Robert Schumann: Musiker und Schachspieler

10.08.2007 – Der Pianist und Komponist Robert Schumann wurde 1810 in Zwickau als Sohn eines Buchhändler und Verlegers geboren und starb 1856 vermutlich an den Folgern einer Syphilis, die er sich als junger Mann zugezogen hatte, geistig umnachtet in einer Heilanstalt in Bonn-Endenich. Neben der Musik galt dem Schachspiel seine besondere Liebe. Häufig spielte er mit seinem Assistenten an der "Leipziger Zeitung für Musik" Herman Hirschbach, der später in Leipzig die "Deutsche Schachzeitung" begründete. Der junge Brahms, von Schumann protegiert und später auf unklare Weise mit der Schumann-Gattin Clara Wieck verbunden, antwortete auf die Frage, was er denn von seinem Mentor gelernt hätte: "Nichts als Schachspielen." Anlässlich der Ausstellung "Schach und Schumann" in Zwickau reflektiert Frank Große (schachlinks.com) die Schachleidenschaft des Komponisten und führt in Bildern durch die Ausstellung..Schachlinks.com...Schach und Schumann...

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Schach und Schumann in Zwickau
Von Frank Große


Schumann-Büste

Robert Schumann (1810 – 1856) erlernte als Sohn eines Buchhändlers und Verlegers bereits mit sieben Jahren das Klavierspiel. Sein zwischen 1828–30 absolviertes Jura-Studium in Leipzig und Heidelberg konnte ihn nicht davon abhalten, sein Leben der Komposition und hier primär dem Klavier zu widmen. Weitere Stationen seines Lebens waren das Leipziger Konservatorium (1843), Chorleitung in Dresden (1844) und Städtischer Musikdirektor in Düsseldorf (ab 1850).

Schumann in Verbindung mit Zwickau dürfte wohl jedermann geläufig sein, aber dass Schumann ein leidenschaftlicher Schachspieler war, ist allgemein nicht so bekannt. Thomas Synofzik, der Verantwortliche der Ausstellung berichtet mir, dass darüber viele Besucher Überraschung zeigen und zeigt mir sofort ein originales Reiseschachspiel von Robert Schumann, welches die Stadt Zwickau von seiner Tochter Marie Schumann 1926 erwarb.


Original-Reiseschachspiel von Robert Schumann

Bereits 1826 schrieb Schumann in seinem Schulaufsatz nieder: „Von den Kunstspielen führe ich nur die in Deutschland üblichsten an und zähle unter sie: das Billard: der gute Billardspieler hat gewiss jedes mal, wenn ich anders nicht bemerkt habe, ein hitziges Temperament, aber einen guten Charakter: der Schachspieler hingegen wird stets mehr kaltes Temperament, gute Sitten und festen Charakter besitzen“.


Gegenstände aus dem Schumann-Nachlass

Die Aufsätze gelten als früheste Dokumente, die über Schumann existieren, aber die Idee, dass anhand der bevorzugten Spiele auf den Charakter geschlossen werden kann verfolgt Schumann auch weiterhin. In seinen Tagebüchern, die komplett vorliegen, findet sich in einer Anmerkung über seine Studienfreunde auch folgender Passus: „Schach mit Pabst und Brükner. Das Schach ist guter Probierstein der geistigen Kraft; Pabst springt zu sehr. Brükner schlendert zu sehr.“

Schumanns Studienfreund Moritz Semmel berichtet in einem Brief am 08. Oktober 1856 an Wilhelm Joseph von Wasielewski über Schumanns Verhältnis zum Schach: „Sein einziges Vergnügen fand er in der Unterhaltung mit Freunden, und im Schachspiele in dem er Meister war. Kartenspiele verabscheute er, fast ebenso wie Trink- oder vielmehr studentische Saufgelage.“ Demzufolge ist nicht bekannt, ob Schumann auf seinen Reisen durch Europa den damaligen Caféhäusern, die auch von Spieler anzogen, einen Besuch abgestattet hat.


Blick in Schumann-Zimmer

Aber auch musikalische Vergleiche scheute er nicht: „Es ist mit der Musik wie mit dem Schachspiel. Die Königin (Melodie) hat die höchste Gewalt, aber den Ausschlag gibt immer der König (Harmonie).“ (Robert Schumann: „Gesammelte Schriften über Musik und Musiker“, 1854). Eine musikalische Verarbeitung des Themas „Schach“ von Schumann gibt es leider nicht, was ein wenig überrascht, da alle Buchstaben als Noten auf dem Klavier verfügbar sind.

Die auf dem Reiseschach dargestellte Stellung ist Schumanns Tagebüchern entnommen und Weiß gewinnt hier trotz des Materialnachteils. Wer die richtige Antwort weiß sollte sich nicht scheuen am Preisausschreiben teilzunehmen. Unter den richtigen Antworten werden drei Faksimileausgaben „Robert Schumanns Selbstbiographische Notizen“ verlost.

Die Anschrift lautet: Robert-Schumann-Haus Zwickau, Hauptmarkt 5, 08056 Zwickau.


Schumann-Tagebuch mit Endspielnotation. Diese Stellung wurden von Schumann aus dem Buch
„Anleitung das Schachspiel gründlich zu erlernen“ von Jul. Theo. Filding entnommen.

Hermann Hirschbach war einerseits ein Mitarbeiter von Schumanns „Leipziger Zeitung für Musik“, erwies sich aber andererseits als ein beliebter Spielpartner. Hermann Hirschbach nutzte seine erworbenen Kenntnisse bezüglich der Publikation von Zeitungen und gründete 1846 in Leipzig seine „Deutsche Schachzeitung“. In der Mitte der 40er Jahre des 18. Jahrhunderts galt Hirschbach als anerkanntes Haupt der Leipziger Spieler und duellierte sich häufig mit Graf Woldemar Vitzthum, Otto Wigand, Julius Windberg und auch Schumann. Und hier lauert auch noch ein schachhistorisches Rätsel:

Im III. Jahrgang 1848, Seite 50f. findet man auf der auf Seite 51 unten notierten Partie folgende Angaben: S. (W) - H (S). Belegt ist, dass Hirschbach sich mit „H“ abgekürzt hat, aber ob „S“ das Synonym für Schumann ist konnte noch nicht geklärt werden. Die Partie wurde im „Leipziger Museum für literarische Konversation und Lektüre von Zeitschriften Art“, das auch Schumann regelmäßig besuchte, gespielt. Eventuell handelt es sich hier um eine überlieferte Partie Robert Schumanns. Hirschbach spielte blind mit den schwarzen Steinen und begann.

Aber auch andere Musiker-Kollegen waren dem Schachspiel offensichtlich nicht abgeneigt. So lud Felix Mendelsson Bartholdy, der mittlerweile zehn Jahre in Leipzig lebte, am 21. September 1845 zu einer Partie ein: „Die Probe ist soviel ich weiß, Sonnabend zur gewöhnlichen Morgenstunde. Sollte das noch abgeändert werden, so würde ichs schreiben; wo nicht, so steht es fest, und dann könnten wir vielleicht Nachmittag ein Schach spielen im Rosenthal als Decemvirn – zehnjährig!“

Johannes Brahms, für den Schumann sich begeisterte, besuchte selbigen 3 Jahre vor seinem Tod und antwortete auf die Frage, was er denn von Schumann gelernt habe: „Nichts als Schachspielen“. Dass das Schachspiel Robert Schumann bis an sein Lebensende faszinierte beweisen auch die Krankenprotokolle der Heilanstalt Bonn-Endenich.


Das Robert-Schumann-Denkmal im Zentrum von Zwickau

Von der Westsächsischen Hochschule Zwickau , hier insbesondere dem Studiengang Holzgestaltung, wurde ein wesentlicher Bestandteil der Sonderausstellung zusammengestellt. In 15 Vitrinen werden von Studenten entwickelte moderne Schachspiele gezeigt:


Blick ins Obergeschoss der Sonderausstellung



Die am 07. Juli 2007 mit einem Simultanturnier (Simultanspieler: Manuel Feige) eröffnete Sonderausstellung wird bis zum 15. September 2007 zu besichtigen sein. Die kleine, aber feine Präsentation „Schach mit Schumann“ lohnt einen Besuch. Selbige wird würdevoll mit einem Simultanwettkampf mit FIDE - Meisterin Petra Schulz beendet, nachdem die Verpflichtung von Arkadi Naiditsch geplatzt war. Die Abschlussveranstaltung richtet sich dabei speziell an Kinder und Jugendliche.

Aber auch im Sommerkunstprojekt „Brühlette Royal“ – organisiert vom Verein „Freunde aktueller Kunst“ kann der Kuppelsaal der Städtischen Kunstsammlungen mit einer Besonderheit aufwarten: Roland Stratmann hat ein schwebendes Schachbrett mit kopfüber hängenden Figuren, die durch Tücher mit Aufdrucken dargestellt werden inszeniert. Zwei Teams mit einem israelischen und einem ghanaischen sowie einem kubanischen und einem US-amerikanischen Großmeister spielen gegeneinander und übermitteln täglich den zu tätigenden Zug via Internet. Ein Museumsmitarbeiter hängt dann per Lift die entsprechende Figur um.

Text und Fotos, Frank Große 2007

 

 

 

 


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