Prishtina gewinnt Meisterschaft des Kosovo

19.05.2009 – Die Geschichte des autonomen Schachs in Kosovo ist jung, sehr jung. In diesem Jahr fand erst zum zweiten Mal eine Mannschaftsmeisterschaft statt, die allerdings mangels internationaler Anerkennung des Kosovo nicht nach Elo ausgewertet wird. Im Unterschied zum letzten Jahr hat man diesmal die Anzahl der Ausländer pro Mannschaft auf einen begrenzt. Mit "RWE-Power Kosovo" gab es sogar eine Mannschaft mit Sponsor im Namen. Kosovo wurde allerdings nur Dritter. Die Mannschaftsmeisterschaft gewann stattdessen Gastgeber Prishtina. Dejan Bojkov berichtet erstaunliche Anekdoten aus einem Schachentwicklungsland.Turnierseite...Bericht und Bilder...

Prishtina gewinnt Kosovo-Liga
Von Dejan Bojkov


Das Skenderbeg-Denkmal


Grand Hotel Pristina

Ich spielte dieses Jahr zum zweiten Mal in der Kosovo-Superliga. Zurzeit ist die Finanzkrise in aller Munde und vielleicht lag es an der Finanzkrise, vielleicht gab es aber auch andere Gründe (mehr einheimische Spieler in der Liga) – in jedem Fall hatte der Schachverband des Kosovo beschlossen, die Zahl der Ausländer in den jeweiligen Mannschaften auf einen zu beschränken. Sechs der insgesamt acht Mannschaften nutzten die Möglichkeit fremder Unterstützung und tatsächlich stiegen die beiden Mannschaften, die darauf verzichtet hatten, am Ende ab. Zu den ausländischen GM zählten Vladimir Georgiev, Trajko Nedev, Jozsef Pinter, Petar Genov und IM Ilir Seitaj. Ausgetragen wurde das Turnier in der Glasshouse-Bar in der Nähe des Victoria-Hotels.


Hotel Victory

Die Bedenkzeit war klassisch: zwei Stunden für 40 Züge und danach eine Stunde bis zum Ende der Partie. Wie im letzten Jahr zählten Mannschaftspunkte. Bei Punktgleichheit entschieden Brettpunkte und waren auch die gleich, so sollte ein Wettkampf über drei Blitzpartien die Entscheidung bringen. Die beiden erstplatzierten Mannschaften waren für die Vereinsmannschaftseuropameisterschaft qualifiziert. Für die einheimischen Spieler ist das ein sehr wichtiges Turnier, in dem sie Gelegenheit haben, auf die besten Spieler unserer Zeit zu treffen und an ihrem Spiel zu feilen.
Favoriten waren Istogu (der amtierende Meister), Llamkosi (im Vorjahr Zweiter), Pristina (mit sehr starken einheimischen Spielern in ihren Reihen) und meine Mannschaft RWE-Energie Kosovo. Das Turnier brachte jede Menge umkämpfter Partien, die voll überraschender Wendungen und spannend bis zum Schluss waren. In vielen Fällen änderte sich die Stellungsbewertung rasant schnell und bevor die Formulare nicht unterschrieben waren, konnte man sich seiner Sache nie sicher sein. Von den acht Mannschaften zog sich eine nach den ersten beiden Runden aus finanziellen Gründen zurück.

Meine Mannschaft begann sehr gut und führte nach drei Siegen und einem Unentschieden die Tabelle an.


RWE-Power Kosovo

Vor allem unser Kapitän Armend Budima, der in England lebende Astrid Zymberi und Gani Hamiti, Vater von fünf Kindern, spielten ganz ausgezeichnet.


Armend Budima


Astrid Zymberi


Gani Hamiti

John Jowett, RWE-Generaldirektor und unser Sponsor, besuchte unsere Wettkämpfe regelmäßig.


John Jowett und Dejan Bojkov

Aber in der fünften Runde warf uns eine unglückliche Niederlage gegen Theranda (kein schlechtes Team, aber bis dahin hatten sie alle ihre Wettkämpfe verloren) im Kampf um den Titel zurück. Die Entscheidung über diesen Titel fiel erst in der letzten Runde. Wir trafen auf Pristina, die bis dahin nur einmal verloren hatten (in der ersten Runde). Wir mussten mit mehr als 4,5 Punkten gewinnen, um den Titel zu erringen, bei einem Unentschieden würde sich Llamkos freuen und mit einem Sieg konnte sich Pristina aus eigener Kraft zum Turniersieger machen. Entsprechend entschlossen gingen sie zu Werke und führten schon bald 3-0. Bald darauf holten sie einen weiteren halben Punkt und gewannen am Ende mit 3,5-2,5 und sicherten sich den Titel. Herzlichen Glückwunsch!

Manche der Probleme im Kosovo bestehen weiterhin. Das Land ist offiziell nicht anerkannt und bei den Turnieren erfolgt keine Elo-Wertung. Die Spieler können ihr Land in internationalen Turnieren nicht repräsentieren.
Es gibt nur einen Turnierschiedsrichter – Burhan Musini, Vizepräsident des Schachverbands.


Burhan Musini

Er versucht jetzt, einen Schiedsrichterlehrgang zu organisieren, um einen Teil seiner Pflichten an andere übertragen zu können. “Ich kann an keinem Turnier teilnehmen, da ich immer der Schiedsrichter sein muss”, klagt er. Er hofft, dass es bald zum ersten internationalen Turnier im Kosovo kommt.

Doch viele Dinge sind besser geworden. Die Figuren zum Beispiel und auch das Publikum respektiert die Anstrengungen der Spieler mehr als im Vorjahr. Doch die mangelnde Spielpraxis und die oft nur rudimentäre Regelkenntnis führten immer wieder zu kuriosen Situationen:

So weigerte sich ein Spieler, nachdem er im 39. Zug die Zeit überschritten hatte, lange Zeit, den Verlust anzuerkennen und behauptete, er hätte einmal vergessen, die Uhr zu drücken und man solle ihm doch bitte schön die dabei verloren gegangene Zeit wieder gut schreiben.

In einer anderen Partie kam Schwarz nicht auf die notwendige Zahl an Zügen, aber auf seiner Uhr wurde trotzdem eine weitere Stunde hinzugefügt. Sein Gegner ging davon aus, dass die Uhr bei Zeitüberschreitung ausnahmslos Nullen anzeigen würde und wusste nicht, was er tun sollte. Er spielte weiter und die Partie endete remis. Er reklamierte erst Zeitüberschreitung, als die Partie vorbei und die Formulare unterzeichnet waren.


Dritan Hajra


Im letzten Beispiel fiel GM Petar Genov eine tragende Rolle zu. Sein Gegner in der letzten Runde berührte die Dame, überlegte dann eine Weile, wo er sie hinziehen sollte, und stellte sie, nachdem er gesehen hatte, dass alle drei möglichen Damezüge schlecht waren, einfach wieder aufs Brett. Dann fing er an, die anderen Figuren zu berühren – die Bauern, den König, usw., ohne dabei jedoch “jadoube” zu sagen. Am Ende zog er seinen König. Genov reklamierte, dass der Gegner die Dame ziehen müsse, worauf der in aller Unschuld antwortete, dass er nicht sicher wäre, welche Figur er zuerst berührt hätte. “Ich habe vielleicht die Dame berührt, aber ich kann mich nicht daran erinnern…” Da der Wettkampf bereits entschieden war, drängten die Spieler aus Genovs Mannschaft ihn, weiter zu spielen, während die Spieler des gegnerischen Teams ihren Spieler überreden wollten, doch aufzugeben. “Ich kenne die Regeln nicht, du bist der Großmeister, sag mir, welchen Zug ich machen soll”, meinte der Gegner irgendwann. “Ich kann dir keinen Zug vorsagen, aber den Regeln zufolge musst du die Dame ziehen.” Schließlich gab der einheimische Spieler auf.


Fatmir Haskaj


IM Bedri Sadiku von Pristina


Enver Berisha von Pristina


Mentor Bislimi


FM Afrim Fejzullahu (Minatori)
 

Turnierseite mit ausgewählten Partien – www.shahu-ks.com

 

Endstand

V.

KLUBI

PKT.

PKT.T.

1

PRISHTINA

10

 21.5

2

LLAMKOSI

9

22

3

RWE POWER KOSOVO

7

20

4

MINATORI

6

 16.5

5

THERANDA

5

 16.5

6

ISTOGU

4

 16.5

7

TREPÇA

1

 11.5


Skenderbeg-Denkmal


Das Pajaziti-Denkmal


Eine Aktion des Roten Kreuzes vor dem National Theater


Moschee in Pristina


Der Prostina Park mit...


.. einem Braunbär

 

GM Dejan Bojkov,
www.dejanbojkov.blogspot.com

 

 

 

 


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