Mihail Marin analysiert Olympiapartien

03.08.2014 – Wie kaum ein Zweiter kann der rumänische Großmeister Mihail Marin Schachpartien erläutern. Publikum und Kritik schätzen sein enzyklopädisches Wissen der Schachgeschichte und seine sorgfältigen, stets mit leichtem Humor gewürzten, Analysen und Kommentare. Für ChessBase präsentiert Marin Runde für Runde ausgewählte Olympiapartien. Mehr...

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Mihail Marin analysiert Olympiapartien

Mihai Marin weiß, wie wichtig Vorbilder und Klassiker sind

GM Mihail Marin wurde 1965 geboren, ist mehrfacher Rumänischer Meister und gehörte Anfang der 2000er Jahre zur erweiterten Weltspitze. Doch Marin spielt nicht nur gut, er kann auch gut und verständlich erklären, was in einer Schachpartie geschieht. Das zeigen seine regelmäßigen Beiträge für das ChessBase Magazin und Bücher wie "Secrets of Chess Defence" und "Von Legenden lernen", die sich bei Kritik und Publikum großer Beliebtheit erfreuen. Marin lebt in Bukarest und ist mit WIM Luiza Marin verheiratet.

[Event "41st Olympiad Tromso 2014 Open"] [Site "Tromsø"] [Date "2014.08.02"] [Round "1"] [White "Haddouche, Mohamed"] [Black "Balogh, Csaba"] [Result "0-1"] [ECO "A04"] [WhiteElo "2508"] [BlackElo "2637"] [Annotator "Marin,Mihail"] [PlyCount "94"] [EventDate "2014.??.??"] [EventCountry "NOR"] [WhiteTeam "Algeria"] [BlackTeam "Hungary"] [WhiteTeamCountry "ALG"] [BlackTeamCountry "HUN"] {Seitdem bei Olympiaden nicht mehr in Vor- und Finalrunden, sondern nach Schweizer System gespielt wird (Haifa 1976) ist die erste Runde für die Mannschaften im oberen Teil der Setzliste oft nur eine bessere Aufwärmrunde. Eine Ausnahme bildet hier die Olympiade in Novi Sad 1990, wo die erste Runde nach "Beschleunigtem Schweizer System" ausgelost wurde. Das führte unter anderem dazu, dass die Sowjetunion in Runde 1 auf die starke Mannschaft der DDR traf. Aber das war eine Ausnahme und 2014 kam es in der ersten Runde tatsächlich zu vielen Wettkämpfen zwischen Mannschaften, die im Elo-Schnitt 400 oder manchmal sogar 500 Punkte voneinander entfernt waren! An den einzelnen Brettern sah es manchmal allerdings ein wenig anders aus. In vielen der nominell schwächeren Mannschaften spielen Internationale Meister oder sogar Großmeister am Spitzenbrett. Das heißt, mit einer Elo-Zahl von über 2600 konnte man hoffen, in der ersten Runde einen 2100er zu bekommen, aber... man musste sich nicht wundern, wenn der Gegner stattdessen deutlich stärker war. Dann war plötzlich keine Zeit mehr für einen kleinen Rundgang durch den Spielsaal, um mit einem entspannten Lächeln auf den Lippen alte Freunde zu begrüßen, die man zwei Jahre nicht gesehen hatte! Stattdessen saß man am Brett und musste sein Bestes geben. Dennoch, die von mir ausgewählten Partien zeigen alle, wie die stärkeren Spieler bereits in der Eröffnung erstaunlich leicht Vorteil bekommen.} 1. e4 c5 2. Nf3 e6 3. d3 {Ein solider Zug und noch ein wenig mehr. Der Königsindische Angriff hat dem stets aggressiv spielenden Bronstein eine ganze Reihe von Punkten gebracht und auch Fischer hat gelegentlich so gespielt.} Nc6 4. g3 Nge7 5. Bg2 g6 6. O-O Bg7 7. c3 O-O 8. Re1 e5 $5 {Verstärkt die Kontrolle über die schwarzen Felder und verhindert d2-d4. In meiner dreibändigen Serie über die Englische Eröffnung habe ich Weiß den Botvinnik-Aufbau (c4, d3, e4, Sge2) empfohlen, der so gut zu sein scheint, dass er, wie diese Partie zeigt, so gar mit zwei Minustempi funktioniert! (Ein Tempo hat Schwarz verloren, weil er mit "vertauschten Farben" spielt, das andere, weil er den e-Bauern nur zögerlich nach vorne gestellt hat).} ({Die klassische Fortsetzung ist} 8... d5 9. e5 {, was Schwarz Probleme auf den schwarzen Feldern bereitet.} ) 9. a3 d6 10. b4 b6 11. Nbd2 Be6 12. Bb2 h6 {Die weiße Stellung sieht flexibler aus, aber Weiß hat ein schwerwiegendes Problem. Wenn er im Zentrum oder am Damenflügel keine Initiative entfalten kann, dann hat Schwarz nach ...f7-f5 gute Chancen auf einen Königsangriff.} 13. d4 $6 {Das spielt Schwarz in die Hände.} ({Nach dem natürlichen} 13. b5 {hat Schwarz gewisse Probleme mit der Bewegungsfreiheit, aber wenn der Damenflügel erst einmal blockiert ist, könnte ...f7-f5 dem Weißen wirklich einmal Kopfzerbrechen bereiten.}) ({Der mysteriöse Turmzug} 13. Rb1 {, der typische für einige Varianten im Spanier ist, verdient ebenfalls Beachtung. Die Hauptidee besteht in der Vorbereitung von d3-d4, da Weiß wie in der Partie irgendwann einmal sowieso Ta1-b1 spielen muss.}) 13... exd4 14. cxd4 cxb4 15. axb4 Nxb4 16. Ba3 a5 17. Rb1 {Weiß hat wahrscheinlich gedacht, dass er den Bauern zurückgewinnt und langfristigen Druck auf den schwachen Bauern b6 ausüben kann.} d5 $1 { Ein Gegenschlag im Zentrum ist ein bewährtes Mittel gegen Vorstöße am Flügel.} 18. Bxb4 ({Die Pointe besteht darin, dass Weiß den Bauern nach der Stabilisierung des Zentrums mit} 18. e5 {nicht mehr zurückgewinnt - und zwar wegen} Nec6 {. Doch im Nachhinein war dies vielleicht die beste Möglichkeit.}) 18... axb4 19. Rxb4 dxe4 20. Nxe4 Nc6 21. Rb2 Nxd4 {Schwarz hat einen Bauern gewonnen und verfügt über zwei starke Läufer. Die Partie dauerte zwar noch eine Weile, war aber praktisch schon entschieden.} 22. Nxd4 Qxd4 23. Rd2 Qb4 24. h3 Ra1 25. Qe2 Rxe1+ 26. Qxe1 b5 27. Kh2 Kh7 28. h4 Bf5 29. h5 Re8 30. Re2 Qxe1 31. Rxe1 Kh8 32. hxg6 Bxg6 33. Re3 b4 34. Nc5 Rc8 35. Nb3 Rc2 36. Kg1 Bc3 37. Bd5 Kg7 38. Rf3 Rb2 {Weiß ist es gelungen, den Freibauern zu blockieren, aber da sich der Springer so weit von seinem König entfernt hat und der Läufer ihn decken muss, schwebt der weiße König in Gefahr. Balogh erhöht den Druck immer weiter, bis er schließlich tödliche Mattdrohungen aufstellen kann.} 39. Kh2 Rb1 40. Nc5 Rd1 41. Be4 Bh5 42. Rf5 Bg4 43. Rd5 Re1 44. f3 Re2+ 45. Kh1 Bh3 46. g4 Bd2 47. Rd3 Bf4 {Auch ohne die Engines ist klar, dass der weiße König verloren ist.} 0-1

[Event "41st Olympiad Tromso 2014 Open"] [Site "Tromsø"] [Date "2014.08.02"] [Round "1"] [White "De La Riva Aguado, Oscar"] [Black "Giri, Anish"] [Result "0-1"] [ECO "B31"] [WhiteElo "2523"] [BlackElo "2745"] [Annotator "Marin,Mihail"] [PlyCount "52"] [EventDate "2014.??.??"] [EventCountry "NOR"] [WhiteTeam "Andorra"] [BlackTeam "Netherlands"] [WhiteTeamCountry "AND"] [BlackTeamCountry "NED"] {Am Spitzenbrett einer kleinen Mannschaft wie Andorra zu spielen, kann sich lohnen. Da die Mannschaftskollegen oft nicht viel Punkte holen, hat man selber leichte Gegner und gute Chancen, ein prozentual gutes Ergebnis zu erzielen. Viele Jahre hat IM Raul Garcia am Spitzenbrett von Andorra gespielt und einmal (in Novi Sad 1990) sogar eine Goldmedaille für das beste Ergebnis an Brett eins geholt! Oscar De la Riva hatte weniger Glück und sein bestes Ergebnis reichte in Calvia 2004 nur zum fünftbesten Ergebnis am Spitzenbrett. Oscar hatte im Vergleich zu Raul vielleicht das "Pech", dass seine Mannschaftskollegen immer besser geworden sind (so spielt Raul, der immer noch sehr schwer zu schlagen ist, mittlerweile am dritten Brett), wodurch er selbst stärkere Gegner bekam. Wie auch immer, spielt man in einer schwächeren Mannschaft bekommt man zum Auftakt der Olympiade leicht keinen Aufbaugegner, sondern einen Weltklassespieler.} 1. e4 c5 2. Nf3 Nc6 3. Bb5 g6 4. O-O Bg7 5. Re1 Nf6 6. c3 O-O 7. h3 Qb6 8. Ba4 Rd8 $5 {Ein seltener, aber logischer Zug. Da Weiß keine Eile zu haben scheint, das Zentrum besetzen zu wollen, bereitet Schwarz ...d7-d5 vor, um die weiße Dame zu ärgern.} 9. Bb3 $6 {Eine Neuerung, aber keine gute. Weiß lässt sich mit der Entwicklung zu viel Zeit.} (9. d4 {Ja, nach} cxd4 10. cxd4 d5 11. e5 Ne4 {hat Schwarz keine Probleme, aber wenn man Rossolimo spielt, dann strebt man nicht unbedingt nach objektivem Vorteil, sondern möchte vor allem eine spielbare Stellung bekommen.}) 9... d5 10. e5 (10. exd5 Nxd5 {würde uns die Bemerkung von Nimzowitsch ins Gedächtnis rufen, dass unbewegliche Bauernformationen (c3, d2) zur Schwäche tendieren.}) 10... Ne4 11. d3 $2 {Ein grober Fehler.} ({Nach} 11. d4 Bf5 {ist Weiß noch am Leben, aber der Läufer steht auf b3 schlechter als auf a4 und im Vergleich zur oben erwähnten ähnlichen Variante hat Schwarz einen Bauern mehr.}) 11... c4 $1 { Plötzlich macht sich die Gegenüberstellung von Turm und Dame auf der d-Linie bemerkbar.} 12. Be3 Qc7 13. Bd4 ({Nach} 13. dxe4 dxe4 {gewinnt Schwarz ein wichtiges Tempo.} 14. Nd4 cxb3 $19 {Nebst ...Nxe5.}) 13... cxb3 14. axb3 { Der Springer ist gefangen, aber dafür ist dieser Springer eine Mehrfigur! Schwarz nutzt seinen Entwicklungsvorsprung, um das weiße Zentrum anzugreifen.} f6 $1 {Nicht der einzige Zug, aber ziemlich überzeugend. Der Rest ist reine Quälerei für Weiß (bzw. eine angenehme Formalität für Schwarz).} 15. dxe4 dxe4 16. Nfd2 f5 17. f3 Nxd4 18. cxd4 Rxd4 19. fxe4 fxe4 20. Rxe4 Qb6 21. Kh1 Bf5 22. Rxd4 Qxd4 23. Nc3 Bxe5 24. Ra4 Qd3 25. Qe1 Bg3 26. Qe2 Rd8 0-1

[Event "41st Olympiad Tromso 2014 Open"] [Site "Tromsø"] [Date "2014.08.02"] [Round "1"] [White "Jones, Gawain C B"] [Black "Jones, Richard S"] [Result "1-0"] [ECO "C43"] [WhiteElo "2665"] [BlackElo "2414"] [Annotator "Marin,Mihail"] [PlyCount "83"] [EventDate "2014.??.??"] [EventCountry "NOR"] [WhiteTeam "England"] [BlackTeam "Wales"] [WhiteTeamCountry "ENG"] [BlackTeamCountry "WLS"] {In der letzten Partie kommt es zu fast perfekter Symmetrie. Beide Spieler haben Meistertitel, identische Nachnamen, spielen für Länder, die sich auf der gleichen Insel befinden, und - als wäre das nicht genug - entschieden sich füreine Eröffnung mit symmetrischer Struktur gewählt! Warum dann das "fast"? Nun, das Ergebnis hat die Symmetrie zerstört...} 1. e4 e5 2. Nf3 Nf6 3. d4 Nxe4 4. Bd3 d5 5. Nxe5 Nd7 6. Nxd7 Bxd7 7. Nc3 Nxc3 8. bxc3 Bd6 9. Qh5 Qe7+ {Als Krönung der Symphonie der Symmetrie folgt eine ästhetisch perfekte Folge von Läuferzügen:} 10. Be3 Be6 11. Bg5 Bg4+ $6 (11... Qd7 {würde zwar das Grundmotiv der Partie verderben, aber Schwarz könnte hoffen, eine schlechtere Stellung zu verteidigen, obwohl sein König weiterhin gefährdet steht.}) 12. Bxe7 Bxh5 13. Bxd6 cxd6 14. Rb1 O-O-O 15. Rb5 {Einfach so. Der schwarze Läufer kann den Doppelbauern nicht rechtzeitig verteidigen. Die Partie ist praktisch entschieden.} f6 16. Rxd5 Bf7 17. Ra5 Kb8 18. Kd2 Rc8 19. Rb1 Rhe8 20. Rab5 Re7 21. a4 h6 22. a5 Be8 23. R5b4 Bf7 24. f3 Rcc7 25. c4 Bg8 26. R1b3 Bf7 27. Rc3 Kc8 28. Rb5 Kd8 29. h4 Kc8 30. g4 Kd8 31. g5 fxg5 32. hxg5 hxg5 33. Rxg5 Bg8 34. c5 dxc5 35. Rcxc5 b6 36. axb6 axb6 37. Rb5 Rc6 38. Rbf5 Kc7 39. Rf8 Be6 40. Ra8 Bd7 41. Rg8 Rd6 42. c3 1-0

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Informationen zur Olympiade

Zeitplan:      
Fr 01 Aug 19:30
21:30
Chess Olympiad Arena Eröffnungsfeier
Arbiters meeting
Sa 02 Aug 09:00
15:00
Chess Olympiad Arena
Chess Olympiad Arena
Captains Meeting
Runde 1
So 03 Aug 14:00 Chess Olympiad Arena Runde 2
Mo 04 Aug 14:00 Chess Olympiad Arena Runde 3
Di 05 Aug 14:00 Chess Olympiad Arena Runde 4
Mi 06 Aug 14:00 Chess Olympiad Arena Runde 5
Do 07 Aug     Ruhetag
Fr 08 Aug 14:00 Chess Olympiad Arena Runde 6
Sa 09 Aug 14:00 Chess Olympiad Arena Runde 7
So 10 Aug 14:00 Chess Olympiad Arena Runde 8
Mo 11 Aug 14:00 Chess Olympiad Arena Runde 9
Di 12 Aug 14:00 Chess Olympiad Arena Runde 10
Mi 13 Aug     Ruhetag
Do 14 Aug 11:00 Chess Olympiad Arena Runde 11
Do 14 Aug

 
20:00 Skarphallen Closing Ceremony
15 Aug     Abreise

Live Berichterstattung von der Schacholympiade:

TV ChessBase wird im gesamten Verlauf der Schacholympiade von den Ereignissen live berichten. Im "Studio Tromsø" werden Daniel King und André Schulz viele internationale und deutsche Gäste begrüßen.

Daniel King

André Schulz

 

Parallel zu den Interviews werden die Toppartien im Server wie gewohnt live per Audio kommentiert, wobei Klaus Bischoff den Löwenanteil der deutschen Kommentierung übernimmt., 

Klaus Bischoff kommentiert auf deutsch

 

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