"Goldene Endspielregeln" sind spitze

11.06.2014 – In SCHACH 6/2014 rezensiert FM Christoph Nogly u.a. sechs aktuelle Fritz-Trainer. Am besten schneiden die Autoren mit großem Namen ab: Müllers "Endspiele 14" erfährt uneingeschränktes Lob ("Kaufen!") und auch Kings "Praxiskurs Angreifen" und Marins "Gewinnen gegen Grünfeld" erhalten klare Empfehlungen. Mehr...

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Fischer, Grünfeld & mehr

Rezension von Chrstoph Nogly (Auszug aus SCHACH 06/2014, S.62 ff)
 

Master Class Band 01: Bobby Fischer

Das Schaffen von Bobby Fischer wird aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Neu-Bundestrainer Dorian Rogozenco bespricht in vier Videoclips von jeweils ca. 20 Minuten die Eröffnungsbehandlung des amerikanischen Weltmeisters, Mihail Marin widmet sich anhand von fünf Musterpartien dessen Mittel- und Karsten Müller dem Endspiel Fischers.

Dazu stellt Oliver Reeh 18 Video-Taktikaufgaben. Als Bonusmaterial gibt es eine (wirkliche) Kurzbiographie, eine Datenbank mit 100 Taktikaufgaben sowie eine Datei mit allen Partien Bobbys (inklusive zahlreicher Simultan- und Blitzpartien), die auch Textdateien mit den Abschlusstabellen seiner Turniere und kurze Beschreibungen des Verlaufs derselben beinhaltet.

Alles solide Arbeit. Vielleicht fallen die Aussagen Rogozencos zu Fischers Repertoire gegen Französisch und Caro-Kann etwas zu flach aus, dafür erfährt man in seinen Ausführungen zu...

Fischer-Unzicker Zürich 1959 -  Stellung nach 20. g4-g5

... mehr über spanische Bauernstrukturen als in der ganzen DVD von Sam Collins, die speziell diesem Thema gewidmet war (vgl. SCHACH 8/2013, S. 71). Allerdings hätte Fischer hier nach 20... L:g5 (statt des in der Partie geschehenen 20... Sc4) 21. Sd5 L:d5 sicher nicht 22. e:d5? (22... Df6!), sondern 22. L:g5 mit klarem Vorteil gespielt.

Was Mihail Marin macht, hat für mich als einer seiner Fans schon fast aus Prinzip Hand und Fuß. Da verzeiht man auch, dass er hin und wieder mal nach einem deutschen Wort suchen muss oder es versehentlich durch ein englisches ersetzt. Und dass Karsten Müller das eine oder andere von Endspielen versteht, hat sich inzwischen auch ’rumgesprochen.

Dennoch: in vielen Fällen hätte ich mir eine tiefergehende Betrachtung gewünscht. So wird zum Beispiel erwähnt, dass Fischer gegen Französisch und Caro-Kann deutlich schlechtere Ergebnisse erzielt hat als gegen Spanisch und Sizilianisch, aber woran das gelegen haben könnte, wird nicht diskutiert.

Ich erfahre, dass...


Taimanow-Fischer Buenos Aires 1960 - Stellung nach 85... Kd3-c4

... ein Paradebeispiel für Centurinis Regel ist. Auch der Begriff Stoppdiagonale fällt. Aber...? Vieles wird angerissen, aber kein Thema erschöpfend behandelt. Mir bleiben dabei zu viele Fragen offen.

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Sam Collins: Taktikturbo Spanisch

Eine interessante Idee, jemandem eine Eröffnung näher zu bringen! Collins orientiert sich nicht an Theorievarianten oder typischen Strategien in bestimmten Stellungen, sondern an typischen taktischen Motiven, die in den verschiedenen Spanisch-Varianten anzutreffen sind. Er argumentiert, dass die Kenntnis dieser Motive auch das strategische Verständnis für eine Eröffnung vertieft.

Die DVD beinhaltet 63 Videolektionen sowie eine Datenbank mit den Partien zu den Videos und 38 weiteren Beispielen. Die Taktikaufgaben sind nach Varianten sortiert (Smyslow 3... g6, Bird, Klassisch, Berliner Mauer, Anti- Berlin, Abtausch, Archangelsk, Breyer, Marshall, Anti-Marshall, Tschigorin etc.) und behandeln taktische Schläge für Weiß und für Schwarz. In Einführungsvideos von 30-60 Sekunden Länge führt Collins kurz in die Lage auf dem Brett ein. Dann ist es an dem Konsumenten, den ersten Zug seiner Lösung auf dem Analysebrett einzugeben (alternativ kann man sich die Lösung auch sofort zeigen lassen).

Im Vergleich zu Taktikbüchern bietet eine interaktive DVD einige Vorteile. Wer erinnert sich nicht an das nervige Blättern zur Lösungssektion am Ende eines Buches – wenn (noch schlimmer) die Lösung nicht schon neben der Aufgabe stand und man immer die Hälfte einer Seite abdecken musste. Dumm auch, wenn man nicht die richtige Lösung gefunden hatte, aber durch das Nachschauen keinen zweiten Versuch mehr bekam. Oder wenn man aus Versehen auch noch einen Blick auf die Lösung der nächsten Aufgabe geworfen hatte. All diese Fallstricke lauern hier nicht.

Durch den Trainingsmodus sieht man nur die aktuelle Stellung und den letzten Zug, der zu der Aufgabenstellung geführt hat. Auf dem Brett kann man seine Lösung eingeben. Liegt man arg daneben, macht einen das Programm wenig zartfühlend darauf aufmerksam. Manchmal gibt Collins einen Tipp, in welche Richtung man denken sollte. Ist man auf der richtigen Spur, wird anhand von Varianten erläutert, warum der eigene Vorschlag nicht funktioniert, oder man wird darauf hingewiesen, dass die eigene Lösung zwar gut sei, es aber etwas noch Besseres gibt.

Das funktioniert schon ganz gut, aber diese Form des Trainings stößt dann an Grenzen, wenn die taktische Pointe nicht (nur) im ersten Zug einer Variante enthalten ist. Denn was danach kommt, wird nicht abgefragt. Daneben sind mir einige Kleinigkeiten negativ aufgefallen. Manche Stellungen (zum Beispiel Kasparow-Khalifman)

Kasparov-Khalifman Stellung nach 19...Df5-c2

haben erkennbar nichts mehr mit der Eröffnung zu tun, andere dagegen nichts mit Taktik (Amonatow-Alexandrow). ...  Alles in allem ein interessanter Versuch – aber mit zu vielen Schwächen. Wenn man den Vergleich zu Taktikbüchern zieht, schneiden die 62 Aufgaben für 27,90 Euro im Vergleich zu günstigeren Printprodukten mit mehreren Hundert Aufgaben schlecht ab.

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Karsten Müller: Endspiele 14 - Die Goldenen Endspielregeln

 

Wahrscheinlich ist meine Schachbibliothek von ihrer Struktur her ziemlich repräsentativ: tonnenweise Eröffnungsliteratur, ein Dutzend Klassiker à la Mein Sy- stem oder New York 1924, und ganz hinten in der Ecke (in meinem Fall) genau drei Endspielbücher: Awerbachs Was man über das Endspiel wissen muss (gelesen), Smyslow/Löwenfisch Theo- rie und Praxis der Turmendspiele (zum Teil gelesen) sowie der jüngste Zugang Dworetzkis: Endspiel- Universität (ungelesen).

Im fortgeschrittenen Alter fehlt halt die Muße, sich mit den Feinheiten des Endspiels auseinanderzusetzen. Den »Brückenbau« im Turmendspiel bekomme ich noch hin und der Kelch »matt setzen mit Läufer und Springer« ist zum Glück bislang an mir vorüber gegangen. Diese endspielverneinende Einstellung könnte sich jetzt aber ändern! »Schuld« daran ist die inzwischen 14. Endspiel- DVD, die Karsten Müller für ChessBase produziert hat.

Während er sich in den 13 Vorgängern mit jeweils sehr spezifischen Fragen intensiv beschäftigte (zum Beispiel widmet er eine ganze DVD dem Thema »Turm gegen Springer«), findet man in dieser Ausgabe über alle Endspieltypen hinweg eine Sammlung von – wie der Titel treffend sagt – Golde- nen Regeln! Besonderen Wert legt Müller dabei auf die Regeln, die dank ihrer Geometrie besonders einprägsam sind (das »W« des Springers beim mattsetzen mit Läufer und Springer, die Quadratregel, Dreiecksmanöver etc.).

Während ich im Bereich der Eröffnungen persönlich das Buch immer noch der DVD vorziehe, haben mich die Endspiel-Videos auf dieser DVD heiß auf mehr gemacht! Statt nach den neuesten Eröffnungsfeinheiten in den Partien der Kindergartenmeisterschaft von Nowosibirsk zu forschen, werde ich mich jetzt mit der Bähr- schen Regel, Lucena-Stellungen, Capablancas Theorem und Cen- turinis Regel (Sie erinnern sich?) beschäftigen. Ab der nächsten Saison werden die Damen getauscht! Kaufen!  

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Daniel King: Powerplay 20 - Praxiskurs Angreifen

Ein naher Verwandter der Taktik- Toolbox. Im Gegensatz zu Collins geht es hier jedoch nicht (nur) um taktische Schläge, sondern um das Vortragen von Angriffen. Dies wird anhand von zehn Beispielpartien (sowie einer Datenbank mit weiteren 50 Partien mit identischen Ideen/Motiven) getan, die King intensiv analysiert.


Eine interaktive DVD verlangt ein gut durchdachtes »Drehbuch «. Denn als Autor weiß man nicht, welchen Weg der User nimmt. Manchmal findet er sofort den richtigen Zug, manchmal nicht. Also muss der Autor darauf achten, dass der Konsument auf allen Wegen auch alle relevanten Informationen erhält. Das misslingt hier leider ab und zu. Zum Beispiel kommt es vor, dass bei Kommentaren zu einer falschen Lösung die richtige verraten wird.

Auch ist die ChessBase-Navigation in einigen Fällen zwar nicht überfordert, aber suboptimal:

Stellung nach 30...Tb8-b5

Hier gibt es eine bessere Fortsetzung als das in der Partie geschehene 31. Dh5. Um aber wieder zu der Stellung zu gelangen, in der nach der besten Fortsetzung gefragt wird, muss man ein paar Verrenkungen vollführen.

Insgesamt gefällt mir Kings DVD jedoch deutlich besser als die von Collins. Denn hier steht nicht nur das einzelne taktische Motiv im Mittelpunkt, sondern der Betrachter erlebt den zum entscheidenden Schlag führenden Entwicklungsprozess des Identifizierens bzw. Provozierens einer Schwäche und des Umgruppierens der eigenen Streitkräfte mit. Gut finde ich auch, wie King nach jeder Partie die kritischen Momente noch einmal Revue passieren lässt.
Empfehlenswert!

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Valeri Lilov: How to fight the Queen's Pawn Openings

Thema dieser DVD sind – aus schwarzer Sicht – die Damenbauernspiele, alle weißen Systeme nach 1. d4 also, in denen er nicht c2-c4 folgen lässt. Das sind das Londoner System (3. Lf4), Torre (3. Lg5), Trompowsky (2. Lg5), Colle (3. e3), Weresow (2. Sc3), Blackmar-Diemer (2. e4) und – aus mir nicht ersichtlichem Grund – Katalanisch. Lilow empfiehlt in der Regel schwarze Aufstellungen mit e7-e6 und d7-d5, Anhänger von Königs- oder Grünfeldindisch können mit seinen Systemen nichts anfangen. Allerdings rate ich auch allen anderen potenziellen Interessenten von diesem Download ab. Die Varianten sind, wenn nicht schlecht, so doch zumindest sehr lückenhaft. ... Finger weg! ...
 

Mihail Marin: Gewinnen gegen Grünfeld

... Marin empfiehlt die – ich nenne sie der Einfachheit halber mal – Kramnik-Variante, die ich bei Swidler schon gestreift habe. In seiner Einführung nennt Marin einen großen Vorzug dieses Abspiels: Weiß bekommt meistens eine angenehme und gut spielbare Stellung, und das fast ohne Verlustgefahr. In vielen Fällen decken sich die Varianten mit denen von Kornejew. Dieser geht zwar auf mehr (Neben-)Varianten ein, dafür gefallen mir die Erläuterungen von Marin jedoch deutlich besser.

Ein Beispiel:

Kornejew: »19. g3 e6 20. Tb6+=, Olszewski-Kanarek«.

Marin folgt der gleichen Partie, erklärt aber detailliert, dass der Sf3 die am schlechtesten postierte weiße Figur ist, den man viel lieber auf f4 hätte. Das erklärt den Zug 19. g3: der Springer soll beweglich gemacht werden, aktuell konnte er wegen f5-f4 und dem Fall des Bauern d4 nicht ziehen. Da fühlt man sich »heimischer«.
Interessant ist Marins Meinung zu dem Abspiel, das bei Kornejew die absolute Hauptvariante darstellt. Nach 10...Td8...



... spielt Weiß fast immer 11. d5. Bei Kornejew ergibt sich nach 11... e6 und einer bekannten Damenopfervariante die folgende Stellung...



... die unter Angabe einiger Varianten mit weißem Vorteil angegeben wird. Marin ist da nicht so überzeugt. Stattdessen präsentiert er mit 11. Le2 eine eigene Idee. Seine Hauptvariante führt zu dieser Stellung, die er für vorteilhaft für Weiß hält:



Man vergleiche diese Stellung mit der, die in der Swidler-Rezension abgebildet ist [s. Originalrezension in SCHACH]. Fast identisch! Abschließend zu der Frage, die mir (und vielleicht auch Ihnen) unter den Nägeln brannte: Was empfiehlt Marin gegen das Swidler- Repertoire? Die Antwort ist etwas enttäuschend, aber einfach: Nichts! Zwar ist 10. Tb1 auch bei Marin die Hauptvariante, Swidlers Rezept mit 11... f5 wird aber nicht erwähnt.

Das hindert mich jedoch nicht daran, die Marin-DVD all jenen ans Herz zu legen, die ein solides und relativ einfach zu erlernendes System gegen Grünfeld suchen!

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Nachdruck der Rezension aus SCHACH 06/2014 (Auszug) als pdf laden...

 

 

 

 

 


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