Die französische "Top 12" aus der Sicht eines Mathematik-Professors und eines Winzers

von Dhananjay-Khadilkar
02.07.2021 – Bei der Französischen Mannschaftsmeisterschaft "Top 12" kämpfen die Klubs mit Hilfe von Top-Großmeistern um den Titel. Der Wettbewerb dient aber auch als hervorragende Plattform für Amateure, die sonst nur selten gegen so starke Gegner spielen können. Dhananjay Khadilkar fragte Mathieu Ternault (im Bild), von Beruf Winzer, und Mickael Hutois, Professor für Mathematik, wie es sich anfühlt, in einem solchen Event zu spielen. | Foto: Dhananjay Khadilkar

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 "Für mich und meine Mannschaftskameraden ist ein Traum in Erfüllung gegangen", sagt Mathieu Ternault (Elo 2308), dessen Verein Echiquier Agenais aus der Stadt Agen im Südwesten Frankreichs sich in diesem Jahr erstmals für die Königsklasse qualifiziert hat.

Der 28-jährige Ternault, der 2015 den FIDE-Meistertitel errang, spielt nur noch fünf Turniere im Jahr. Den Rest seiner Zeit verbringt er damit, sich um den Weinbaubetrieb seiner Familie in der Nähe von Bordeaux zu kümmern. "Ich habe lange Zeit in der zweiten Liga gespielt. So lange, dass ich vor ein paar Jahren dachte, wir werden nie in der ersten Liga spielen. Aber wir hatten eine großartige Saison 2019, die darin gipfelte, dass wir die zweite Liga gewannen und  in die 'Top 12' aufstiegen", sagt er.

In den ersten sieben Runden ist Ternaults Bilanz durchwachsen: ein Sieg, zwei Niederlagen und vier Unentschieden. Seine Einstellung zum Wettbewerb ist schlicht. "Ich bin hier, um die Erfahrung zu genießen. Die Atmosphäre im Team ist sehr entspannt, ohne jeglichen Druck, gewinnen zu müssen." Da es für den Verein aber "eine große Anstrengung ist, Geld und Zeit in diesen Wettbewerb zu investieren", will er sein Bestes geben.

Ein weiterer Neuling in der ersten Liga, Mickael Hutois vom Verein Echiquier de l'Erdre, empfindet ähnlich. "Hier zu spielen ist außergewöhnlich, vor allem für einen Verein, der erst 10 Jahre alt ist", sagt Hutois. Er ist von Beruf Professor für Mathematik. Sein Verein, der sich zum ersten Mal für die höchste Spielklasse qualifiziert hat, hat seinen Sitz in Suce-Sur-Edre, einer Stadt im Westen Frankreichs mit 6700 Einwohnern.

Mickael Hutois | Foto: Dhananjay Khadilkar

Der 29-jährige Hutois, der im Alter von sieben Jahren mit dem Schachspielen begann, wurde 2019 FIDE-Meister und ist derzeit mit Elo 2261 bewertet. Er sieht in der Teilnahme an diesem Turnier eine große Erfahrung, aber auch eine Herausforderung. "Ich spiele zwischen den Brettern zwei und fünf. Gegen GMs zu spielen, ist immer kompliziert", sagt Hutois, der in den sechs Runden, die er bisher gespielt hat, auf sechs GMs getroffen ist. Von den sechs Partien hat er fünf verloren und eine remis gespielt.

Hutois, der gleichzeitig Mannschaftskapitän und Vereinspräsident ist, weist darauf hin, dass sie als kleiner Verein mit geringem Budget keine Großmeister oder Internationalen Meister engagieren können. Der Klub hat von den lokalen und regionalen Behörden Zuschüsse erhalten, die ausreichen, um die Unterbringung, die Reisen und die Verpflegung der Spieler zu finanzieren.

In Ternaults Fall ist es der eigene Weinbaubetrieb, der den Verein sponsert. Ähnlich wie bei Echiquier de l'Erdre werden mit den Sponsorengeldern Unterkunft, Reise und Verpflegung der Spieler bezahlt. Im Gegensatz dazu setzen die Spitzenklubs mit viel größeren Budgets professionelle Großmeister an fast jedem Brett ein. Typischerweise haben diese Vereine Budgets, die um ein Vielfaches höher sind als die der kleinen Vereine.

Eine der Besonderheiten der Französischen Mannschaftsmeisterschaft besteht in der Möglichkeit für jeden Verein, drei ausländische Spieler einzusetzen. Die Regeln besagen, dass von den acht Spielern mindestens fünf Franzosen sein müssen. Und von den fünf französischen Spielern muss mindestens ein weibliches Teammitglied dabei sein. Zwangsläufig handelt es sich bei den ausländischen Spielern fast ausschließlich um starke Großmeister, die für die Top-Clubs spielen. Hutois spielte bisher gegen vier internationale und gegen zwei französische GMs gespielt.

Ternault, der in Runde sieben gegen Pavel Tregubov verlor, ist dr Ansicht, dass die Anwesenheit von nicht-französischen GMs dem Wettbewerb mehr Prestige verleiht und außerdem "die Möglichkeit bietet, gegen einige der Größen des Spiels zu spielen. Im selben Wettbewerb wie die ehemaligen Weltmeister Veselin Topalov und Rustam Kasimdzhanov zu spielen, bereitet mir große Freude", sagt er.

Obwohl er über die bisherigen Ergebnisse etwas frustriert ist, hofft Hutois auf bessere Aussichten im verbleibenden Teil des Turniers, insbesondere in den letzten beiden Runden, in denen sein Team auf die beiden anderen Debütanten im Wettbewerb, Echequier Agenais und Club 608 Paris, trifft.

Games

 

Standings after round seven

Pl. Clubs Pts J D P C
1 Bischwiller 21 7 30 34 4
2 Clichy Echecs 92 19 7 21 31 10
3 Asnieres - le Grand Echiquier 18 7 13 20 7
4 C'Chartres Echecs 16 7 9 21 12
5 Chalons-En-Champagne 15 7 10 22 12
6 Vandoeuvre Echecs 15 7 6 22 16
7 Grasse Echecs 15 7 7 22 15
8 Mulhouse Philidor 13 7 5 16 11
9 Villejuif 12 7 -19 12 30
10 Agen 9 7 -25 7 32
11 Club 608 - Paris 8 7 -20 10 30
12 Echiquier de l'Erdre 7 7 -38 4 42

Links

Spielplan und Ergebnisse...


Dhananjay Khadilkar ist Journalist, Schachenthusiast und lebt in Paris. Er genießt es, Schach zu spielen, aber noch faszinierender findet er die Geschichten und die Dramen, die mit dem Schach verbunden sind.

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