Ningen Shogi am Maizuru

27.05.2008 – Das japanische Kirschblütenfest ist der Höhepunkt des japanischen Kalenders und markiert den Frühlingsanfang. Nördlich von Tokio wird die Zeit der Kirschblüte in Verbindung mit einem anderen Bestandteil japanischer Kultur gefeiert, dem Shogi. Dann ziehen zwei als Samurai verkleidete Kolonnen in Tendo (Präfektur Yamagata) auf den Berg Maizuru, um in einer Lebend-Shogi-Variante gegeneinander Ningen Shogi zu spielen. Die Tradition reicht bis ins 16.Jahrhundert zurück, als der Einiger Japans Toyotomi Hideyoshi ein Shogimatch im Freien gegen den Ersten Berater Kaiser Go-Yozeis, Toyotomi Hidetsugu, austrug, wobei die Figuren von Zofen und Pagen des kaiserlichen Schlosses dargestellt wurden. Die farbenprächtige Szene erinnert an Bilder aus Akira Kurosawa-Filmen und wird von der Bevölkerung unter großer Anteilnahme begleitet. Also doch: Schach als Zuschauersport, meint Dr. René Gralla und hofft, dass die Dresdner Schacholympioniken ein ähnliches Interesse hervorrufen können.Artikel im Neuen Deutschland...Nachdruck mit Bildern...

 

Nachdruck aus Neues Deutschland mit freundlicher Genehmigung

 

Matt per Gong unter blühenden Kirschbäumen
Von Dr. René Gralla

Brustpanzer und Helme schimmern in der Frühlingssonne, metallisch rot und blau.

In zwei Marschkolonnen ziehen die Samurai durch ein Tor, über dem eine Kanzel schwebt. Von dort oben werden Schiedsrichter, die sich die weißen Stirnbänder der Schwertkämpfer umgebunden haben, den Wettkampf dirigieren.

Eine große Trommel steht schon bereit, um das Turnier mit einem weit hallenden Gong zu eröffnen. 

Auf sanft ansteigenden Rasenhängen umlagern Zuschauer die Arena, unter blühenden Kirschbäumen, ein prächtig weißes Hochzeitskleid der Natur, die den Frühling feiert. Und der Höhepunkt dieser Saison, die von den Japanern "Hanami" genannt wird, ist das "Ningen Shogi" in Tendo, auf dem Berg Maizuru in der Präfektur Yamagata nördlich von Tokio. Freiwillige, die dafür ihre eigenen Rüstungen mitgebracht haben, führen Partien vor in jener besonderen Version des Mattspiels, die sich seit dem frühen Mittelalter im Reich des Tenno entwickelt hat und "Shogi" heißt.


Das japanische Schach gehört zur Kultur des Landes wie Teezeremonie und Blumensteckkunst Ikebana. Auch das "Ningen Shogi" hat eine lange Tradition. Die reicht zurück bis in das ausgehende 16. Jahrhundert, als der Feldherr Toyotomi Hideyoshi (1537-1598), der die Einigung Japans nach den vorausgegangenen Bürgerkriegswirren vorangetrieben hat, im Freien ein Shogimatch austrug gegen Toyotomi Hidetsugu, Erster Berater des Kaisers Go-Yozei. Die Figuren wurden dabei von Zofen und Pagen des Schlosses dargestellt.

Heute ist das "Ningen Shogi" ein beliebtes Volksfest, zu dem tausende von Shogi-Fans aus ganz Japan nach Tendo pilgern, wo wenige Monate später, nämlich vom 7. bis zum 10. November 2008, die diesjährige Amateur-WM im Shogi ausgetragen werden wird. Das "Ningen Shogi" beweist, dass Schach keineswegs eine Sache bloß für Spezialisten ist, sondern die Massen anziehen kann, vorausgesetzt, das Spiel wird spannend, sinnlich und farbenfroh inszeniert. Wie eben das "Ningen Shogi": ein überhaupt nicht verkopftes, sondern fröhliches Spektakel, das eine Inspiration sein kann für die Macher der diesjährigen Schacholympiade 2008 in Dresden.  

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41. Kirschblütenfest "Hanami" mit Feuerwerk in Hamburg am 30. Mai 2008 (Beginn des Feuerwerks an der Außenalster um 22.30 Uhr); Amateur-WM 2008 im Shogi, das "International Shogi Festival 2008", vom 7. bis 10. November 2008 in Tendo, Japan.

 

 

 

 


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