Pocket Fritz 3: Tango auf 64 Feldern

14.08.2008 – Das Turnier "Copa Mercosur" in Buenos Aires ist seit einiger Zeit eine vorzügliche Testwiese für neue ChessBase-Programme. Die lateinamerikanischen Profis haben keinerlei Berührungsängste und freuen sich, die Neuentwicklungen "am eigenen Leib" zu testen. Die Hardware wird allerdings immer kleiner und der Spielwitz der Programme immer größer. Diesmal war der neue Pocke Fritz 3, in dem Mark Unickes Engine HIARCS 12.1 für die Schachintelligenz sorgt, das "Alien" im Kreis der Turnierteilnehmer. Diese zeigten sich am Ende beeindruckt - nicht so sehr vom überlegenen Turniersieg des Taschen-PCs mit 8 aus 11 und einer ELO-Leistung von 2690, sondern von der Art und Weise, wie diese zustande kam - mit nahezu menschlichem Spielstil. IM Diego Valerga: "Ich bin sehr überrascht. Das Programm spielte wie ein Mensch". GM Andrés Rodríguez: "Der größte Fortschritt besteht darin, dass Pocket Fritz 3 nicht so materialistisch ist, wie die meisten Maschinen. Besonders in der Endspieltechnik hat die neue Version zugelegt. IM Axel Bachmann:" Pocket Fritz 3 unterschiedet sich in seiner Spielweise erheblich von anderen Programmen, die ich kenne. Ich bin beeindruckt vom Ergebnis." Carlos Illardo berichtet aus Buenos Aires. Pocket Fritz 3 (mit Zugriff auf die CB-Online Datenbank) ist ab sofort lieferbar.Pocket Fritz 3 im Shop kaufen...Turnierseite...Bericht, Partien, Bilder...

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Pocket Fritz 3 - Großmeister in der Westentasche
Von Carlos Illardo
Fotos: Carlos Illardo, Stanislav Tsukrov


Tango tanzen kann Pocket Fritz 3 nur am Schachbrett, anderswo muss Programmierer
und Bediener Stanislav Tsukrov aushelfen, eine Aufgabe, die er aber gerne erledigte.


Gitarrenmusik gehört zum Einkauf hier dazu


Eines von vielen Antiquitäten-Geschäften an der Plaza Dorrego


In diesem Gebäude, dem "Cabildo de Buenos Aires", wurde 1810 die Unabhängigkeit von Spanien erklärt


Das Rathaus mit Vorplatz

Der Sieg der deutschen Neuentwicklung Pocket Fritz 3 beim Vergleich mit zehn Schachmeistern aus Südamerika im Mercosur-Cup 2008 (Villa Martelli) in Buenos Aires hat ein neues Kapitel im Wettbewerb zwischen Chips und Neuronen geschrieben.

Die Maschine zeigte nicht nur eine verbesserte Selektivität bei der Berechnung der richtigen Züge, sondern verblüffte ihre Gegner vor allem mit ihren strategischen Fähigkeiten. Die Siliziumklümpchen im Pocket PC-Gehäuse sind mit Hilfe der dirigierenden Hiarcs-Engine nun schon in der Lage, das Spiel "zu lesen" und Gefahren intuitiv "zu riechen". Tatsächlich hat man beim Zuschauen das Gefühl, das sich die Maschinen in Richtung von Künstlicher Intelligenz bewegen, so wie Arthur Clarke sie einst in seiner Vision "Space Odyssey 2001" beschrieb: Die Maschinen lernen aus ihren Fehlern!
Noch erstaunlicher ist jedoch der von Menschen geschaffene technologische Fortschritt. Vor etwas mehr als zehn Jahren war bei "Deep Blue" im Wettkampf mit Garry Kasparow noch eine Zweitonnen-Hardware notwendig, um damit 200 Mio. Stellungen zu analysieren. Nun reicht ein handliches Mini-Gerät von 200 Gramm Gewicht, 15 cm hoch, 10 cm breit, ein Pocket-PC mit Windows Mobile, aus, um der darin innewohnenden Hiarcs-Engine die Kraft zu geben, die sie braucht, um solch ein Turnier zu gewinnen - nämlich nicht mehr als 400-600 Mhz. Damit berechnet das Programm etwa 30.000 bis 40.000 Züge pro Sekunde, nur ein Bruchteil dessen, was einst Deep Blue sich angeschaut hat. Trotzdem reicht dies aus, um auf GM-Niveau zu spielen.

Der Engländer Marc Uniacke, Autor der bekannten HIARCS-Engine, lieferte mit HIARCS 12.1 die Engine für Pocket PC 3. HIARCS-Engines sind bekannt dafür, weniger zu rechnen und mehr zu wissen und damit weit vorne mitzuspielen. Der ChessBase-Programmierer Stanislav Tsukrov, Wahldeutscher aus der Ukraine, entwickelte die Oberfläche. Neben der intuitiven Bedieneung werden Anwender vor allem den Zugriff auf die neue schnelle ChessBase Online-Datenbank zu schätzen wissen.

Mit 200 Euro für das Gerät und 50 Euro für das Programm ist man als Schachfan nun auch unterwegs bestens ausgerüstet. Das Urteil der Meister in Buenos Aires war einhellig: Pocket Fritz3 ist der Großmeister in der Westentasche.
 


Die Pokale stehen nur optisch im Vordergrund bei der Eröffnung


Vor dem Start


Der einzige Spieler, der auf dem Tisch steht und nicht auf dem Stuhl sitzt: Pocket Fritz 3


Übertragung der Partien auf den Fritz-Server


 


Leonardo Fusco


Germán de la Morte holte ein Remis gegen Pocket Fritz 3

 

Buenos Aires: Cup Mercosur: Die Partien...

Die Stimmen der Spieler:

 "Ich bin sehr überrascht", sagte der Internationalen Meister und Kinderarzt Dr. Diego Valerga nach seiner Partie gegen Pocket Fritz, und fügte hinzu: "Ich habe versucht taktische Varianten zu vermeiden und das Programm strategisch zu bekämpfen und vielleicht einen Königsangriff zu entwickeln, der jenseits des Rechenhorizonts liegt. Doch das Programm schien meine Pläne genau zu verstehen und verteidigte sich aufmerksam und menschlich.

Auch Großmeister Andrés Rodríguez war beeindruckt. "Ich habe einfach ganz entspannt meine Variante gespielt. Es ist ja keine Schande, gegen ein Schachprogramm zu verlieren. Mir hat gefallen, dass dieses Programm nicht so materialistisch ist wie die meisten Maschinen. Ich habe eine Figur für drei Bauern geopfert und war überrascht, wie präzise Pocket Fritz die Position mit ungleichem Material behandelt hat. Die neue Version hat sich erheblich verbessert."

Axel Bachmann war der beste Mensch im Turnier. "Mir ist in meiner Partie gegen die Maschine aufgefallen, dass das Programm und ich bei der Bewertung der jeweiligen Stelllungen eigentlich immer zum gleichen Ergebnis kamen."


Axel Bachmann aus Paraguay

"Während der Partie habe ich ordentlich geschwitzt und hatte Mühe, Ausgleich zu erreichen, 11...bxc6 war eine starke Neuerung ", meinte der jüngste Spieler im Feld. "Der Stil von Pocket Fritz 3 unterscheidet sich sehr von anderen Programmen, die ich kenne. Ich war von seinen Entscheidungen sehr beeindruckt."


Hier wählte Pocket Fritz 3 11...bxc6! statt des bekannten 11...Lxc6.

Ernesto Real zu seiner Partie:


Ernesto Real de Azua

"Das war eine Slawische Verteidigung, eine Variante, die z.B. aus dem Match zwischen Kramnik und Topalov bekannt ist, mit einer geschlossene Position, die sehr sicher ist. Mir war es zu riskant, das Spiel zu öffnen und auf Gewinn zu spielen. Pocket Fritz 3 macht einen guten Eindruck und ist sicher eine lohnende Investition für jeden Schachfreund.

Der Chilene Maurcio Flores Ríos: "Die neue Version spielt besser als ihr Vorgänger im letzten Jahr."


Mauricio Flores Ríos

Der Brasilianer Roberto Molina meinte: "Besonders die strategischen Fähigkeiten und die Endspieltechnik scheint sich verbessert zu haben. Ich analysiere normalerweise mit Fritz und Rybka. Aber die kleine Maschine hier wirkt im strategischen Bereich stärker und macht keine strategischen Fehler."


Sandro Mareco


Stanislav Tsukrov

Stanislav Tsukrov (26) genoss die Zeit in Argentinien. Außerhalb der Runden, in denen er Pocket Fritz 3 bediente, sah er sich Land und Leute an: "Die Frauen sind wunderbar," fasste er seine wichtigsten Eindrücke zusammen.

 
Tsukrov in Aktion

"Ich wurde in der Ukraine geboren, studierte dort Informatik, beendete aber mein Studium in Deutschland,. Nun wohne ich in Trier, der ältesten deutschen Stadt, wo auch Karl Marx gelebt hat. Seit vier Jahren arbeite ich für ChessBase, war an der Entwicklung von Pocket Fritz 3 beteiligt und bin nun hier, um das neue Programm bei seinem ersten großen Auftritt zu bedienen."

Welche Rolle spielt Schach für Sie?

Schach hat in meiner Familie immer ein große Bedeutung gehabt und ist in der Ukraine wohl ebenso wichtig wie der Tango in Argentinien.

Wie beurteilen Sie das Turnier?

Die Maschine hat absolut überzeugt. Sie hat gegen zwei der Großmeister gewonnen und mit einer Eloleistung von 2690 eine Spielstärke gezeigt, mit der sie als Mensch zu den zwanzig besten Spielern der Welt gehören würde. Das Turnier ist fantastisch organisiert. Ich möchte mich herzlich bei allen Beteiligten bedanken, besonders bei Mario Petrucci.
 


Roberto Alvarez und Stanislav Tsukrov


Axel Bachman und Schiedsrichter Francisco Ochelli


Roberto Alvarez mit dem Pokal für  Pocket Fritz

Das XII Magistral de la República Argentina ist Geschichte und ein neues Kapitel beim Vergleich Mensch gegen Maschine geschrieben. Erst haben die Maschinen von den Menschen gelernt. Bald werden die Lehrer die Schüler sein! Für seine langjährige Unterstützung des Turniers wurde ChessBase mit einer eigenen Firmen-Kalebasse geehrt.


Die neue Firmen-Kalebasse

 

 

 

 


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