Nebulös: Das 7. Staunton Memorial

10.08.2009 – Derzeit wird in Londons Simpson's In The Strand das offizielle 7. Staunton-Gedenkturnier ausgetragen. Sieben Gedenkturniere für einen Mann, der einst der mit Abstand beste Schachspieler Englands war, 1851 das Internationale Turnierschach begründete und schon 1874 starb, sind nicht eben viel - Capablanca hat es schon auf über 40 Memorials gebracht und war bei Stauntons Tod noch gar nicht geboren - und vielleicht hätte man doch die beiden Staunton-Gedenkturniere in Groningen mitzählen sollen. In diesem Jahr findet das Turnier in etwas größerem Rahmen statt, denn neben einer Art Länderkampf England gegen die Niederlande wird auch noch ein Rundenturnier ausgetragen. Leider bietet die offizielle Turnierseite überhaupt keine Bilder von dem an sich schönen Event, so dass das Turnier leider im Londoner Nebel nur schemenhaft verfolgt werden kann.Turnierseite...Mehr...

 

Die toten Webseiten von London
Von André Schulz

Nachdem Englands einstiger Schach-Vorkämpfer Howard Staunton lange in Frieden geruht hatte - der Organisator des ersten Internationalen Schachturniers 1851 starb 1874 - erhielt der hauptberufliche Shakespeare-Darsteller schließlich doch noch eine Gedenkturnier. 1946 wurde es ausgetragen, allerdings im Ausland und zwar in Groningen mit 20 Spielern und in großartiger Besetzung. Botvinnik gewann vor Euwe. 1951 folgte dann in Birmingham das erste Staunton Gedenkturnier zum richtigen Zeitpunkt statt, nämlich 100 Jahre nach dem "Urknall" für die Geschichte des Internationalen Turnierschachs.

Während man in Groningen mit Bowinnik, Kotov, Flohr und Boleslavsky geradezu eine Invasion sowjetischer "Zugmaschinen" erlebt hatte, blieb das Sowjetschach in England komplett fern. Es wird wohl nicht daran gelegen haben, dass mit CH O'D Alexander der Chef der MI5-Kryptologie-Abteilung mitspielte. Denn das konnten die Sowjets wegen der Geheimhaltung ja eigentlich überhaupt nicht wissen. Mit Harry Golombek war ein weiterer Bletchley Park-Veteran am Start, der allerdings im Gegensatz zu Alexander oder Millner-Barry nicht in den Staatsdienst gegangen war, sondern sich als Autor, Übersetzer und Schiedsrichter betätigte. Robert Hübner hat bekanntlich an Golombek wenig gute Erinnerungen bei seinem Wettkampf gegen Petrosian 1971 gesammelt. Nachdem Alexander fest in den englischen Geheimdienst übernommen worden war, waren Auslandsreisen für den Turnierschachspieler leider von nun verboten. Gligoric gewann das Turnier in Birmingham vor Trifunovic.

Nach 1951 geriet die Idee eines Staunton Memorials erst einmal wieder in Vergessenheit, bevor sie 2004 von den Schachfreunden in London wieder aufgegriffen wurde. Seitdem findet das Turnier in jährlicher Folge statt. In diesem Jahr schon als 7. Staunton Memorial. Das Gedenkturnier der Holländer von 1946 hat man logischerweise bei der Zählung weg gelassen wie eine Neuauflage an gleicher Stelle im Jahr 1996, die eigentlich ein "Staunton Memorial 1946 Memorial" war, denn hier traten sechs Veteranen von einst (von 1946, nicht etwa von 1851) noch einmal an, ebenfalls.

Das Staunton Memorial wird im legendären Simpson's In The Strand gespielt, genau dort, wo 1851 die legendäre "unsterbliche Partie" zwischen Anderssen und Kieseritzky ausgetragen wurde. das Schachturnier stattfand. In diesem Jahr ist alles "viel größer und viel besser" verkündet die neu designte Webseite der veranstaltenden Staunton-Gesellschaft. Das stimmt, denn in diesem Jahr wurden gleich zwei Veranstaltungen auf die Beine gestellt: Ein Länderkampf England gegen die Niederlande - und damit dankt man den niederländischen Schachfreunden auch dafür, dass sie 1946 als erste dem alten Staunton gedacht hatten - und ein Rundenturnier, an denen mit Kortschnoj und Timman einige Legenden mitspielen.

Einziges Manko des schönen Turniers ist vielleicht, dass niemand es zu sehen bekommt, mit Ausnahme der Schachfreunde vor Ort, die eine Netzkarte der Londoner U-Bahn besitzen (vorher erkundigen, welche Linien zur Zeit befahren werden)  In den vergangenen Jahren belästigten die Organisatoren die Besucher der Turnierseite auch nicht mit überflüssigen Inhalten, wie z.B. zu vielen Fotos. Das eher rare Fotomaterial wurde sehr dosiert unter das Volk gebracht und jetzt ist das bereits Tradition. Der Ansatz wurde in diesem Jahr erstmals auch ganz konsequent zu Ende gedacht. Ausführliche Berichte entschädigen mehr als reichlich.

Die Partien können live verfolgt werden, allerdings nur gegen eine Gebühr von 5 Pfund.

In Runde 1 des Länderkampfes legten die Niederländer vor, doch England glich in Runde zwei prompt aus. Im Rundenturnier startete Jan Timman mit zwei Siegen.

 

Bilder: Turnierseite


Die Bilder der ersten Runde


Die Bilder der zweiten Runde

 

7. Howard Staunton Memorial

Länderkampf England - Niederlande

Runde 1

GM Adams - GM Van Wely 0.5 - 0.5
GM Short - GM Werle 1 - 0
GM Howell - GM Smeets 0.5 - 0.5
GM McShane - GM Sokolov 0 - 1
GM Jones - GM L’Ami 0 - 1

Runde 2

GM Werle - GM Adams 0 - 1
GM Van Wely - GM Jones 1 - 0
GM L’Ami - GM McShane 0.5 - 0.5
GM Sokolov  -GM Howell 0.5 - 0.5
GM Smeets - GM Short 0 - 1


 

Rundenturnier

Runde 1

GM Korchnoi - GM Cherniaev 0 - 1
IM Trent - GM Wells 0.5 - 0.5
GM Davies - GM Williams 0.5 - 0.5
IM Hendriks - GM Timman 0 - 1
Chapman - IM Wiersma 0 - 1

Runde 2:

GM Timman - Chapman 1 - 0
GM Cherniaev - IM Wiersma 1 - 0
GM Williams - IM Hendriks 1 - 0
GM Wells - GM Davies 1 - 0
GM Korchnoi - IM Trent 1 - 0


 


 

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