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Interview mit Dr. Daaim Shabazz

20.04.2009 – Auch im Schach gehört Afrika eher zu den weniger entwickelten Regionen. Während das Spiel in Asien seit Jahren boomt und dort bereits einige Spitzenspieler hervor gebracht hat, ist die Zahl afrikanischer Titelträger weiterhin gering. Außer in Ägypten wird die Betätigung im Schach auf dem afrikanischen Kontinent kaum gefördert und auch die öffentliche Resonanz ist eher gering. Ein Ausnahme bildet die Webseite "The Chessdrum" von Dr. Daaim Shabazz. Seit acht Jahren gibt der Dozent für International Business an der A&M Universität in Tallahassee dem afrikanischen Schach eine Stimme im Web. Dr. René Gralla sprach mit ihm für Neues Deutschland über das Schach in Afrika, afro-amerikanische Vorkämpfer und einen möglichen "Obama"-Effekt. Interview in Neues Deutschland...Nachdruck des Interviews...
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Das Interview erschien in der Tageszeitung "Neues Deutschland".

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung 

 

The Chessdrum: Schach in Afrika
 

"Yes, we can!" Die Siegesformel des US-Präsidenten Barack Obama verspricht den längst überfälligen Wandel in den Vereinigten Staaten nach der Ära des George W. Bush. Und innerhalb der afro-amerikanischen Community sorgt der Obama-Effekt für Aufbruchsstimmung. Wird das auch auf die Schachszene durchschlagen? ChessBase-Autor DR. RENÉ GRALLA spricht darüber mit DR. DAAIM SHABAZZ, Webmaster des einflussreichen Portals www.thechessdrum.net und Dozent für International Business an der A&M Universität in Tallahassee, Florida. Der Publizist will die bisher nur wenig bekannten Beiträge panafrikanischer Spieler zur Entwicklung der Schachkultur einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen.

DR. RENÉ GRALLA: Die Wahl von Barack Obama macht vielen Menschen Hoffnung. Und innerhalb der afro-amerikanischen Community sorgt der Obama-Effekt für Aufbruchsstimmung. Wird das auf die Schachszene durchschlagen, beginnt jetzt auch dort eine neue Ära des Black Pride?


DR. DAAIM SHABAZZ (Foto: Jennifer Shahade)
 

DR. DAAIM SHABAZZ: Obamas Effekt auf Schach bleibt abzuwarten. Noch ist unklar, ob Barack Obama auch einen Einfluss auf Schach haben wird. Immerhin hat Obama die Idee unterstützt, Schach in schulische Lehrpläne aufzunehmen. Das rechtfertigt die Annahme, dass Schach in den USA künftig ein gewisses Maß von der Aufmerksamkeit erhält, die das Spiel eigentlich verdient. Was Black Pride angeht - das ist unsicher. Ich erwarte keine besondere Wiederbelebung, die dazu führt, dass Schwarze vermehrt Schach zu spielen beginnen, es sei denn, es gibt verstärkte Bemühungen, Schach in dieser Bevölkerungsgruppe zu promoten.

DR. R.GRALLA: Der nächste WM-Kampf wird 2010 zwischen Indiens Champion Anand und dem bulgarischen Herausforderer Topalow ausgetragen. Wie auch bei allen vorausgegangenen  Wettkämpfen haben Spieler mit afrikanischen Wurzeln in die Titelentscheidung nicht eingreifen können. Haben Sie eine Erklärung dafür?

DR. SHABAZZ: Afrikanische Nationen werden nur dann mehr Präsenz gewinnen, wenn bei ihnen die Unterstützung für Schach real ist. Die Situation ist sehr schwierig, so lange Sponsoring fehlt. Sehen Sie, die Region Asien steigt auf, und viele Länder wie China, Indien, Philippinen, Vietnam, Malaysia und Singapur entwickeln solide Infrastrukturen für Schach. Das Tempo dessen hat sich beschleunigt in der vergangenen Dekade, so dass China und Indien in der nächsten Dekade herausragende Schachmächte werden. Was Afrika angeht, so haben verschiedene Länder Potenzial. Natürlich ist Ägypten die stärkste Nation in Afrika. Nigeria ist eine Nation, die reich an Talenten ist, und Sambia scheint junge Talente zu entwickeln. Südafrika ist die aktivste Federation südlich der Sahara.

Immerhin hat es mehrere afrikanische Spieler gegeben, die am Zyklus der Weltmeisterschaften teilgenommen haben, vor allem an den K.o.-Turnieren der FIDE. Mehrere Spieler aus Ägypten und andere aus der Sahara-Zone sind dort gestartet, desgleichen Watu Kobese/Südafrika - dreimal -, Amon Simutowe/Sambia - dreimal -, Robert Gwaze/Simbabwe und Pedro Aderito/Angola

Zwar hat es keiner der Genannten bis in die zweite Runde geschafft, jedoch hat Kobese in Moskau 2001 den Ungarn Peter Leko sensationell geschlagen und ist erst im Tiebreak ausgeschieden.

DR. R.GRALLA: Vor acht Jahren haben Sie die Website "The Chess Drum" gestartet. Warum?

SHABAZZ: Die Idee ist es, der Welt ein Segment der Schachaktivitäten zu zeigen, das seit Dekaden ignoriert worden ist. Es gab kaum Informationen über die Leistungen schwarzer Spieler. Warum ist das wichtig? Das ist wichtig, um zu zeigen, dass Schach auf eine Vielzahl unterschiedlicher Menschen Anziehungskraft ausüben kann. Das ist wichtig für den Sport, damit er wachsen und neue Enthusiasten und Unterstützer gewinnen kann. Wenn Schach präsentiert wird als elitäre Aktivität, die ausgeübt wird von einer bestimmten Ethnie und Klasse, einer bestimmten intellektuellen Gruppe und Kultur von Leuten, dann wird es kaum Anziehungskraft in die Breite ausüben. Glücklicherweise sieht die Realität bei weitem anders aus. Schach hat einen Appeal für ein breites Spektrum an Individuen, und es ist wichtig, die universelle Anziehungskraft und die Beiträge der verschiedenen Segmente der Szene zu zeigen.    

DR. R.GRALLA: Die Beiträge afrikanischer beziehungsweise afro-amerikanischer Spieler für die Entwicklung der Schachkultur sind bisher nur Spezialisten bekannt. Diesem Informationsdefizit wollen Sie abhelfen ...

DR. SHABAZZ: ... natürlich. "The Chess Drum" hat ein sehr großes internationales Publikum mit Besuchern aus mehr als 200 Ländern und Territorien. Die Leute besuchen die Seite, um über Schach aus einer anderen Perspektive zu lesen. Wie hätte jemand etwas wissen können über Spieler afrikanischer Herkunft vor dem Launch von "The Chess Drum" 2001? Damals waren nur sehr wenige Informationen verfügbar. Wir wissen aus der Geschichte, dass die Afrikaner großartige Problemkomponisten und Blindspieler waren. Die Geschichte der spanischen Mauren ist verloren gegangen, nachdem viele Schachmanuskripte zerstört worden sind, als die Mauren 1492 aus Spanien vertrieben wurden. Danach bekam Schach ein Standbein in Europa und fand anschließend seinen Weg an die Küsten von Nordamerika. Unzweifelhaft waren afrikanische Sklaven in Amerika ein unterdrücktes Volk und engagierten sich nicht im Schachbereich, weil das für sie verboten war.

DR. R.GRALLA: Die bisherige Ignoranz im Mainstream gegenüber den Leistungen afrikanischer Spieler ist im Grunde eine Ignoranz gegenüber einem wichtigen Teil des kulturellen Schacherbes. Schließlich hat doch gerade Afrika einen einzigartigen Beitrag für das Schachuniversum geleistet, nämlich die großartige Variante des "Senterej".

DR. SHABAZZ: Ich glaube, dass Spiele wie "Senterej" - und das ältere "Senet" aus Ägypten - die Ergebnisse kultureller Vermischungsprozesse sind, die durch Handelsexpeditionen und Migration ausgelöst worden sind. Ich bin kein Experte für diese Spiele, und ich habe deren Ursprünge nicht erforscht. Ich vermute, dass diese historischen Fußnoten ignoriert worden sind, weil derart viele verschiedene Schachversionen kreiert worden sind, von denen einige bloß Untervarianten geblieben sind. Manche haben abweichende Bretter und Figuren, andere benutzen Würfel. Folgerichtig ist es schwierig, genaue Parallelen zu ziehen zwischen den unterschiedlichen Schachversionen. Ich denke, dass man die Geschichte etwas genauer untersuchen muss, um die Querverbindungen zwischen diesen Brettspielen herauszuarbeiten.

DR. R.GRALLA: Kann man womöglich Ägyptens 3500 Jahre altes "Senet" - und damit dieses uralte Spiel aus Afrika! - als Vorläufer des Schachspiels interpretieren?

DR. SHABAZZ: Mit Sicherheit. Zum ersten Mal sah ich ein Brett des "Senet" im Ägyptischen Museum in Kairo. Es sah Schach sehr ähnlich, wurde allerdings auf einem anders gestalteten Brett gespielt. Außerdem sind die Regeln des Spiels ziemlich unterschiedlich und scheinen mehr gemeinsam gehabt zu haben mit dem afrikanischen Zähl- und Fangspiel "Warri" als mit dem Schach der Gegenwart. Immerhin ist ein "Senet"-Brett aufgenommen worden in das "U.S. Chess Hall of Fame Museum" in Miami, Florida. Mithin gibt es Leute, die eine Verbindung erkannt haben zwischen Senet und Schach.   

DR. R.GRALLA: Obwohl das Konstrukt dieser  Verbindung auf wackeliger Grundlage steht. Es gibt ebenso gute Gründe dafür, Senet als frühe Form des Backgammon einzuordnen ...  

DR. SHABAZZ: ... ich stimme Ihnen zu.

DR. R.GRALLA: Überlassen wir die Frage den Ägyptologen, wenden wir uns der näheren Vergangenheit zu. Einer der großen Unbekannten des schwarzen Schachs ist Theophilus Thompson, der 1855 im US-Bundesstaat Maryland geboren wurde. Wie ordnen Sie seinen Platz in der Geschichte des strategischen Spiels ein?  

DR. SHABAZZ: Thompsons Leistungen waren interessant, weil er sich alles selbst beigebracht hatte, und das zu einer Zeit, als Schwarze nur selten überhaupt die Chance erhielten, lesen und schreiben zu lernen. Nach Erreichen der Volljährigkeit endete in den Vereinigten Staaten die Sklaverei, und Thompson entdeckte Schach, als er zwei Männern beim Spiel zusah. Denken Sie daran, dass dies eine Zeit war, als Schach als Spiel der Eliten und der Intellektuellen galt. Thompsons Fähigkeit, Wettbewerbe zu bestreiten auf einem respektablen Level, wurde mit einiger Faszination akzeptiert, während andere dem Mann vielleicht mit Fassungslosigkeit begegneten. Als Thompson über Schach ein Problembuch schrieb, war das gewiss die Krönung seiner Leistungen. Er war vielleicht der erste bemerkenswerte schwarze Spieler. Aufzeichnungen seiner Partien sind erhalten, und es scheint, dass Thompson nach den Maßstäben seiner Zeit auf Meisterniveau spielte.

DR. R.GRALLA: Überraschend betrat Thompson die Schachbühne, und ebenso schnell verschwand er wieder. Was ist geschehen?

DR. SHABAZZ: Niemand kann das mit Sicherheit sagen. Es gibt Geschichten, aber nichts Konkretes. Einige sagen, dass Thompson einfach das Spiel aufgab oder an einen Ort umzog, wo Schach keine Rolle spielte. Das ist unwahrscheinlich, berücksichtigt man seine Leidenschaft und sein früheres Engagement für das Spiel. Es gibt Spekulationen, dass er vielleicht unglücklichen Umständen begegnet ist.

DR. R.GRALLA: In der Gegenwart setzt der US-Großmeister Maurice Ashley herausragende Standards in der Schachpromotion. Als Gastgeber von TV-Shows  präsentiert er das intellektuelle Spiel spannend und unterhaltsam. Wie schafft Ashley das bloß ?

DR. SHABAZZ: GM Ashley hat seit 2003 an keinem ernsten Wettkampf im Schach teilgenommen. Er hat seine Aufgabe darin gesehen, Jugendliche für Schach zu begeistern. Ashley ist ein sehr wichtiger Botschafter des Spiels, nicht weil er der erste schwarze GM ist, sondern weil er Leidenschaft für das Spiel hat und seine gesamte Zeit und Energie in die Promotion des Sports investiert. Ashley ist Trainer, Kommentator, Autor und Spieler, und das hat seinen Blick geschärft für die Vorzüge des Schachspiels. Wenige verfügen über dieses breit gefächerte Spektrum an Erfahrungen. Ashleys Tatkraft wurzelt in seinem jamaikanischen Erbe und in seiner konkurrenzbetonten Umgebung in New York.

DR. R.GRALLA: Ashley hat einen kreativen und kongenialen Mitstreiter, den Musikjournalisten Adisa Banjoko, auch bekannt als "Bishop of HipHop". Der Prediger des Sprechgesangs hat eine "Hip-Hop Chess Federation" gegründet. Wie passen HipHop und Schach zusammen?

DR. SHABAZZ: Da sollten Sie sich besser an Adisa Banjoko direkt wenden. Abgesehen davon glaube ich, dass es ein Missverständnis gibt hinsichtlich dieser beiden künstlerischen Genres. Schach wird von allen möglichen Typen von Leuten mit den verschiedensten sonstigen Interessen gespielt. Für HipHop begeistern sich Schachspieler weltweit, und viele HipHop-Enthusiasten haben Spaß am Schach. Daran ist nichts Ungewöhnliches. Warum sollte das ein Problem sein? Viele Leute glauben, dass die Genres HipHop und Schach einander als Gegensätze gegenüberstehen, aber das macht keinen Sinn. Das wirkliche Thema ist es, ein bestimmtes Segment der Jugendkultur zu erreichen und die Kids an Schach heranzuführen, so dass sie in den Genuss von dessen positiven Wirkungen kommen. HipHop wird gezielt eingesetzt, um Schach für die betreffenden Jugendlichen attraktiv zu machen. Sie müssen dann keine Auswahl mehr treffen, bei welcher Aktivität sie dabei sein wollen, HipHop oder Schach.

DR. R.GRALLA: Einer der Stars des HipHop, RZA vom Wu-Tang Clan, hat das Portal www.wuchess.com ins Netz gestellt. Um Jugendliche auf der Straße davon zu überzeugen, dass Schach besser ist als Gewalt, wie er in einem früheren Interview mit ChessBase gesagt hat. Funktioniert das?

DR. SHABAZZ: Das müssen Sie RZA fragen. Ich glaube, dass es RZA allein darum geht, eine Gemeinschaft von Spielern zu bilden, die bestimmte gemeinsame Interessen verfolgen. Von dieser Art von Schachgemeinschaften gibt es tausende, die sich in den Zielen nicht allzu sehr vom Projekt von RZA unterscheiden.

DR. R.GRALLA: Kann das Konzept von www.wuchess.com die Vision vorantreiben, dass HipHop und Schach fusionieren?

DR. SHABAZZ: Unbestritten ist wuchess.com eine interessante Idee, aber ich bin nicht von deren Nachhaltigkeit überzeugt. Ich bin mir nicht sicher, ob RZA eine langfristige Strategie verfolgt, um seine Idee am Leben zu erhalten. Falls wuchess.com nicht in die größere Community der Schachspieler integriert wird, dann wird das Projekt nicht von Dauer sein.

DR. R.GRALLA: RZA hat ein modernisiertes Schachdesign entworfen - mit Diagrammen im Wu-Tang Clan-Style. Gefällt Ihnen das? Wird das mehr Teens und Twens motivieren, sich für Schach zu interessieren?

DR. SHABAZZ: Das Design ist innovativ, aber für Schach kaum praktikabel. Am Ende wollen die Leute Schach spielen mit den Steinen, an die jeder gewöhnt ist.

DR. R.GRALLA: Nicht nur Männer repräsentieren die globale Gemeinschaft des panafrikanischen Schachs, sondern auch glänzend begabte junge Frauen. Ich nenne exemplarisch Valquíria Rocha aus Angola, Sabrina Chevannes aus England oder Darrian Robinson aus den USA. Sie scheinen die legitimen Urenkelinnen zu sein der Kaiserin Taytu Betul von Äthiopien, die während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Afrikas Schachversion "Senterej" brillierte ...


Sabrina Chevannes

DR. SHABAZZ: ... ja, da gibt es einige Namen. Aber viele der jungen Frauen im Schach tendieren dazu, nach ihrem Kommen auch schnell wieder zu gehen. Es ist sehr schwer, das Interesse der Mädchen am Schach über einen längeren Zeitraum aufrecht zu erhalten, weil sie bald andere Interessen entdecken. Sie sehen das eher als Aktion mit reinem Spaßcharakter an und nicht als Spiel, in dem sie über Dekaden Wettkämpfe bestreiten.    

DR. R.GRALLA: Auf jeden Fall scheint Schach aber inzwischen richtig cool zu werden - dank junger Frauen wie Valquíria Rocha oder Aktivisten wie Adisa Banjoko und RZA.

DR. SHABAZZ: Schach ist schon cool gewesen, bevor HipHop kreiert worden ist. Entertainer, die Schach spielen, verändern das Spiel nicht, aber sie mögen ein wenig deutlicher zeigen, wie universell das Spiel ist. Schach ist cool, weil es von den unterschiedlichsten Menschen ohne Ansehen des sozialen Status gespielt wird.

Die übliche Sichtweise auf Schach wird leider von Leuten bestimmt, die noch glauben, dass sich bloß alte weiße Männer und sozial retardierte Intellektuelle in reichen Landklubs mit Schach beschäftigen. Das ist die übliche Sichtweise, und sie ist eine der schlimmsten Ungerechtigkeiten gegenüber dem Spiel. Die Leute denken immer noch, dass sie Schach nicht lernen können, aber natürlich können sie Schach innerhalb einer Stunde lernen. Es ist nichts Besonderes an einem Rapper, der am Brett sitzt, es sei denn, wir glauben, er sei nicht dazu in der Lage, Schach zu spielen.

Noch einmal, Schach wird gespielt von den unterschiedlichsten Typen, über alle Grenzen hinweg, die von Ethnie, Nationalität, Einkommen, Erziehung, Klasse, Geschlecht, Alter, sozialem Status oder Religion gezogen werden. 

DR. R.GRALLA: Wie cool Schach geworden ist, beweisen auch Prominente wie Will Smith oder Lennox Lewis, die sich öffentlich dazu bekennen, das Spiel zu lieben. Wie kommt es, dass sich der Megastar Will Smith und die Boxgröße Lennox Lewis für Schach begeistern, obwohl man das von den Betreffenden eigentlich nicht unbedingt vermuten würde?!

DR. SHABAZZ: Warum sollte man das denn nicht von Will Smith oder Lennox Lewis vermuten? Das sind normale Menschen mit Interessen wie jeder andere Mensch auch. Sie haben Spaß an bestimmten Dingen, und sie beschäftigen sich damit wie der Rest der Welt.

DR. R.GRALLA: In den USA lebt ein sehr kreativer Reformer der Schachtheorie, der geniale Bernard Parham. Der sich als Antwort auf 1.e4 e5 für den sofortigen Damenausfall 2.Dh5 ... stark macht. Aber das sieht doch eigentlich wie ein Anfängerzug aus?!

DR. SHABAZZ: Ich habe Parham interviewt und das Thema ausführlich mit ihm diskutiert. Parhams Theorie ist interessant, weil sie bisher für unumstößlich gehaltene Wahrheiten über Schachprinzipien zu überwinden versucht. Zugegeben, es gibt bereits einige Eröffnungen, die in die gleiche Richtung zielen, und außerdem ist uns allen bereits früh beigebracht worden, das Motiv des "Schäfermatts" für das eigene Spiel nicht in Betracht zu ziehen. Vielleicht lassen wir uns deswegen von unserem Vorurteil dazu verleiten, Parhams Theorie nicht für diskussionswürdig zu halten. Dennoch hat er einige sehr interessante Spielprinzipien entwickelt, und diese Prinzipien sind am Brett erprobt worden.


Bernard Parham

In einigen der Theoreme von Parham spielen mathematische Vektoren und Geometrie eine Rolle, und seine Ideen sind noch nicht ganz ausgereift, aber sie verfolgen interessante Ansätze. Zum Beispiel werden Turm und Läufer nach Parhams Theorie als gleichwertig eingeschätzt, weil beide von zwei Vektoren determiniert werden. Natürlich sind Läufer in einem frühen Partiestadium wertvoller, weil sie früh entwickelt werden. In dieser Phase versucht Parham, geometrische Straßen Richtung König zu öffnen, bevor die Türme befreit werden können. Klar, nachdem mehr Platz auf dem Brett geschaffen worden ist, wird der Turm einen klaren Vorteil haben. Parhams Theorie ist zu rigide, das ist ihr Problem, und ihr Erfolg hängt ab von der Unfähigkeit des Gegners, die Prinzipien der Parham-Theorie zu verstehen.

DR. R.GRALLA: Immerhin ist der Parham-Angriff 2.Dh5 ... nach 1.e4 e5 schon einmal von Hikaru Nakamura ausprobiert worden, und zwar gegen Krishnan Sasikiran im Sigeman-Turnier Kopenhagen/Malmö im Mai 2005. Offenbar ist Nakamura unbewusst zum Jünger von Parham geworden?  


Nakamura: 2.Dh5

DR. SHABAZZ: Nakamura kannte den Parham-Angriff, und er ist von Jason Doss, der früher bei Parham gelernt hat, dazu ermutigt worden, den frühen Damenausfall auszuprobieren. Als Nakamura 2.Dh5 ... gegen Krishnan Sasikiran anwandte, war das ein moralischer Sieg für Parham und entzündete eine heftige Debatte über die Praktikabilität einer derartigen Eröffnung. Aus meiner Sicht ist der Ansatz, bisher als unumstößlich angesehene Annahmen über Eröffnungsprinzipien in Frage zu stellen, wichtiger gewesen als die Frage, ob 2.Dh5 ... vernünftig ist. Wie wir wissen, der schwarze Gegenschlag im Zentrum wird als respektabel eingeschätzt und kostet den Weißen mehrere Tempi. Das endgültige Urteil ist wohl, dass 2.Dh5 ... nicht zu empfehlen ist, aber es gibt sicher Gründe dafür, den Parham-Angriff für spielbar zu halten.    

DR.R.GRALLA: "Yes, we can!" Das wird nach dem sensationellen Ausgang der jüngsten US-Präsidentschaftswahlen der Schlüsselsatz dieser Dekade. Kehren wir noch einmal zum Ausgangspunkt unseres Interviews zurück: Dürfen wir nicht vielleicht auch im Schach auf den "Obama-Effekt" hoffen?!

SHABAZZ: Ich glaube nicht, dass es im Schach einen speziellen "Obama-Effekt" geben wird. Aber die Präsidentschaft von Barack Obama mag bereits bestehenden Chess Communities etwas Rückenwind geben. Und es würde natürlich helfen, wenn Obama Schachinitiativen unterstützen würde.

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Weitere Infos: www.thechessdrum.net 

 

 

 

 

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