Grenke Chess Classic: Hou Yifan bleibt an der Spitze

von Hartmut Metz
18.04.2017 – In den ersten zwei Runden des Grenke Chess Classic zeigte Hou Yifan ihr bestes Schach: Siege über Fabiano Caruana und Georg Meier bescherten ihr den ersten Tabellenplatz und einen ganzen Zähler Vorsprung auf Magnus Carlsen. Für Runde 3 war dann das Aufeinandertreffen zwischen Weltmeisterin und Weltmeister anberaumt - und siehe da - Hou Yifan kam nie in Verlustgefahr und trauert am Ende sogar einer guten Chance nach.

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Hou Yifan trauert „guter Chance“ gegen Carlsen nach

Leichte Siege für Aronian, Caruana und Naiditsch / Vitiugov gewinnt A-Open

 

„Heute habe ich eine gute Chance verpasst!“ Der Satz stammt nicht etwa von Schach-Weltmeister Magnus Carlsen, sondern von der weltbesten Spielerin: Hou Yifan. Im Duell der beiden souveränen Weltranglistenersten bestimmte das vermeintlich schwache Geschlecht die Partie. Deshalb trauerte die 23-jährige Chinesin der Gelegenheit etwas nach, ihre makellose Bilanz bei den Grenke Chess Classic in Karlsruhe auch nach drei Runden zu wahren. Immerhin verteidigte Hou Yifan mit 2,5 Punkten ihren Vorsprung vor Carlsen, der bisher nur dreimal remisierte. Levon Aronian, Fabiano Caruana (USA) und Arkadij Naiditsch (Aserbaidschan) rückten ihr allerdings mit Siegen bis auf einen halben Zähler auf die Pelle, bevor am Dienstag die Rochade nach Baden-Baden erfolgt. In der Eventakademie werden von Mittwoch bis Samstag (jeweils ab 15 Uhr) die weiteren vier Runden ausgetragen (der Hinweis für Fans, die schon Bundesliga-Heimspiele der OSG Baden-Baden besuchten und wieder hinpilgern wollen: Die Eventakademie ist nicht zu verwechseln mit dem üblichen Spiellokal, dem LA8, und liegt am Stadteingang,wenn man von der Autobahn kommt).

Keine Gewinnchancen für Magnus Carlsen (Foto: Georgios Souleidis)

 

Hou ist trotz des Unentschiedens „glücklich“ mit ihrem Start und weiß mit Blick auf die Tabellenspitze, „ich muss weiter gut spielen und jede Chance ergreifen“. Weniger zufrieden äußerte sich Carlsen. „Ich hatte in der Eröffnung keine Probleme – aber auch keine Gewinnchancen“, nannte der Norweger sein Dilemma. Bei der Analyse sah er zwar deutlich tiefer in die Stellung und schleuderte ein paar Varianten heraus, die weder Hou noch die Kommentatoren Peter Leko und Lawrence Trent im Visier hatten – aber der Weltmeister „übersah 24.Td5 von Weiß“, wonach die Chinesin das Gefühl hatte, „dass ich gut stehe“. Danach musste Carlsen seinen eigenen Ausführungen nach in den „Überlebensmodus umschalten, denn die Position war extrem hässlich, wenn auch noch nicht verloren“. Durch die Abwicklung ins Turmendspiel rettete er letztlich relativ einfach den halben Zähler.

Analyse mit Magnus Carlsen und Hou Yifan:

Remis? Für Caruana scheint das keine Option zu sein. Der Weltranglistendritte hatte 2014 beim Sinquefield Cup mit einer Siegesserie über sieben Partien für Aufsehen gesorgt. In Karlsruhe egalisierte der Amerikaner mit italienischen Wurzeln nun seine Rekordmarke von neun entschiedenen Begegnungen in Folge (sechs zuvor bei der US-Meisterschaft)! Als Ziel wollte Caruana die zweistellige Marke nicht auf Teufel komm raus ausgeben. „Keine Ahnung, warum ich so viele Partien nicht remisierte. Letztlich ist es aber egal. Zwei Remis zählen genauso viel wie ein Sieg und eine Niederlage“, unterstrich er nach seiner durchschlagenden Attacke gegen Georg Meier, der zusammen mit Matthias Blübaum (beide 0,5) die rote Laterne trägt.

"Remis?" - derzeit keine Option für Fabiano Caruana. (Foto: Georgios Souleidis)

 

Mehr als der Angriffssieg nach einem Springeropfer hatte Caruana am Vortag der über Naiditsch überrascht. „Die Stellung gab nicht viel her – plötzlich nach f5 von mir brach alles schnell zusammen.“ Den Kampf um Platz eins hat der Italo-Amerikaner daher ungeachtet seiner Auftaktschlappe gegen die Chinesin wieder im Blick. „Hou spielt bisher sehr gut. Ein halber Punkt Vorsprung ist aber nicht viel, auch wenn sie schon den stärksten Gegner hatte“, betonte der 23-Jährige – ohne klarzustellen, ob er damit Carlsen oder sich meinte … Vermutlich aber doch den Weltmeister. Durch den Ortswechsel sieht der Tabellenzweite jedenfalls eine „neue Atmosphäre“ und ein „offenes Turnier“ entstehen.

Mit Aronian und Naiditsch ist in der Kurstadt ebenfalls weiter zu rechnen. Beide hatten in der dritten Runde leichtes Spiel.

Mit Arkadij Naiditsch ist nach seinem Sieg gegen Matthias Blübaum weiterhin zu rechnen. (Foto: Georgios Souleidis)

 

Blübaum opferte gegen den ehemaligen deutschen Nationalspieler einen Bauern, den er nie mehr zurückbekam. Naiditsch verwertete ihn locker in 44 Zügen. Aronian war nur zwei schneller, berichtete jedoch von einem noch einseitigeren Vergleich mit Maxime Vachier-Lagrave. „Maxime spielte ganz schlecht. Das sah nur gut von mir aus. Ich machte wohl kaum einen Fehler, aber letztlich musste ich nicht viel tun. Es ist angenehm, nach zweieinhalb Stunden fertig zu sein“, freute sich der Armenier.

Eine "ganze schlechte" Partie des Franzosen MVL; Levon Aronian steht nach seinem Sieg auf dem geteilten zweiten Platz. (Foto: Georgios Souleidis)

 

Impressionen von der 3. Runde:

 

Vitiugov siegt im Grenke Chess Open

Nikita Vitiugov sicherte sich im A-Open den Siegerpokal. Der nominelle Favorit aus Russland wies nach einem schnellen Remis mit Schwarz gegen den Kroaten Zdenko Kozul die beste Buchholzwertung (56,5) des Quartetts mit 7,5 Punkten auf. Sein Landsmann Maxim Matlakov (55,5) belegte Rang zwei vor Etienne Bacrot und Kozul (beide 53,5). Sie teilten sich 25000 Euro nach dem Hort-System – demnach erhält Vitiugov 8125 Euro, Matlakov 6625 Euro und die beiden anderen jeweils 5125 Euro.

Zdenko Kozul und Nikita Vitiugov kommen beide auf 7.5/9. (Foto: Georgios Souleidis)

 

18 Großmeister und zwei IM folgen mit jeweils sieben Zählern aus neun Runden und müssen sich mit Brosamen zufriedengeben. Dazu zählen auch die 200 Euro für die „beste Mannschaft“. Bundesligist Hockenheim lag dank Vitiugov und den drei Sieben-Punktern Alexander Moiseenko, Ivan Saric und Tamas Banusz zwei volle Zähler vor dem Hamburger SK (26,5). Bei den Hockenheimern kam Nationalspieler Rainer Buhmann mit 6,5 Punkten schon nicht mehr in die Wertung. Am zufriedensten dürfte unter den Verfolgern der Turkmene Meilis Annaberdiev sein: Der IM mit einer Elo von 2459 teilte sich mit dem Schweden Nils Grandelius Rang fünf und fuhr mit sieben Zählern eine GM-Norm ein. Das gilt ebenso für den Forchheimer Alexander Seyb (2407) und den Schweizer Noël Studer, dem 6,5 Punkte genügten. Seyb war überraschend zusammen mit Alexander Donchenko (beide 50 Buchholz) bester Deutscher vor Johannes Carow (Heidesheim/6,5). Andreas Heimann (OSG Baden-Baden) und Ilja Schneider (HSK Lister Turm) blieben zwar ungeschlagen, trennten sich indes aber auch fünfmal friedlich. Der Hamburger Jungprofi Rasmus Svane und Nikolas Lubbe (beide 6) fielen am Schluss zurück. Der Neuberger musste in Runde neun Gata Kamsky (USA) gratulieren, der sich so noch auf sieben Zähler hievte.

Bester Deutscher im Feld: IM Alexander Seyb. (Foto: Georgios Souleidis)

 

Die vier Topplatzierten verloren keine einzige Partie. Sechs Siege und drei Friedensschlüsse standen bei ihnen zu Buche. „Ich hatte in der fünften Runde Glück gegen einen jungen Tschechen“, hielt Vitiugov seinen Sieg über IM Thai Dai Van Nguyen (2441) für einen der beiden ausschlaggebenden Momente des Turniers. In der vorletzten Runde konnte er überdies seinen Landsmann Vladimir Fedoseev bezwingen, so dass es der 30-Jährige gegen Kozul ruhig angehen lassen konnte. Anders Matlakov, der Hrant Melkumyan mit Schwarz niederhalten musste. Ein fulminanter Schlussspurt brachte Bacrot auf den Medaillenplatz: „Ich begann mit drei Remis! Da ist der dritte Platz sehr okay. Am Schluss lief es optimal“, sagte der Franzose in Diensten des Ausrichters OSG Baden-Baden. Erholen wird sich Bacrot nach den „harten neun Runden in fünf Tagen und davon gleich drei Partien binnen 22 Stunden“ vorerst nicht können. Als Sekundant von Vachier-Lagrave dürfte er mit in die Kurstadt reisen.

 

Künftig jedes Jahr ein Superturnier?

Turnierdirektor Sven Noppes konnte noch nicht bestätigen, dass Vitiugov im nächsten Jahr bei den „Großen“ mitspielen darf. Einfacher Grund: „Wir warten das Ende des Großmeister-Turniers ab, danach diskutieren wir, ob wir es künftig jährlich ausrichten“, macht der Kapitän der OSG Baden-Baden den Fans jedoch Hoffnung auf eine Verkürzung des Zwei-Jahres-Rhythmus. Eine Steigerung sei ja kaum noch möglich. „Wir müssen diese fantastische Teilnehmerzahl und diese tolle Atmosphäre erst einmal auf uns wirken lassen.“



Hartmut Metz ist hauptberuflich Redakteur beim Badischen Tagblatt mit Hauptsitz in Baden-Baden. Er schreibt außerdem unter anderem für das Schach-Magazin 64 und Schach-Aktiv (Österreich).
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