Robert Kempinski gewinnt Porzellan-Cup

14.01.2008 – Fast 200 Teilnehmer, darunter knapp 30 Titelträger, fanden den Weg nach Dresden, um dort zum Turnierauftakt des Dresdner Schacholympiadejahrs um den Porzellan-Cup zu spielen. Das Schnellschachturnier ist eine Mischung aus K.o.-Turnier und Open: Die Unterlegenen der K.o.-Runden reihen sich mit ihrer bisherigen Punktzahl im Open ein und haben eine zweite Chance auf einen Turniersieg. Im Finale, das mit einem echten Porzellan-Spielsatz mit Motiven von "Der Fischer und seine Frau" gespielt wurde, setzte sich Robert Kempinski gegen Leonid Kritz durch. Klaus-Jörg Lais weiß, ob Porzellan zerschlagen wurde.Turnierseite...Bericht und Bilder...

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Robert Kempinski gewinnt Porzellan-Cup
Von Klaus-Jörg Lais


Titelgirl Judith Fuchs


Spiele aus Porzellan

Für 200 Teilnehmer haben die Organisatoren am Vorabend des Dresdner Porzellancup gerichtet, waren aber auch, darauf vorbereitet, dass es mehr würden. Insgesamt 256 Spieler sind bei einem doppelrundigen Finale aktuell die Höchstgrenze.


Vor dem Sturm

Danach - und das ist hier durchaus vorstellbar, wird man die absolute Höchstgrenze für die kommenden Jahre letztmalig auf 512 hochschrauben.


Eröffnung

Der Porzellancup, ein neunrundiges Schnellschachturnier mit ungewöhnlicher Bedenkzeit, einem seltenen aber wirksamen Ausscheidungsmodus und einem attraktiven Gesamtspielplan, ist das erste von drei Highlights des ZMD Schachfestival e.V. eines jeden Jahres. Mit jeder K.O.-Runde kommen mehr Ausgeschiedene in das Hauptturnier, in dem es um den Schachpokal der Landeshauptstadt Dresden geht. Allein die letzten beiden verbliebenen spielen das Finale auf - tatsächlich - Dresdner Porzellan.


Die Pokale

Der Preisfonds kann sich wie in jedem Jahr sehen lassen. Nicht zuletzt gibt es wie bei jeder Vereinsveranstaltung auch in jeder DWZ-Klasse ordentlich was zu gewinnen. Am 11. Februar geht es weiter mit dem Schachfrühling, im Sommer schließlich das ZMD Schachfestival.

Porzellan-Chef Gunther Seifert begrüßt 27 Titelträger


Gunther Seifert und Dr. Dirk Jordan

Eine Menge spielstarker GMs sind angetreten, um den 12. Porzellan-Cup für sich zu entscheiden. Der im Porzellancup gespielte Modus ist so ziemlich der einzige, in dem ein Favoritensterben garantiert ist. Da ja in jeder Runde sich immer die Hälfte der Teilnehmer ins Hauptturnier verabschiedet, treffen irgendwann auch die Besten aufeinander und eliminieren sich gegenseitig. Manche erwischt es aber auch schon früher. Der starke deutsche Jugendmeister Felix Graf - hier aus Dresden - erlegte Großmeister Jussupow auf dem Brett schon in Runde Drei.

In einem für Jussupow schwer zu haltenden Endspiel mit Turm und Leichtfigur gegen Dame, spielte Graf das Spiel souverän zum Sieg. In Runde Vier kam es dann schon zu solchen Paarungen wie Elisabeth Pähtz gegen Leonid Kritz.

Elisabeth unterlag im Tiebreak und gesellte sich zu anderen Meistern ins Hauptturnier, zum Beispiel zu Anna Zozulia oder Igor Glek. Der allerdings nicht wegen einer Niederlage, sondern weil er zu Beginn des Turniers einfach nicht zu finden war und so musste er von Anfang an in das Turnier um den Schachpokal der Landeshauptstadt. Felix Graf gewann übrigens auch gegen Thomas Pähtz und sammelte den zweiten GM-Skalp.

In Runde Fünf war dann auch für Klaus Bischoff Schluss. Gegen die Setzlisten-Nummer 1, Vadim Malakhatko musste er die Waffen strecken, auch Falko Bindrich und Felix Graf schieden aus. Am Sonntag morgen waren nur noch an den ersten vier Brettern die letzten Teilnehmer im Porzellan-Cup unterwegs:


Die ersten Vier der Setzliste, dazu Tomasz Markowski, Lars Thiede, Lothar Vogt und Farhad Tahirov.

Einer kam durch

Leonid Kritz und Robert Kempinski hießen die beiden Finalisten, die am Ende eines zweitägigen Marathons mit Schnellschachpartien den Sieger des Porzellancups 2008 unter sich ausmachten. Beide hatten zu diesem Zeitpunkt mit je sieben Gewinnpartien den gesamten Rest des Turnierfeldes in den Kampf um den Schachpokal der Landeshauptstadt geschickt.



Nur diese beiden konnten in Hin- und Rückspiel Dresdner Porzellancupsieger 2008 werden. Für die Finalpartien wählte Manufakturchef Gunther Seifert den filigranen Figurensatz „Der Fischer und seine Frau“ und Kempinski scherzte, er brauche auf jeden Fall eine Ersatzfischerin, falls es einer seiner Heringe bis auf die Grundreihe schaffe und sich zu verwandeln gedenke.

Sichtlich mehr irritiert zeigte sich der für die deutsche Nationalmannschaft spielberechtigte Leonid Kritz, dem es vor lauter Leuchttürmen, Möwen und Karpfen schwer fiel, Pläne zu schmieden.


Schon viele Heringe und Karpfen geschlagen

Und ganz so wie im analogen Märchen des Fischers Frau Ilsebill, wollten die Figuren nicht so, wie er selbst sich das vorstellte. Kempinski warf sein Mattnetz aus, gewann mit den schwarzen Steinen die erste Partie und hatte für den Rückkampf die Trümpfe selbst in der Hand. Routiniert wickelte der polnische Nationalspieler in ein Unentschieden ab, auch wenn Kritz verzweifelt versuchte, etwas Tiefgang in die Wogen der Partie zu zaubern.


Tiebreak Runde3: Fruebing, Jussupow, Bindrich

Der Sieger nahm neben den 1.500 Euro Preisgeld einen außergewöhnlichen Porzellanpokal in Empfang, aber auch der Zweite strich einen stattlichen Lohn für zwei Tage konzentriertes Spiel ein. Währenddessen siegte im Turnier um den Schachpokal Dresdens, in dem sich alle aus dem Porzellancup Ausgeschiedenen versammelten, Alexander Graf. Der deutsche Großmeister hatte mit 7,5 Punkten die Nase vorn im Hauptturnier.

Sein Namenskollege Felix Graf vom USV TU Dresden, der im letzten Jahr die deutsche Meisterschaft in der Altersklasse U14 gewann, erwies sich einmal mehr als Großmeisterschreck. Er gewann unter anderem gegen Anna Zozulia, Thomas Pähtz und Artur Jussupow. Am Ende belegte er Rang 20 und wurde bester Spieler bis 2200 ELO. Bester Frau und Dresdnerin wurde Elisabeth Pähtz.

Am Vortag spielten 22 talentierte Nachwuchskräfte zwischen sechs und neun Jahren im sogenannten Porzellan-Nachwuchscup. 14 davon sind aus den D1-Kadern auf Einladung an die drei sächsischen Schachbezirke Dresden, Leipzig und Chemnitz vor Ort gewesen. Hinzu kamen weitere, talentierte Mädchen und Jungen, von denen niemand älter als das Geburtsjahr 1998 war.

Interessant war es zu beobachten, wie die Kleinen, von denen die meisten auf den Spielsesseln mit ihren Füßen nicht auf den Boden kamen, bereits mehrzügige Varianten spielten.

Am besten konnte das einer der "Ältesten", der Dresdner Linus Kuckling.


Sieger Linus Kuckling


Walther Nauber, Robert Scholz, Linus Kuckling, Moritz Dresig, DirkJordan

Mit insgesamt 183 Teilnehmern blieb der Porzellancup zwar auf dem Erfolgsniveau des Vorjahres, aber unter den Erwartungen der Organisatoren angesichts des fantastischen Anmeldestandes vor der Veranstaltung. Unter den Aktiven war auch der Großmeister Wolfgang Uhlmann, der extra auf die letzte Partie des ersten Tages verzichtete, um auf der sächsischen Sportgala des Landessportbundes dem Publikum ein paar Worte zur Schacholympiade 2008 zu sagen.


Malakhatko-Uhlmann


Ehrung für Wolfgang Uhlmann auch beim Porzellan-Cup

So glaubte er es jedenfalls selbst, als er aus dem Turniersaal aufbrach. Tatsächlich aber gehörte er selbst zu den Geehrten des Sportballs und empfing aus den Händen von Bürgermeister Winfried Lehmann die sächsische Sportkrone für sein Lebenswerk. Niemand der Eingeweihten hatte sein Schweigen gebrochen und Uhlmann so eine freudige Überraschung bewahrt.

 

 

 

 


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