den Ergebnissen sehr zufrieden.

Welche Ziele hast Du verfolgt?

Es waren verschiedene. Neben der schachlichen Vorbereitung stand die Teambildung im Vordergrund, weil die beiden Mannschaften völlig umgekrempelt wurden. Es sind sehr junge Teams. Bei den Männern beträgt der Altersdurchschnitt 23 Jahre, bei den Frauen 24. Für deutsche Mannschaften ist das sehr jung, aber international geht ja der Trend in diese Richtung.

Was wurde bei dem Lehrgang noch getan?

Ich habe unter anderem auch ein Medientraining organisiert. Dort erklärte der Sprecher der Nationalmannschaft, Andreas Gerdau, wie man sich in emotional aufgeladenen Situationen verhält. Damit die Spielerinnen und Spieler zum Beispiel auch nach einer Niederlage Journalisten gegenüber das Geschehen analysieren und richtig Auskunft geben können. Wie wir wissen, ist das nicht so einfach. Darüber hinaus wurde viel Ausgleichssport getrieben. Jeden Tag haben wir zwei Stunden in der Turmhalle unter Anleitung von Joachim Gries (er ist Lehrer in Gladenbach) ein Fitnessprogramm absolviert, das auf sehr viel Gegenliebe gestoßen ist und den Kaderspielern viel Freude gemacht hat.

Warum war die deutsche Nr.1 Arkadij Naiditsch nicht dabei?

Er hatte in diesen Tagen ein anderes Programm und wollte nicht.

Die größten Erfolge von DSB-Teams (Silber bei der Schacholympiade 2000 in Istanbul und dreimal EM-Bronze) liegen etliche Jahre zurück. Wie beurteilst Du die Chancen 2007?

Unsere Frauen sind an Nr. 7 gesetzt und gar nicht so weit weg vom Kampf um einen Medaillenrang. Bei Elisabeth Pähtz und ihren Kolleginnen sehe ich auch die meisten Chancen. Das Männerteam ist hingegen nur Nr. 15 der Setzliste. Eben wegen des Schnitts, den wir gemacht haben. Dort wäre ein einstelliger Tabellenplatz schon ein guter Erfolg.

Zum Trainingslager gehörte auch ein erfolgreicher Internet-Dreikampf mit Österreich und der Schweiz. War das ein Novum?

Ja, sogar eine Weltneuheit. Wir haben eine Kooperation von DSB und ChessBase, und im Rahmen dieser Zusammenarbeit hat dieser Länderkampf stattgefunden. Die Hamburger arbeiten auch mit dem Schweizern und Österreichern zusammen. Wir dachten, es ist eine gute Idee, sich während des Lehrgangs einmal in „unserem Medium“, dem Internet, wettkampfmäßig auszuprobieren.

Wo habt hat Ihr denn gespielt?

Im Computerkabinett der Schule, wo der Lehrgang stattfand. Ich fand es recht spannend und interessant. Jeder hat ganz ehrlich gespielt, das sieht man auch an den Ergebnissen. Die Partien waren allesamt ausgekämpft. Es war ja ein reiner Freundschaftskampf, bei dem es weder um Honorare, noch um Plätze ging. Dennoch hat jeder sein Bestes gegeben.

Wie nahmst Du als Coach auf deine Schützlinge Einfluss?

Ich habe versucht, eine Wettkampfatmosphäre zu schaffen und den Aktiven gesagt, sie sollen sich anstrengen und auch während der Partie nicht reden. Das tut man ja sonst manchmal, wenn man im Internet spielt. Dort war es aber nicht der Fall, und jeder hat sich 100prozentig reingehängt.

Das große Vorhaben des DSB ist ein gutes Abschneiden 2008 in Dresden. Welche Trainingsziele gibt es nach der Team-EM in Richtung Schacholympiade?

Es werden noch zwei Lehrgänge stattfinden, wo alle Kaderspielerinnen und -spieler noch einmal zusammenkommen. Als Höhepunkt der mannschaftlichen Vorbereitung gibt es dann in der zweiten Augusthälfte 2008 einen Länderkampf gegen China. Wir spielen in Altenkirchen (Westerwald) an insgesamt 10 Brettern. Dort gab es auch schon zweimal eine deutsche Meisterschaft.

Oh, das ist ja ein echtes Highlight!

Mehr noch, wir nehmen es sehr ernst und sind deshalb schon recht weit in der Vorbereitung. Weil das eine so große Herausforderung ist. Die Chinesen haben schon die Russen oder andere starke Mannschaften geschlagen. Das wird ein harter Brocken, ein echter Prüfstein vor der Schacholympiade in Dresden. Je fünf Männer und fünf Frauen beider Länder spielen gegeneinander, also die kompletten Olympiateams.

Ein Wort noch zur Sportfördergruppe der Bundeswehr. Wie hilfreich ist sie?

Sie hilft verschiedenen Kadern des DSB sehr, und zwar seit Jahren. Elisabeth Pähtz sowie David Baramidse sind schon einige Zeit dabei, und Arik Braun hat am 1. Oktober mit dem Dienst begonnen. Er absolviert gerade seine Grundausbildung. Ab 1. Dezember ist er dann Sportsoldat.


Elisabeth Pähtz

Wie kommentierst du Georg Meiers fünften Platz bei der Junioren-WM in Jerewan?

Ganz große Klasse. Nur schade, dass er die letzte Partie gegen den neuen Champion verloren hat. Wenn er sie gewonnen hätte, wäre er Weltmeister geworden. Trotzdem ist es ein großer Erfolg gewesen. Georg schafft vielleicht sogar noch den Sprung in die A-Mannschaft. Da müssen sich manche, die jetzt nominiert sind, noch ganz schön anstrengen und sich seiner Konkurrenz erwehren.

Der Nachwuchs macht Freude. Dennoch ist es schade, dass dem deutschen Schach derzeit solche Gallionsfiguren wie Robert Hübner oder Artur Jussupow fehlen.

Ja, mit ihnen holten wir Silber bei der Olympiade in Istanbul. Aber jetzt war eben der Zeitpunkt gekommen, einen Schnitt zu machen und eine junge Mannschaft aufzustellen. Mit Blick auf die Schacholympiade in Dresden ist die Team-EM zwar eine ganz wichtige Veranstaltung, aber eigentlich nur ein Etappenziel.

Wo aber bleiben die Aushängeschilder?

Ich hoffe, dass einer noch in diese Rolle hineinwächst. Die jungen Großmeister entwickeln sich ja im Moment alle rasend schnell. Es könnte doch sein, dass ein David Baramidse, Georg Meier, Falko Bindrich oder Rainer Buhmann noch einen richtigen Sprung macht. Dann kann er durchaus so weit sein, dass er leistungsmäßig ganz weit vorn mitmischt.

Das macht aber noch keinen großen Namen.

Sicher. Ein junger Großmeister hat natürlich nicht diesen Namen wie ein Hübner oder Jussupow. Den erwirbt man sich erst in vielen Jahren durch Bekanntheit und eine erfolgreiche Karriere. Eine Berühmtheit wird man nicht so schnell. Selbst Arkadij Naiditsch, der ja recht erfolgreich und derzeit bester deutscher Spieler ist, hat ja bei weitem nicht diesen Namen.

Du engagierst Dich, wie wir wissen, sehr für das Frauenschach. Unterstützt Du auch das Damenturnier am 23. November in Berlin?

Sehr gern. Ich finde es großartig, dass dieses Frauenturnier, bei dem Elisabeth Pähtz Titelverteidigerin ist, schon zum zweiten Mal stattfindet. Ich werde dort hinkommen und an diesem Abend die Partien der Spielerinnen für das Publikum kommentieren.

Uwe, Du könntest ja bald ein Bett in Berlin aufschlagen. Mehrmals im Jahr leitest Du in der Hauptstadt auch Lehrgänge in der FIDE-Trainerakademie.

So ist es. Die Kurse werden weltweit sehr angenommen. Bisher haben wir Teilnehmer aus mehr als 20 Ländern ausgebildet. Wir sind international anerkannt, die Resonanz ist sehr erfreulich und wird immer größer. Schade ist nur, wenn ich an den letzten Lehrgang im Oktober denke, dass dort die Zahl der Teilnehmer reduziert war. Das lag aber nicht in unserer Macht.

Was ist passiert, wo lagen die Ursachen?

Es gab Visa-Probleme. Manche Botschaften sehen das doch sehr strikt. Gerade bei solchen Veranstaltungen sind wir darauf angewiesen, dass unsere Gäste ohne weiteres nach Deutschland einreisen können. Sie sind ja nur eine Woche bei uns. Aber gerade in einigen afrikanischen und anderen Staaten wird es sehr streng gesehen, und trotz ordnungsgemäßer Einladung an die Schachfreunde ist es mitunter ganz schwierig für diese, unsere Lehrgänge zu besuchen.

Wann kommt der Bundestrainer Uwe Bönsch, der ja Großmeister ist, selbst noch zum Schachspielen?


Blitzpartie Horst Metzing gegen Uwe Bönsch

Leider viel zu selten. Ich spiele noch für TV Tegernsee in der 1. Bundesliga und war auch beim Saisonauftakt in Hamburg. Wie oft ich zum Einsatz komme, bleibt abzuwarten. Es wird nicht mehr so viel sein wie früher. Ich spiele auch keine Einzelturniere mehr. Mein Schwerpunkt ist ganz eindeutig die Tätigkeit als Bundestrainer.

Die DSB-Teams bei der Mannschafts-EM in Heraklion (Kreta)
(28. Oktober bis zum 06. November)

Männer:

GM Arkadij Naiditsch (OSC Baden-Baden, ELO 2652),
GM Jan Gustafsson (Hamburger SK, ELO 2606),
GM Rainer Buhmann (SV Hockenheim, ELO 2583),
GM Leonid Kritz (Werder Bremen, ELO 2571)
GM David Baramidse (SV Bindlach-Aktionär, ELO 2569)

Frauen:

Elisabeth Pähtz (SC Kreuzberg, ELO 2457)
Ketino Kachiani-Gersinska (OSC Baden-Baden, ELO 2405)
Marta Michna (Hamburger SK, ELO 2377)
Manuela Mader (SV 1947 Walldorf, ELO 2204)
Melanie Ohme (SC Leipzig Gohlis, ELO 2278)


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