Gambit Guide Vol 1 und 2

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Miguel Najdorf: Portrait in ila

23.07.2002 – In der Zeitschrift der Informationsstelle Lateinamerika "ila" erschien ein vierseitiges Portrait von Miguel Najdorf. In dem Artikel heißt es u.a.: "Vor fünf Jahren, am 5. Juli 1997, verstarb mit dem 87-jährigen Miguel Najdorf ein Schachgenie, mit dessen Namen sich für die Nachwelt nicht nur große Schacherfolge sowie eine moderne Eröffnungsvariante verbinden, sondern auch zahlreiche Anekdoten wie etwa die von einer Partie mit Che Guevara. In Argentinien sorgte nicht zuletzt seine Popularität für einen regelrechten Schachboom. Aus Polen kommend, nutzte er zu Beginn des Zweiten Weltkriegs die Schacholympiade in Buenos Aires, um dort zu bleiben und so der antisemititischen Vernichtung zu entkommen..." Der Artikel ist online leider nicht verfügbar. Die Zeitschrift kann aber aber über ila@ila-bonn.de bezogen werden.Zu ila-online...Mehr über Miguel Najdorf...
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Najdorf 1996

Miguel Najdorf
1910-1997

Mieczyslaw (später: Miguel) Najdorf wurde am 15.04.1910 in Warschau geboren. Mit 12 Jahren begann er Schach zu spielen. Er war ein Schüler Tartakowers. Mit 22 Jahren konnte Najdorf zwei Partien gegen Aljechin remis gestalten. 1935, 1937 und 1939 spielte er in der polnischen Olympiamannschaft. Während der Schacholympiade 1939 in Buenos Aires brach der zweite Weltkrieg aus: Deutschland überfiel Polen. Als Jude war für Najdorf eine Rückkehr nach Polen unmöglich. Er selbst überlebte so den Holocaust, verlor aber seine Frau, sein Kind, Vater, Mutter und vier Brüder in den Konzentrationslagern der Nazis.

Während des Krieges, 1940, gab er in Argentinien eine Aufsehen erregende Blindsimultanveranstaltung. Er spielte gegen 45 Gegner gleichzeitig, gewann 39 Partien, verlor 2 und spielte 4 remis. Später, in einem Interview im Jahr 1972, erzählte er, dass er die Veranstaltung in der Hoffnung unternommen habe, dass man auch in Deutschland, Polen und Russland darüber berichten würde, damit seine Familie von ihm erführe und mit ihm Kontakt aufnehmen könnte. Doch seine Hoffnung erfüllte sich nicht.

Im Jahr 1944 wurde Miguel Najdorf argentinischer Staatsbürger. Zwischen 1949 und 1975 gewann er sieben mal die argentinische Landesmeisterschaft. Er gewann außerdem 52 Internationale Turniere. Über viele Jahre spielte er auf Olympiaden für Argentinien am Spitzenbrett, 1948 wurde er zu den zehn besten Spielern der Welt gezählt.

1950 qualifizierte er sich für das Kandidatenturnier. Im gleichen Jahr schaffte er einen neuen Rekord im Blindspiel (250 Gegner, 226 Siege, 10 Niederlagen, 14 Remis).

Najdorf war ein brillanter Angriffsspieler. Nach ihm ist die populärste Eröffnungsvariante überhaupt benannt: Die Sizilianische Najdorfvariante:1.e4 c5 2.Sf3 d6 3 d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6. Najdorf gab an, in seinem Schach sehr stark vom tschechischen Meister Karel Opocensky beeinflusst worden zu sein.

Seine Partie gegen Glücksberg gilt als eine der besten Partien der Schachgeschichte:

Glücksberg gegen Najdorf, Schacholympiade Warschau 1935 ...

Auf Turnieren hatte er die lästige Angewohnheit, andere Spieler in Bezug auf seine eigene laufende Partie anzusprechen: "Wie stehe ich?", war meist die Frage. So ging er auch einmal bei einem Turnier zu einen Spieler, der in der Nähe stand: "Wie stehe ich?". Doch sein Ansprechpartner blieb stumm: Najdorf hatte geistesabwesend seinen Gegner der laufenden Partie angesprochen, Issak Boleslawsky.

Noch im hohen Alter von über 80 Jahren fuhr er regelmäßig zu seinem Verein Alfil Negro im eigenen Wagen, den er selber absolut sicher chauffierte. Eine Brille benötigte er dabei nicht.

Najdorf war ein witziger Kommentator und  unterhaltsamer Schreiber von Schachkolumnen in der Tageszeitung Clarin (Buenos Aires). Außerdem galt er seinerzeit als reichster Profischachspieler überhaupt. Allerdings stammten seine Einkünfte nicht vom Schachspiel, sondern aus seiner Arbeit als Repräsentant für Versicherungen und Finanzunternehmen. Den Grundstein für sein Vermögen legte er aber dadurch, dass er sich in den 40er Jahren eine Lizenz als Alleinimporteur für nahtlose Damenstrümpfe nach Argentinien besorgt hatte.

"Wenn man wissen möchte, ob ein Geschäftspartner ein Gentleman ist oder nicht, brauch man einfach nur vorher eine Partie Schach mit ihm spielen. Dann weiß man Bescheid", hat Najdorf einmal in einem Interview gesagt. Und: "Sex vor einer Partie ist sehr schlecht für einen Spieler."

Zu seinem Geburtstag, am 4.April organisierte er in jedem Jahr ein Turnier (Mar del Plata), für das er jedes mal fast 1 Mio.$ bereit stellte. Insgesamt soll er aus seinem Vermögen etwas 10 Mio $ für Turniere in Buenos Aires gestiftet haben. Er half vielen argentinischen Schachspielern, ihr Schach zu verbessern, indem er eine Reihe ausländischer Großmeister zu den Turnieren einlud.

Er spielte eine Reihe freier Partien gegen viele bekannte Persönlichkeiten aus der Politik, z.B. Fidel Castro, Winston Churchhill, Che Guevara, Nikita Chruschtchev, Schah Reza Pachlevi oder Juan Peron. Außerdem tauschte er regelmäßig Briefe mit einem ambitionierten polnischen Schachspieler aus, der nun in Rom lebte: Papst Johannes Paul II.

1962 spielte Najdorf ("Don Miguel") in Havanna. Fidel Castro und Che Guevara, beide große Schachfans, waren täglich im Turniersaal und verfolgten die Partien. Najdorf wurde gefragt, ob er ein Blindsimultan gegen die kubanische Regierung geben könne. Njadorf: "Ich wunderte mich etwas über die ungewöhnliche Bitte, sagte aber gerne zu. Am ersten Brett spielte Fidel Castro, am zweiten sein Bruder Raoul, am dritten Kubas Präsident Oswaldo Dortiicos. Es folgten weitere Regierungsmitglieder, am achten Brett saß Che Guevara. Die Partie gegen Castro endete remis. An den anderen Brettern stand ich gut, außer am achten. Ich bot also Che Guevara ebenfalls Remis an. Es folgte ein Redeschwall: Remis? Niemals. Sie haben wohl vergessen, dass wir schon einmal gegeneinander gespielt haben. Das war 1947 in Mar del Plata. Als Medizinstudent bekam ich von ihnen im Simultan ein furchtbares Matt in wenigen Zügen serviert. Viele Jahre habe ich davon geträumt; Revanche zu bekommen. Diese Partie muss entschieden werden, so oder so. Remis gibt es nicht!" Najdorf gewann schließlich, Che Guevara lächelte und gratulierte herzlich.

Laut Sergei Tiviakov soll Najdorf gegen alle Weltmeister mit Ausnahme von Steinitz und Lasker gespielt haben, allerdings nicht Schach, sondern Bridge!

Kasparov zählt Najdorf auf Grund des großen Einflusses, den er auf das Schach hatte, zu den herausragenden Persönlichkeiten der Schachgeschichte.

Miguel Najdorf starb am 4.Juli 1997 in der Universitätsklinik in Malaga (Spanien) in Folge von Komplikationen während einer Operation.

 


André Schulz

 

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