Herzlichen Glückwunsch, Robert Hübner!

06.11.2008 – Vielen gilt Dr. Robert Hübner als bester deutsche Schachspieler nach Emanuel Lasker. Er selbst weist solche Vergleiche weit von sich. Der Historiker Hübner hat sich allerdings viel mit seinem Vorgänger beschäftigt und in zahlreichen Aufsätzen seine Beobachtungen und Schlüsse niedergelegt. In Kürze erscheint ein Buch von Hübner über Lasker. Hübners Talent als Schachspieler war schon in jungen Jahren unübersehbar. Mit fünf Jahren lernte er das Spiel. Mit 18 nahm er an seiner ersten Schacholympiade teil und mit 20 Jahren wurde er der bis dato jüngste deutsche Großmeister. Danach hat er das deutsche Schach geprägt wie kein Zweiter und ist nach wie vor einer der besten deutschen Spieler. Kürzlich feierte Hübner, den seine Spielerkollegen meist respektvoll "Doc" nennen, sein 50-jähriges Turnierjubiläum. Heute feiert er seinen 60sten Geburtstag. Wir gratulieren! (Bild: Robert Hübner bei der WM in Bonn). 60 Jahre Robert Hübner...

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Robert Hübner ist 60

Der Beginn seiner Schachkarriere liegt 50 Jahre zurück. Am 22.September 1958 spielte Robert Hübner seine erste Turnierpartie. Fast auf den Tag genau ein halbes Jahrhundert später, feierte der Großmeister sein 50-jähriges Turnierjubiläum. Bei den Schweizer Mannschaftsmeisterschaften traf er im Mannschaftskampf zwischen Luzern und Zürich auf Viktor Kortschnoj, einen Großmeisterkollegen, der den deutschen Spitzenspieler seine ganze Karriere hindurch begleitet und mit dem er sich bei vielen Gelegenheiten, mal mehr mal weniger erfolgreich, gemessen hat.

Mit fünf Jahren lernt Hübner das Schachspiel und tritt 1957 dem Eisenbahnschachverein Turm Köln bei. Neben anderen wurde er von Paul Tröger betreut. 1963 wurde er in Bad Schwalbach Deutscher Jugendmeister. Im nächsten Jahr wiederholte er in Köln den Erfolg. Als 15-Jähriger nimmt Hübner 1964 an den Jugendeuropameisterschaften teil, im folgenden Jahr an den Jugendweltmeisterschaften. Bei den Deutschen Meisterschaften 1965 wird er Sechster, 1967 in Kiel schon Erster. Dreimal wird Hübner Deutscher Einzelmeister, zuletzt 1999.

Bei den internationalen Großmeisterturnieren in Büsum 1968 und 1969 trifft auf Spieler wie Larsen, Polugajewsky, Gligoric und Legenden wie O'Kelly und den damals fast 70-jährigen Fritz Sämisch, den er als unterhaltsamen und geistreichen Erzähler schätzen lernt.

1970, 22-jährig, nimmt Hübner beim Interzonenturnier in Palma de Mallorca teil und belegt den geteilten 2. bis 4. Platz unter 24.Spielern. Gegen Robert Fischer, der überlegen mit 3,5 Punkten Vorsprung gewinnt, remisiert Hübner. Mit diesem Erfolg wurde Hübner zum Großmeister ernannt und war nun der jüngste deutsche Großmeister.

In den folgenden Kandidatenwettkämpfen unterliegt er jedoch Tigran Petrosian: Nachdem er sich beim Wettkampf in Sevilla mehrmals vergeblich bei Schiedsrichter Golombek über den Lärm beschwert hatte, brach Hübner den Wettkampf nach der 7ten Partie ab. Sein schwerhöriger Gegner Tigran Petrosian litt weniger unter dem Lärm, er stellte einfach sein Hörgerät ab.

Auch beim Interzonenturnier in Biel 1976 ist Petrosian für Hübner der Stolperstein auf dem Weg zur erneuten Qualifikation zu den Kandidatenkämpfen. Nachdem er das Turnier lange Zeit angeführt hat, verdirbt Hübner in der 18ten Runde gegen Petrosian seine Gewinnstellung und verliert. Später fehlt ein halber Punkt zur Qualifikation.

Mit seinem dritten Platz beim Interzonenturnier 1979 qualifiziert sich Hübner aber erneut für die Kandidatenkämpfe. Er besiegt 1980 in Wettkämpfen Adorjan und Portisch und unterliegt im Kandidatenfinale Kortschnoj. Zu dieser Zeit ist Hübner auf dem Gipfel seiner Karriere und nimmt nach seinem Sieg über Portisch in der Weltrangliste hinter Karpov und Kortschnoj den dritten Platz ein.

Im folgenden Zyklus scheidet Hübner 1983 gegen Smyslov aus. Beim Stand von zunächst 5:5, dann nach Verlängerung von 7:7 sollte im Spielcasino von Velden eine Roulettekugel über den Sieg entscheiden. Beim ersten Wurf fällt die Kugel dann sogar noch auf die Null. Beim zweiten Versuch kurioserweise ebenso, bevor im dritten Anlauf Rot für Symslow entscheidet. Hübner ist zu dieser Zeit bereits auf dem Weg nach Hause. Ein drittes und letztes Mal qualifiziert sich Hübner nach dem Interzonenturnier von Manila 1990 für die Kandidatenkämpfe, scheidet aber in der ersten Runde 1991 gegen Jan Timman aus.

In den 70er und 80er Jahren ist Robert Hübner Dauergast bei den Superturnieren jener Zeit. Neben den offiziellen FIDE-Qualifikationsturnieren spielt er häufig bei den Turnieren in Wijk, Tilburg, Biel oder Bugojno. Hübner gewinnt 1982 in Chicago, zusammen mit Ljubojevic siegt er 1985 beim 5.Linares-Turnier und zusammen mit Kortschnoj und Miles beim Turnier von Tilburg. 1986 ist Hübner Sieger beim GM-Turnier von Solingen. 1988 wird er Zweiter hinter Hjartarsson in München. 1989 schlägt Hübner Spassky bei einem Match in Venedig. Beim Turnier in Dortmund 1992 schlägt Hübner Kasparov. Im gleichen Jahr wird er beim Münchner SKA Turnier geteilter Zweiter, ebenso beim Turnier 1994 an gleicher Stätte. 1996 folgen gute Platzierungen bei den Turnieren in Nussloch und dem Rubinstein Memorial in Polanica Zdroj, 1998 gewinnt Hübner das Capablanca Memorial und unterliegt nur knapp Etienne Bacrot in einem Wettkampf.

Diese lange Liste ist jedoch nur ein kleiner Ausschnitt von Hübners Aktivitäten bei Einzelturnieren.

Darüber hinaus war er auf zahlreichen Mannschaftsturnieren aktiv. Auf Schacholympiaden spielte er in der deutschen Nationalmannschaft auf den Olympiaden von Lugano 1968 (mit 18 Jahren!), Skopje 1972, wo er an Brett 1 das beste Ergebnis erzielte und u.a Petrosian schlug, Buenos Aires 1978, Luzern 1982, Thessaloniki 1984, Novi Sad 1990, mit 7 aus 10 an Brett 1 und einer Aufsehen erregnden Partie gegen Ivanchuk, Manila 1992, Moskau 1994, Jerewan 1996, Elista 1998 und Istanbul 2000, wo die deutsche Mannschaft die Silbermedaille gewinnt. Danach tritt Hübner wegen der neuen Dopingtests aus der Nationalmannschaft zurück. Neben den Schacholympiaden stand Hübner zudem bei vielen anderen Mannschaftsvergleichen für Deutschland zur Verfügung.

Als Sekundant hat Hübner u.a. Nigel Short bei dessen Wettkampf gegen Kasparov London 1993 unterstützt.

In der Bundesliga hat Hübner für alle Spitzenvereine gespielt, zumeist am 1.Brett und mit großer Regelmäßigkeit. Aber auch in anderen Ligen ist der deutsche Großmeister für verschiedene Vereine angetreten, so in der Schweiz, Frankreich, Italien und Finnland.

Über seinen Freund Heikki Westerinen entwickelt Hübner eine besondere Beziehung zu Finnland. Der sprachbegabte promovierte Papyrologe lernt das Finnische und findet bei seinen regelmäßigen Besuchen in Finnland viele Freunde. Später übersetzt er die Satiren von Väinö Nuorteva ins Deutsche, wo sie von ChessBase in zwei Auflagen als Privatdruck verlegt werden.

Neben dem Finnischen beherrscht Hübner eine Reihe weitere Sprachen, darunter Englisch, Französisch und Niederländisch in Wort und Schrift und kann einige alte Sprachen wie Koptisch oder Demetisch lesen. Seine besondere Liebe gilt jedoch dem  Altgriechischen und insbesondere den Schriften Platons, die er selbst neu ins Deutsche übertragen hat.



Die wissenschaftliche Methode hat Hübner auch auf seine Schacharbeiten übertragen und dort versucht, Fortschritt in der Erkenntnis über bestimmte Eröffnungen, Varianten oder Position u.a. aus genauen Quellenangaben und Quellenstudium zu erzielen.

Auch als Schachhistoriker hat Robert Hübner große Bedeutung erlangt. Neben Aufsätzen in Schachzeitschriften und im ChessBase-Magazin, darunter über die Schachauffassung und die Wettkämpfe Emmanuel Laskers, hat Hübner die Bücher "Twenty-five annotated games", "Fünfundfünzig feiste Fehler" und "Materialien zu Fischers Partien" veröffentlicht. Hübners Betrachtungen über Robert Fischers Buch "60 memorable Games" erschienen zuvor auch im Rahmen einer ChessBase-CD über Fischer. Hübner ist Mitautor eines umfassenden Werkes über Emanuel Laskers, das in Kürze von der Lasker-Gesellschaft heraus gegeben wird, und veröffentlicht demnächst ein Werk über zwei bedeutende Lasker-Wettkämpfe.

Außer im Schach hat Hübner sich auch in der chinesischen Variante, dem Xiangqi, geübt. 1993 nahm er an der Weltmeisterschaft in Peking teil.

André Schulz
 

 

 


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