Menschen, Fehler, Emotionen

von André Schulz
15.10.2015 – Die Schlacht ist geschlagen: Fünf intensive Tage liegen hinter den Spielern der Schnellschach - und Blitzweltmeisterschaft in Berlin. Der neue Blitzweltmeister heißt Alexander Grischuk. Das norwegische Fernsehen zeichnete Carlsens Enttäuschung auf. Bei der Siegerehrung konnte der Zweifachweltmeister aber wieder lachen. Impressionen, verpasste Chancen, Pressespiegel...

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Sechs intensive Tage liegen hinter den Spielern der Schnellschach - und Blitzweltmeisterschaft in Berlin. Nicht nur den Spielern, auch den Organisatoren und den Zuschauern. Das Interesse an der WM der kurzen Bedenkzeiten hielt ungebrochen an, sowohl vor Ort, als such im Internet.

Yury Vovk (2.v.l.) führte kurz vor Schluss auch das Feld an und hatte Chancen auf den Titel

Carlsen als Kiebitz

Kramnik gewann am Ende Bronze

Magnus Carlsen hatte von Samstag bis Montag seinen Schnellschach-Weltmeistertitel souverän verteidigt, startete auch in die Blitz-WM am ersten Tag gut, spielte aber keinen guten zweiten Turniertag. In den ersten fünf Partien landetet er keinen einzigen Sieg, verlor sogar zweimal. Bei Norwegens Sender NRK zeigte man in einem Video, wie Carlsen nach seinen Niederlagen enttäuscht gestikuliert und mit Stiften um sich schmeißt:

 

Zum Video bei NRK...

Magnus Carlen ist eben auch nur ein Mensch und verliert, wie viele andere Schachspieler, nicht gerne. Aber er erholt sich auch wieder und wenn er nicht gerade verliert, lässt er sich mit Besuchern willig fotografieren oder gibt Autogramme. Iepe Rubingh, Erfinder des Schachboxens besuchte die WM, vielleicht um Teilnehmer für seine Wettkämpfe zu finden. Auf seinem Facebook-Account postete er dieses Foto:

Foto: Iepe Rubingh auf Facebook

 

Und kommentierte:

 

Carlsen machte am zweiten Tag zu viele Fehler und kassierte zu viele Niederlagen. Im Netz kommentierte er seine gescheiterte Titelverteidigung im Blitzen schließlich so:

So ist es.

 

Fast alle Top-Spieler waren in Berlin dabei, und die, die nicht da waren, verfolgten das Geschehen intensiv im Internet. Dort werden inzwischen selbst Blitzpartien lückenlos übertragen. Anish Giri stellte bei Alexander Grischuks Sieg humorvoll fest, dass er jetzt der erste Nicht-Magnus Carlsen auf einem Weltmeisterthron ist:

 

Auch Hikaru Nakamura gratulierte aus der Ferne.

Der Mann des Turniers war eigentlich Maxime Vachier-Lagrave. Der Franzose hatte nur gegen Magnus Carlsen eine Niederlage kassiert und führte dann die meiste Zeit das Feld an. Erst ganz zum Schluss zeigte er Nerven, verlor zwei Partien und musste dann zusehen, wie Alexander Grischuk den Titel gewann.

Gawain Jones freute sich über seine vielen namhaften Gegner:
 

Auch Garry Kasparow war an diesem Wochenende in Berlin, nur nicht bei der Weltmeisterschaft. Er stellte sein neues Buch vor: "Winter is coming". Natürlich hat er aber den Verlauf der WM verfolgt.

 

Die Siegerehrung

Turnierleiter Klaus Deventer

Gastgeber Herbert Bastian, links Ilya Merenzon und Kirsan Ilyumzhinov

Carlsen erhält die Goldmedaille im Schnellschach von Kirsan Ilyumzhinov. Foto: Agon (Nailya Bikmurzina)

hinten: Teimour Radjabov (Bronze im Schnellschach) und Ian Nepomniachtchi (Silber im Schnellschach).

Kann wieder lachen: Magnus Carlsen

Und etwas erzählen.

Gold für Alexander Grischuk

Die drei Sieger der Blitzweltmeisterschaft: Alexander Grischuk (Mitte: Gold), Vladimir Kramnik (links: Bronze) und Maxime Vachier-Lagrave (rechts: Silber)

 

Matt, Matt, Matt!


Die moderne Computer-Welt ist erbarmungslos. Früher hat man Blitz gespielt und die Partie sofort vergessen, wenn die nächste begann. Fehler? Natürlich macht man Fehler beim Blitzen. Aber wer analysiert schon Blitzpartien. Nur die besten Blitzpartien wurden früher dokumentiert und landeten in den Datenbanken. Heute werden alle Partien der Weltmeisterschaft von den Sensorbrettern aufgezeichnet und ohne Mitleid in den Datenbanken gespeichert. Bereit zur "Analyse", die natürlich ebenfalls mit dem Computer geschieht.

 

Beide Seiten spielen trickreich auf Matt. Aber die schwarzen Möglichkeiten sind reeller:

 

 


In unübersichtlicher Stellung haben beide Seiten ihre Chancen. Am Ende neigt sich die Waage zugunsten von Weiß:

 

 


Korobov opfert einen Turm, doch der Schlag geht ins Leere. Mit einer Qualität weniger erarbeitet er sich aber nach und nach eine Gewinnstellung:

 

 


Eine Partie Schach, die an Go erinnert. Weiß beherrscht das ganze Brett:

 

 


Der Berliner Großmeister Michael Richter übersieht in sehr ordentlicher Stellung eine "Kleinigkeit":

 

 


Hier setzt einmal ein Springer Matt:

 

 


Eine Kombination nach Laskers Vorbild, allerdings mit ein paar offenen Fragen:

 

 


Achtung Grundreihe:

 

 


Hier ist die Grundreihe gedeckt, aber nicht überall:

 

 


Carlsen setzt seinen Sparringspartner Matt:

 

 

Und hier lässt Carlsen sich Matt setzten, fast:

 

 

 

Vassily Ivanchuk bei der Siegerehrung. Er ging leer aus

 

 

Treffen zweier Generationen. Der neue Junioren-Weltmeister haut seinen Gegner in wenigen Zügen vom Brett.

 

 

 

Fotos: Pascal Simon

 

 

Pressespiegel:

Zeit: Upps, da ist der Titel futsch!

Spiegel: Blitzschach-WM: Carlsen verpasst Titelverteidigung

FAZ: Carlsen verpasst das Schach-Triple

Focus: Carlsen verliert, Grischuk ist Weltmeister

Morgenpost: Als Carlsen beleidigt aus der Halle rauschte

Tagesspiegel: Weltmeister Magnus Carlsen ist entthront

Zeit: Der Wegsteckfranzose...

RBB: Nur drei Minuten Bedenkzeit

Handelsblatt: Carlsen mit Ausrutscher, Vachier-Lagrave führt

FAZ: Meister aller Klassen

Süddeutsche: Rapidschach: Wenn Marathonläufe sprinten

Spiegel: Schnellschach-WM: Carlsen holt sich Titel ohne Niederlage

Badische Zeitung: Carlsen dominiert Schnellschach-WM in Berlin

Zeit: Matt statt Mett

Zeit: Es gibt ein Schachvolk, hier ist es

Neue Zürcher Zeitung: Magnus Carlsen, der Besondere

Stuttgarter Nachrichten: Test für den König der Turbodenker

RBB: Schnell, blitzschnell, Schachmatt

Tagesspiegel: Der Großmeister aller Klassen

Focus: Promis im Schachfieber

Berliner Morgenpost: Schwere Aufgabe für den Schach-Weltmeister

Berliner Morgenpost: Zwei Weltmeister im Schach feiern Premiere in Berlin

Tagesspiegel: Russischer Schach-Exweltmeister Boris Spasski in Berlin

Tagesspiegel: Ein Turnier, das die Schach-Sehnsüchte erfüllt

 


Zeitplan

Datum Uhrzeit Veranstaltung

09.10.2015 19:00 Uhr Eröffnungsveranstaltung
10.10.2015 14:00 Uhr Schnellschach-WM Runden 1 - 5
11.10.2015 14:00 Uhr Schnellschach-WM Runden 6 - 10
12.10.2015 14:00 Uhr Schnellschach-WM Runden 11 - 15
13.10.2015 14:00 Uhr Blitzschach-WM Runden 1 - 11
14.10.2015 14:00 Uhr Blitzschach-WM Runden 12 - 21
14.10.2015 19:30 Uhr Abschlussveranstaltung
 

 



André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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manebivocu22 manebivocu22 15.10.2015 08:01
Sehr schöner Artikel!
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