Jordan gewinnt Politikerturnier

07.11.2011 – Im letzten Jahr hat Alfred Seppelt aus Altersgründen die Organisation des Politikerturniers in andere Hände übergeben. Am Wochenende führte der Berliner Verbandspräsident Carsten Schmidt mit seinem jungen Team das Turnier dann erstmals in kompletter Eigenregie durch. Als Austragungsort konnte mit Hilfe des FDP-Staatssekretärs Hans-Jürgen Beerfeltz das Konferenzzentrum "Quadriga Forum" am Werderschen Markt gewonnen werden, nur wenige Meter vom Auswärtigen Amt entfernt. Der 82-jährige Alfred Seppelt ließ es sich aber nicht nehmen, "sein Baby" noch einmal zu besuchen, diesmal am Schachbrett. Als Dank für seine langjährige organisatorische Arbeit erhielt er ein Schachbrett mit den Unterschriften aller Teilnehmer. Sieger wurde mit 6,5 aus 7 Dirk Jordan vor Rainer Dambach und Hans-Jürgen Beerfeltz. Dagobert Kohlmeyer berichtet. Bericht, Bilder, Partien...

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Dirk Jordan gewinnt Schachturnier der Politiker
Von Dagobert Kohlmeyer

Die Traditionsveranstaltung „Politiker spielen Schach“ in Berlin geht ins nächste Jahrzehnt. Bei der 21. Auflage am Samstag gab es ein neues Organisationsteam und eine andere Spielstätte. Der Berliner Schachverband demonstrierte damit sein Bemühen, das beliebte Turnier auch nach dem altersbedingten Rückzug des Ehrenvorsitzenden Alfred Seppelt in hoher Qualität sowie in einem würdigen Ambiente durchzuführen. Beides ist dem jungen Team hervorragend gelungen.

Gespielt wurde im modernen Konferenzzentrum Quadriga Forum am Werderschen Markt, nur wenige Meter vom Auswärtigen Amt entfernt. Mitveranstalter und Medienpartner war das Magazin politik&kommunikation. Chefredakteur Sebastian Lange ließ es sich nicht nehmen, gemeinsam mit dem BSV-Präsidenten Carsten Schmidt die 46 Teilnehmer, unter ihnen drei Frauen, zu begrüßen und allen viel Erfolg zu wünschen. Dann gingen die Vertreter aller Fraktionen und Diplomaten an die Bretter.

Zwei prominente Namen fehlen jedoch in der Startliste. Ex-Kanzler Helmut Schmidt kam aus Altersgründen nicht, Peer Steinbrück aus Zeitnot. Nach der Panne mit dem Cover  ihres Buchs „Zug um Zug“, wo das Brett falsch steht, werden die beiden SPD-Männer die Platte beim nächsten Schach-Treffen aber ganz sicher um 90 Grad drehen. Die Geschichte bot auch am Rande des Politiker-Turniers noch immer Gesprächsstoff.

Sieger nach sieben Runden im Schweizer System wurde Dr. Dirk Jordan aus Dresden, der 6,5 Punkte erzielte und als Einziger ungeschlagen blieb. Es war der zweite Erfolg des Chairmans der Schacholympiade 2008 bei dem Event. Der 55-Jährige gewann die ersten sechs Partien und zeigte keine Schwächen. In der letzten Runde konnte Jordan sich mit Weiß ein Kurzremis gegen Staatssekretär Hans-Jürgen Beerfeltz (FDP) leisten, weil er nicht mehr einzuholen war.

Die Ehrenränge belegten der Pasewalker Bürgermeister Rainer Dambach und Hans-Jürgen Beerfeltz mit je 5,5 Punkten. Letzterer hatte wesentlichen Anteil daran, dass das Politikerturnier in dem Gebäude am Werderschen Markt ein neues Zuhause fand. Titelverteidiger Ulf von Hassel (CDU) wurde mit 5,0 Punkten Vierter, und beste Frau war Diana Skibbe (Die Linke) aus Zeulenroda. Die Präsidentin des Thüringer Schachbundes erzielte 4,0 Punkte.


Lomer-Wagner


Josef König


Jordan - von Hassel


Günter Nooke
 

Besonderen Beifall bekam Alfred Seppelt, der diesmal mitspielte und immerhin 4,5 Punkte holte. Zur Siegerehrung erhielt der 82-Jährige ein Schachbrett mit den Autogrammen aller Turnierteilnehmer sowie Organisatoren.

Der Tisch mit den Pokalen und Preisen (Bücher und Schach-Software) war reich gedeckt, und Carsten Schmitt dankte den Sponsoren ChessBase, der OrwoNet AG, dem Schachhaus Mädler sowie den Pokalstiftern Deutscher Mieterbund und den Sportpolitischen Sprechern von CDU und SPD.

Die Firma OrwoNet aus Wolfen hatte sogar ein Foto-Buch mit Bildern von Frank Hoppe vom 20. Jubiläumsturnier der Politiker produziert, das alle Teilnehmer am Schluss erhielten. Geschäftsführer Dr. Gerhard Köhler, der im Turnier mitspielte und mit 5,0 Punkten Fünfter wurde, erhielt dafür viel Applaus.


Gerhard Köhler,links, brachte das Buch vom 20. Turnier mit

Chefredakteur Sebastian Lange erklärte, dass die Räumlichkeiten des Konferenzzentrums auch im kommenden Jahr für das Schachturnier der Promis zur Verfügung stehen. (politik&kommunikation ist das einzige deutsche Fachmagazin für politische Kommunikation. Es bietet eine professionelle Plattform für die Diskussion aktueller Themen und Trends und berichtet unabhängig und parteiübergreifend über Kampagnen und Köpfe, Techniken und Methoden. politik&kommunikation erscheint im Verlag Helios Media in Berlin.


Sebastian Lange, Hans-Jürgen Beerfeltz

Bevor es dann ans Büffet ging, war noch Zeit für ein Gespräch mit dem Turniersieger Dirk Jordan.

Glückwunsch zum erneuten Erfolg! Wie schwer oder leicht war es diesmal?

Es war bereits meine fünfte Teilnahme und mein zweiter Sieg. So leicht, wie es aussah, war es nicht. Die Spitze war immerhin sehr gut mit Oberliga- oder ehemaligen Bundesligaspielern besetzt. Aber weil meine Frau mich von Dresden nach Berlin chauffiert hat, war ich recht ausgeruht und konnte locker aufspielen.

Was macht der Chairman der Schacholympiade 2008 heute?

Nach dem Turnier gab es einen gewissen Breack. Wenn man so ein Großereignis fünf Jahre lang vorbereitet, sucht man anschließend neue Herausforderungen. Ich habe mich weiter politisch engagiert. Seit vielen Jahren bin ich ja schon Mitglied des Sportausschusses im Dresdner Stadtrat, und 2009 wurde ich auch in den Ausschuss für Kinder- und Jugendhilfe gewählt. Das sind Ehrenämter, die sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Gerade der letztgenannte Ausschuss hat große Aufgaben und deshalb eine Sonderstellung. Er wird von der Oberbürgermeisterin persönlich geführt.

Als Turnierorganisator bist du der Schwachwelt aber nicht ganz verloren gegangen.

Nach der Schacholympiade in Dresden suchte ich ein neues Ziel. Gemeinsam mit Gleichgesinnten erfanden wir etwas, das es noch nicht gab: die Weltspiele für Behinderte (World Chess Games for Disabled) im Schach. Sie wurden in der zweiten Oktoberhälfte in Dresden durchgeführt. Dort traten erstmalig Blinde und Sehbehinderte, Hörgeschädigte und Körperbehinderte in einem Turnier gegeneinander an.

Wie kamt Ihr auf diese Idee?

Im Weltsport gibt es heute nach jeder Sommer-und Winterolympiade die Parolympics. Wir fragten uns, ob man so etwas nicht auch für die Schachsportler veranstalten kann. Bei den Parolympics starten jedoch „nur“ körperbehinderte und blinde Sportler, nicht aber gehörlose Athleten. Wir wollten alle Gruppen mit einbeziehen. Im Weltschachbund FIDE sind ja auch alle drei Gruppen mit einem eigenen Verband vertreten und starten zu Schacholympiaden jeweils mit einer Weltauswahl.  

Gab es viel Arbeit?

Ja. Um das Turnier gründlich vorzubereiten, brauchten wir zweieinhalb Jahre. Mit den Leuten vom ZMDI-Schachfestival hatten wir aber ein eingespieltes Team.

Wie war die Beteiligung?

Es war ein Anfang, aber sehr ermutigend. An den Start gingen insgesamt 35 Spieler, darunter 20 hörgeschädigte, neun körperbehinderte sowie sechs blinde und sehbehinderte Spieler aus insgesamt sechs Ländern. Besonders gefreut haben wir uns natürlich, dass unser Großmeister Thomas Luther aus Erfurt gewonnen hat. Er ist ohne Zweifel einer der weltbesten behinderten Schachspieler.

Und die Resonanz auf die Weltspiele?

Sie war ebenfalls gut, obwohl wir vorher gar nicht so viel Werbung gemacht haben. Wir wussten ja nicht, ob das Turnier ein Erfolg wird. Die Schach-Weltspiele genossen große Aufmerksamkeit - auch im Fernsehen wurde mehrmals darüber berichtet. Nach meiner Meinung verdienen die behinderten Schachspieler diese Beachtung, und Dresden wird deshalb in zwei Jahren auch die 2. Weltspiele ausrichten. Grünes Licht aus dem Rathaus vom Sportbürgermeister gibt es schon.

Fortschrittstabelle...

Hier eine kleine Partie-Auswahl vom Berliner Politikerturnier. Nicht jedes Spiel ist ein Meisterwerk. Aber sie zeigen, dass der Spaß am Schach im Vordergrund stand.

 



 

 

Dirk Jordan – Wolfgang Gunkel
Trompowski-Angriff A45

1.d4 Sf6 1.d4 Sf6 2.Lg5 Se4 3.Lf4 d5 4.f3 Sd6 5.e3 c6 6.Sc3 e6 7.Dd2 Sc4 8.Lxc4 dxc4 9.Sge2 Lb4 10.a3 La5 11.0–0 0–0 12.b4 cxb3 13.cxb3 Lc7 14.b4 Lxf4 15.Sxf4 e5 16.Sfe2 Le6 17.Tfd1 Sa6 18.dxe5 Db6 19.Sd4 Tfd8 20.Sa4 Dc7 21.Sxe6 fxe6 22.Dc3 Td5 23.f4 Tad8 24.Txd5 Txd5 25.e4 Td8 26.Tc1 Dd7 27.Sb2 Dd4+ 28.Dxd4 Txd4 29.Kf1 Sc7 30.Td1 Sb5 31.a4 Txd1+ 32.Sxd1 Sd4 33.g4 a6 34.Kf2 Sc2 35.b5 cxb5 36.axb5 axb5 37.Ke2 b4 38.Kd3 Sa3 39.Kd4 Kf7 40.h4 Ke7 41.f5 exf5 42.exf5, und Weiß gewann.

Dietrich Stratmann – Gerd Arlt
Grünfeld-Indisch D70

1.d4 Sf6 2.Sf3 g6 3.e3 Lg7 4.c4 c6 5.Ld3 0–0 6.0–0 d5 7.b3 e6 8.Lb2 Sbd7 9.c5 b6 10.b4 a5 11.a3 axb4 12.axb4 Txa1 13.Lxa1 b5 14.Sbd2 Dc7 15.h3 Te8 16.Se5 Sxe5 17.dxe5 Sd7 18.Sf3 Sxe5 19.e4 Sxd3 20.Dxd3 dxe4 21.Dxe4 e5 22.Te1 f5  

... und Schwarz gewann wenig später.

Noch zwei Kurzschlüsse. Der langjährige Organisator des Politikerturniers hatte gegen den FDP-Staatssekretär einen Blackout und verlor seine Dame.

Hans-Jürgen Beerfeltz – Alfred Seppelt
Sizilianisch B21

1.e4 c5 2.f4 Sc6 3.Sf3 g6 4.Lb5 Lg7 5.0–0 Db6 6.Lxc6 Dxc6 7.d3 d6 8.Sc3 Sf6 9.Le3 0-0 10.Dd2 Sg4 11.Sd5 e6?? 12.Se7+ 1-0

Im Damenduell machte die Präsidentin des Thüringer Schachbundes kurzen Prozess mit ihrer nicht so erfahrenen Gegnerin.

Diana Skibbe – Kerstin Beurich
Französisch C01

1.e4 e6 2.d4 Le7 3.Sc3 Sh6 4.Ld3 0-0 5.Lxh6 gxh6 6.Dh5 c6 7.Sf3 Lb4 8.e5 a5 9.Dxh6 Lxc3+ 10.bxc3 f6?? 11.Dxh7 matt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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