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Ephraim Kishon gestorben

von André Schulz
31.01.2005 – Vergangenen Samstag starb in seiner Schweizer Wahlheimat Appenzell der weltweit bekannte Satiriker Ephraim Kishon (23.8.1924 bis 29.1.2005). Als Ferenc Hoffmann in Ungarn geboren, entkam Kishon nur knapp dem Tode in den Vernichtungslagern der Nazis und sowjetischen Gulags. 1949 übersiedelte er nach Israel, wo er sich nach anfänglichen Gelegenheitsarbeiten mit Hilfe von regelmäßig erscheinenden Glossen als Schriftsteller etablieren konnte. Er schrieb sechs Theaterstücke und über 50 Bücher, die in einer Auflage von 43 Mio. Exemplaren erschienen. Seit seiner Jugend war Kishon auch ein begeisterter Schachliebhaber, war gern gesehener Gast bei Simultanveranstaltungen und arbeitete an einem sprechenden Schachcomputer mit. Kishon wurde 80 Jahre alt. Nachruf in der Frankfurter Rundschau... Nachruf im Spiegel...Mehr über Kishon....
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"Der Mensch bringt sogar die Wüste zum Blühen. Die einzige Wüste, die ihm noch Widerstand bietet, befindet sich in seinem Kopf."

Ephraim Kishon wurde als Ferenc Hoffmann am 23. August 1924 in Ungarn geboren. Schon in seiner Jugend war er vom Schachspiel begeistert. In den Vierziger Jahren begann er ein Schachbuch zu schreiben, doch die Nazis kamen ihm dazwischen. Mit knapper Not entkam Hoffmann dem Vernichtungslagern und Gulags von Hitler und Stalin, wobei ihm in einem der Arbeitslager sein Schachtalent half.

Als Gymnasiast war Kishon Ende 1944 zusammen mit 220 anderen jüdischen Schülern auf Landstraßen in das Arbeitslager Jolsva (slowakisch Jelsava) getrieben worden. Nur drei überlebten den Marsch. Im Lager spielte er manchmal Schach gegen
seinen Freund Hirtenberg Jaci und wurde dabei einmal vom Lagerkommandanten beobachtet. Dieser machte einen Zugvorschlag gemäß eines Buches des ungarischen Meisters Maroczy. Kishon korrigierte den Kommandanten und wies auf eine Druckfehlerkorrektur im Anhang des Buches hin. Als Folge durfte Kishon seine gelbe Binde ausziehen und wurde zum Sekretär des Kommandanten ernannt. Wenn möglich, spielte dieser gegen Kishon Schach, wobei Kishon um sein Leben spielte: Spielte er zu gut, würde der Kommandant ungehalten werden, spielte er zu schlecht, würde er das Interesse verlieren.

Ein Großteil von Kishons Familie wurde jedoch in Auschwitz ermordet. 

Kishon konnte später aus dem Lager entkommen und versteckte sich bis zum Ende des Krieges in einem Keller in Budapest. Dort schriebe er seine erste bitterböse Satire, in der die Glatzköpfe von den Langhaarigen verfolgt werden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg änderte Kishon seinen Namen von Ferenc Hoffmann in Ferenc Hondt und da es eine Verwechslungsmöglichkeit mit einem bekannten Regisseur gleichen Namens gab , in Kis-Hondt ("kleiner Hondt). Allerdings gibt es auch einen Verwaltungsbezirk Kis-Hondt in Ungarn, der an der Grenze zur Slowakei liegt und früher einmal als "Malohont" slowakisch gewesen ist.

Wegen der nun stalinistischen Verfolgung in Ungarn beschloss Kishon aus Ungarn zu emigrieren. Im Mai 1949 gelangte Hoffmann auf einem Flüchtlingsschiff nach Israel. Bei der Einreise wurde sein Nachname Kishondt von einem Beamten in Kishon geändert. Ein Fluss gleichen Namens wurde schon in der Bibel erwähnt.

Den Vornamen "Ferenc" kannte der Mann nicht ,"Gibt es nicht", und schrieb stattdessen Ephraim auf das Formular.

Kishon schlug sich als Schlosser im Kibbuzz, Garagenbesitzer und mit anderen Arbeiten durch, bis er sich durch satirischen Glossen in der Tageszeitung "Ma`ariv" (Abend) als Schriftsteller etablieren konnte. Zuvor musste er unter größten Mühen die neue Landessprache Hebräisch lernen.

Kishon schrieb sechs Theaterstücke und mehr als 50 Bücher, die in 37 Sprachen übersetzt wurden. Die weltweite Auflage seiner Bücher beträgt 43 Millionen, davon in allein in Deutschland 32 Millionen. Sein Buch "Familiengeschichten" gilt als als das meistverkaufte hebräische Buch der Welt nach der Bibel.

Sein Erfolg in Deutschland erklärt sich wohl auch durch die herausragende Arbeit seines kongenialen Übersetzers Friedrich Torberg
(1908-1979). Von Torberg stammt auch der zum geflügelten Wort gewordene Begriff "die beste Ehefrau von allen", die im hebräischen Kishon-Original "die kleine Frau" heißt.

Die Liebe zum Schach hat sich Kishon über alle Jahre bewahrt. Sein Kishon Schachcomputer war der erste sprechende Schachcomputer überhaupt. In Simultanveranstaltungen trat Kishon manchmal mit Hilfe seines Computers gegen Karpov, Kasparov oder Kramnik an.

Eine weitere Liebe Kishons galt dem Billard. Die beiden Sportarten sah er durchaus als verwandt an:

"Sollte man mich fragen, warum ich ein verhinderter Billard-Champion bin, würde ich antworten: weil ich ein verhinderter Schach-Champion bin. Tatsächlich sind Schach und Billard wesensverwandt, was sich unter anderem dadurch erweist, dass die meisten großen Schachspieler Billard spielen. Die großen Billardspieler hingegen spielen kein Schach: es ist ihnen zu leicht. Womit ich nicht gesagt haben will, dass es einfacher ist, Schachweltmeister als Billardweltmeister zu werden. Auffallend ist aber, dass es mehr Meisterschaften am Schachbrett als am Billardtisch gibt. Das Spiel mit den Kugeln wird unterschätzt. ...

Im Gegensatz zum Schach, dem ich seit frühester Jugend in unverbrüchlicher Treue anhänge, ist Billard eben nicht nur ein immens komplexer Gehirnsport. Man ist leider auch genötigt, das Gedachte mit Stock, Kreide, Kugeln und einer bleiernen "Bockhand" (das ist, bei Rechtshändern die Linke, die mit der Ruhe eines Urgesteins auf den Tisch gesetzt werden muss, damit die Rechte den kalkulierten Stoß auf die Kugel ausführen kann) in Handlung umzusetzen. Wer hätte je davon gehört, dass ein Schachspieler eine Partie verloren hat, weil er unfähig war, die Dame vom Feld C5 abzuheben und auf Feld C7 abzusetzen? ...

(Kishon über Karambolage-Billard anlässlich des Billard-Weltcups 1987 in Berlin).

Vergangenen Samstag war Kishon in seiner Schweizer Wahlheimat Appenzell im Alter von 80 Jahren einem Herzanfall erlegen. Die Beerdigung findet am Dienstag in Jerusalem statt.

 

 

 

 

 

André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der verantwortliche Chefredakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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