Ghaem Maghami gewinnt Dresdner ZMD-Open

01.08.2007 – Der Iraner Ehsan Ghaem Maghami gewann mit 7,5 Punkten dank besserer Zweitwertung vor dem punktgleichen Robert Kempinski das ZMD-Open in Dresden. Zwölf Spieler teilten sich mit einem halben Punkt Rückstand die folgenden Plätze, darunter Anna Zozulia als beste Frau im knapp 300 Spieler starken Feld. Sächsische Meisterschaften, Familien-, Jugend- und Blitzturniere waren weitere Wettbewerbe des Dresdner Schachfestivals. Klaus Lais berichtet vom Abschluss der Veranstaltung am vergangenen Sonntag. Turnierseite...Bericht, Bilder, Partien...

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ZMD-Schachfestival 2007
von Klaus Lais 

Mit einem kämpferischen Sieg von Ehsam Ghaem Maghami endete das XVI. ZMD-Schachfestival 2007. Die Partie Maghaems war zugleich die letzte des ganzen Turniers. Damit setzte sich der Iraner, gesetzt als Nr. 1 des ZMD-Opens in allerletzter Sekunde ganz nach oben. Die Schlagzeilen des Opens schrieben über die Woche gesehen andere Helden...


Ehsam Ghaem Maghami

Das ZMD-Schachfestival bezeichnet eine Reihe von Turnierangeboten, die während einer Turnierwoche ausgetragen werden. Eröffnet mit einer festlichen Gala auf Schloss Albrechtsberg, auf der Sponsor ZMD weitere Unterstützung für die kommenden Jahre zusagte, starteten die Schachtage mit der offenen sächsischen Seniorenmeisterschaft. Setzlistenplatz Eins nahm der zehnfache Olympiadeteilnehmer Yair Kraidman ein. Kraidman, geboren 1932, spielte Anfang der 70er auf Augenhöhe mit Bobby Fischer. 1968 in Lugano errang er die Silbermedaille in der Einzelwertung am dritten Brett. Den IM-Titel hat er seit 1964 inne, den GM-Titel erreichte er im für einen Leistungssportler hohen Alter von 43 Jahren. Mit seinen nunmehr 75 Jahren hat er noch eine Spielstärke von 2277 Elo-Punkten. Die weiteren Setzlistenplätze waren mindestens einhundert Punkte darunter angesiedelt, die meisten Senioren kamen naturgemäß aus der Stadt Dresden selbst. Sie lieferten Kraidman letztendlich einen harten Kampf, konnten den international erfahrenen GM aber nicht stoppen. Trotz einer Niederlage in Runde Sieben gewann er das Turnier mit einem halben Punkt Vorsprung.

Am ersten Samstag startete mit dem ZMD-Open das Kernturnier. Insgesamt starteten 303 Teilnehmer, darunter 35 Titelträger und ein Dutzend Großmeister. Mit Ehsan Ghaem Maghami führte ein Iraner das Feld an.

Ghaem Maghami ist einer von nur drei Großmeistern im Iran, was hauptsächlich der iranischen Revolution von 1979 zuzuschreiben ist, nach der für mehr als zehn Jahre das Schachspielen im Land verboten war. Unter den angereisten GMs waren die beiden deutschen Nationalspieler Alexander Graf und Alexander Naumann.


Alexander Graf

Mit dem Ukrainer Vadim Malakhatko war der Sieger aus 2005 dabei, Vladimir Epishin (Russland), David Arutinian (Georgien), Robert Kempinski, Tomas Markowski (Polen) waren die weiteren Topspieler am Start. Überrascht haben während des Turniers zunächst andere, dazu später mehr.

Ergänzt wurde da Schachfestival durch das auf vier Jahre angelegte olympische Schnellschachturnier (Grand Prix), das mit einer Menge Teilnehmer aus dem Open am Sonntagvormittag über die Bühne ging. Der Dresdener FM Cliff Wichmann spielte seine Stärken aus und gewann das vom Ablauf her außergewöhnliche Zusammentreffen. Hier wechselten alle Besiegten nicht nur vom K.o. ins Schweizer System, man half gar per Ausschreibung dem Siegen und Besiegen nach: Die Farben wurden vor der Runde gelost, Weiß erhielt mehr Zeit, war aber zum Siegen verdammt. Die Verlierer oder weißen Remisspieler wechselten ins Hauptturnier.

Montagnachmittag dann ergänzend ein kleines, aber feines Blitzturnier für Senioren, das der Bergneustädter Ludwig Blab für sich entschied. Sachsenmeister wurde hier Günther Koksch.

Am zweiten Samstag dann eine echte deutsche Meisterschaft. Mit Unterstützung und Pokalen des Deutschen Schachbundes traten hier 54 Familienbanden zum sportlichen Wettstreit an. Auch hier lockten interessante Preise, bestätigt durch einen neuen Teilnehmerrekord. In Tandems besetzte Familienkombinationen á la Mutter/Vater Opa/Enkel Cousin/Cousine etc. spielten Schnellschachpartien, eine ordentliche Gelegenheit für anwesende Fotografen, interessante Schachfotos zu schießen. Es gewannen einmal mehr IM Anna Zozulia und GM Vadim Malakhatko, das ukrainische Ehepaar, nun schon zum dritten Mal. Beide zusammen gaben in sieben Runden einen einzigen Brettpunkt ab.

Durch das sogenannte Dresdener Punktesystem wurden darüber hinaus Jugend/Alter und DWZ-Stärke in eine zweite Wertung genommen, so dass den Sondepreis zwei acht- und zehnjährige Geschwister abräumten.


Siegfried Koge mit seiner Enkelin im Analyseraum

Kommen wir zurück zum Open. Bei über 300 Teilnehmern dauerte es bis zur vierten Runde, bis die Titelträger erstmals untereinander spielten. Bis dato hatten einige Amateure die Gelegenheit, sich als Meisterschreck zu beweisen. So kam beispielsweise IM Michael Roos aus Leipzig extrem schwer in Tritt oder auch der gerade zuvor gekürte deutsche Seniorenmeister im Blitzschach, Anatoli Donchenko. Die gesamte GM-Entourage zog in die fünfte Runde mit mindestens 3,5 aus 4. In Runde Fünf setzte sich IM Nazar Firman gegen seinen Landsmann GM Stanislav Savchenko durch und übernahm die alleinige Führung im Feld. Firman, mehrfacher Jugendmeister seines Landes, spielte beherzt drauf los und verwertete einen Mehrbauern im Turnendspiel mühelos. In Runde Sechs war es der 22-jährige, polnische GM Tomasz Markowski, der mit einem Sieg gegen IM David Lobzhanidze überraschte. Markowski fand im Mittelspiel gleich mehrere  perfekte Fortsetzungen.

Obwohl sich der sächsische Landestrainer hervorragend positionierte, überspielte ihn Markowski mit taktischen Drohungen. Der Pole führte gemeinsam mit Nazar die Listen an, nachdem der Ukrainer gegen Alexander Graf remisierte.


IM David Lobzhanidze mit Judith Fuchs und Elena Winkelmann


Elena Winkelmann


Judith Fuchs


Saskia Stark

Die siebte Auflage sah dann wieder Firman vorne, nachdem er im direkten Duell gegen Markowski gewinnen konnte, Im Gegensatz zur Lobzhanidze-Partie missriet ihm der Übergang ins Endspiel durch einen einfachen Figureneinsteller. Nachdem der Ukrainer nun zwei der direkten Konkurrenten ausgeschaltet hatte und mit einem halben Punkt das Feld einführte, glaubten die meisten an ihn als späteren Turniersieger. Doch es sollte schon am nächsten Tag anders kommen. Der Pole Robert Kempinski, für den HSK in der Bundesliga aktiv und bis dato ungeschlagen, überspielte Firman.

In der zweiten Runde überraschte ihn Carsten Fehmer (2086) mit einem Remis, aber außer einem weiteren Unentschieden gegen Alexander Graf, fegte Kempinski alles vom Brett. In der Schlussrunde einigte er sich allerdings mit Graf frühzeitig auf Remis, dies aus turniertaktischen Gründen, denn es sicherte ihm mindestens Rang Zwei mit nunmehr 7,5 Punkten. Die Entscheidung um den Turniersieg hing von der Buchholzwertung als erste Feinwertung ab und zog sich bis zum letzten Augenblick hin. Letzte Partie der Spitzenbretter war die Begegnung Firman gegen den Setzlistenersten Ghaem Maghami.

Mit einem Sieg wäre Firman wohl Erster und gleichzeitig Großmeister geworden, denn dies war seine fehlende, dritte Norm. Die Norm und einen guten Preisrang vergeben hatte derweil IM Dennis Breder, der gegen die ukrainische IM Anna Zozulia konsequent auf Sieg spielte und überzog. Die für Belgien spielende Ehefrau von Vadim Malakhatko erreichte mit diesem Sieg eine fantastische Performance.


Anna Zozulia

Zurück zur Spitzenpartie. Nachdem Firman eine durchaus angenehme Mittelspielstellung nach und nach abgab, spielte der Iraner seine Stärken aus und beide landeten schließlich in einem Turmendspiel, das äußerst schwer abzuschätzen war. Nicht wenige gaben zunächst Firman als ihren Favoriten auf den Sieg an und schwenkten später zu Ghaem Maghami über.

Die Endkonstellation ergab dann Turm plus Bauer gegen Turm zugunsten des Setzlistenersten, die er sicher verwertete.

Endstand:

 1    Ghaem Maghami,Ehsan GM 2610 IRI 6 3 0 7.5 48.0 369.0
 2    Kempinski,Robert GM 2587 POL 6 3 0 7.5 47.0 373.5
 3    Markowski,Tomas GM 2573 POL 6 2 1 7.0 52.0 387.0
 4    Naumann,Alexander GM 2550 GER 5 4 0 7.0 52.0 372.5
 5    Ovsejevitsch,Sergej GM 2568 UKR 5 4 0 7.0 51.5 372.0
 6    Polak,Tomas GM 2544 CZE 5 4 0 7.0 51.0 378.0
 7    Arutinian,David GM 2591 GEO 5 4 0 7.0 51.0 377.0
 8    Graf,Alexander GM 2595 GER 5 4 0 7.0 50.5 379.0
 9    Kovalev,Andrei GM 2564 BLR 5 4 0 7.0 50.0 381.5
 10    Malakhatko,Vadim GM 2590 BEL 5 4 0 7.0 49.5 381.5
 11    Savchenko,Stanislav GM 2571 UKR 6 2 1 7.0 49.0 378.5
 12    Lobzhanidze,Davit IM 2470 GEO 6 2 1 7.0 48.5 367.5
 13    Epishin,Vladimir GM 2587 RUS 6 2 1 7.0 48.0 367.0
 14    Zozulia,Anna IM 2328 BEL 7 0 2 7.0 46.0 368.5
 15    Firman,Nazar IM 2517 UKR 6 1 2 6.5 52.0 371.0
 16    Delemarre,Jop IM 2457 NED 5 3 1 6.5 51.0 371.5
 17    Schmidt,Georg FM 2401 GER 5 3 1 6.5 50.0 358.5
 18    Pirrot,Dieter IM 2411 GER 5 3 1 6.5 48.0 359.0
 19    Bracker,Frank   2198 GER 6 1 2 6.5 46.0 371.5
 20    Brener,Ilja IM 2382 GER 5 3 1 6.5 46.0 368.5
 21    Schlötzer,Waldemar   2158 GER 6 1 2 6.5 46.0 367.0
 22    Heinig,Wolfram,Dr. FM 2342 GER 6 1 2 6.5 46.0 345.0
 23    Sriram,Jha IM 2459 IND 5 3 1 6.5 45.5 353.5
 24    Schindler,Samuel   2246 GER 6 1 2 6.5 45.5 352.0
 25    Bracker,Arne   2149 GER 5 3 1 6.5 43.0 327.5
 26    Stabolewski,Andreas   2263 GER 5 3 1 6.5 42.0 338.5
 27    Kummerow,Heiko FM 2308 GER 6 1 2 6.5 41.5 353.5
 28    Donchenko,Anatoli IM 2375 GER 4 5 0 6.5 41.5 352.5
 29    Fischer,Andre Klaus   2183 GER 6 1 2 6.5 40.5 340.0
 30    Schellmann,Frank   2141 GER 5 3 1 6.5 39.0 334.5

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292 Teilnehmer

Partienauswahl der Runden 3 bis 6...


 

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