Power Play 23 und 24

Heute auf schach.de

Recent Grandmaster Games

– Großmeisterpartien müssen nicht immer kompliziert sein! IM Merijn van Delft beleuchtet alle Züge der Partie. Pläne werden erklärt, Fehler aufgezeigt. So lernt man, wie die Großmeister spielen. Wieder zur alten Startzeit 20 Uhr! (Englisch)  Alle Veranstaltungen im Kalender!

Neuheiten

Fritz 15

Neuer Fritz, neuer Freund! Spielen auf höchstem Niveau mt der neuen „Deep“-Fritz15-Engine. Premium-Account für ChessBase WebApps: Mediathek, Taktikserver u.v.m. Sofort-Analyse Ihrer Playchess-Partien. Verbesserte Trainingsfunktionen für alle Partiephasen!

69,90 €

Komplettes Nimzoindisch Powerbook 2016

Wir haben den gesamten Bereich (E00-E59) im "Komplettes Nimzoindisch-Powerbook 2016" zusammengefasst. Es basiert u.a. auf 45.000 Partien aus der Mega Datenbank und 4.000 Fernschachpartien. Den Löwenanteil stellen die 245.000 Partien aus dem Maschinenraum.

9,90 €

Abgelehntes Damengambit Powerbook 2016

Für das Damengambit-Powerbook wurde hochwertiges Material verwendet: 90.000 Partien aus der Mega Database und vom Fernschach, dazu kommen über 310.000 Partien aus dem Maschinenraum von Schach.de.

9,90 €

The Semi-Slav

Halb-Slawisch (1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 e6) ist eine der interessantesten und spannendsten Eröffnungen nach 1.d4. Nielsen erklärt auf dieser DVD was hinter dieser Eröffnung steckt.

29,90 €

Fritz&Fertig Schach-Arbeitsheft für Lehrer

Wie unterrchtet man Schach an der Schule? Die Fritz&Fertig Autoren haben ein prächtig illustriertes Arbeitsheft für Lehrer erstellt, das eine umfassende Material-, Methoden- und Ideensammlung für den Unterreicht an der Grundschule bietet.

39,90 €

Fritz&Fertig Schach-Arbeitsheft für Schüler

Das Fritz&Fertig Arbeitsheft bietet alles, was Kinder zum Schachlernen brauchen: Von der Vorstellung der Figuren und ihren Gangarten bis hin zu Tipps für den Partieanfang. Mit vielen Aufgabenblättern und Lernspielen. Ideal für den Schachunterricht!

9,90 €

The Black Lion - an aggressive version of the Philidor Defense

Nach 1.e4 d6 2.d4 Sf6 3.Sc3 e5 4.Sf3 Sbd7 5.Lc4 Le7 6.0–0 c6 will der Löwe brüllen – und Schwarz hat den Plan, mit frühem ...g5 anzugreifen.

29,90 €

Anzeige
ChessBase empfiehlt bei Büchern und Material Schach Niggemann

Die FIDE-Wahlen

26.04.2006 – Während der nächsten Schacholympiade in Turin findet ein Kongress der FIDE statt, auf dem das Präsidium neu gewählt wird. Erstmals sieht sich Kirsan Illyumshinov mit Bessel Kok einem ernsthaften Herausforderer gegenüber. Beide Kandidaten haben Webseiten mit ihren Kampagnen ins Netz gestellt. Wer sich die so genannten "Tickets" der beiden Kandidaten anschaut, gerät ins Grübeln. Keines der großen Schachländer ist dort vertreten. Tatsächlich hat auf dem FIDE-Kongress gemäß Statuten jedes Mitgliedsland bei der Präsidentschaftswahl genau eine Stimme. Nach dieser Logik sind die Bemudas mit ihren 65.000 Einwohnern und drei Schachfreunden mit Ratingzahl ebenso bedeutsam, wie z.B. Indien mit 1 Mrd. Einwohner und über 2000 Turnierschachspielern. Deutschland, Russland, Spanien und Frankreich mit 25.000 Turnierschachspielern werden mit ihren vier Stimmen völlig durch Madagaskar, Malawi, Belize und Uganda aufgewogen (zusammen: 0 Schachspieler mit Wertungszahl). Mehr zur FIDE-Wahl...
ChessBase 13 Download

ChessBase 13 Download

Machen Sie es wie Carlsen, Anand & Co! Starten Sie mit dem neuen ChessBase 13 Programm Ihre ganz persönliche Erfolgsgeschichte. Nutzen Sie die ultraschnelle Online-Datenbank mit über 7 Mio. Partien für eine punktgenaue Vorbereitung auf Ihre Gegner. Sichern Sie sich mit Hilfe der verbesserten Repertoirefunktion entscheidenden Eröffnungsvorteil. Speichern und analysieren Sie Ihre eigenen Partien und Ihr Repertoire nicht nur lokal sondern jetzt auch von unterwegs in der ChessBase-Cloud.

Mehr...

Wer beherrscht die FIDE?
Von André Schulz

Während der Schacholympiade in Turin wird das FIDE-Präsidium neu gewählt. Es ist das erste Mal, dass der Amtsinhaber Kirsan Ilyumshinov sich in seiner 10-jährigen Amtszeit einem ernsthaften Gegenkandidaten gegenüber sieht. Bis dato waren die in zweijährigem Abstand durchgeführten Wahlen ein Selbstgänger. In der Vergangenheit reichte es notfalls, einen möglichen Gegenkandidaten einfach als Vizepräsidenten mit in das Präsidium aufzunehmen, um eine Gegenkandidatur zu verhindern, wie das z.B. einmal im Fall des Gegenkandidaten in spe Ignatius Leong geschah.

Diesmal gestaltet sich die Angelegenheit für Kirsan Ilyumshinov jedoch nicht ganz so leicht, denn mit Bessel Kok hat ein Mann seine Kandidatur angemeldet, der in der Schachwelt seit der Gründung der GMA Mitte der Achtziger Jahre einen Namen hat und als erfolgreicher Manager in der Telekommunikation gegenüber finanziellen Zuwendungen resistent ist.

Am Anfang: 14 gleichstarke Partner

Die FIDE wurde 1924  von den Verbänden der Länder Argentinien, Belgien, England, Frankreich, Italien, Jugoslawien, Kanada, Niederlande, Polen, Rumänien, Schweiz, Spanien, Tschechoslowakei und Ungarn gegründet. Die Mehrzahl der Länder kamen aus Europa, nur das Gründungsmitglied Argentinien machte den Verband schon zum Weltverband. Es ist schwierig die Geschichte der FIDE in Bezug auf ihre Statuten zu recherchieren; ich vermute jedoch, dass die Regularien zur Präsidiumswahl damals denen von heute im wesentlichen Punkt glichen. Bei der Wahl hatte jedes der Mitgliedsverbände über einen Delegierten eine Stimme und die Mehrheit entschied, wer Präsident wurde. An diesem Prinzip hat sich bis heute nichts geändert, doch inzwischen ist aus dem Miniverband von 14 an Schachfreunden einigermaßen gleich starken Mitgliedern ein großer Weltverband mit über 140 Mitgliedsverbänden  geworden. Und nach wie vor hat bei der Präsidiumswahl jeder der Delegierten eine Stimme. Doch heute gibt es zwischen den Mitgliedern gewaltige Unterschiede in der Größe der Bevölkerung der repräsentierten Länder, in ihrer Schachtradition und in der Popularität, die das Schach genießt. Dennoch hat jeder Mitgliedsverband unabhängig davon genau eine Stimme, also den gleichen Einfluss auf die Politik des Weltverbandes.

FIDE-Logik: 25.000 Spieler= 4 Stimmen, 0 Spieler = 4 Stimmen

Obwohl es keine Angaben darüber gibt, wie viele Schachfreunde es in den verschiedenen Ländern der Welt gibt, bzw. es sehr mühsam und langwierig wäre, diese Daten zu ermitteln, kann man anhand einiger bekannte Zahlen doch zuverlässige Rückschlüsse darauf ziehen. In der Ratingliste der FIDE werden werden für jedes der 140 Länder genaue Angaben über die Anzahl der gewerteten Spieler (unterschieden in aktiv und insgesamt), sowie die Anzahl der unterschiedlichen Titelträger ausgegeben. Bei der Durchsicht dieser Zahlen kann man verblüffende Beobachtungen machen. So ist der weltweit führende Verband in der Anzahl der gewerteten Spieler nicht etwa Russland, sondern Deutschland. Russland folgt an zweiter Stelle. Dritter ist Spanien, gefolgt von Frankreich. Diese vier Länder repräsentieren über 25.000 Turnierspieler. Bei der FIDE sind sie mit vier Delegierten vertreten und haben vier Stimmen bei der Präsidiumswahl. Genauso stark wie diese vier Länder ist eine Gruppe bestehend aus Madagaskar, Malawi, Belize und der Uganda. Auch diese vier Mitglieder haben zusammen vier Stimmen. Sie repräsentieren genau 0 (in Worten: Null) Turnierspieler. Es gibt eine Vielzahl von Verbänden in der FIDE aus Ländern, in denen es so gut wie keine Schachspieler gibt. Kanada und die USA, also ganz Nordamerika wird nach der Logik der FIDE-Organisation durch die Niederländischen Antillen und die Bermudas völlig aufgewogen.

Große und kleine Schachnationen

Deutschland steht also in der Zahl der gewerteten Spieler an erster Stelle und hat vermutlich auch die meisten Verbandmitglieder von allen FIDE--Mitgliedsstaaten. Dennoch hat man den Eindruck, dass es in Russland mehr Schachliebhaber gibt als in Deutschland, und Schach viel tiefer in der Gesellschaft verwurzelt ist. So hat Russland z.B. doppelt so viele Titelträger wie Deutschland, was auch in diese Richtung deutet. Der Grund dafür, dass es dennoch weniger gewertete Spieler gibt, als es eigentlich geben müsste, liegt offenbar darin, dass es in Russland nicht genug Turniere gibt, die für die einheimischen Spieler die Bedingungen bieten, sich internationale Elozahlen zu erwerben. Kurz: Es gibt hier viele Schachfreunde und gute Spieler, aber wenig Turniere.

Anders ausgedrückt bedeutet das, dass die Zahl der gewerteten Spieler in einem Land nicht nur einen Anhaltspunkt dafür gibt, wie viele Menschen hier Turnierschach spielen, sondern auch darüber, wie viele Turnieraktivität in dem jeweiligen Land herrscht. Letzteres gibt das noch einmal einen Hinweis auf die Popularität des Schachs in dem jeweiligen Land, aber auch darauf, ob dort von Veranstaltern Geld für die Organisation von Turnieren ausgegeben wird. In Russland ist Schach in der Bevölkerung populär, aber es gibt nicht die entsprechende Anzahl Turnier. Noch dramatischer ist die Situation in China. Die Frauenschachnation Nummer Eins liegt gemessen an der durchschnittlichen Wertungszahl ihrer Spitzenspieler auf Rang Sieben in der Welt, doch gemessen an der Zahl der gewerteten Spieler ist China mit etwa 324 Spielern, davon nur 164 aktiv, nur Entwicklungsland (in der Liste unten ist China nicht aufgeführt, da es sich bisher nicht für einen der Kandidaten ausgesprochen hat). Wie populär das westliche Schach dort ist, wissen wir nicht, aber offenbar gibt es so gut wie keine internationalen Turniere (Zum Vergleich: Indien hat über 1700 aktive gewertete Spieler). Anders ist es in Deutschland, Spanien oder Frankreich, wo viele Turniere angeboten werden.

Egal ob ein Land sehr groß ist (Indien: über 1 Mrd. Menschen) oder sehr klein (Bermuda 65.000), sehr viele gewertete Schachspieler hat (Deutschland: Über 9000) oder sehr wenige (Belize: 0), beim FIDE-Kongress sind alle gleich wichtig und haben den gleichen Einfluss auf die FIDE-Politik, denn alle haben die gleiche Anzahl von stimmberechtigten Delegierten, und zwar Einen.

Ein solches Wahlrecht wäre in der Politik völlig absurd und ist in anderen Sportverbänden auch nicht unbedingt üblich.

Wahlrecht: Es ginge auch anders

In Deutschland beispielsweise sind die politischen Wahlbezirke so eingeteilt, dass sie alle in etwa die gleiche Anzahl an stimmberechtigen Bürgern umfassen. So ist das Bevölkerungsstärkste Bundesland  Nordrhein-Westfalen im Bundestag entsprechend seiner Bevölkerung repräsentiert. Sehr viel weniger Abgeordnete kommen aus dem Saarland. Ähnlich ist das EU-Parlament organisiert. Deutschland schickt sehr viel mehr Abgeordnete als Luxemburg ins Parlament, wenn auch nicht so viel mehr, wie es wegen des Unterschieds der Bevölkerungszahlen eigentlich sein müssten (Luxemburg hat durch die Zahl seiner Abgeordneten 12 mal mehr Einfluss auf die EU-Politik, als das Land gemessen an seiner Bevölkerung haben müsste.).

In den Sportverbänden ist das anders, da die Mitgliedsländer als gleichberechtigte juristische Personen gesehen werden, aber selbst hier gibt es doch zumeist Strukturen, die geeignet sind die Popularität des Sports in den einzelnen Ländern im Verband und der Verbandsführung korrekt abzubilden. Vielleicht kann man das Interesse am Schach ganz gut mit dem Interesse an Eishockey vergleichen. Der Wintersport Eishockey ist wie auch Schach nicht überall gleich populär auf der Welt und wird mangels Eis nicht überall gespielt. Wenn man sich auf der sehr gut strukturierten und informativen Webseite des IIHF einmal die Besetzung des Präsidiums anschaut, stellt man fest, dass dort die großen Eishockey-Nationen in angemessner Weise vertreten sind. Offenbar herrschen hier andere Stimmverhältnisse als im Schach und tatsächlich unterscheiden die Statuten des IIHF nach Vollmitgliedern (mit 2 Delegierte), Halbmitgliedern (1 Delegierter) und assoziierten Mitgliedern (ohne Stimmrecht). Der Status ist abhängig davon, ob bestimmte Kriterien erfüllt sind. Es geht also auch im Sport anders.

Für die Förderung des Schachs es sicher sehr hübsch, wenn zum Beispiel die US Virgin Islands mit einer Schachmannschaft auf den Olympiaden antreten - und es ist bestimmt nicht einfach, unter den 100.000 Einwohnern mit acht Spielern mit Ratingzahl (davon 5 nicht mehr aktiv) eine Mannschaft zusammen zu bekommen. Doch nach welcher Logik ist es denn wohl notwendig, diesem Miniverband mit vielleicht 20 Schachfreunden eine Vollmitgliedschaft im FIDE-Kongress und damit den gleichen politischen Einfluss wie den großen Traditionsschachländern einzuräumen?

Wer einmal einen Blick auf die beiden Wahl-"Tickets" der Kandidaten wirft, sieht, wie sich dieser Umstand auf die nächste Führung der FIDE auswirken wird:

Kirsan Ilyumzhinov Bessel Kok 
http://www.chessfidelity.com/ http://www.rightmove06.com/
Georgios Makropoulos (Griechenland) Ali Nihat Yazici (Türkei)
Lewis Ncube (Zambia) Panupand Vijjuprabha (Thailand)
Ignatius Leong (Singapur) Julio Ingolotti (Paraguay)
Nigel Freeman (Bermuda) Geoffrey D Borg (Malta)

Quiz: Wie viele Schachspieler werden durch diese Kandidaten repräsentiert? Antwort: s. Tabelle unten

Weltverband mit Schrebergartenstatuten

Anhand der Teilnehmerlisten bei den Schacholympiaden (Quelle: www.olimpbase.org, Mega 2006) kann man auf die anwachsende Zahl von Mitgliedern bei der FIDE im Laufe der Zeit schließen. 1970 in Siegen waren es 60 Länder bei der Männerolympiade, 1982 in Luzern 92. 2002 in Bled als bisheriger Rekord 135 Teilnehmerländer. Die FIDE-Ratingliste kennt 140 Mitgliedsländer. Doch es muss mehr geben, denn einige Länder, die nicht in der Liste enthalten sind, haben ihre Unterstützung für einen der beiden Kandidaten ausgesprochen. Eine offizielle Liste der Mitgliedsstaaten ist allerdings auf der FIDE-Webseite - wie vieles anders auch- nicht zu finden.

Wahrscheinlich ist die Zahl der Mitgliedsstaaten sogar stark schwankend, denn nicht alle erfüllen ihre finanziellen Verpflichtungen und werden dann aus der FIDE ausgeschlossen. So wissen die Kandidaten der kommenden FIDE-Präsidiumswahl jetzt noch gar nicht, wie viele Stimmen zur Disposition stehen und es ist durchaus möglich, dass die Zahl ganz kurz vor der Wahl wieder deutlich ansteigt, weil ein Gönner plötzlich die ausstehenden Beiträge beglichen hat und erwartet, dass man sich für diese Tat mit der richtigen Stimmabgabe bedankt.

Der starke Zuwachs an neuen Mitgliedsstaaten in der FIDE aus den (Schach-) Entwicklungsregionen fällt zum großen Teil in die Amtszeit des damaligen FIDE-Präsidenten Florenico Campomanes. Zu dieser Zeit, aber auch schon vorher, wurde es versäumt, die FIDE-Statuten der veränderten Situation anzupassen: Tatsächlich war dies aber auch nicht im Interesse von Campomanes, der von diesen Statuten gehörig profitierte. Nun ist es für eine Anpassung der Statuten an die tatsächlichen Gegebenheiten zu spät. Die Mehrheit der Länder ohne Schachspieler aber mit vollem Stimmrecht würde wohl kaum für die eigene Entmachtung stimmen.

Die FIDE: Erfolge und Misserfolge

Die bisherigen FIDE-Präsidenten:
Alexander Rueb 1924-1949 (Niederlande)
Folke Rogard 1949-1970 (Schweden)
Max Euwe 1970-1978 (Niederlande)
Friðrik Ólafsson 1978-1982 (Island)
Florencio Campomanes 1982-1995 (Philippinen)
Kirsan Nikolajewitsch Iljumschinow seit 1995 (Russland/Kalmückien)

Es gäbe gar keinen Grund, sich zu viele Gedanken über die Struktur des Weltschachbundes zu machen, wenn im Weltschach und in der FIDE alles zum Besten bestellt wäre. Doch das ist es nicht. Von 1924 bis 1982 wurde der Verband von Europäern geleitet. Mit den letzten beiden Präsidenten Max Euwe (1970-1978, Niederlande) und Friðrik Ólafsson (1978-1982, Island) standen ein Weltmeister und ein Weltklasse-Großmeister dem Verband vor. Bis dahin war die FIDE ein hoch angesehener Verband. Heute ist das nicht mehr so. Am Ende der Amtszeit von Campomanes 1995 war die FIDE pleite und das Hauptargument für die Wahl von Kirsan Ilyumshinov war, dass dieser als Präsident der autonomen russischen Republik Kalmückien mit eigenem Geld die FIDE sanieren könnte. Als Präsident Kalmückiens herrscht er über 289.881 Einwohner, immerhin doch mehr als der ebenfalls schachbegeisterte Mainzer Oberbürgermeister Jens Beutel, der für das Wohl von knapp 200.000 Bürgern zuständig ist. Aber so groß ist der Unterschied dann doch nicht, so dass man Ilyumshinovs politische Bedeutung vielleicht nicht überbewerten sollte.

Kürzlich wurde Ilyumshinov in seinem Amt als kalmückischer Präsident bestätigt, indem er Putin formal seinen Rücktritt anbot, was Putin ablehnte, wodurch sich die Amtszeit automatisch wieder auf die volle Kadenz von fünf Jahren verlängerte. Das klingt nach Kasperletheater, ist aber in Wirklichkeit russisches Verfassungsrecht.

Hauptsächlich ist Ilyumshinov jedoch Geschäftsmann. Welche Art Geschäfte er alles macht, ist nicht bekannt. Offenbar war er wie eine Reihe anderer russischer Politiker an Ölgeschäften mit dem Irak beteiligt, bevor dort die USA einmarschiert sind. In dieser Zeit soll Öl im Wert von 7,5 Mrd. USD vom Irak verkauft worden sein. In dem Maße wie ihm sein Amt als Präsident eines großen Sportverbandes bei seinen Geschäfteskontakten nützt, bahnt er bei seinen Geschäften auch Schachveranstaltungen an. So kommt es, dass er einst Bagdad als Austragungsort für eine WM vorschlug, eine WM-Endrunde in Teheran spielen ließ und eine ganze WM in Tripolis. Manche Geschäfte platzen aber auch und so konnte der Wettkampf Kasparov gegen Ponomariov nicht in Buenos Aires und aus anderen Gründen auch nicht in Jalta stattfinden. Und es gab auch keinen Wettkampf zwischen Kasparov und Kasimdzhanov in Dubai. Dafür brachte er letztes Jahr Vietnam als Austragungsort eines Worldcups ins Gespräch. Dort hatte er gerade in eine Möbelfabrik investiert. Mit den Turnierorten Bagdad, Teheran oder Tripolis möchte aber kein seriöser Sponsor in Verbindung gebracht werden.

Turniere im Abseits, Image am Boden

Nach zehn Jahren Amtszeit mit dem Präsidenten Ilyumshinov ist die FIDE zwar nicht pleite, aber völlig abhängig von seinen Provisionen und Zuwendungen. Wer das FIDE-Büro besuchen möchte, das sich früher einmal in Luzern befand, der muss nun nach Elista reisen. Noch ist die kalmückische Hauptstadt (100.000 Einwohner) nicht vollständig ans europäische Verkehrsnetz angeschlossen. Deswegen wird der (vielleicht) kommende "Wiedervereinigungswettkampf" zwischen Topalov und Kramnik, der genau dort stattfinden soll, vor Ort kaum mehr Zuschauer finden als die letzten FIDE-Großveranstaltungen in Tripolis, San Luis oder Khanty-Mansiysk, also etwa 20-25 Personen.

Nachdem der selbstherrliche und starrköpfige Campomanes bereits 1993 das Medienzugpferd Kasparov aus der FIDE getrieben hatte, kann Ilyumshinov auf seiner "Erfolgsliste" die völlige Entwertung des Weltmeistertitels mit Hilfe von inadäquaten K.-o. -Spektakeln für sich in Anspruch nehmen. Auch die im Hauruck-Verfahren durchgesetzte Verkürzung der Bedenkzeit stieß auf wenig Gegenliebe und hat dem Spiel selbst nicht genützt. Inzwischen ist "seine Exzellenz" zwar wieder zurück gerudert, doch der Schaden bleibt.

Vielleicht noch mehr als die kurzatmigen und sachunkundigen Entscheidungen des Präsidenten, dem man zugute halten kann, das er immerhin viel Geld für die Schachspieler ausgegeben hat, hat die Schar der Vizepräsidenten, FIDE-Würden- und Funktionsträger dem Ansehen des Verbandes geschadet. Nicht alle, aber zu Viele, hatten nicht so sehr das Wohl des Schachs, oder der Schachspieler, die sie repräsentieren, im Visier, sondern ihre eigenen finanziellen und anderweitigen persönlichen Interessen. Und einige davon haben dabei schon mehrere Präsidenten überdauert.

Die Kandidaten und ihre Lager

Die beiden Kandidaten für die Präsidiumswahl haben Webseiten für ihre Wahlkampagnen eingerichtet, auf denen Sie über ihre Ziele informieren oder die Personen und Verbände auflisten, die ihre Unterstützung ausgesprochen haben (wobei Afghanistan von beiden Seiten beansprucht wird.).

http://www.chessfidelity.com/

http://www.rightmove06.com/

m Folgenden ist dies auf einer Weltkarte grafisch dargestellt. In der nachfolgenden Tabelle sind Informationen über die Länder aufgelistet, die sich für den einen oder anderen Kandidaten ausgesprochen haben. Anhand der Zahlen kann man die Bedeutung der einzelnen Länder innerhalb der Schachwelt ablesen. Neben dem wohl einzigartigen Wahlrecht bietet die FIDE-Wahl noch etwas Besonderes: Hier kämpfen Israel und die Arabischen Länder einmal auf der gleichen Seite. Die beiden im politischen Leben kaum befreundeten Lager haben sich laut Ilyumshinovs Kampagnenseite für seine Kandidatur ausgesprochen. Auch Russland und viele andere Staaten der ehemaligen UdSSR haben dem kalmückischen Präsidenten ihrer Unterstützung zugesagt, ebenso eine Reihe von Mittel- und südamerikanischen Verbänden.

Bessel Kok wird vor allem von den europäischen Ländern unterstützt. Eine Reihe von bedeutenden Schachnationen, darunter Deutschland, Frankreich und Spanien wollen ihn wählen. Während Illymshinov 60 Länder hinter sich weiß, haben sich für Kok bisher 30 Länder ausgesprochen. Damit liegt Ilyumshinov derzeit nach Delegiertenstimmen, und nur so wird bei der FIDE gezählt, vorne. Würde indes nach der Zahl der repräsentierten Schachfreunde gezählt, wäre es Bessel Kok, der weit in Führung läge. Die Verbände, die ihn wählen wollen, repräsentieren knapp 30.000 Turnierspieler, während das Ilyumshinov-Lager nach dieser Zählung nur auf knapp 20.000 Turnierspieler käme.

 

 




Grün=Unterstützung für Kok, Rot= Unterstützung für Ilyumshinov, Blau=Keine Erklärung
Stand 15.4.2006, copyright: ChessBase

 

The full list of supporting countries:
Stand: 15.4.2006

Country Inhabitants * No of Rated Chess Players (Aktiv)** No of Rated Chess Players (Total) ***  No of Titled Players ****  No of Votes Support to
Afghanistan 29.929.000 10 12 2 1 Ilyum./Kok
Albania 3.563.100 23 40 10 1 Ilyumshinov
Algeria 32.531.900 54 89 20 1 Ilyumshinov
Andorra 70.550 20 24 5 1 Kok
Argentina 39.537.900 402 558 179 1 Ilyumshinov
Australia 20.090.400 267 383 70 1 Kok
Azerbaijan 7.912.000 109 189 48 1 Ilyumshinov
Bahrain 688.300 10 18 1 1 Ilyumshinov
Barbados 279.300 21 33 5 1 Ilyumshinov
Belgium 10.364.400 395 440 58 1 Kok
Belize 279.500 0 0 0 1 Ilyumshinov
Bermuda 65.370 8 14 0 1 Ilyumshinov
Botswana 1.640.100 18 29 4 1 Ilyumshinov
Canada 32.805.000 246 404 101 1 Kok
Chile 15.980.900 343 662 36 1 Ilyumshinov
Costa Rica 4.016.200 58 81 14 1 Ilyumshinov
Czech Republic 10.241.100 1657 2004 179 1 Kok
Denmark 5.432.300 680 824 76 1 Kok
Dominican Republic 8.950.000 0 0 0 1 Ilyumshinov
Ecuador 13.363.600 255 318 32 1 Ilyumshinov
Egypt 77.505.800 224 325 38 1 Ilyumshinov
El Salvador 6.704.900 36 51 19 1 Ilyumshinov
England 60.441.500***** 587 1057 205 1 Kok
Ethiopia 73.053.300 2 6 1 1 Ilyumshinov
France 60.656.200 3680 4226 241 1 Kok
Georgia 4.677.400 245 298 87 1 Ilyumshinov
Germany 82.431.400 6957 9167 954 1 Kok
Greece 10.668.400 724 909 73 1 Ilyumshinov
Guatemala 14.655.200 14 39 12 1 Ilyumshinov
Honduras 6.975.200 18 29 8 1 Ilyumshinov
Hungary 10.006.800 1870 2364 338 1 Ilyumshinov
Iceland 296.700 143 195 46 1 Kok
India 1.080.264.400 1713 2209 96 1 Ilyumshinov
Iraq 26.074.900 66 158 22 1 Ilyumshinov
Ireland 4.015.700 70 121 16 1 Kok
Israel 6.276.900 435 651 132 1 Ilyumshinov
Jordan 5.759.700 47 83 10 1 Ilyumshinov
Kazakhstan 15.185.800 197 299 68 1 Ilyumshinov
Kuwait 2.335.600 1 5 0 1 Ilyumshinov
Laos 6.217.100 0 0 0 1 Ilyumshinov
Latvia 2.290.200 136 197 37 1 Ilyumshinov
Lebanon 3.826.000 32 53 9 1 Ilyumshinov
Libya 5.765.600 16 25 6 1 Ilyumshinov
Liechtenstein 33.720 9 12 2 1 Kok
Luxembourg 468.600 62 73 9 1 Kok
Madagascar 18.040.300 0 0 0 1 Ilyumshinov
Malawi 12.158.900 0 0 0 1 Kok
Malta 398.500 18 28 2 1 Kok
Mauritius 1.230.600 4 7 0 1 Ilyumshinov
Moldova 4.455.400 208 255 56 1 Ilyumshinov
Monaco 32.410 15 17 4 1 Kok
Mongolia 2.791.300 52 88 23 1 Ilyumshinov
Morocco 32.725.800 44 53 16 1 Ilyumshinov
Myanmar 42.909.500 233 234 26 Ilyumshinov
Namibia 2.030.700 5 7 1 1 Kok
Netherlands 16.407.500 992 1209 210 1 Kok
Netherlands Antilles 220.000 11 14 1 1 Kok
Nicaragua 5.465.100 42 51 13 1 Ilyumshinov
Nigeria 128.772.000 0 0 0 1 Ilyumshinov
Norway 4.593.000 290 397 65 1 Kok
Pakistan 162.419.900 7 29 3 1 Kok
Palestine 3.761.900 15 27 2 1 Kok
Panama 3.039.200 8 22 2 1 Ilyumshinov
Paraguay 6.347.900 99 111 15 1 Kok
Philippines 87.857.500 69 133 42 1 Ilyumshinov
Qatar 863.100 10  27 7 1 Ilyumshinov
Russia 143.420.300 5703 8260 1588 1 Ilyumshinov
Rwanda 8.440.800 2 2 0 1 Ilyumshinov
Singapore 4.425.700 76 114 34 1 Ilyumshinov
Slovakia 5.431.400 833 937 59 1 Kok
Somali 8.591.600 0 0 0 1 Ilyumshinov
Spain 40.341.500 4220 4883 295 1 Kok
Sudan 40.187.500 9 13 0 1 Ilyumshinov
Surinam 438.100 4 11 0 1 Ilyumshinov
Switzerland 7.489.400 597 785 99 1 Kok
Syria 18.448.800 29 68 17 1 Ilyumshinov
Tajikistan 7.163.500 11 13 4 1 Ilyumshinov
Thailand 65.444.400 47 54 4 1 Kok
Turkmenistan 4.952.100 52 89 32 1 Ilyumshinov
Turkey 69.660.600 304 393 40 1 Kok
Uganda 27.269.500 9 20 0 1 Ilyumshinov
United Arab Emirates 2.563.200 73 124 27 1 Ilyumshinov
USA 295.734.100 788 1614 455 1 Kok
US Virgin Islands 108.700 3 8 0 1 Ilyumshinov
Uzbekistan 26.851.200 125 147 31 1 Ilyumshinov
Venezuela 25.375.300 41 88 30 1 Ilyumshinov
Vietnam 83.535.600 65 110 49 1 Ilyumshinov
Yemen 20.727.100 13 24 5 1 Ilyumshinov
Zambia 11.261.800 9 18 3 1 Ilyumshinov
3.258.710.650 36920 49001 6501 90


Die Lager:

No. of Countries Inhabitants * No of Rated Chess Players (Aktiv)** No of Rated Chess Players (Total) ***  No of Titled Players ****  No of Votes Support to
60 2.248.961.970 13.971 19.711 3.310 60 Iluymshinov
30 979.819.680 23.014 29.435 3.217 30 Kok



*Quelle: www.citypopulation.de
** Quelle: www.fide.com
*** Quelle: www.fide.com
**** Quelle: www.fide.com
***** England mit Schottland, Wales und Nordirland

 

 

 

 

 

Nachricht an die Redaktion Bitte nutzen Sie dieses Feld für Kontakt mit der Redaktion

Lesetipps

Diskutieren

Regeln für Leserkommentare

 
 

Noch kein Benutzer? Registrieren