Ponomariov zum abgesagten Wettkampf gegen Kasparov

23.10.2003 – Ponomariov zum abgesagten Wettkampf gegen Kasparov Am Ruhetag der Europameisterschaft hat sich Ruslan Ponomariov in einer Pressekonferenz zur Absage seine Wettkampfes gegen Kasparov geäußert. Seiner Auffassung nach ist Fide-Präsident Kirsan Illyumshinov für die Absage verantwortlich. Er selbst habe alles getan, um den Wettkampf auch nach der Verschiebung - ursprünglich war als Termin Juni und als Ort Buenos Aires vorgesehen - möglich zu machen. Informationen zur Pressekonferenz (englisch)...Interviews, Stellungsnahmen ...

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Auf den ersten Blick scheint es nicht nachvollziehbar, dass ein junger Spieler wie Ruslan Ponomariov einen Wettkampf mit Kasparov ausschlägt, bei dem er selbst dann 450.000 Dollar Preisgeld erhält, wenn er verliert. Offenbar ist der Wettkampf aber an der Missachtung bzw. dem fehlenden Vertrauen der beiden Verhandlungspartner, Ponomariov und Illyumshinov für die Fide, gescheitert. Nachdem die Fide Kasparov für ihre Zwecke gewonnen hatte, war ihr der eigene Weltmeister Ponomariov nicht mehr so wichtig. Immer wenn Ponomariov einen Brief auf Russisch an den Präsidenten geschrieben hat, bekam er eine Antwort von dessen Sekretärin in Englisch. Sprachprobleme sind vielleicht einer der Gründe, warum der Fide-Weltmeister im Umgang mit der Fide so misstrauisch war. 

1.

Dmitrij Komarov : "Ponomariov hat alles dafür getan, dass das Match stattfinden wird!"


Viele Schachamateure aber auch Profis können bis jetzt nicht verstehen, warum das Match Ponomariov – Kasparov abgesagt wurde. Alle Seiten, die Teilnehmer des Matches und auch die Organisatoren, äußerten große Lust, sich in Jalta vom 18.09.2003 bis 6.10.2003 zu treffen. Es wurde bereits ein Organisationskomitee gegründet, Verträge aufgesetzt und im Hotel „Rosija“ in Jalta liefen die Vorbereitungen schon. Aber das ganze Werk hat nichts gebracht.

Nach Meinung vieler waren Ponomariov und sein Team die Hauptschuldigen für das Scheitern des Matches. Sogar ukrainische Medien haben ihre patriotische Haltung aufgeben und sich empört: Ruslan hat der Ukraine ein prestigeträchtiges Weltmeisterschaftsmatch genommen, hat eine mögliche Disqualifikation riskiert und mindestens 450.000 Dollar Preisgeld verloren.

Unser Korrespondent Anatolij Javorskij konfrontierte den Sekundanten von Ponomariov, den internationalen Großmeister Dmitrij Komarov, „ganz direkt“ mit diesen und anderen Vorwürfen.

Javorskij:
Dmitrij, viele denken, dass der Initiator des Konfliktes mit der Fide nicht Ponomariov selbst war sondern sein Team, das davon geträumt hat, mit diesem Event Geld zu verdienen und sich einen guten Namen zu machen.

Komarov:
Kein Manager oder Trainer wird aus persönlichen Ambitionen so eine Verantwortung auf sich nehmen, die seinen Schützling eine große Summe Geld kostet.
Mit ganzer Verantwortung erkläre ich, dass Ponomariov bei allen durchgeführten Ereignissen stets auf dem Laufenden war, dass er alle Dokumente gesehen hat und, was sehr wichtig ist, alle wichtigen Entscheidungen selber getroffen hat.

Allerdings will ich nicht bestreiten. dass unser Team nicht die letzte Rolle in der Verhandlung mit der Fide gespielt hat.

Zudem ist klar, dass Ruslan sich Ratschläge von einem Juristen geholt, die Hilfe eines Dolmetschers in Anspruch genommen und viele Fragen mit uns besprochen hat. Und das sollte nicht überraschen. Oder führen die Boxstars Lennox Lewis und Mike Tyson die Verhandlungen mit den Gegnern und Organisatoren selbst?

Javorskij:
Folglich stimmt die Meinung, dass die Briefe von Ruslan Ponomariov an Kirsan Ilumzinov nicht von Ruslan selber sondern von seinen Helfern geschrieben wurden?

Komarov:
Sie wurden von dem Rechtberater geschrieben. Darin sehe ich nichts Schlimmes. Ein Mensch kann sich schließlich nicht gleichzeitig um alles kümmern. Glauben Sie mir, Ponomariov hat viel zu tun. Als Weltmeister hat er genug Probleme mit seinen Schachfragen.

Javorskij:
Hauptzielscheibe für die Kritiker war in Ponimariov’s Team sein Manager Silvio Danailov aus Bulgarien. Die Leute sagen, dass er Veselin Topalov begraben hat, als er es nicht schaffte, ihm die Teilnahme am Match des Jahrhunderts zu sichern, und jetzt das gleiche mit Ponomariov.

Komarov:
Beginnen wir damit, dass im Match des Jahrhunderts, das in Moskau stattgefunden hat, die russische Mannschaft gegen den Rest der Welt unbedingt einen Sieg brauchte. Deshalb war es für einige Organisatoren des Matches sehr wichtig, die Teilnahme von zwei der besten Spieler zu „neutralisieren“, Topalov aus Bulgarien und Adams aus England, die von Danailov gemanagt werden.

Und zu der Meinung, dass Danailov kein Experte auf seinem Gebiet sei, möchte ich anmerken, dass Ponomariov unter seiner Obhut Weltmeister geworden ist. Da muss ich ihn nicht verteidigen.

Javorskij:
Sie sagen, dass sie ein starkes Team haben, aber zur gleichen Zeit überrascht viele Spezialisten der Fakt, dass das WM Match mit einer Millionen Preisfond nur deshalb nicht gespielt wurde, weil im Vertrag ein weiterer freier Tag und der Punkt mit dem Ersatzspieler erschien …

Komarov:
Das Problem sind nicht die konkreten Punkte, sondern der Grund, wie und wofür sie auftauchen. Oder anders gesagt. Im Grunde genommen hatte Ponomariov nichts gegen einen freien Tag vor dem Tiebreak gehabt, aber prinzipiell ist es was anderes. Wie und warum taucht dieser freie Tag plötzlich im Vertrag auf. In der ersten Variante des Vertrages war dieser Punkt nicht drin. Aber danach hat das jemand heimlich rein geschrieben. Es sieht so aus, dass man heimlich so alles Mögliche in einen Vertrag rein schreiben kann.

Das gleiche bei dem Punkt mit einem Ersatzspieler. Wichtig ist nicht der Punkt selber, sondern wie der Punkt deklariert wurde. Z.B. wurde geschrieben, dass ein Spieler disqualifiziert werden könnte, wenn sein Benehmen im Widerspruch zu diesem Vertrag steht. Aber es wurde mit keinem Wort erklärt, was das für Widersprüche sein können, und was sehr wichtig ist, wer diese Widersprüche bestimmen wird.

Javorskij:
Wir sind doch erwachsene Menschen! Haben sie wirklich befürchtet, dass Ponomariov einfach so disqualifiziert werden könnte, wo doch das Geld der ukrainischen Organisatoren für ihn zur Verfügung gestellt wurde …

Komarov:
Ja, wir haben die Befürchtung gehabt. Und sie waren nicht scherzhaft. Fast ein Jahr lang hat die Fide gelogen und die Einzelheiten des Vertrags nebulös zusammengestellt. Deshalb haben wir jeden Moment auf einen Eklat gewartet! Da wir den mündlichen Aussagen der Fide nicht geglaubt haben, wollten wir alles schriftlich fixieren.

Javorskij:
Zudem existiert das Gerücht, dass die Ukraine angeblich das Match nicht mehr gebraucht hat, dass es unser Land finanziell nicht mehr durchführen konnte, und so irgendjemand Ponomariov’s Team unter Druck gesetzt hat um das Match zu vereiteln..

Komarov:
Von Anfang an wurde das Geld für das Match Ponomariov gegen Kasparov und nicht für einen anderen abstrakten Zweikampf um die Weltkrone gegeben und schon zu Beginn entsprechend kalkuliert.

Javorskij: Dann werde ich die Frage direkter stellen, wurde Euer Team unter Druck gesetzt das Match abzusagen?

Komarov:
Es gab keinen Druck auf unser Team, auch wenn ich gehört habe, dass das Geld für den Preisfond nicht so einfach zu finden war. Das war auch nicht überraschend, weil der Präsident Kirsan Ilumzinov sein Wort nicht gehalten hatte und das Match gar nicht finanziell unterstützte, obwohl es versprochen wurde.

Javorskij: Jetzt sagen alle, dass Ponomariov zwar den moralischen Sieg davongetragen hat, dass aber nach dem Fidekongress Ende Oktober der Weltmeister noch sehr bedauern wird, dass er so störrisch gewesen ist.

Komarov: Ruslan bleibt der rechtmäßige und, was wichtiger ist, auch moralische Weltmeister. Und wenn die Fide weiter so die Schachspieler unter Druck setzen wird, bekommt sie eine ernsthafte Opposition, hinter deren Gesicht nicht nur Ponomariov sondern auch Karpov, Chalifman, Topalov und Shirov stehen.

Dadurch wird sich niemanden persönlich gegen Kasparov stellen, selbst wenn die Fide für ihn exklusive Rechte anbietet. Es geht darum, dass Garry Kimovich, als einer der besten Schachspieler der Gegenwart, vor der Fide dieselben Rechte hätte wie alle anderen Großmeister.

Javorskij:
Dmitrij, ist es für Euer Team nicht schade, dass Ihr plötzlich ohne erkennbaren Grund eine sehr große Geldsumme und die Chance, den Titel des absoluten Weltmeisters zu gewinnen, verloren habt?

Komarov:
Natürlich ist das sehr schade, solches Geld zu verlieren und Millionen von Schachfans so eine Schachfeier zu entziehen. Aber Ruslan war sehr bestrebt, dass das Match stattfindet. Er war zu allen möglichen Kompromissen bereit. Er war damit einverstanden, dass das Match mit 7 Stunden Zeitbedingung gespielt wird, hat auf das Privileg, das alle Weltmeister hatten, verzichtet, im Fall eines Unentschieden’s den Titel zu behalten. Anschließend akzeptierte er, dass das Match gegen Kasparov ein WM Match und nicht das Halbfinale des Vereinigungszyklus wurde. Außerdem hat er sich entschieden, die Frage der Kompensation für das abgesagte Match in Buenos –Aires nicht anzusprechen. Weiter nachzugeben würde bedeuten, sich auf weitere Erniedrigungen einzulassen, doch das Match müsste ,,auf dem eigenem Feld,, gespielt werden.

Javorskij:
Endgültig wurde die Variante, dass das Match um die Weltkrone mit Verspätung aber doch noch stattfinden wird, nicht abgelehnt. Würde Ponomariov doch noch daran teilnehmen?

Komatov:
Er ist jetzt wie auch früher bereit, seinen Weltmeistertitel zu verteidigen. Und wenn der gesunde Sinn doch gewinnen wird ist Ruslan bereit zum Besprächen des Vertrages des WM Matches zurück zu kommen.

Ergänzend noch zwei interessante Umfrageergebnisse.
Website ChessUkraine: „Wem hat die Absage des Matches am meisten geschadet?“

Ponomariov 34%
Schachamateuren 26%
Schach allgemein 19%
Kasparov 11%
Fide 10%

Site World Chess Raiting: „Wer ist Schuld an der Absage des Matches?“

Ponomariov 47%
Ponomariov’s Team 32%
Fide 16%
Kasparov 3%
Jemand anderes 2%

Anatolij Javorskij in der Zeitung „Sport“, 5.09.2003
 

2.

Stellungsnahmen zur Wettkampfabsage
von Anatolij Javorskij vom 6.09.2003.in der Zeitung „ Sport“

Schon 10 Tagen sind vergangen seit der Fide-Präsident Kirsan Ilumshinov erklärt hat, dass das WM Match zwischen Ponomariov und Kasparov abgesagt wurde. Jedoch hat sich der Wortwechsel in Bezug auf das Thema, wer an der Vereitelung des Matches schuld ist, bis jetzt nicht beruhigt.

In der letzten Ausgabe haben wir „Ponomariov’s Position“ vorgestellt. Wir haben das Wort seinem Trainer Dmitrij Komarov gegeben und den offenen Brief von Ruslan an Kirsan Ilumginov veröffentlicht. Jetzt möchten wir Ihre Aufmerksamkeit auf die Äußerungen bekannter Schachspieler lenken, die ganz unterschiedliche Sichtweisen haben. Beginnen wir mit Ponomariov’s Gegnern.

Garry Kasparov (interview auf WCR site):
Die Situation schockiert mich. Ich habe erwartet, dass sie versuchen werden mit meinen Nerven zu spielen, dass Provokationen möglich sind … Aber dass der Gegner einfach wegläuft, so was konnte ich mir nicht vorstellen. Mir wurde ein großer moralischer, und was nicht so unwichtig ist, finanzieller Schaden, den man mit der Summe des Preisfond’s verglichen werden kann, zugefügt. Ein halbes Jahr musste ich auf viele Angebote verzichten und habe sehr viel Zeit und Geld für die Vorbereitung auf das Match gegen Ponomariov geopfert. Soll ich etwas dagegen unternehmen? Wir haben diese Frage mit den Mitgliedern meiner Mannschaft und meinem Manager Owen Williams besprochen und haben die Entscheidung getroffen, auf eine Resolution des Fidekongresses Ende Oktober zu warten. Vorläufig werde ich im November in New York das Match gegen den Computer spielen. Mein Gegner wird die neuste Entwicklung des bekannten Programms „Fritz“ sein. Der Kampf wird ausgetragen unter der Schirmherrschaft der X3D Company, die bereits mein letztes Match gegen die Maschine organisiert hat.

Natalia Zhukova (WGM, Europameisterin 2000, Spitzenbrett der Ukrainischen Frauenmannchaft):
Bis zum letzten Moment habe ich geglaubt, dass es stattfinden wird. Es sah so aus, dass der gesunde Menschenverstand gewinnen wird und beide Seiten einen Kompromiss finden würden. Danach zu urteilen, wie seriös Ruslan zur Vorbereitung eingestellt war und wie die Ukraine (unter Schirmherrschaft des Präsidenten Leonid Kuchma) ihm mit allen möglichen Mitteln (auf jede art und weise) geholfen hat, hatte er kein Recht den Amateuren und professionellen Schachspielern so eine Schachfeier wegzunehmen. Allerdings haben wir kein Recht ihn zu verurteilen. Anscheinend hatte Ruslan gewichtige Gründe, diesen Konflikt mit der Fide aufzubauen. Aber das Leben geht weiter. Ich denke Ruslan könnte die gesparte Energie in die anstehende Mannschafts-Europameisterschaft für die Ukraine investieren und sich damit vor den Groupies rehabilitieren.

Vladimir Baklan (GM, Weltmeister mit der Ukrainischen Mannschaft):
Die Schuld für die Absage des Matches müssen sich gleichmäßig die Fide und Ponomariov’s Team teilen. Ich möchte damit beginnen, dass die Einstellung des Präsidiums der Fide zum Weltmeister Erstaunen hervorruft. Der erfolglose Auftritt von Ruslan in Wijk an Zee, das abgesagte Match in Argentinien, die Verdrehung der Verträge – alles ist der „Verdienst“ der Fide. Besonders überrascht das Problem mit den Verträgen, kann die Fide keinen guten Rechtsberater finden? Oder ist der Fidestab so aufgeblasen, dass sie sich keinen Rechtsberater mehr leisten können? Nun zu Ponomariov’s Team: am Anfang der Verhandlung haben sie richtige Forderungen gestellt, z.B. die Zeitbedingung. Aber die letzten zwei Forderungen, wegen denen das Match abgesagt wurde, sind gar nicht wichtig genug, um so ein Konflikt daraus zu machen. Beide Seiten könnten Zugeständnisse machen und so einen Kompromiss finden. Aber ein Kompromiss wurde nicht gefunden. Dabei hat der letzte Fideerlass sehr überrascht! Da bietet sich die Analogie mit der Formel 1 an: Kasparov sofort ins Finale zu lassen ist das gleiche, als wenn man, um den besten Rennfahrer zu ermitteln, den frischen Michael Schumacher und die Person, die gerade die Weltmeisterschaft gewonnen hat, gegeneinander antreten lassen würde.

Alexandr Moiseenko (GM und Nummer 3 der ukrainischen Ratingliste):
Die Absage des Matches war für mich und wahrscheinlich auch für andere Schachspieler ein richtiger Schock. Ich kenne Ruslan schon sehr lange. Wir haben zusammen in denselben Turnieren gespielt, manchmal zusammen trainiert, waren einfach sehr befreundet. Ponomariov ist nicht nur ein genialer Schachspieler mit einem einzigartigen Schachstil. Im Leben ist er ein einfacher und angenehmer Mensch ohne die kleinsten Anzeichen von „Starkrankheit“. Meiner Meinung nach wird Ruslan jetzt wegen seiner fehlenden Erfahrung sehr von seinem Umfeld beeinflusst, das seinen Namen auszunutzen versucht, aus gewinnsüchtigem Interesse, das mit Ruslans Interessen, den Interessen der Ukraine und generell der Schachgesellschaft nichts zu tun hat. Ich denke, dass Ruslan Opfer von schachlichen Geschäftsmännern geworden ist und dass es sehr schade ist, dass das Match nicht stattgefunden hat.

Andrej Volokitin (einen der besten Junioren in der Weltrangliste):
Ich kenne nicht alle Details, die in dem Vertrag beschrieben wurden, aber meiner Meinung nach hat Ruslan es richtig gemacht. Er hat einfach seine Rechte als Weltmeister verteidigt!

Maksim Notkin (GM, RUS, bekannter Schachkommentator):
In dem Konflikt „Ponomariov gegen Fide“ wurde von beiden Seiten viel Komisches gesagt und gemacht. Danach könnte man denken, dass niemanden einen Kompromiss angestrebt hat, sondern im Gegenteil beide Seiten mit ziemlich linken Zügen versucht haben, die Gegenseite zu zwingen, das Spiel zu verlassen. Nach der Absage von Ponomariov hat die Fide erklärt, dass sie keinen neuen Gegner für Kasparov suchen sondern stattdessen eine Weltmeisterschaft der alten Form organisieren wird. Das bedeutet, dass es doch möglich war, Ponomariov’s Einspruch zu akzeptieren und den Punkt mit dem Ersatzspieler im Vertrag zu lösen. Nach der Absage haben sie den Weltmeistertitel auch Ponomariov überlassen …

Boris Alterman (einer der Topspieler im israelischen Schach, ehem. Sekundant von Kasparov):
Ich habe keine konkrete Erklärung für die Gründe der Vereitelung des Matches. Es kann sein, dass der Manager des Weltmeister’s, Silvio Danajlov, sich zu stark ereifert und Ponomariov ,,zu weit geführt“ hat, so dass man danach „den Zug schon nicht mehr stoppen“ konnte. Ich könnte noch den Anspruch von Ruslan verstehen, dass das Match den Status eines Semifinals des Vereinigungszyklus, wie in der Prager Vereinbarung beschrieben, haben soll. Aber das Match wegen zwei unbestimmter Konditionen zu vereiteln ist einfach nicht zu rechtfertigen.

Erstens, Ersatzspieler: Es war sehr unwahrscheinlich, dass Ilyumshinov Ponomariov ersetzen könnte – das Match sollte in der Ukraine gespielt werden. Ich denke, dass Ponomariov und sein Team überhaupt nicht damit gerechnet haben, dass Ilyumshinov das Match absagen wird. Obwohl, was für eine Lösung hatte Kirsan? Ivanchuk einladen? Das ist doch nicht seriös! Auch Ponomariov könnte diese Entscheidung auf Staatsebene blockieren, sich an Leonid Kuchma wenden. Zweitens, Ruslans Anspruch, den Ruhetag vor dem Tiebreak zu löschen. Ich denke nicht, dass Kasparov viel müder als Ponomariov wäre, dass er den Ruhetag so sehr bräuchte. Garry hat ein halbes Jahr nicht gespielt, hat alle Wettkämpfe abgesagt, um sich auf das Match vorzubereiten. Erinnern wir uns an die Turniere in Wijk an Zee (13 Runden) und Linares (10-13 Runden), die fast eins nach dem anderen stattgefunden haben. Kasparov hat nicht nur ein Mal diese Turniere gewonnen, ohne besonders müde zu werden. Und wie gut er physisch vorbereitet war! Ich kenne Kasparov persönlich schon viele Jahre. Solche Fehler, wie vor dem Match gegen Kramnik, wird er nicht mehr wiederholen. Ich zweifle nicht daran, dass Ponomariov sich durch den Verzicht auf das Match selbst Schaden zugefügt hat … er hat de-fakto seinen Weltmeisterstatus verloren. Kasparov dagegen ist in einer komischen Situation (das Match ist abgesagt, ein halbes Jahr Stillstand, es ist nicht so klar, ob die Fide die Verzugszinsen auszahlen wird …), als Kompensation hat er den Status Supermeister bekommen! Um jetzt auf einen neuen Gewinner des Auswahlspiels zu warten.

Übersetzungen aus dem Russischen ins Deutsche: Natalia Kiseleva


3.

Offener Brief von Ruslan Ponomariov


Yalta, August, 28
To President of FIDE Kirsan Ilyumzhinov

Dear Mr. President!

Thank you for Ms. Polina Tsedenova’s fax of August 26 2003 with the FIDE’s  response to the statement of the World Chess Championship Match Organizers Committee in attachment.

In response to your new terms I want to declare the following:

1. I do want to play the match with G. Kasparov, I was ready to play in Buenos Aires in June, and I am ready to play in Yalta in September, and if FIDE frustrates the match this time I will be ready to play it in any other country.

2. I was the first who signed the Agreement with FIDE on August 12, 2003. The statement that I did not sign it is not true.

I do want but I find it impossible to sign for the second time the English version of the Agreement, in the first place, because  even those my proposals that you agreed upon in many letters (which are not the integral part of the Agreement) are missing in this text. And I am full up with the FIDE’s promises given orally and in written.

I have all the reasons not to trust the promises that are not specified in the Agreement.

3. For the time being only two of my numerous stipulations remain unsettled. Most of them I have withdrawn in order to reach compromise and to contribute to unification of the chess world:  FIDE’s “right” to suspend me from the match and to replace me with another player, and – the inclusion of the 20th day to the Regulations of the match.

I do not want to be misunderstood as far as these .two provisions are concerned.

a)   Art.2.1 of the Player’s Agreement draft  includes incomprehensible wording about “setting aside”(?) player’s right for participation in the match if the player does not meet the deadlines specified in this Agreement or “behaves in a way and manner that is in violation of the provisions of this Agreement”. In this case FIDE may appoint “a reserve”(?) instead or  “take such steps in accordance with Regulations to the full extent to forfeiting the player”.

It is not clear what “setting aside” player’s right for participation in the match, “a reserve” and “forfeiting the player to the full extent” mean. The provision regarding the player’s misconduct  is not specified either and, especially, which criteria are to be applied and who is entitled to give such a judgement.

Anyway, I do not want to dwell upon the Regulations and general terms as in Prague it had been already agreed that the match would be held between R.Ponomariov and G.Kasparov. President of Ukraine stated in his ruling that the match should be held between R.Ponomariov and G.Kasparov and this excludes the replacement any of the players.

Practically, almost in each letter FIDE threatens me with the replacement and disqualification. I can’t help considering it blackmail and discrimination versus the World Champion, and an infringement on my honor and dignity.

Because I can not remain under the FIDE’s permanent pressing I insist on withdrawing the illegal threat which is both illogical and unrealizable from the Agreement.

b)   The withdrawal of the 20th day (day-off between tie-breaks) is not very important for me but a question of principle is that the 20th day was added into the Regulations by the way of a simple forgery.

The President Council in Bucharest approved the Regulations in which there was no day before tie-breaks.

That is why the very possibility of forgery and ammending of the Regulations frustrates me and makes me definitely defend every article of the FIDE Regulations  against the FIDE President’s arbitrary rule.

4. FIDE has “adopted” two my proposals, which are outside the frames of the Agreement. But I still do not know which of my proposed  Russian speaking arbiters FIDE has chosen, and if he would be a Chief or a deputy arbiter.

I demand you inform me about it officially.

5. I have a poor command of English. In accordance with art.14.2 of the FIDE Regulations I am corresponding with FIDE in Russian that is also a mother tongue of G.Kasparov and K.Ilyumzhinov and that is understood in Yalta and Kiev.

I am highly indignant about FIDE’s deliberate  answering all my letters in English, and having submitted me the English version of the Agreement.

I will not sign English version and I insist on sending me the Agreement with the mentioned above ammendments in Russian.

6. I consider the Agreement between me, G.Kasparov and FIDE as an agreement between equal sides, each of the sides has the right to express and  propose for mutual discussion their opinion, demands and terms.

 And you in a categorical manner are pointing out to the World Champion that he has to sign the Agreement without any proviso, that he “has no right to have his own opinion” otherwise he will be “substituted”, “disqualified” etc.

Such a manner humiliates my human dignity, that is why I strongly against the FIDE’s dictate  that does not admit equality of the sides in the Agreement.

It is impossible to come to an agreement with such FIDE’s position.

Besides, the Agreement’s draft stipulates that there are two sides to participate in it: FIDE on one side and both players named “Players” on the other side.

It provides for the “Players” obligatory intercourse and coordination of their positions.

Starting from the April of this year I have been putting forward my terms as for the Agreement and  I have been urgent FIDE to inform G.Kasparov about them as my terms meet interests of both players. And I’d also like to know how Mr. Kasparov views the Agreement.

But  FIDE has never satisfied my appeals and hasn’t even answered them.

And now I come to know from your statement to the Organizers Committee that Kasparov has also put forward his proposals but all of them were rejected by FIDE.

It means that being a representative of the side called “Players” I am not supposed to know what the second representative of this side is suggesting.

Is it correct you think?

7. I cannot but mention the fact that FIDE’s representatives mislead public opinion providing mass-media with the false information that I am putting forward  FIDE some unreal and crushing terms, selfish financial terms etc.

This misinformation defames my good name and hardly helps coming to the agreement with FIDE.

Your assistant Berik Balgabayev is especially zealous  in divulging untrue information about me while giving interviews on behalf of FIDE.

It was him who informed mass-media that allegedly he had had a meeting with me in Yalta and I had accepted all FIDE’s terms on the Agreement. I was surprised to read in newspapers  about the meeting that had never taken place.

And now concealing the fact that I have signed the Agreement with some amendments he tells that I never signed it, and that I demand that FIDE  reserve me the World Champion title until the unification cycle completion  and to pay me  $100.000 “in advance” off.

In fact, I proposed that the new World Champion shouldn’t be dealared after the match with G.Kasparov as the unification match was ahead. This my remark is absolutely fair and rightful as it is based on the Prague agreement. I declared about it during the discussion of the Agreement of the match that had to take place in Buenos-Aires in June. Later I did not put it forward trying to meet FIDE’s wishes.

Balgabayev has purposely “confused” my demands of money advance (though also legal) with money compensation for the postponing the match in Argentina. Whereas before it FIDE promised to pay such a compensation in the amount of $ 200.000 for two players (G.Kasparov and me). Balgabayev concealed this fact from mass-media and “forgot” to tell that I had not put forward such a demand on August 12 for the sake of reaching a compromise.

By the way, G. Kasparov considered my demand on compensation rightful (see “64 – Шахматное обозрение № 7).

And even more lies were told  by Balgabayev  to “gazeta.ru” on 22.08.2003.

 But  the hope that your assistant was not entitled by you to inform mass-media on the behalf of FIDE lets me not react on these lies. Otherwise his lies could make impossible reaching a compromise on the Agreement.

8. I strongly deny any reproaches and suspicions about the Organizers Committee being bias for the benefit of one side.

I addressed for  help to the Head of the Organizers Committee Prime-Minister of Ukraine Mr. V.F.Yanukovich only because FIDE breaks my human and civil rights, oppresses my will and tries to  turn me into a dumb animal. It constantly tries to crush me for my insubordination. Such FIDE’s attitude towards me oppresses me, has a harmful effect on my psyche and prevents me from preparations for the match.

I only asked the Organizers Committee to help me to eliminate the inequality of the sides and the Organizers Committee helped me with it. So I am very grateful to the Organizers Committee.

9. I understand that unsettled disputes may lead to a deadlock and frustrate the match in Yalta, that is very undesirable for me.

I have already proposed that FIDE should send its plenipotentiary representative for the regulation of the dissent on the Agreement. There was no response to this my proposal.

In my view the only way out of this deadlock is to arrange the meeting between you Mr. President with your lawyers, me with my  team, G.Kasparov with his team and the Organizers Committee’s representatives as soon as possible in Kiev in order to personally settle all the discrepancies and sign the final draft of the Agreement.

In case you reject my proposal and fulfill your threat on replacing me in the match I’ll have to appeal to the President of Ukraine L.D.Kuchma to cancel his resolution of 9.07.2003.

 

Sincerely Yours
Ruslan Ponomariov

 

 

 

 

 


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