Schach mit Helmut Schmidt

von André Schulz
12.11.2015 – Zwei Laster hatte der vor zwei Tagen im Alter von 96 Jahren verstorbene Helmut Schmidt: Das Rauchen von Mentholzigaretten und das Schachspiel. "Schach habe ich als Kind von meinem Vater gelernt, und seitdem nichts dazu gelernt." Trotzdem spielte Helmut Schmidt mit Leidenschaft, mit seiner Frau Loki, aber auch gegen andere Schachpartner: Zeitjournalist Ulrich Stock war einer von ihnen. Mehr...

Es gab wohl keinen Politiker, der so vorbehaltlos von der Bevölkerung geliebt wurde, wie der am 10. November 2015 verstorbene Helmut Schmidt. Als Hamburger Innensenator bewies er bei der Jahrhundert-Sturmflut 1962 Entschlossenheit und Tatkraft. Als Bundesminister für Verteidigung, später für Wirtschaft und Finanzen und dann als Kanzler tat er das, was er für richtig und notwendig hielt. 

Helmut Schmidt war ein Politiker der alten Garde, nicht von Umfragen, Sonntagsfragen, Politbarometern und täglichen Medienberichten verbogen. Stattdessen gründete er seine Entscheidungen auf seine eigene Fachkenntnis. Und wenn diese nicht reichte, ließ er sich kompetent beraten.

Er hatte eine eigene wohl begründete Meinung zu den Vorgängen und Dingen und vertrat diese mit Überzeugung, auch wenn es unpopulär war. Es war Helmut Schmidts Gradlinigkeit und Ehrlichkeit, für die er so geschätzt wurde. Trotz seiner Erfolge und großen Beliebtheit wurde Schmidt niemals größenwahnsinnig, niemals egoistisch und blieb Zeit seines Lebens in seinem Reihenhaus in Hamburg-Langenhorn wohnen.

Seit 1983 war Helmut Schmidt Mitherausgeber der Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit". Zudem schrieb er zahlreiche Bücher. So wurde Helmut Schmidt nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn als Politiker zum Gewissen der Nation. Er war der letzte anerkannte Politiker, der es noch wagte, die Dinge bei ihrem richtigen Namen zu nennen.

Zwei Laster hatte der "Altbundeskanzler": Das Rauchen von Mentholzigaretten und das Schachspiel. Gerne spielte er mit seiner vor fünf Jahren verstorbenen Frau Loki, suchte sich aber auch anderswo Schachpartner. Als er auf die von Matthias Biermann-Ratjen im Selbstverlag erschienene Partiensammlung aufmerksam wurde, lud Schmidt den Notar prompt zum Schach ein.

Aber auch im Verlagshaus der "Zeit" hatte Helmut Schmidt einen festen Schachpartner. Ulrich Stock, Jazz- und Schachexperte der Zeit, wurde regelmäßig zu einer Partie ins Büro seines Herausgebers gebeten - auch wenn viel zu tun war: Schach ging vor!

In der 24-Seitigen Beilage zum Tod von Helmut Schmidt in der aktuellen Ausgabe der Zeit, erzählt Ulrich Stock, wie er das erlebte.

 

 

Zeit: Helmut Schmidt ist tot...

Zeit: Es ist leer am Speersort...

 

 


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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