Power Play 23 und 24

Heute auf schach.de

Aktuelle Entwicklungen in der Variante: 1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sd2 Le7 4.e5

– Dennis Breder zeigt Dienstags Eröffnungen auf playchess.com. Thema heute: 3...Le7 ist ein Zug, nachdem man mit Weiß nur schwer einen Vorteil erreichen kann. In diesem Jahr gab es auf Großmeisterniveau wieder mehr Partien mit 4.e5, wonach häufig sehr interessante Stellungen entstehen. Start: 21 Uhr! Alle Veranstaltungen im Kalender!

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Robert James Fischer, 1943-2008

18.01.2008 – Mit dem Tod von Robert James Fischer, der gestern in Reykjavik nach längerer Krankheit an Nierenversagen starb, verliert die Schachwelt ihre schillerndste Figur. Als Schachwunderkind hatte der Vaterlose seine Karriere begonnen. Der Kampf gegen seine Mutter und gegen das übermächtige Sowjetschach hat seinen Charakter geformt. Am Ende konnte der größte Schachspieler seiner Zeit 1972 in Island die Sowjets besiegen, indem er ihnen den Weltmeistertitel entriss. Danach versteckte er den Titel vor jedem Zugriff, indem er kein Turnierschach mehr spielte. Ein kurzes Comeback nach zwanzig Jahren brachte ihm die Verfolgung seines Heimatlandes. Ruhe fand Fischer erst wieder in Island. Doch sie war nicht von langer Dauer. Wie viele Spieler hat dieser zerrissene, exzentrische Charakter wohl zum Schach gebracht? Ein Nachruf...
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Robert Fischer, 11.Schachweltmeister
Von André Schulz

Bobby Fischer wurde am 9. März 1943 um 14.39 Uhr in Chicago im Michael Reese Hospital am Ufer des Michigan Sees geboren. Als Vater gab die in der Schweiz geborene Regina Fischer (geb. Wender, 1913-1997) in der Geburtsurkunde den Berliner Biophysiker "Gerhardt Fischer" an. Es gibt jedoch Spekulationen darüber, dass der wahre Vater Fischers der ungarische Mathematiker und Ingenieur  Paul Nemenyi (gest. 1952 ?) sein könnte, mit dem Regina Fischer später gut befreundet war. Dessen Sohn Peter Björn Nemenyi (1927-2002) war überzeugt, mit Bobby Fischer blutsverwandt zu sein. (Peter Nemenyi: Persönliche Korrespondenz und Unterlagen 1952-1979 in "Wisconsin Historical Society Archives" ). Regina Fischer arbeitete als Näherin, Lehrerin und Krankenschwester in Brooklyn und zog ihre beiden Kinder Robert James und dessen ältere Schwester Joan alleine auf.

Das Schachspiel lernte Robert James 1949 von seiner Schwester Joan. 1951 wurde Robert Fischer Mitglied im Brooklyn Chess Club, 1955 wechselte er in den Manhattan Chess Club und begann an Turnieren teilzunehmen. 1956 besorgte seine Mutter ihm einen Schachlehrer, John W. Collins. Im gleichen Jahr spielte der 13-Jährige am 17. Oktober 1956 beim Rosenwald-Memorial die von Hans Kmoch so genannte "Partie des Jahrhunderts", in der er mit einem glänzenden Damenopfer den Großmeister Donald Byrne besiegte.

Mit 14 Jahren gewann Fischer 1957 nacheinander die Jugendmeisterschaften der USA in San Francisco, die offene Meisterschaft der USA in Cleveland und die Meisterschaft der USA in New York. In dieser Zeit erlernte er die russische Sprache, um auf diese Weise Zugang zur umfangreichen russischen Schachliteratur zu erlangen. Im Jahr 1957 verlieh die FIDE dem US-amerikanischen "Wunderkind" den Titel eines Internationalen Meisters. Im folgenden Jahr wurde Fischer im Zuge seiner Qualifikation zum Kandidatenturnier der jüngste Großmeister der Schachgeschichte.

Fischers Kindheit ist geprägt von seiner spannungsgeladenen Beziehung zu seiner Mutter, deren Charakter die Züge eines Borderliners trägt. Sie wird als prozesssüchtig und von Nachbarn als "unerträglich" beschrieben. Regina Wender wurde in der Schweiz geboren und wuchs in St. Louis auf. Als 19-Jährige ging sie während der Wirtschaftskrise zu ihrem Bruder Max nach Deutschland, dann nach Moskau. Sie war jüdischer Abstammung, überzeugte Pazifistin und sehr wahrscheinlich auch überzeugte Kommunistin. Von 1933 bis 1938 studierte sie am 1.Moskauer Medizinischen Institut. In Moskau heiratete sie den deutschen Biophysiker Hans-Gerhardt Fischer (geb. 1909 in Berlin). 1938 wird ihre Tochter Joan geboren. Hans Fischer ist zu dieser Zeit in Spanien und kämpft auf der Seite der internationalen Brigaden gegen Franco. 1939 fliehen die Fischers Richtung USA. Es ist unbekannt, ob Hans-Gerhardt Fischer jemals mit in den USA lebte oder sofort nach Chile ging. Bobby Fischer hatte sich als 18-Jähriger in einem Interview so geäußert, dass sein Vater bald nach seiner Geburt die USA verlassen und er keinerlei Erinnerung an ihn habe. 1945 wird die Ehe zwischen Hans und Regina Fischer geschieden.

Da die Fischers die typische Komintern-Ausbildung aufwiesen, mit deren Hilfe die Sowjetunion seit den Dreißigern Agenten  akquirierte und ausländische Organisationen infiltrierte, wurde Regina zwischen 1946 und 1973 aufmerksam vom FBI beobachtet, das eine 900 Seiten starke Akte anlegte.

In den USA arbeitete Regina Fischer in verschiedenen Tätigkeiten und studierte. Während Regina arbeitete oder ihrem Studium nachging, blieben der kleine Bobby und die fünf Jahre ältere Schwester Joan zu Hause. Paul Nemenyi soll sich bei Sozialarbeitern einmal darüber beschwert haben, wie Regina Fischer ihre Kinder vernachlässige. Auch Regina Fischer hatte selbst Hilfe bei Sozialarbeitern gesucht, als Fischer im Alter von 14 Jahren immer schwieriger wurde. Sie beschrieb ihn als "temperamentvoll, unfähig mit anderen klarzukommen, ohne Interessen, außer am Schach".

1958 reiste Fischer, ebenfalls mit Hilfe seiner Mutter, die eine Einladung des Sportkomitees besorgt hatte, nach Moskau und besuchte den Zentralschachklub. Seine Schwester Joan begleitete ihn. Nach Aktenlage wurde Fischer als Ehrengast großzügig empfangen und soll einige Partien gegen starke sowjetische Großmeister, darunter Petrosian, gespielt haben.

1960 war die Beziehung von Regina Fischer zu ihrem Sohn Robert so gespannt, dass sie aus dem gemeinsamen Appartement auszog und ihn dort allein ließ, wo bald alles im Schmutz versank. Fischer betrachtete es dennoch als Erleichterung, als seine Mutter ihn verließ. Obwohl sie ihren Sohn gerade verlassen hatte, demonstrierte sie dennoch vor dem Weißen Haus dafür, dass die USA eine Mannschaft zur Schacholympiade in die kommunistische DDR nach Leipzig schicken sollen, damit ihr Sohn dort spielen könne, und hatte Erfolg damit.

In seinen späteren Jahren entwickelte Fischer einen ausgeprägten Antisemitismus, für den möglicherwesie seine Erfahrung mit seiner jüdischen Mutter mitverantwortlich ist.

Nach 1960 erzielte Fischer eine Reihe von beeindruckenden Erfolgen. Er gewann die Turniere von Mar del Plata und Reykjavik, machte bei der Schacholympiade in Leipzig 1960 mit 13 Punkten aus 18 Partien ein herausragendes Ergebnis und holte sich den Titel bei den US-Landesmeisterschaften. Auf die Frage eines Reporters bei der Schacholympiade in Leipzig, wann er Weltmeister werden würde, antwortete Fischer: "Vielleicht 1963."

Im Jahr 1962 gewann der nun 19-Jährige (!) auf überlegene Weise das Interzonenturnier in Stockholm und viele sahen in Fischer tatsächlich den kommenden Herausforderer von Weltmeister Petrosian. Das folgende Kandidatenturnier wurde jedoch zum Skandalturnier. Fischer belegte nur den vierten Platz und beschuldigte später im US-Magazin Life in „How the Russians have fixed world chess“ die sowjetischen Großmeister der Ergebnisabsprache.

Von den acht Kandidaten, die in Curacao den Herausforderer ausspielen sollten, waren fünf Spieler aus der Sowjetunion - Petrosian, Geller, Keres, Kortschnoj und Tal. Mit Miroslav Filip stammte ein Spieler aus der zum Ostblock gehörenden Tschechoslowakei. Nur Pal Benko lebte wie Fischer im Westen. Benko, in Ungarn aufgewachsen, hatte gegen Ende des Zweiten Weltkrieges bereits sowjetische Arbeitslager kennengelernt. Später wurde er der Spionage für die CIA verdächtigt, weil er während eines Turniers in der DDR einen Ausflug nach West-Berlin gemacht hatte. 1957 hatte er schließlich in Reykjavik Asyl beantragt und war in die USA emigriert.

Es ist offensichtlich, dass die ersten drei des Turniers - Petrosian, Geller und Keres - ihre Partien allesamt auf Remis abgesprochen hatten. Es wurden vier Runden jeder gegen jeden gespielt, alle zwölf Partien dieser Spieler endeten remis. Spätestens im 21.Zug war das Remis amtlich. Gegen die anderen Teilnehmer, besonders gegen Fischer, wurde hingegen verbissen gespielt. Fischer war der Betrug bald klar und nach dem Turnier machte er ihn in einem Interview öffentlich. Kandidatenturniere wurden danach von der FIDE abgeschafft und durch Wettkämpfe ersetzt. Statt Fischer wird 1962 Petrosian Herausforderer von Weltmeister Botvinnik und besiegt diesen dann klar mit 12,5:9,5.

Nach diesem Erlebnis zog sich Fischer weitgehend vom Turnierschach zurück. Über einen Zeitraum von vier Jahren spielte er kaum Partien, beschäftigte sich jedoch viel mit den Partien der anderen Topspieler. Im Jahr 1966 kehrte er mit einem Sieg bei der US-Meisterschaft in die Turnierarena zurück. Beim Piatigorsky Cup in Santa Monica belegte er den zweiten Platz, bei der Schacholympiade 1966 in Havanna machte er 15 Punkte in 17 Partien und im folgenden Jahr gewann er erneut die US-Meisterschaft. Es folgten Turniersiege in Monte Carlo und Skopje.

Beim folgenden Interzonenturnier in Sousse kam es zu einem skandalumwitterten Rücktritt vom Turnier, der Fischer die Teilnahme am Kandidatenzyklus kostete. Die Turnierleitung hatte Runden auf den Sabbat gelegt, an diesem war Fischer als Jude das Spielen jedoch aus religiösen Gründen verboten. Fischer, klar in Führung liegend, reiste nach einem Streit mit der Turnierleitung ab und zog sich erneut vom Turnierschach zurück. In dieser Zeit schrieb er sein berühmtes Buch "My 60 Memorable Games", das 1969 erscheint.

Im Jahr 1970 folgte auf eindrucksvolle Weise Fischers zweites Comeback. Beim "Wettkampf des Jahrhunderts" zwischen der UdSSR und dem "Rest der Welt" überließ er Bent Larsen das erste Brett und schlug Ex-Weltmeister Petrosian mit 3-1. Danach siegte er in Zagreb, Buenos Aires und beim Interzonenturnier in Palma de Mallorca. In den folgenden Kandidatenmatches gelangen ihm 1971 seine berühmten 6-0-Siege gegen Mark Tajmanov in Vancouver und Bent Larsen in Denver. Schließlich schlug er im Kandidatenfinale in Buenos Aires auch Tigran Petrosian mit 5:1 Siegen bei drei Remis.

In einem Interview warnte Petrosian Weltmeister Spassky: "Fischer ist ein ausgezeichneter Spieler, der Probleme am Brett schnell erkennt und sie auf korrekte Weise löst. Er fühlt sich in allem Neuen zu Hause und es ist unmöglich, ihn zu überraschen. Wenn er auch nur den kleinsten Vorteil erlangt, spielt er mit der Präzision einer Maschine. Fischer ist ein ganz besonderer Spieler, und das Match mit Spassky wird hart umkämpft werden."

Im nächsten Jahr,1972, kam es in der isländischen Hauptstadt Reykjavik zum weltweit Aufsehen erregenden und von Skandalen begleiteten Wettkampf um die Weltmeisterschaft zwischen dem Titelhalter Boris Spassky und seinem Herausforderer Bobby Fischer. In den Augen der Weltöffentlichkeit war dies inmitten des Kalten Krieges ein Stellvertreterkampf der Systeme. Doch in Wirklichkeit war Fischer ein Einzelkämpfer, der versuchte, dem Sowjetschach seinen kostbarsten Besitz, den seit 1948 in Sowjethänden befindlichen Weltmeistertitel abzujagen. Während Fischer nur mit Lombardy als Sekundant anreiste, konnte Spassky auf die gesamte sowjetische Schachmaschine zurückgreifen. Im Kreml analysierten Großmeister die laufenden Partien und informierten die Regierung über den Stand der Dinge.

Schon zum Beginn des Wettkampfes hatte Fischers Beharren auf einen Rekordpreisfonds das weltweite Medieninteresse auf sich gezogen. Erst nachdem der britische britische Millionär James Slater das Preisgeld auf knapp 400.000 USD erhöht hatte, trat Fischer mit zweit Tagen Verspätung überhaupt an. Der Wettkampf, vom deutschen Großmeister Lothar Schmid als Schiedsrichter geleitet, begann mit einem Paukenschlag. Fischer verlor die erste Partie und trat zur zweiten erneut nicht an. Schließlich nahm er mit einem 0:2-Rückstand den Kampf wieder auf und gewann am Ende noch mit 7:3 Siegen bei 11 Remis und einem Gesamtergebnis von 12,5:8,5. Der sensible Künstler und Titelverteidiger Boris Spassky war dem Psychokrieg, den Fischer sich mit dem Veranstalter und der Sowjetdelegation lieferte, nicht gewachsen. Andererseits zeigte sich Fischers Favoritenrolle auch in seiner damals unglaublich hohen Elozahl von 2785. Demgegenüber hatte Spassky als Weltranglistenzweiter 1972 nur 2660 auf dem Konto. Somit war Fischers Sieg nur folgerichtig und fiel sogar weniger hoch aus, als die Eloerwartung es ausdrückte.

So wurde Fischer der 11. Weltmeister der Schachgeschichte.

Nach seinem Erfolg verschwand der neue Weltmeister jedoch aus der Öffentlichkeit. Die vergebliche Suche nach ihm ließ seine Person zum Mythos werden. Er selbst fühlte sich von der Presse verfolgt und missbraucht und mied alle Kontakte. Wenn er irgendwo auftauchte, ermahnte er jeden, seine Gegenwart an einem bestimmten Ort nicht an die Presse zu verraten. Sein genauer Lebensweg nach 1972 ist nur schwer nachzuvollziehen. Zu sporadisch sind die Spuren, die er hinterließ. Anscheinend lebte er zunächst noch einige Zeit in den USA.

Im Jahr 1975 scheint es noch Verhandlungen mit dem WM-Herausforderer Anatoly Karpov über einen WM-Kampf gegeben zu haben, die aber im letzten Moment scheiterten. Der philippinische Diktator Ferdinand Marcos und der Schah von Persien hatten für ein Millionen-Angebot gesorgt, das Fischer offenbar aber nicht genug reizte.

Fischer trat nicht zum WM-Kampf an und verlor seinen Titel am grünen Tisch an Karpov. Später gibt es Spuren seines Aufenthalts in Deutschland und Ungarn. Es ist verbürgt, dass Fischer nach einem Besuch bei Lothar Schmid in Bamberg sich 1990/1991 drei Monate im Familienhotel "Pulvermühle" der Familie Bezold im fränkischen Waischenfeld aufgehalten hat. Michael Bezold, mit dem er gerne analysierte, wurde in dieser Zeit deutscher Jugendmeister und später Großmeister. Laut Bezold arbeitete Fischer an einem Buch, mit dem er nachweisen wollte, dass der Wettkampf zwischen Karpov und Kasparov abgesprochen gewesen sei. Bezold beschreibt Fischer als nett und umgänglich. Nach der Entdeckung seines Aufenthaltsortes reiste der Ex-Weltmeister überstürzt ab.

Im Jahr 1992 tauchte Fischer aus der Versenkung plötzlich wieder auf und trat erneut ins Licht der Öffentlichkeit, als er auf Initiative des Chefs der jugoslawischen Privatbank Jugoskandic Jezdimir Vasiljevic in Sveti Stefan und Belgrad einen mit 5,5 Mio. USD dotierten "Revanchewettkampf" gegen Boris Spassky spielte. Dieser fand während des Bürgerkrieges im geächteten Jugoslawien statt und die USA betrachteten den Schachkampf als Verstoß gegen das von ihr gegen Jugoslawien verhängte Wirtschaftsembargo. In einem weltweit verbreiteten Video konnte man sehen, wie Fischer bei der Eröffnungspressekonferenz auf ein Schreiben der US-Regierung, die ihm eine Strafe von 250.000 USD androhte, spuckte.

Kurz vor oder nach seinem Wettkampf soll Fischer Gerüchten zufolge auch Kontakte mit Peter Leko und der Polgar-Familie gehabt haben. Doch weder Leko noch die Polgars haben das je bestätigt. Dann verschwand der 11.Weltmeister wieder und hat sich vermutlich in Japan und den Philippinen aufgehalten. Aus den Philippinen gab er mehrere Radiointerviews, darunter das berüchtigte, in dem er nach dem Anschlag auf das World Trade Center am 11.September 2001 urteilte, die USA hätten nun die Quittung für ihre Politik erhalten:
"Das ist wunderbar. Amerika muss ein für allemal vernichtet werden. Die Amerikaner und Israelis haben jahrelang die Palästinenser abgeschlachtet, ausgeraubt und abgeschlachtet. Keiner hat sich darum gekümmert. Nun trifft es die USA selbst. Fuck the US. Amerika muss ein für alle Mal vernichtet werden."

Bei seiner Ausreise aus Japan in die Philippinen wurde Fischer 2004 auf dem Tokioter Flughafen von den japanischen Behörden festgenommen und zur Abschiebung in die USA festgesetzt. Die Japaner kamen einem Begehren der USA nach, die Fischer wegen seines Verstoßes gegen das US-Handelsembargo aus dem Jahr 1992 vor Gericht stellen wollten. Möglicherweise war aber auch Fischers Radiointerview, in dem er den Anschlag vom 11.9.2001 begrüßt hatte, der eigentliche Motor für die Verfolgung. Der formale Grund für Fischers Festnahme war, dass dieser keinen gültigen US-Pass mehr besaß. Nach einem langen Hin und Her, an dem die Weltöffentlichkeit regen Anteil nahm, gelang es Fischer mit Hilfe seiner japanischen und isländischen Freunde, die isländische Staatsbürgerschaft zu erhalten und seine Freilassung und Ausreise nach Island zu erwirken.

Auch in Island wurde er noch von den US-Behörden verfolgt. Diese versuchten die isländische Regierung unter Druck zu setzen, damit Fischer dort keine Staatsbürgerschaft erhielte. Später kündigte seine Schweizer Bank Fischers Konto, eine Aktion, hinter der Fischer ebenfalls die USA als Initiator vermutete.

Seine Bedeutung für das Schach kann man gar nicht überschätzen. Unzählige Menschen ließen sich von Fischers Erfolgen begeistern. Er hätte der ganz große Star der Schachszene werden können, hätte er sich nicht selber im Weg gestanden. Doch der Kampf gegen seine paranoide Mutter und gegen die übermächtige sowjetische Schachmaschine hat seinen Charakter verformt. Sein offen geäußerter Antisemitismus hat später viele davon abgehalten, Fischer als Person zu mögen. Die meiste Zeit seines Lebens war Fischer auf der Flucht.

Robert James Fischer starb am 17.Januar 2008 in einem Krankenhaus in Reykjavik nach längerer, schwerer Krankheit an Nierenversagen. Er wurde 64 Jahre alt - ein Jahr für jedes Feld auf dem Schachbrett.

Fischer ist gegangen, aber sein Schach bleibt.

 

 

 

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