Gambit Bonnevoie ist Mannschaftsmeister von Luxemburg

von Gerd Densing
06.04.2017 – Vergangenen Sonntag wurde in Luxemburg die Mannschaftsmeisterschaft der Saison 2016/17 entschieden. Ähnlich wie in der britischen 4NCL trennt sich auch in Luxemburg das Feld zur Mitte der Saison in eine Meister- und eine Abstiegsrunde. Um den Titel lieferten sich die Mannschaften von Bonneweg, Bieles, Echternach und Düdelingen ein spannendes Rennen. Am Ende hieß der Sieger "Gambit Bonnevoie".

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24. Luxemburgischer Mannschaftsmeistertitel für Bonneweg

Am vergangenen Sonntag, dem 2. April 2017 wurde erneut - wie bereits in den Vorjahren - im Rahmen einer Zentralrunde der ersten beiden Spielklassen Nationaldivision und Ehrenpromotion in Luxemburg die Mannschaftsmeisterschaft 2016/2017 beendet. Die Begegnungen wurden vom IA Olivier Jeitz souverän - ohne jegliche Streitfälle - geleitet.

Reglement

Kurz einleitend ein paar Besonderheiten zum Reglement in der Nationaldivision bzw. luxemburgischen Mannschaftsmeisterschaft: In Luxemburg gibt’s drei Sorten von Spielern, welche eingesetzt werden können. Einerseits die einheimischen Luxemburger Spieler. Andererseits gibt es die Bezeichnung ETR-Spieler. Das sind Spieler, die nicht der Luxemburger Föderation angehören, allerdings in keinem anderen Mannschaftswettbewerb in Europa spielen, also ausschließlich in der Luxemburger Nationaldivision antreten. Die dritte Kategorie sind die PRO-Spieler, welche in anderen Europäischen Ligen spielen aber auch in Luxemburg spielen.

Hier wurde gespielt

In der Nationaldivision dürfen in dem 8er Team maximal 2 Pro-Spieler eingesetzt werden sowie mindestens 4 Luxemburger Spieler. Bei der Ergebnismeldung gibt es die Besonderheit, dass kampflose Partien besonders bestraft werden.

Ein Sieg ergibt das Ergebnis 3 – 1, ein Remis 2 – 2, ein Verlust 1 – 3 sowie eine kampflose Verlustpartie 0 – 3 sodass die Mannschaftsergebnisse und Brettpunktermittlung etwas gewöhnungsbedürftig sind.

Zentralrunde im ehemaligen Schlachthaus in Ellange

Während der Saison-Abschluss in den vergangenen Jahren immer in Bad Mondorf ausgetragen wurde, wählten die Organisatoren des Luxemburger Schachverbandes (FLDE) dieses Mal in einem kleinen verschlafenen Nachbarort ein Bürgerhaus als Spiellokal. Dabei handelt es sich wohl um ein ehemaliges Schlachthaus, was man von außen evtl. noch etwas erkennen kann. Innen sah man aber keine Blutspuren mehr, allerdings wurde an vielen Brettern bis auf’s Messer gekämpft.

Titelverteidiger war der Club de Sprenger Echternach. In den ersten beiden Runden setzten sich die leicht favorisierten Teams de Sprenger Echternach, Smashing Pawns Bieles Gambit Bonnevoie (Bonneweg) erfolgreich gegen die leicht schwächeren Teams durch.

In der dritten Runde fiel bereits die erste Vorentscheidung, als Echternach an heimischen Brettern im Oktober 2016 gegen Bieles relativ klar mit 13 zu 19 verlor. Dabei war Echternach mit Robert Hübner am Spitzenbrett (Remis gegen Jan-Christian Schröder) recht stark besetzt. In den nächsten Runden waren keine Überraschungen zu vermelden. Nach einem hohen 21 zu 11 Sieg von Bonneweg gegen Echternach in der sechsten Runde zeichnete sich ein Rennen um die Meisterschaft zwischen Bieles und Bonneweg ab. In der siebten Runde gewann Bonneweg auswärts gegen Bieles knapp mit 17 zu 15 und war nach Abschluss der Vorrunde bei voller Punktausbeute mit 14 Punkten und 144 Brettpunkten erster.

Die folgende Meisterschaftsrunde wurde mit den Mannschaften Bonneweg, Bieles, Echternach und Düdelingen ausgetragen. Die Abstiegsrunde spielten die Mannschaften der Vereine Differdingen, Schifflingen und Esch aus. Die Mannschaft Luxemburg 1915 wurde nach Aufstellungsfehlern, welche erst nach der 7. Runde aufgeflogen sind, nach der Vorrunde - auch mit Blick auf das strenge Reglement bzgl. Einsatz von ETR oder PRO-Spielern - disqualifiziert. Die Mannschaft stand damit bereits als Absteiger fest, sodass die Abstiegsrunde mit den verbleibenden drei Mannschaften weniger spannend war als die Meisterschaft.

In Runde 8 gewann Düdelingen mit 18 zu 14 gegen Bonneweg, während Bieles erneut gegen Echternach gewinnen konnte, sodass die Meisterschaft wieder offener war. In der neunten Runde gewann Echternach gegen Bonneweg und Bieles gegen Dudelange. Vor der letzten Runde führte Bieles mit einen Punkt Vorsprung vor Bonneweg. Die letzte Runde brachte dann ein direktes Duell der beiden Meisterschaftsanwärter. Die Smashing Pawns Bieles waren in der besseren Ausgangslage. Ihnen hätte ein Mannschaftsremis gegen Bonneweg für die Meisterschaft gereicht.

Der letzte Spieltag versprach viel Spannung, da Bonneweg „auf Gewinn“ spielen musste. Bonneweg trat mit GM Michael Hoffmann und IM Olaf Heinzel an den vorderen Brettern recht stark an, während an den mittleren und hinteren Brettern mehr oder weniger in guter Stammbesetzung – mit diversen Nationalitäten - antrat. Bieles musste auf GM Jan-Christian Schröder, welcher in der laufenden Saison bereits für Bieles spielte verzichten, da er auf der arabischen Halbinsel zwei Turniere spielt. An Brett eins spielte IM Vladimir Hamitevici, an Brett zwei IM Stephane Hautot und an den weiteren Brettern mehr oder weniger oft eingesetzte Stammspieler.

Langer Spitzenkampf

Während die allermeisten Partien der anderen Mannschaften bereits beendet waren, zog sich der Spitzenkampf in die Länge und ging an sechs Brettern mehr oder weniger über die volle Distanz.

Der Spitzenkampf

An Brett zwei wurde zwischen Olaf Heinzel und Stephane Hautot relativ schnell Remis vereinbart. Danach konnte sich an Brett sechs Oskar Bjarnason gegen Philippe Linster und an Brett acht Tim Upton gegen Fiona Steil-Antoni durchsetzen, sodass es schnell nach einem klaren Sieg von Bonneweg aussah. Nach spannendem Verlauf endeten die Partien an Brett acht zwischen Jan Bednarich und Christian Jeitz sowie Slobodan Filipovic und Pierre Gengler jeweils zu Gunsten der Smashing Pawns, sodass der Ausgang wieder völlig offen war.

Stephen Dishman hatte an Brett vier gegen Razvan-Alexandru Sebe-Vodislav lange Zeit ein schlechtes Endspiel, später ein Turmendspiel mit Minusbauern zu verteidigen, genauso wie Tom Weber gegen Yordanov Rusev Rosen an Brett drei.

Tom Weber gegen Yordanov Rusev

Als beide Turmendspiele technisch Remis waren und Gewinnversuche an Brett drei aufgegeben wurden, vereinbarte man nur wenige Sekunden später auch am Nachbarbrett remis.

Die Entscheidung sollte am Spitzenbrett zwischen IM Vladimir Hamitevici und GM Michael Hoffmann fallen. Nach einem sehr spannenden Mittelspiel mit beiderseits noch vielen Bauern hatte weiß eine Dame, Turm und einen guten Läufer gegen Dame, Turm und etwas schwächeren Springer.

Schwarz erhöhte den Druck und konnte in ein gewonnenes Turm-Endspiel mit einem gefährlichen entfernten A-Freibauern abwickeln. Das Endspiel erforderte noch ein gutes Stück Technik, doch der erfahrene GM ließ sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen und gewann mit einer Schlusspointe die Partie und den Mannschaftskampf zu Gunsten von Bonneweg.

Für Bonneweg war es als „Rekordmeister“ die 24. Meisterschaft, wobei man zuletzt mit 15 Jahren eine relativ lange Durststrecke hatte und der Titel in dieser Zeit durch andere Vereine, meistens Dudelange, zuletzt Echternach gewonnen wurde.


Hier die Einzelergebnisse der Spitzenbegegnung der Schlussrunde:
BON I - BIE I 17 : 15

1 BON005 Hoffmann Michael (2474) - BIE003 Hamitevici Vladimir (2446) 3 - 1
2 BON007 Heinzel Olaf (2358) - BIE008 Hautot Stéphane (2409) 2 - 2
3 BON009 Rusev Rosen Yordanov (2360) - BIE004 Weber Tom (2364) 2 - 2
4 BON010 Dishman Stephen (2344) - BIE015 Sebe-Vodislav Razvan-Alexandru (2275) 2 - 2
5 BON013 Filipovic Slobodan (2232) - BIE011 Gengler Pierre (2239) 1 - 3
6 BON014 Bjarnason Oskar (2242) - BIE018 Linster Philippe (2252) 3 - 1
7 BON016 Bednarich Jan (2256) - BIE019 Jeitz Christian (2206) 1 - 3
8 BON017 Upton Tim (2198) - BIE020 Steil-Antoni Fiona (2153) 3 - 1

Die Mannschaftsergebnisse und vorläufige Abschlusstabelle sind hier in dem PDF-Dokument hier zu finden:

Classem.Runde7.pdf

Tabellen Saison Luxemburg 2016 2017.pdf

Hier die Ergebnisseite des Luxemburger Schachverbandes...  

Hier die Partien der Nationaldivision der ersten 9 Runden (Partien der Schlussrunde folgen in ca. 1 – 2 Wochen, Registrierung/Log-In erforderlich)... 

Für den Europäischen Club Cup sind damit die drei Vereine Bonneweg, Bieles und Echternach qualifiziert.

 

 



Gerd Densing ist ein begeisterter Vereins- und Turnierspieler. Seine Eindrücke hat er in vielen Berichten auf der ChessBase-Nachrichtenseite festgehalten.
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