Schach und Kunst

07.05.2004 – Am Sonntag gab Vladimir Kramnik in Bonn eine Simultanvorstellung an 20 Brettern, von denen vier mit den Nationalspielerinnen Elisabeth Pähtz, Tina Mietzner, Leonie Helm und Anne Czäczine besetzt waren. Prominente Gegner waren außerdem der Schauspieler Matthieu Carriére, der Künstler Ugo Dossi und der Hürdenläufer Edgar Itt. Mit der Bundeskunsthalle fand die Veranstaltung eine sehr würdige Bühne und mit der Deutschen Bank einen ebensolchen Co-Sponsor. Anna Dergatschowa war dabei. Hier ist ihr Bericht. Mehr...

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Schach als Kunst im Simultan mit Vladimir Kramnik
Von Anna Dergatschowa

Vielleicht hat sich der eine oder andere unserer Leser gefragt: was ist eigentlich passiert mit der „rasenden Reporterin“ Anna Dergatschowa-Daus? Hat sie sich einem anderen Hobby gewidmet, spielt sie etwa neuerdings nur Bowling, oder ist ihr die Fotokamera aus der Hand gefallen und trauert dem Verlust nach?

Nichts von diesen Vermutungen trifft zu. Natürlich bin ich weiterhin dem Schachspiel treu geblieben, und insbesondere meinem geliebten Schachklub Holsterhausen. Dieses Jahr ist sogar unsere Frauenteam wieder in die erste Liga und die Männermannschaft in die Regionalliga aufgestiegen. Es ist nur so, dass mein Leben seit etwa einem halben Jahr nach der Trennung von meinem Mann sich komplett verändert hat: Umzug in die neue Wohnung und das Aufnehmen der neuen Arbeitsstelle.

Seit Februar diesen Jahres arbeite ich fleißig in der Störungsannahme bei der Firma Concepta (Kabelfernsehen), und das noch auf Vollzeit. (An dieser Stelle Kompliment an alle Schachliebhaber, die nach einem schweren Arbeitstag die Zeit, Lust und Kraft finden, sich noch mit Schach zu beschäftigen.) Und natürlich bekommt man bei der neuen Stelle nicht sofort Urlaub, um schöne Schachturniere zu spielen oder sie zu besichtigen. Doch es bleiben mir natürlich noch die freien Tage, und wenn man Glück hat, dass eines dieser Events in der Nähe stattfindet, - dann nichts, wie hin.



Die Simultanveranstaltung mit Vladimir Kramnik ist wahrscheinlich das Event gewesen, dass wirklich keinem in Deutschland verborgen geblieben ist. Schon Monate im voraus lief im Radio eine Superwerbung, in der die Schachgeschichte seit 1972 für alle Zuschauer bekannt geworden wurde. Die Deutsche Bank macht keine halben Sachen. Neben den geladenen Prominenten und den 4 jungen Schachspielerinnen blieben noch genug freie Plätze übrig (insgesamt sind 20 Spieler gegen den Weltmeister angetreten), einen dieser Plätze konnte man sogar bei Ebay ersteigern. Die Deutsche Bank hat mit dem stolzen Preisgeld von 50.000 Euro, für denjenigen der es schafft Kramnik zu schlagen, zahlreiche Schachinteressenten und Schaulustige nach Bonn gelockt.


Erlös aus den Versteigerungen

Als Austragungsort hat man die schönen Räume der Bundeskunsthalle gewählt, die der Veranstaltung eine besondere Atmosphäre und Flair verliehen haben.


Bundeskunsthalle in Bonn

(Nebenbei konnte man mit dem Ticket die Ausstellung „Moskau. Kreml“ bewundern, was ich natürlich dann auch gemacht habe. Leider durfte man drinnen nicht fotografieren, deswegen müsstet ihr schon selber hinfahren. Vorausgesetzt, ihr wollt es. Ich sehe mir immer gerne meine Heimatstadt an, wenn die Möglichkeit dazu da ist.)


Anna Dergatwschowa mit Peter Kölzer

Über der Zuschauerandrang während des 4-stündigen Schachevents konnten sich die Veranstalter nicht beschweren. Für die einwandfreie Live-Übertragung der Partien auf Großleinwand sowie humorvolle und fachlich Kommentare auf höchstem Niveau sorgten Dr. Helmut Pfleger und Großmeister Christopher Lutz und machten es Schachliebhabern leichter das Spielgeschehen nachzuvollziehen.


Christopher Lutz im Bild

Auch die Mädels haben sich richtig schick gemacht: Es war eine reine Freude sowohl ihre Partien, als auch sie selbst anzusehen. Doch Kramnik blieb cool und professionell, wie man das eben von einem Weltmeister erwartet.


Anne Czäzcine


Leonie Helm


Tina Mietzner

Ein einziges Remis gab er ab und gewann somit das Simultan mit 19,5 zu 0,5. Obwohl dem Schachtitan keine Niederlage beigebracht werden konnte bleibt diese einmalige Begegnung für alle Beteiligten ein unvergessliches Erlebnis.





Der ehemalige 400 m Hürdenläufer Edgar Itt wirkte trotz seiner verlorenen Partie noch glücklich, und auch der Künstler Dossi schien wieder neue Inspirationen gewonnen zu haben.


Edgar Itt mit Gattin

Seine Schachbilder wie z.B. den „Tanz der Springer“ kann man übriges in einem Museum in Witten besichtigen.

Nur der Schauspieler Matthieu Carriére wirkte etwas enttäuscht.


Elisabeth Pähtz und Matthieu Carriére

Er dachte von der Nachbarschaft mit der GM Elisabeth Pähtz profitieren zu können. Eine Zeit lang ging es gut. „Aber natürlich hat sie mir die Züge vorgesagt, - erzählte er mir im Interview nach der beendeten Partie. – Und es war auch eine spannende Partie. Doch einmal hat sie weg geguckt, und dann war Schluss. Ich stellte sofort den Springer ein.“





Alles in allem – es war zweifellos ein großes und unvergessen schönes Schachereignis. Schon seit Jahrzehnten streiten sich die Gelehrten, ob Schach nun eine reine Mathematik, oder genauer gesagt, Wissenschaft, Sport oder Kunst ist.


Alexander Naumann und Leonie Helm

Ich bin mir sicher das an diesem Wochenende eindeutig die Kunst im Vordergrund Stand. Und mir persönlich hat es ganz besonders gut gefallen. Video-Interviews werden wie immer im Chessbase-Magazin erscheinen. Und die Bilder sind jetzt schon da.

Bis bald, Anna.





 


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