Erinnerung an ein grosses Talent: Greg Hjorth

22.11.2014 – Der 1963 geborene Australier Greg Hjorth war ein herausragendes Schachtalent. Schon als Jugendlicher gehörte er zu den Besten seines Landes und spielte auf Olympiaden und internationalen Turnieren. Doch berühmt wurde er als Mathematiker. Hjorth starb 2011, mit 47 Jahren. Der Schachklub Melbourne erinnerte mit einem Turnier an das große Talent. Mehr...

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Ein kurzes, erfülltes Leben: Greg Hjorth

Von Dr. Michael Baron

Viele kluge Geister sind begeisterte Schachspieler. Doch auch wenn diese Leidenschaft das Leben lang anhält, so haben sie doch oft irgendwann einfach keine Zeit mehr, um dem Schach allzuviel Zeit zu widmen. Sie verfolgen das Geschehen bei den wichtigen Turnieren, schauen sich Partien an, spielen mit Freunden, aber haben leider keine Gelegenheit, um Schach ernsthaft zu betreiben.

IM  Greg Hjorth (14. Juni 1963 - 13. Januar 2011) gilt als einer der weltgrößten Experten auf dem Gebiet der mathematischen Logik. Er hat zahlreiche Artikel über dieses Thema veröffentlicht und in der ganzen Welt viele bemerkenswerte Vorträge gehalten. Leider starb er früh an den Folgen eines plötzlichen Herzanfalls. Dr. Hjorth starb am 13. Januar 2001 im Alter von nur 47 Jahren.

IM Greg Hjorth - bereits als Teenager gehörte er zu den stärksten australischen Spielern!

Jahre später- Dr. Greg Hjorth an der Arbeit!

Greg Hjorth ist vor allem durch seine herausragenden wissenschaftlichen Leistungen bekannt geworden, aber es sollte nicht vergessen werden, dass er auch einer der besten und talentiertesten australischen Schachspieler aller Zeiten war! Mit 20 belegte er bei den Commonwealth Chess Championships den geteilten ersten Platz und im Jahr darauf wurde ihm der IM-Titel verliehen. Außerdem vertrat er auf drei Olympiaden in Folge die australischen Farben (1982,1984,1986).

Der folgende Sieg über einen der damals besten Großmeister der Welt zeigt Gregs großes schachspielerisches Potenzial:

 

Um die herausragenden Leistungen Gregs und seinen Beitrag zur Entwicklung des australischen Schachs zu fördern, organisierte der Schachklub Melbourne das "Greg Hjorth Memorial Tournament". Die Organisatoren machten bereits lange im Voraus Werbung für das Turnier und so war die Meldeliste eine Woche vor Turnierbeginn bereits voll. Schade, dass einige der Spätentschlossenen nicht mehr am Turnier teilnehmen konnten... andererseits war es natürlich gut zu sehen, dass ein neues Turnier (und die Organisatoren versprechen, das Turnier im nächsten Jahr noch größer und besser zu machen) so viel Aufmerksamkeit bekommt und auf so viel Interesse stößt. Auf dem Rahmenprogramm standen auch Vorträge von GM Ian Rogers und IM Guy West (viele Jahre lang Freunde und Schachkumpel von Greg).

GM Ian Rogers würdigt Gregs Endspieltechnik und erläutert, wie Greg diese
Stellung mit Schwarz gegen den philippinischen GM und ehemaligen
WM-Kandidaten Eugenio Torre Remis gehalten hat.

IM Guy West zeigte, dass Greg auch ein äußerst gefährlicher Taktiker war.

Gleich beginnt das Turnier! Die Pokale warten darauf, vom Sieger mit nach Hause
genommen zu werden - aber noch weiß niemand, wer diese Glücklichen sein werden!

86 Spieler gingen an den Start, darunter sechs IM. IM Max Illingworth dominierte das Turnier von Beginn an und gewann am Ende mit dem souveränen Ergebnis von 9 aus 9. Eine Runde vor Schluss stand er bereits als Sieger fest. Max hat bereits zwei GM-Normen erzielt und angesichts der schnellen Fortschritte, die er macht, spricht alles dafür, dass er bald auch seine dritte GM-Norm erzielen wird! Der erste Preis brachte Illingworth nicht nur 1.500 australische Dollar, sondern auch einen verdienten Elo-Gewinn von 25 Punkten!

Ebenfalls ein riesiges Talent: Kanan Izzat, 2010 U14-Weltmeister

Ein kurzer Blick zurück: 2010 wurde Kanan Izzat U14-Weltmeister. Zum Leidwesen der Schachwelt hat er sich genau wie Greg Hjorth vor vielen Jahren dafür entschieden, sich auf sein Studium zu konzentrieren und Schach nicht professionell zu verfolgen. Zur Zeit studiert er Nanotechnologie an der Latrobe University in Melbourne. Es ist phantastisch, dass er immer noch Zeit findet, gelegentlich an Schachturnieren teilzunehmen!

Runde 7, Brett 1: IM Kanan Izzat (2402) vs. IM Max Illingworth (2468) 0-1.
Mit dem Gewinn dieser Partie sicherte sich Max einen Vorsprung von 1,5 Punkten vor dem Feld.

 

Blick in den Turniersaal

Den Organisatoren war es geglückt, ein Turnier auf die Beine zu stellen, das Spielern jeder Spielstärke und Alters etwas bot - alle haben es genossen!

Bei der Abschlussfeier verkündeten die Organisatoren, dass das Turnier ein fester Bestandteil des australischen Schachkalenders werden soll und luden alle ein- am Greg Hjorth Memorial 2015 teilzunehmen. Angesichts des großen Erfolgs des diesjährigen Turniers kann man davon ausgehen, dass das Turnier im kommenden Jahr sogar noch größer und besser sein wird!

Schlusstand:

1. IM Illingworth 2468 (AUS) 9/9
2. IM Morris 2366 (AUS) 7.5
3-5. IM Izzat 2402 (AZE), FM Canfell 2332 (AUS), Schon 2285 (AUS) 6.5
6-13. FM Li 2348 (NZD), FM Wallis 2347 (AUS), IM Goldenberg 2346 (AUS), IM Dale 2274 (AUS), CM Puccini 2200 (AUS), Repplinger 2241 (GER), Tionko 1882 (AUS), Chan 1991 (AUS)
14-24 IM Rujevic 2183 (AUS), WIM Jule 1960 (AUS), Khaled 1938 (BAN)...

Und als "Dessert" eine Miniatur aus der zweiten Runde: Wenn man gegen jemanden spielt, der fast 450 Punkte mehr hat, kann es schon einmal zu Problemen kommen... aber ich glaube nicht, dass Tony Davis eine solche Katastrophe für möglich gehalten hat.

Tony Davis (1907) - Chris Wallis (2347)

1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Sf6 4.Lg5 Lb4 5.exd5 Dxd5 6.Dd2?? Lxc3! 7.bxc3 Se4! und Weiß gab auf, da er eine Figur verliert!

Man muss es Tony hoch anrechnen, dass er nach einer solchen "Tragödie" nicht zusammengebrochen ist, sondern in jeder Partie weiter gekämpft hat und am Ende auf ein respektables Ergebnis von 5,5 aus 9 kam und dabei sogar gegen IM Dale gewinnen konnte. Eine Erinnerung daran, dass wir, auch wenn wir heute verlieren, morgen wieder unser Bestes geben, kämpfen und nie aufgeben sollten!

Turrnierseite

Fotos: Die phantastischen Fotos wurden während des Turniers von Paul Cavezza, Elliott Renzies und Kerry Stead gemacht.

Über den Autor:

Dr. Michael Baron ist engagierter und leidenschaftlicher Schachliebhaber. Er ist FM und seine höchste Elo-Zahl betrug 2352. Wie Greg Hjorth vor vielen Jahren hat sich Michael vom Turnierschach (von kleinen Schnell- oder Blitzturnieren einmal abgesehen) zurückgezogen, um seine beruflichen und geschäftlichen Interessen zu verfolgen. Aber nachdem er das Hjorth Memorial 2014 als Zuschauer verfolgt hat, regt sich in ihm doch der Wunsch, nächstes Jahr ein Turnierschachcomeback zu feiern!

 


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