Haub gewinnt bei den Ch'tis

08.04.2008 – Über Ostern fand in der Stadt Fourmies im französischen Departement Nord ein Open statt, das mit sieben Runden an drei Tagen an den Kräften der über 150 Teilnehmer zehrte. Am Ende hatte Thorsten-Michael Haub die größte Ausdauer und heimste mit sechs Punkten den ungeteilten ersten Preis ein. Es ist nicht der erste Sieg des deutschen IMs in Frankreich. Eine Reihe von belgischen Spielern fanden ebenfalls den Weg in die Industriestadt nahe der Grenze, die im Gebiet der umgangssprachlich als "Ch'tis" bezeichneten flämischstämmigen Franzosen liegt. Derzeit bricht in Frankreich eine Komödie alle Rekorde, die sich genau mit dieser etwas scheel angesehen Bevölkerungsgruppe beschäftigt. Bienvenue chez les Ch'tis...

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"Bienvenue chez les Ch'tis"
Von Fabrice Wantiez/ André Schulz
Fotos: Fabrice Wantiez

Die nordostfranzösische Stadt Fourmies, nahe der belgischen Grenze gelegen, war über Ostern (22.-24. März) Schauplatz eines internationalen Opens. An drei wurden sieben Runden gespielt, davon am zweiten Turniertag drei  Partien, was für die Spieler bedeutete, dass sie über einen ganzen langen Tag, von 8.30 Uhr bis 22.30 Uhr voll konzentriert sein mussten.


Samy Alit-charouce gegen Kamran Shirazi


Thierry Audin


Bogdan Borsos gegen Bogdan Lalic


Charles Delboe gegen Joffrey Lebon. David Desinte schaut zu.


Namig Guliyev


Noemie Klipper


André Kuciapa gegen Le Quang Kim


Xavier Mastalerz gegen le Quang Kim. Anemone Kulcak (li.), Thierry Audin kiebitzt


Xavier Matalarz


Slavisa Peric


Victor Prokop


Bruno Russo


Kamran Shirazi


Reinaert Verstraeten



Fabrice Wantiez gegen Bogdan Borsos
 

Der deutsche IM Thorsten-Michael Haub zeigte die größte Ausdauer und gewann das Turnier mit 6 Punkten und einer starken Eloleistung von 2578 vor zwei Großmeistern und fünf weiteren IMs.


Thorsten-Michael Haub

Haub entwickelt sich langsam zum Spezialisten für Open in Frankreich.  Im Dezember 2007 gewann er bereits das Turnier in Vandoeuvre (vor den IGMs Lazarev und Bauer). Thorsten-Michael Haub ist häufig auf Turnieren in Frankreich zu Gast und genießt dort einen sehr guten Ruf als starker und sympathischer Spieler.

In Fourniers nahmen 151 Spieler aus 11 Ländern teil. Der Preisfonds betrug 7500 Euro.
 

32ème Open International de Fourmies
Grille américaine après la ronde 7
Pl   Nom Elo Fede Pts Tr. Perf. FFE
1 m HAUB Thorsten-Michael 2458 GER 6 30,5 2578 2592
2 g LALIC Bogdan 2507 CRO 5,5 32 2543 2532
3 m OKHOTNIK Vladimir 2460 FRA 5,5 32 2514 2511
4 m BORSOS Bogdan 2357 UKR 5,5 31 2490 2499
5 m DOBREV Nanko 2427 BUL 5,5 30 2437 2426
6 g GULIYEV Namig 2570 AZE 5,5 29 2481  
7 m SHIRAZI Kamran 2422 FRA 5,5 29 2440 2422
8 f LE QUANG Kim 2276 BEL 5,5 28,5 2348 2348
9 m PERIC Slavisa 2258 SRB 5,5 28 2295 2288

...

151 Spieler

Vollständige Tabelle...


Der Sieger: Thorsten-Michael Haub


Die Preisträger


Mathys Prokop

 

Das Departement Nord, mit der Verwaltungsnummer 59, ist mit über 2,5 Mio. Einwohnern das bevölkerungsreichste Departement Frankreichs.


Das Departement Nord, ganz oben

Seine Hauptstadt ist Lille (1,1, Mio. Einwohner). Fourmies liegt im Südosten des Departements. Besonders das Arrondissement Dünkirchen ist traditionell flämischsprachig. Das Flämische wird aber durch die französischen Sprachpolitik mehr und mehr zurückgedrängt. Heute sprechen im Arrondissement Dünkirchen noch etwa 20% der Bevölkerung Flämisch, dies aber nur in einem Teil des Verwaltungsbezirks. Im französischen Teil des Gebiets wird pikardisch gesprochen, wobei die Franzosen das Pikardische im Dep. Pas-de-Calais umgangssprachlich gerne als "ch'ti" bezeichnen, während das Pikardische um Valenciennes auch "rouchi" genannt wird. Eine andere geläufige Bezeichnung für das Pikardisch ist "patois".

Belgisch beeinflusst ist auch das in Dünkirchen gesprochene französische "dunkerquois". Der flämische Einfluss auf das Nordfranzösische entstand als im 19. Jahrhundert als viele Belgier mit Beginn der Industrialisierung in dieses Gebiet einwanderten, vor allem in die Industriestädte Lille, Roubaix und Tourcoing. Zeitweise lebten hier mehr als 50% Belgier. Zu Beginn des 20.Jh. assimilierten diese an die französische Stammbevölkerung. Man erkennt aber viele französischsprachige Flamen an ihrem Dialekt. So sprechen diese z.B. das "ch" wie in chien als "k" aus, sagen also "kien". Statt "s" wie in "sien" sprechen sie "ch", sagen also "chien" statt sien.

Zur Zeit ist aber besonders unter französischen Muttersprachlern ein zunehmendes Interesse am Flämischen und sogar am Standard-Niederländischen festzustellen. Es werden viele Sprachkurse angeboten und genutzt.

Das Interesse lässt sich auch an dem Erfolg einer Komödie ermessen, die sich mit den nordfranzösischen Flamen beschäftigt. Der Film von Dany Boon "Bienvenue chez les Ch'tis" stellt in Frankreich (und Belgien) neue Rekorde an den Kinokassen auf. Schon in den ersten sieben Tagen nach seiner Premiere am 27.Februar 2008 lockte der Streifen knapp 4,4 Mio. Zuschauer in die Kinos, mehr als jeder andere Film zuvor. bei anhaltendem Interesse könnte die Komödie sogar "Titanic" (ca. 20 Mio. Zuschauer) vom ersten Platz der Liste der erfolgreichsten Filme in Frankreich verdrängen.



Erzählt wird die Geschichte eines Postboten, der aus der Provence in die Gegend von Dünkirchen versetzt wird, die wegen des Wetters und der Leute mit ihrem unverständlichen Dialekt keinen guten Ruf hat.








Doch dann schließt er Freundschaft mit Antoine, gespielt vom Regisseur Dany Boon.

 

 

 

 


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