Die Polnischen Meisterschaften haben begonnen

22.03.2017 – Die Polnischen Meisterschaften sind Rundenturniere, starke Rundenturniere mit zehn Spielern bzw. Spielerinnen. Die Herren kommen dieses Jahr auf einen Elo-Schnitt von 2592 und das, obwohl Spitzenspieler wie Radoslaw Wojtaszek und Jan-Krzystof Duda nicht dabei sind. Turnierfavoriten sind so Kasper Piorun und Mateusz Bartel. Die Damen kommen auf einen Elo-Schnitt von 2346, Turnierfavoritin ist Monika Socko. Julian Wnuck hat erste Eindrücke vom Auftakt der Meisterschaft gesammelt.

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Polnische Einzelmeisterschaft in Warschau, 20.-30. März 2017 – Erste Eindrücke

Von Julian Wnuck

Traditionell finden die Schacheinzelmeisterschaften Polens als zeit- und ortsgleich ausgetragene Herren- (bzw. allgemeine) und Damenturniere statt.

Die Meisterschaften werden vom 20. bis zum 30. März im Warschauer Börsenzentrum (Centrum Giełdowe) ausgespielt. Es findet jeweils ein Rundenturnier mit neun Runden statt. Ein spielfreier Tag ist nicht vorgesehen. Sollte nach der letzten Runde am 29. März kein eindeutiger Sieger feststehen, folgt am 30. März Schnellschachstechen.

Sponsor des Damenturniers ist das Warschauer Bauunternehmen Budimex, im Herrenturnier hat das staatliche polnische LOTTO-Unternehmen den Preisfond aufgefüllt.

Die Sponsoren: Budimex und...

...Lotto

Der erste Preis im Herrenturnier beträgt 20.000 Złoty (ca. 4.700 Euro), der Zweite erhält 13.000 Złoty (ca. 3.000 Euro), der Bronzegewinner 9.000 Złoty (ca. 2.100 Euro). Zudem werden der Erste und Zweite in den A-Nationalkader aufgenommen und erhalten eine Finanzierung der Kosten der Teilnahme bei der diesjährigen Europa-Einzelmeisterschaft.

Die Damen erhalten Preisgelder in derselben Höhe sowie (die Erste und die Zweite) eine Berufung in den Damen-A-Nationalkader.

Die Favoritinnen beim Damenturnier sind die drei topgesetzten Spielerinnen, die alle eine Elozahl über 2400 aufweisen: Monika Soćko aus Kaowice, die den Herren-Großmeistertitel trägt (Elo 2466), WGM Jolanta Zawadzka (Elo 2443) aus Breslau und Karina Szczepkowska (IM-Titel, Elo 2413) aus Rybnik. Aber auch Iweta Rajlich (IM, Elo 2389) aus Breslau, WGM Klaudia Kulon (Elo 2371) aus Trzcianka und WGM Joanna Majdan (Elo 2363) können sich berechtigte Aussichten auf die Medaillenränge machen.

Turnierfavoritin Monika Socko

Bis auf Mariola Woźniak, die im erfolgreichen Olympia-Team in Baku mit dabei war, welches die Silbermedaille gewann, spielt die gesamte polnische Damenelite um Titelehren. Anders bei den Herren: die polnische Nummer eins, Radosław Wojtaszek, hat sich für das Sharjah-Masters in den Vereinigten Arabischen Emiraten verpflichtet, Jan-Krzysztof Duda muss sich auf seine Abiturprüfungen vorbereiten und die beiden anderen großen Talente Dariusz Świercz und Kamil Dragun haben gerade ihre Studien in den Vereinigten Staaten begonnen.

Trotzdem ist die Meisterschaft bei den Herren stark besetzt. Mit den Großmeistern Kacper Piorun (Elo 2648) und Mateusz Bartel (Elo 2638) treten zwei Topfavoriten um den ersten Platz an. Bartel hat den Titel bereits viermal errungen, Piorun wurde im vergangenen Jahr Vizemeister hinter Wojtaszek und brennt vor Ehrgeiz, das Siegertreppchen betreten zu können.

Kasper Piorun bei der Eröffnungsveranstaltung

Mateusz Bartel

Mit dem 54-jährigen Michał Krasenkow (Elo 2620) tritt ein nicht zu unterschätzender Senior an den Start, der durchaus für eine Überraschung sorgen könnte.

ChessBase-Autor Michal Krasenkow

Die Großmeister Aleksander Miśta (2617), Jacek Tomczak (2601), Bartosz Soćko (2590) und Grzegorz Gajewski (2615) spielen ebenfalls um die gutbestückten Preisränge mit.

Die Auslosung der ersten Runde brachte sowohl bei den Damen als auch bei den Herren bereits in der ersten Runde Favoritenbegegnungen: Monika Soćko rang mit den schwarzen Steinen ihre direkte Konkurrentin Karina Szczepkowska in einem fast sechsstündigen Damenendspiel nieder und hat einen sehr wichtigen Schritt in Richtung Gold gemacht. Sie wird durch diesen Sieg weiterhin sehr motiviert aufspielen. Auch die zweite Titelaspirantin Jolanta Zawadzka errang einen für sie sehr wertvollen Erfolg über Klaudia Kulon.

Bei den Herren gab es drei entschiedene Partien. Aleksander Miśta schlug Großmeister Bartłomiej Heberla, der sich in einem lange gleich stehenden Damenendspiel nach und nach überspielen ließ. GM Tomaczk setzte sich gegen IM Daniel Sadzikowski in einer komplexen Partie durch.

IM Łukasz Jurmała, mit 18 Jahren der jüngste Teilnehmer, spielte mit Weiß gegen Großmeister Krasenkow lange Zeit eine ausgeglichen Partie, doch nahm er unvorsichtigerweise im 27. Zug einen angebotenen Bauern auf d4 an, wonach er  sehr rasch unter heftigen Druck geriet, dem er sich mit einem Damenopfer erwehren zu müssen glaubte. Für das geopferte Material erhielt er aber lediglich eine Verluststellung, die er noch ein paar Züge bis zur Zeitkontrolle dahinschleppte und schließlich aufgab.

Die beiden Elobesten, Bartel und Piorun, mussten bereits in der ersten Runde gegeneinander antreten. In einer schwerblütigen Spanischen Partie, in der Weiß (Piorun) lange Zeit eine Druckstellung aufrechterhalten konnte, musste der Nachziehende sein ganzes Können aufbieten, um das Gleichgewicht zu wahren.

Mit großem Kampfgeist gelang es auch Großmeister Bartosz Soćko, dem Ehemann der Favoritin aus dem Damenturnier, seine lange Zeit hoffnungslos stehende Partie gegen Großmeister Gajewski remis zu halten.

Im Rahmenprogramm der Eröffnung am Montag wurde auch die inoffizielle polnische Bullet-Meisterschaft (1min+1sec) im Börsenzentrum ausgespielt. Sieger mit 8,5 aus 11 wurde Radosław Wojtaszek, der vom Bundesligawochenende aus Hamburg einen Sprung nach Warschau machte. Mit jeweils 8 Punkten folgten Miśta und Piorun. 18 Spieler nahmen teil.

Partien Runde 1 - (Herren)

 

Partien Runde 1 - (Frauen)

 

Fotos: Turnierseite


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