Magnus Carlsen gegen Oluwafemi Balogun

von André Schulz
08.08.2017 – Als bekannt wurde, dass Magnus Carlsen beim World Cup mitspielen wird, ging ein Raunen durch die Schachwelt. Nun hat die FIDE den Paarungsbaum veröffentlicht. Oluwafemi Balogun hat das große Los gezogen und darf in der ersten Runde gegen den Weltmeister antreten.

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Der Weltmeister im World Cup

Als die FIDE kürzlich die Teilnehmerliste für den nächsten World Cup veröffentlichte, ging ein Raunen durch die Schachwelt. Der Weltmeister höchstselbst, Magnus Carlsen, führt die Setzliste an. Vor zwei Jahren outete sich Carlsen bereits als Anhänger des K.o.-Formats und würde den Weltmeistertitel am liebsten - so verlautete er auf seiner Facebook-Seite -  jedes Jahr neu im Zuge eines solchen K.o.-Turniers erobern, beziehungsweise verteidigen. Der Weltmeister ist jung und war noch nicht dabei, als die Spitzenspieler seinerzeit mühsam darum gekämpft haben, das ungeliebte "Lotteriesystem" als Format für eine Weltmeisterschaft loszuwerden.

1997 wurde das K.o.-Format beim Turnier in Groningen - wegen juristischer Schwierigkeiten damals zunächst erst als Kandidatenturnier - eingeführt. 2004 gab es in Tripolis schließlich die letzte dieser K.o.-Weltmeisterschaften. In diesen Jahren gab es viel kritik am K.o-Format als Format für Weltmeisterschafte Nach 2004 kehrte die FIDE mit einem Weltmeisterschaftsturnier 2007 schließlich wieder zum alten Wettkampfformat zurück.

Das K.o.-Format lebt seitdem als FIDE "World-Cup" fort. Manche Spieler lieben das Format - zwei lange Partie, danach Stichkämpfe mit reduzierte Bedenkzeit -, andere nicht. Für die Zuschauer, die meisten im Internet, ist das Format spannend, denn es gibt immer wieder Überraschungen. An einem guten Tag - mancmal braucht man zwei oder drei - kann auch mal ein Underdog einen Großkopferten aus dem Turnier schmeißen. Und das ist ja schon oft genug vorgekommen.

Die FIDE hat den World Cup aufgewertet, indem sie ihn zum Qualifikationsturnier für das Kandidatenturnier machte. Beiden Finalisten steigen ins Kandidatenturnier auf. Und wer sich mit seiner Elozahl für das Kandidaturnier qualifizieren will, der muss zuvor zwingend am World Cup wenigstens teilnehmen. 

Im Hinblick auf den WM-Kampf hat der Weltmeister überhaupt keinen Grund, beim Kandidatenturnier mitzuspielen. Er ist ja als Titelverteidiger qualifiziert. Auf der anderen Seite gibt es aber auch keine Regel, die besagt, dass der Weltmeister dort nicht mitspielen darf. Zunächst lässt Magnus Carlsen aber seinen Worten von vor zwei Jahren Taten folgen und nimmt an der Qualifikationsstufe davor, am World Cup, teil. Was bedeutet das aber für die Qualifikation zum Kandidatenturnier?

Zunächst einmal wäre Magnus Carlsen allein schon durch die Teilnahme am World Cup als Weltranglistenerster für das Kandidatenturnier qualifiziert. Er könnte dort mitspielen, doch ist es wenig wahrscheinlich, dass dies Carlsens Absicht ist. Was passiert aber, wenn Carlsen das Finale des World Cups und damit einen Qualifikationsplatz für das Kandidatenturnier erreicht? Wer rückt nach, wenn Carlsen auf die Teilnahme am Kandidatenturnier verzichtet? In dem Fall sehen die Regeln der FIDE vor, dass ein dritter Spieler aus der Grand Prix-Serie nachrückt. Anders sieht es aus, wenn Sergey Karjakin das Finale des World Cups erreicht. Auch der Verlierer des letzten WM-Kampfes ist ja für das Kandidatenturnier vorqualifiziert. In dem Fall ist ein Stichkampf der beiden unterlegenen Halbfinalisten des Worldcups um den letzten Qualifikationsplatz vorgesehen. Der Sieger ist dann der Nachrücker für Karjakin.

Der World Cup in Tiflis

Die FIDE vergibt die Ausrichtung der Schacholympiade nur als Paket in Verbindung mit der Ausrichtung des World Cup-Turniers. Wer Gastgeber der Schacholympiade sein will, muss im Jahr zuvor das K.o.-Turnier ausrichten. Da Georgien 2018 die Schacholympiade durchführen wird, führt der georgische Verband in diesem Jahr auch den World Cup durch.

Austragungsort ist Tblissi. Termin ist 2. bis 28. September. Gastgeber ist das Hualing Hotel in Tiflis am Südwestufer des Tiflis-Speichers, einem künstlichen See im Norden der Stadt, gelegen. Das Finale wird im Amphitheater des Biltmore Hotels gespielt. Dieses ist ein auffälliges Hochhaus mit durchgehender Glasfront im Zentrum der Stadt am Fluss Kura gelegen.

Gestern hat die FIDE nun die endgültige Teilnehmerliste und den Paarungsbaum veröffentlicht. Wer ist der Glückliche, der in der ersten Runde gegen Magnus Carlsen spielen darf. Das große Los hat Oluwafemi Balogun gezogen, ein FIDE-Meister aus Nigeria. Falls Carlsen gewinnt, könnten seine nächsten Gegner Alexey Dreev, Etienne Bacrot oder Bu Xiangzhi sein.

Auch einige deutsche Spieler haben sich durch ihr gutes Abschneiden bei der Europameisterschaft für den World Cup qualifiziert. Matthias Blübaum trifft in der ersten Runde auf Sandro Mareco. Dann wartet höchstwahrscheinlich Wesley So. Liviu-Dieter Nisipeanu spielt gegen Samuel Sevian. In der nächsten Runde wäre vielleicht Li Chao der Gegner. Vitaly Kunin erhielt Le Quang Liem als Gegner. Falls er das übersteht, wartet möglicherweise der Giri-Sekundant Vidit Gujrathi. Daniel Fridman schließlich hat Daniil Dubov zum Gegner, danach könnte Sergey Karjakin kommen. Das klingt nach großen Aufgaben.

Hou Yifan spielt übrigens gegen Kacper Porund, ihr nächster Gegner wäre Levon Aronian.

Paarungsbaum groß...

 

Zeitplan:

Tag   Zeit Ereignis Ort
2 September Samstag 16.00. Eröffnungsfeier Funicular Restaurant
    18.00. Technische Unterweisung Funicular Restaurant
         
3 September Sonntag 15.00. Runde 1-Partie 1 Hualing Hotel
         
4 September Montag 15.00. Runde 1-Partie 2 Hualing Hotel
         
5 September Dienstag 15.00. Stichkämpfe Hualing Hotel
         
6 September Mittwoch 15.00. Runde 2-Partie 1 Hualing Hotel
         
7 September Donnerstag 15.00. Runde 2-Partie 2 Hualing Hotel
         
8 September Freitag 15.00. Stichkämpfe Hualing Hotel
         
9 September Samstag 15.00. Runde 3-Partie 1 Hualing Hotel
         
10 September Sonntag 15.00. Runde 3-Partie 2 Hualing Hotel
         
11 September Montag 15.00. Stichkämpfe Hualing Hotel
         
12 September Dienstag 15.00. Runde 4-Partie 1 Hualing Hotel
         
13 September Mittwoch 15.00. Runde 4-Partie 2 Hualing Hotel
         
14 September Donnerstag 15.00. Stichkämpfe Hualing Hotel
         
15 September Freitag 15.00. Runde 5-Partie 1 Hualing Hotel
         
16 September Samstag 15.00. Runde 5-Partie 2 Hualing Hotel
         
17 September Sonntag 15.00. Stichkämpfe Hualing Hotel
         
18 September Montag   Ruhetag  
         
19 September Dienstag 15.00. Semifinale-Partie 1 Hualing Hotel
         
20 September Mittwoch 15.00. Semifinale-Partie 2 Hualing Hotel
         
21 September Donnerstag 15.00. Stichkämpfe Hualing Hotel
         
22 September Freitag   Ruhetag  
         
23 September Samstag 15.00. Finale-Partie 1 Biltmore Hitel, Tiflis, Amphitheater
         
24 September Sonntag 15.00. Finale-Partie 2 Biltmore Hitel, Tiflis, Amphitheater
         
25 September Montag 15.00. Finale-Partie 3 Biltmore Hitel, Tiflis, Amphitheater
         
26 September Dienstag 15.00. Finale-Partie 4 Biltmore Hitel, Tiflis, Amphitheater
         
27 September Mittwoch 15.00. Stichkämpfe Biltmore Hitel, Tiflis, Amphitheater
    19.30. Schlussfeier Tiflis City Assembly

Turnierseite des World Cups...

 



André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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Martin Erik Martin Erik 11.08.2017 11:53
Ich vermute, der Antwortgeber hat die Frage im Rahmen der Auto-Ergänzung / -Interpretation nur in Bezug auf Magnus' Teilnahme am Weltcup beantwortet. Die Teilnahme des Weltmeisters am Kandidatenturnier wäre nicht nur unüblich und sinnwidrig, sondern wirft mannigfaltige Probleme auf: Was geschieht, wenn der Weltmeister das Kandidatenturnier gewinnt? Findet dann überhaupt ein WM-Match statt? Und: Die Teilnahme eröffnet Manipulationsmöglichkeiten – der Weltmeister kann durch seine Ergebnisse – zumindest teilweise – beeinflussen, wer das Turnier gewinnt und sich damit quasi seinen Gegner „aussuchen“. Ich glaube nicht, dass, würde Carlsen für das Turnier melden, seine Meldung Berücksichtigung fände – s. o. Darüberhinaus halte ich die Teilnahme des Weltmeisters am Weltcup bereits für überdenkenswürig: Er greift in die Qualifikation seines eigenen Herausforderers ein. Ich glaube nicht, dass Svidler, MVL und Grischuk glücklich sind über Magnus’ Teilnahme. Mit freundlichen Grüßen Martin Erik
WernerBerger WernerBerger 11.08.2017 10:16
In den "Regulations for the FIDE World Chess Cup 2017" heißt es:

"3. 1. Qualifiers - There are 128 qualifiers (in order of priority): World Champion + four (4) semi-finalists from the World Cup 2015, Women's World Champion, World Junior U-20 Champions 2015 & 2016, eighteen (18) rated players as described in 3.1.2, ninety (92) players from Continental Championships, the one (1) highest-placed participant of the ACP Tour who has not qualified with the previous criteria, two (2) FIDE President nominees, four (4) organiser nominees , three (3) qualifiers from FIDE-approved internet events. If there are no internet events, the spot(s) will be decided by the FIDE President after consulting the WCOC."

Der World Champion Magnus Carlsen ist also ausdrücklich vorberechtigt.
André André 10.08.2017 03:44
@Martin Erik. Berechtigter Einwand! Wahrscheinlich ist man sich bei der FIDE selbst nicht im Klaren. Auf Anfrage erhielten wir die Antwort, es gäbe keine Regel, die den Weltmeister vom Qualifikationszyklus ausschließt. Tatsächlich könnte man die zitierte Regel aber in dem Sinne interpretieren.
Martin Erik Martin Erik 09.08.2017 04:40
Die Information: „Im Hinblick auf den WM-Kampf hat der Weltmeister überhaupt keinen Grund, beim Kandidatenturnier mitzuspielen. Er ist ja als Titelverteidiger qualifiziert. Auf der anderen Seite gibt es aber auch keine Regel, die besagt, dass der Weltmeister dort nicht mitspielen darf.“ ist m. E. unrichtig. Laut FIDE-Regularien gilt: “1.1 The Candidates Tournament to determine the challenger for the 2018 World Chess Championship (…)” – übersetzt: “Das Kandidatenturnier zur Bestimmung des Herausforderers (…)“. Das schließt m. M. n. die Teilnahme des Weltmeisters am Kandidatenturnier aus. Mit freundlichen Grüßen Martin Erik
wok wok 09.08.2017 12:28
Damit hat Magnus die Chance MVL, Grischuk und Svidler aus dem Rennen um die Weltmeisterschaft zu nehmen.
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