Huang ChunLong gewinnt Xiangqi-Europameisterschaft

16.02.2017 – München war Ende Januar Gastgeber der 30. Europameisterschaft im Xiangqi, dem chinesischen Schach. Organisator der EM war der Wahlmünchner Xue Zhong. Er nahm am Turnier auch selber teil und belegte den zweiten Platz. Übertroffen wurde er nur von Huang ChunLong. Der Xiangqi-Ex-Weltmeister Jiang Chuan gab im Vorprogramm eine Blindsimultan-Vorstellung, die er mit 7,5:0,5 souverän für sich entschied. Bericht von Oliver Breitschädel...

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Xiangqi-Europameisterschaft in München

Von Oliver Breitschädel

Ende Januar fand in München die Europameisterschaft im Xiangqi statt, der chinesischen Variante unseres internationalen Schachspiels, wie unser Schach in China bezeichnet wird. Übersetzt heißt Xiangqi „das Elefantenspiel“, allerdings sucht man als Schachspieler vergeblich nach der Elefantenfigur, die dem Spiel seinen Namen gab. Denn die Spielfiguren sind keine dreidimensionale Figuren wie beim Schach, sondern dicke runde Spielsteine, die mit chinesischen Schriftzeichen versehen sind. Ein Xiangqispieler erkennt den Elefanten natürlich sofort, ziert er doch u.a. sowohl das Logo des deutschen als auch des europäischen Xiangqi-Verbandes (www.chinaschach.de).

München entwickelt sich immer mehr zur europäischen Hauptstadt des Xiangqi. Nach der Weltmeisterschaft 2015 fand nun Ende Januar auch noch die Europameisterschaft in München statt.

Zu verdanken haben das die Münchner Xue Zhong, der nun bereits seit 10 Jahren in München seine neue Heimat gefunden hat und Xiangqi wie kein Zweiter liebt. Wie schon bei der Weltmeisterschaft war er auch bei der Europameisterschaft Organisator und Spieler zugleich.

Gespielt wurde am 28. und 29. Januar im Chinarestaurant Juli. 32 Teilnehmer, darunter auch zwei weibliche Spieler, wollten den EM-Titel erringen. Allerdings schrumpfte die Zahl noch auf 29, da 3 Teilnehmer ihr Visum nicht rechtzeitig erhielten.

Blick in den Turnierraum

Ein Höhepunkt fand aber bereits schon einen Tag vor der offiziellen EM im Restaurant Juli statt: Dabei spielte Xiangqi-Ex-Weltmeister Jiang Chuan (2011) gegen 8 starke Spieler, allesamt Teilnehmer der EM, Blindsimultan. Für Jiang Chuan, der den Simultanwettkampf souverän mit 7,5:0,5 gewann, war dies ein Vorbereitungsmatch auf sein nächstes Projekt. Im Sommer möchte der sympathische Chinese in China gegen 26 Spieler blind spielen und damit einen neuen Weltrekord aufstellen. Der Wettkampf dauerte um die 2½ Stunden, begann im Jahr des Affen und Endete im Jahr des Feuer-Hahns. Denn am 28. Januar, 17Uhr mitteleuropäische Zeit, begann das chinesische Neujahr. Es gab also jede Menge zu feiern.

Ex-Weltmeister Jiang Chuan „blind“ gegen acht EM-Teilnehmer. Im Hintergrund führt Xue Zhong, der auch Präsident des europäischen Xianqiverbandes ist, die Züge an den Brettern aus

Die meisten Teilnehmer der Europameisterschaft kamen aus dem gastgebenden Land Deutschland. Aber mit Russland, Weißrussland, Finnland und England nahmen auch viele andere Nationen teil. Ein großes Stuttgarter Team nutzte die Nähe zum Veranstaltungsort und reiste gleich mit 6 Teilnehmern an. Mit Nikola Martinovic (10) und Norbert Wagner (63) stellten die Stuttgarter auch den jüngsten und ältesten Teilnehmer des Turniers.

Das Stuttgarter Team bestehend aus Spielern und Helfern. In der Mitte mit dem roten Pulli: Ex-Weltmeister Jiang Chuan

Der jüngste Teilnehmer: Nikola Martinovic. Das Brett von Nikola war fast immer von zahlreichen Kiebitzen umlagert

Der Modus sah sieben Runden vor, wobei die ersten drei Runden in acht Gruppen, die weiteren Runden im K.O.-System ausgetragen wurden. Die Bedenkzeit von 40 Minuten pro Partie plus 10 Sekunden Inkrement pro Zug ähnelt allerdings eher dem Schnellschach als dem Turnierschach.

Michael Nägler gegen Olavi Stenman. Der sechsmalige deutsche Meister Nägler wurde bei dieser Europameisterschaft als Achtplatzierter bester Nicht-Asiate

Bereits in den ersten Runden stellten die Favoriten ihre Klasse unter Beweis und es war klar, dass der Titel nur über die beiden Xiangqi-Großmeister Xue Zhong und Huan ChunLong gehen würde.
Titelverteidiger Xue Handi (Stuttgart) verlor im Halbfinale gegen ChunLong, holte am Ende aber die Bronzemedaille.

In der Finalpartie setzte sich Huang ChunLong dann auch noch gegen Xue Zhong durch und sicherte sich damit den EM-Titel. Die Finalpartie wurde weltweit von vielen Tausenden Xiangqi-Fans live im Internet verfolgt. Allerdings kommen beim Xiangqi, nicht wie im westlichen Schach, Sensorbretter zum Einsatz, sondern eine Übertragung per Webcam. Da im Xiangqi mit dicken runden Steinen gespielt wird, die durch aufgemalte chinesische Schriftzeichen gekennzeichnet sind, erhält der Beobachter dieselbe Ansicht wie bei einem Sensorbrett.

München hat sich einmal mehr als guter Gastgeber erwiesen und war bestimmt nicht zum letzten Mal der Austragungsort eines Xiangqi-Events. Darüber hinaus haben zahlreiche Zuschauer diesem Ereignis beigewohnt und mit großem Interesse den Xiangqi-Meistern über die Schulter geschaut. Wer Schach spielt, dürfte keine allzu großen Schwierigkeiten haben Xiangqi zu lernen.

Wer mehr über Xiangqi oder die chinesische Kultur erfahren möchte, ist im Tai Chi-Teehaus in Stuttgart jederzeit herzlich Willkommen (www.taichi-teehaus.de) .

Die Finalpartie zwischen Xue Zhong (rechts) und Huan ChunLong (links). In der Mitte im Bild ist die Webcam zu sehen, mit der die Partie ins Internet übertragen wurde

Die Sieger der 30. Xiangqi-Europameisterschaft: Xue Zhong (2.), Huan ChungLong (1.), Hauptsponsor, Xue Handi (3.), Michael Nägler (Präsident des deutschen Xiangqi Verbandes) [vlnr]

Offizieller Endstand der 30. Xiangqi-Europameisterschaft München 2017



 

 


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