Isle of Men: Carlsen siegt und siegt

von André Schulz
29.09.2017 – Magnus Carlsen setzt seine Siegesserie beim chess.com Isle of Man Open fort. Gestern gewann der Weltmeister mit leichter Hand gegen Pavel Eljanov und verwies den Mythos des Läuferpaars ins Reich der Fabel: Im Springerpaar wohnt die Kraft - zumindest in der Hand des wahren Meisters!

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Es lebe das Springerpaar

Er siegt und siegt und siegt. Na ja, es stimmt nicht ganz. Rustam Kasimdshanov ist es gelungen, dem Weltmeister beim "Chess.com Isle of Man Open" in der 4. Runde ein Remis abzunehmen.

Caruana und Kasimdzhanov auf dem Weg zum Spiellokal

Das war allerdings bisher der einzige halbe Punktverlust, den Magnus Carlsen abgegeben hat. Ansonsten sammelt er fleißig Punkte, auch Elopunkte. Vom einstigen Riesenabstand, mit dem der Norweger einst sie Eloliste anführt - manche dachten schon, er könne vielleicht die 2900-Marke knacken - ist ja nach ein paar weniger guten Turniere nicht mehr so viel übrig geblieben. Zwischendurch rückte ihm mancher Verfolger in der Eloliste ziemlich nahe. Allerdings gibt es hier auch keinen beständigen Überflieger. Auf gute Tage folgen auch bei den Kronprinzen stets kleinere oder größere Formkrisen. Aufschluss über den aktuellen Stand der Eloliste gibt tagesfrisch die Live Chess Rating Liste.

Nachdem Carlsen ja in den Spitzenturnieren einen Teil seiner Elopunkte verloren hatte, dachte der Weltmeister vielleicht, Turniere wie der World Cup oder eben ein starkes Open sei genau das richtige, um wieder Punkte zurückzuholen. Derzeit gelingt das gut. In der Summe liegt Carlsen nach der gestrigen Runde bei einem Plus von 8,1 Punkte. 

Pavel Eljanov

Punktelieferant in der gestrigen sechsten Runde war Pavel Eljanov. Nach einer Freestyle-Eröffnung, die zu einer Französischen Struktur führte, demonstrierte Carlsen mit leichter Hand die Kraft des Springerpaares.

 

Mit dem Sieg hat Carlsen seinen engsten Verfolger erst einmal abgeschüttelt, aber es sind ja noch eine Menge anderer guter Spieler im Topf.

Kramnik ohne Fortune

Vladimir Kramnik ist in der Elosetzliste die Nummer zwei, aber für den 14. Weltmeister läuft es gar nicht. Nach seiner Niederlage gegen Veteran Tarjan - zuvor schon gegen Caruana- , musste Kramnik in der vorletzten Runde auch noch ein Remis gegen Lawrence Trent hinnehmen - ein schöner Erfolg für den eloquenten Schachlehrer und Entertainer, über den Carlsen allerdings einmal urteilte: "Er hat einen großes Gespür für Selbstzerstörung." Hier aber einmal nicht. Gestern gewann Kramnik gegen Konstantin Kavutskiy, das ist aber überhaupt nicht seine Gewichtsklasse. Mit seinen Misserfolgen auf der Isle of Man ist Kramnik nun im Rennen um eine Qualifikation zum Kandidatenturnier über die Elozahl bekanntlich so gut wie ausgeschieden. Mit 3,5 Punkten ist er zur Zeit 41ter im Turnier.

Besser sieht es für die Nummer drei der Setzliste aus, Fabiano Caruana. Gestern gab es allerdings an Tisch Zwei nur ein Remis gegen Emil Sutovsky. Mit 4,5 Punkten führt Caruana als Dritter eine große Verfolgergruppe an, die bis Platz 20 reicht. In dieser findet man unter anderem Anand und Nakamura, aber auch Dennis Wagner, dem gestern ein Sieg gegen Granda Zuniga gelang.

Anand bestätigte mit seinem Sieg über Sethuruman die gegenwärtige Hackordnung im indischen Schach. Besser als der 15. Weltmeister liegt allerdings Vidit Gujirathi. Er gewann sein indisches Derby gegen den hierzulande nicht so bekannten Harsha Bharathakoti und hatte bisher überhaupt etwas Losglück, das er mit dem Einsammeln von nun 5 Punkten nutzen konnte. Vidit ist der  einzige Spieler mit dieser Punktzahl, damit alleiniger Zweiter, und darf heute zur Belohnung gegen Carlsen spielen.

Mit 30 Spielern stellen die Inder das größte nationale Kontingent auf der Isle of Man. Im Pulk befinden sich auch die beiden indischen Supertalente. Praggnanandhaa hat bisher 4 Punkte gesammelt und liegt bei einer Eloleistung von 2580. Nihal Sarin ist nicht so erfolgreich. Mit 3 Punkten befindet er sich noch nicht im persönlichen Soll.

Nihal Sarin

Dennis Wagner bester Deutscher

Und wer stellt hinter den Indern die zweitgrößte Delegation? Der Deutsche Schachbund, mit 28 Teilnehmern. Allerdings fällt der Eloschnitt im Vergleich zur indischen Reisegruppe etwas schlechter aus. Dennis Wagner führt die deutsche Gruppe mit 4,5 Punkten an. Granda Zuniga, den er gestern besiegte, war bis dato sein spielstärkster Gegner. Heute wartet mit Hikaru Nakamura jedoch ein echtes Schwergewicht auf den jungen Deutschen.

Nach Dennis Wagner liegen Alexander Donchenko und Falko Bindrich am besten im Rennen. Beide kommen auf vier Punkte. Donchenko nahm gestern Nigel Short einen halben Punkt ab. Rasmus Svane und Jonas Lampert liegen beide mit 3,5 Punkten auch noch über 50%. Rasmus Svane hatte bisher schon drei Frauen als Gegner, hat sich aber noch nicht beschwert.

Zu viele Frauen

Das große Thema ist wie schon beim ebenfalls stark besetzten Gibraltar Open Anfang des Jahres die Auslosung. Und betroffen ist wie dort Hou Yifan. Beim Gibraltar Open produzierte die beste Frau der Welt zum Schliuss des Turniers eine Art Narrenmatt nach wenigen Zügen und demonstrierte damit ihre Unzufriedenheit mit der Auslosung. Sie wurde ihrer Meinung zufolge zu häufig gegen andere Frauen gelost, wollte lieber gegen stärkere Männer spielen, und vermutete, dass dahinter Absicht steckte. Die Zweifel darüber wurden aber von den Organisatoren seinerzeit ausgeräumt. Unabhängige Schiedsrichter bestätigten, dass die Auslosung ordnungsgemäß und regelkonform vonstatten gegangen war.

Nun passiert es schon wieder.  In den ersten vier Runden wurde Hou Yifan gegen Alexandra Kosteniuk, Elisabeth Pähtz, Nino Batsiashvili und Yuliya Shvayger gelost - vier Frauen. Hou Yifan dachte wieder über einen Rückzug nach, entschied sich dann aber ein "Bye" zu nehmen, einmal auszusetzen. Das ist erlaubt und kostet einen halben Punkt. Danach bekam sie auch den ersten männlichen Gegner zugelost. Mit 4 Punkten steht die Chinesin nicht schlecht da, aber ihre Eloleistung ist nicht dort, wo sie es gerne hätte.

Partien:

 

Fotos: Alina l'Ami

Turnierseite...

Ergebnisse bei Chess-results...



André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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moutard moutard 01.10.2017 10:21
"Rasmus Svane hatte bisher schon drei Frauen als Gegner, hat sich aber noch nicht beschwert." Wie lange muss man noch solche MachoSätze lesen?
Toyni Toyni 29.09.2017 02:43
So ein großes Schachereignis, so ein gewaltiges Event, ohne Live -Moderation zu lassen , ist dreist und naiv!
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