Eröffnen wie Kasparov

11.04.2014 – Auf seiner neuen DVD über die Abtauschvariante des Damengambits stellt Robert Ris ein Weißrepertoire vor, das weitgehend dem Vorbild Kasparovs folgt. Unser Rezensent Lukas Wedrychowski hat sich die DVD sehr genau angesehen, denn in seinen eigenen Partien muss er sich oft gegen den weißen Aufbau zur Wehr setzen. Hat „sein“ System den Analysen des IM Stand gehalten? Mehr...

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Robert Ris: Abgelehntes Damengambit Abtauschvariante

Rezension von Lukas Wedrychowski

Seit dem Kandidatenturnier in Kazan im Mai 2011, in dem das Abgelehnte Damengambit (1.d4 d5 2.c4 e6) eine Hauptrolle gespielt hat und für den danach folgenden, erneuten Aufschrei über den Tod des klassischen Schachs verantwortlich war, habe ich diese Eröffnung in meinem Repertoire. Als ich begann diese Eröffnung zu spielen, stellte sich mir die große Frage. Spiele ich die Varianten mit 3…Le7, um den gefährlichen Zentrumsplan mit Sge2 und f2-f3, gefolgt von e3-e4 zu umgehen, oder aber soll ich auf eine klassische Ausbildung setzen und mich in die Höhle des Löwen mit 3…Sf6 wagen?

Ich habe mich für letzteres entschieden und wollte sehen, warum dieses berühmte Abspiel der Abtauschvariante (1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 Sf6 4.cxd5 exd5) den Schwarzspielern ein solch großer Dorn im Auge ist. Die Probleme wurden relativ schnell deutlich… Weiß hat eine Fülle an Plänen zur Verfügung, während Schwarz meist nur ganz beschränkt auf diese reagieren kann, ohne große Chancen auf Initiative zu haben. Die Stellungen waren alle spielbar, ohne Zweifel. Doch in einer Partie am Brett, in der man nicht mal eben einen Blick auf die häuslichen Analysen haben kann bzw. die “ausgeglichene” Stellung weiterspielen muss, werden schnell Probleme deutlich, die dem Weißen einen kleinen, aber klaren strategischen Vorteil geben.

Diese Variante mit Sge2 und dem darauffolgenden Zentrumsplan f2-f3 und e3-e4 wurde vor vielen Jahrzehnten von M. Botvinnik entworfen und gegen namenhafte Größen wie P. Keres getestet. Was der Patriarch dabei entdeckte, sollte die Zukunft der Abtauschvariante für immer verändern. Seine Schüler, u.a. GM Garry Kasparov, nutzten diese Eröffnung und punkteten damit ungeheuerlich hoch, was viele Spieler dazu veranlasste, den Zug 3…Sf6 als unpräzise oder gar Fehler zu brandmarken.

Während meiner Arbeit an der Eröffnung habe ich jedoch eine Variante für Schwarz gefunden, die ‘relativ’ leicht zu spielen ist, da der Plan klar und simpel ist, aber zugleich Weiß vor gewiße Probleme stellt. Es handelt sich dabei um das Abspiel um 8…Sh5!? Diese Variante, die derzeit auf hoher Ebene eine kritische Unersuchung erfährt, halte ich für einen kritischen Test der weißen Idee. Schwarz will sein Raumproblem in der Hauptvariante lösen, indem er ein Figurenpaar abtauscht und dann einen strategischen Grundplan ausführen will: …g7-g6, …Sh5-g7, gefolgt von …Lc8-f5, um den ‘schlechten’ Läufer abzutauschen.

Als ich den Titel der DVD im Chessbase Shop sah, wurde meine Neugier geweckt, was IM Robert Ris wohl für Weiß vorschlagen wird, um dem Abspiel neue Würze zu verleihen. Und genau dieses Kapitel auf der DVD wird das Hauptaugenmerk meiner heutigen Rezension sein:

1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 Sf6!? 4.cxd5 exd5 5.Lg5 c6 6.Dc2 (um das Short-Endspiel zu vermeiden) Le7 7.e3 Sbd7 8.Ld3 Sh5!?

Diese Variante, die solide Spieler besonders in den 80er Jahren begeistern konnte, unter Ihnen wohl mit Ulf Andersson als namenhafte Größe, ist der Grundstein für einen zweiteiligen Clip auf der DVD. Nach dem Tausch der beiden Läufer, den Weiß nicht wirklich vermeiden kann, hat Schwarz es geschafft sich etwas zu befreien, dafür jedoch einen Preis gezahlt: Der Springer auf h5 steht schlecht und der Entwicklungsnachteil wird in ein paar Zügen deutlich.


Was mir auf der DVD sehr gut gefallen hat war, dass IM Ris nicht nur seine Empfehlung erwähnt, Ausnahmen weglässt und den Eindruck erweckt, die vorgeschlagene Spielweise ist die einzig richtige, sondern ein wenig tiefer zurückgeht und sagt, warum gewisse Züge Nachteile haben und derzeit nicht mehr so häufig gespielt werden. Basis der Analysen sind die eigenen Recherchen des Autors, welcher auf die Variante 10.0-0-0 setzt, und somit von einigen Partien Kasparovs gegen Short bzw. Andersson abweicht. Weiß kann mit der kurzen Rochade nicht viel erreichen und der kritische Plan und der für Schwarz am unangenehmsten zu spielende Plan ist definitiv der mit der langen Rochade und dem Spiel auf der c-Linie. Während im ersten Teil der 8…Sh5 Variante die Alternativen zur Hauptvariante aufgezeigt werden, konzentriert sich der zweite Clip ausschließlich auf die folgende Stellung:

10.0-0-0 Sb6 11.h3 g6 12.Sf3 Sg7 (droht …Lf5 mit Ausgleich) 13.g4! Le6 14.Kb1 0-0-0 15.Sa4!


Die Hauptideen für Weiß hier sind der Abtausch des Springer auf b6, welcher einige wichtige Felder kontrolliert. Doch statt dem Abtausch auf a4, stehen Schwarz auch einige aktive Pläne zur Verfügung. Dem weißen Plan auf der c-Linie kann Schwarz am Königsflügel begegnen, da sich Weiß dort geschwächt hat, um den schwarzen Plan mit …Lf5 zu stoppen. Daher wäre eine Idee 15…h5!?, um nach 16.g5? Lf5! folgen lassen zu können und zumindest auszugleichen. Weiß hat jedoch eine andere Idee, welche die Schattenseiten des schwächenden Zuges …h5 aufzeigt!

Nach der Hauptvariante 15…Sxa4 entwickelt sich die Partie in die für dieses Abspiel typische Bahnen, in denen Weiß seine Initiative am Damenflügel auszubauen versucht. Dazu stehen im verschiedene Angriffszüge zur Verfügung, wie Da4, Tc3-a3, Th1-c1-c3 etc. Diese Idee mag langsam erscheinen, doch Schwarz wird Zugeständnisse machen müssen, um hierbei nicht unter die Räder zu kommen.

Beispielvideo ansehen

Fazit

Über die gesamte DVD hinweg werden Pläne für beide Seiten klar und deutlich erklärt, weshalb ich die DVD auch allen Schwarzspielern empfehlen kann. Ein gründliches Studium dieses Stellungstyps und der damit verbundenen Ideen und Motive ist unabdingbar. Das Englisch des Autors ist klar und dürfte keine Probleme darstellen. Wer sich fit genug fühlt, kann sich nach den theoretischen Clips an den zahlreichen Teststellungen versuchen, die das Wissen um die verschiedenen Ideen der Abtauschvariante, sowohl nach 3…Sf6 wie auch 3…Le7, auf die Probe stellen werden. Meine Empfehlung an alle Freunde des Damengambits, ob mit Schwarz oder Weiß. Aber auf alle Fälle eine Empfehlung an jene, die mit Repertoirebüchern arbeiten, welche die Abtauschvariante für Weiß empfehlen (u.a. Watson, Schandorff, Ward, Cox, Korneev etc.).

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Zur Originalrezension von Lukas Wedrychowski...

 

 


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