Französische Meisterschaften in Saint-Quentin

von André Schulz
13.08.2015 – Gastgeber der französischen Landesmeisterschaften ist die nordfranzösische Stadt Saint-Quentin. Einige der besten Spieler des Landes fehlen, trotzdem ist ein gut besetztes Feld zusammengekommen. Nach vier Runden führen Christan Bauer und Jean-Marc Degrave. In der Frauenmeisterschaft liegt Almira Skripchenko mit 3,5 Punkten vorne. Mehr...

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Die französischen Landesmeisterschaften der Männer und Frauen werden vom Französischen Schachverband im Rahmen eines großen Schachfestivals ausgerichtet, zu neben den Meisterturnieren "National" und "National feminin" Jugendturniere, Seniorenturniere und drei Offene Turniere gehören. Gastgeber ist die nordfranzösische Stadt Saint-Quentin.
 

Ein Schachfestival

Schach in der Sporthalle

Der Stand der Bäckerei Jean Trogneux bietet Nervennahrung

Eröffnung der Frauenmeisterschaft

In den beiden Meisterturnieren nehmen jeweils 12 Spieler teil, die die Titel im Modus Jeder-gegen-Jeden ausspielen.

Im Männerturnier fehlen mit Maxim Vachier-Lagrave, Laurent Fressinet und Vladislav Tkachiev drei der vier besten Spieler des Landes. Trotzdem ist das Turnier mit fünf Spielern über 2600 noch recht stark besetzt. Elobester ist Etienne Bacrot, der nach den bisher vier gespielten Runden und vier Remis nur einen Platz im Mittelfeld einnimmt. Je zwei Partien gewinnen - ohne Niederlag - konnten Christian Bauer und Jean-Marc Degraeve, die das Feld mit 3 Punkten zusammen anführen. Sebastien Mazé und Tigran Gharamian folgen mit einem halben Punkt Rückstand.

Bauer und Bacrot spielten in Runde vier remis

Jean-Marc Degrave ist Co-Leader

 

 

Partien:

 

 

 

Frauenmeisterschaft

 

Im Frauenturnier ist Almira Skripchenko eine Klasse für sich, auch weil Marie Sebag, die beste Spielerin des Landes, fehlt. Skripchenko konnte drei ihrer Vier Partien gewinnen und gab bisher nur gegen Marie Leconte einen halben Punkt ab. Diese und Nino Maisuradze folgen der Spitzenreiterin mit 3 aus 4.  Sophie Milliet, Zweite der Setzliste, verlor in Runde drei, gegen Andrea-Christina Navrotescu und liegt mit 2,5 Punkten auf Platz vier.

Almira Skripchenko

Natasha Benmesbah ist mit 2,5 Punkten Fünfte

 

Partien:

 

 

 

Sportstadt Saint-Quentin

Schachplakate in der Stadt

In der Nähe der nordfranzösischen Stadt Saint-Quentin befand sich einst der Hauptort des keltischen Stammes der Viromanduer, ein Unterstamm der Belger, die vor der Zeitenwende die ganze Küste der Normandie und die anschließenden Gebiete des Binnenlandes besiedelten. Als Julius Caesar sich anschickte, Gallien zu erobern, sandten die Viromanduer 10.000 Kämpfer in ihrem Bündnis mit Nerviern und Atrebaten in die Schlacht und stellten sich 57 v. Chr. mit ihren Verbündeten am Fluss Sambre der Eroberern entgegen, wurden aber von den römischen Legionen vernichtend geschlagen.

Nach der Eroberung ihres Gebietes und der Einsetzung eines römischen Statthalters verschwand das Volk der Viromanduer aus der Geschichte. Die Erinnerung lebte aber im Namen der mittelalterlichen Grafschaft Vermandois noch einige Jahrhunderte fort.

Nach der Besetzung ganz Galliens durch die Römer ("Ganz Gallien? Nein!") gründeten diese unter Augustus an einer Furt durch die Somme die Stadt Augusta Viromanduorum. Im frühen Mittelalter wurde dann am Grab des römisch-christlichen Martyrers Quentin von Amiens (gestorben ca. 287) ein Kloster errichtet, das der wachsenden Stadt ihren neuen Namen verlieh. Hier nahmen im Mittelalter die Grafen von Vermandois ihren Sitz. Dank enger Wirtschaftsbeziehungen zu Flandern entwickelte sich in St. Quentin eine florierende Textilindustrie. Außerdem diente der Ort als Handelsstation für den Export französischen Weines aus der Champagne. 

Aufgrund seiner strategisch bedeutsamen Lage an der Somme und in der Nähe der Grenze war St. Quentin im Lauf der Geschichte häufig Zankapfel rivalisierender Mächte, so im 100-jährigen Krieg zwischen England und Frankreich oder in den Auseinandersetzungen des Königs von Frankreich mit dem Herzog von Burgund. 1557 wurde die Stadt von spanischen Truppen geplündert. In späteren Kriegen kam es vielfach zu weiteren zu Plünderungen und Zerstörungen.

Im Preußisch-Französischen Krieg von 1870/71 konnten die Stadt von ihren Bewohnern und der französischen Armee eine Zeitlang gehalten werden, am 19. Januar wurde die Französische Armee jedoch in der Nähe der Stadt geschlagen.

Im Ersten Weltkrieg erlitt St. Quentin schwerste Zerstörungen, nachdem sie zunächst von der deutschen Armee eingenommen und systematisch geplündert wurde, und später Teil der umkämpften deutschen "Siegfriedlinie" war. 

 

Fotos: FFE (Französischer Schachverband)

 

Turnierseite...

 



André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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