Schach-WM mit Kopftuch

von André Schulz
07.02.2017 – Am Wochenende beginnt in Teheran die Weltmeisterschaft der Frauen. Im Iran müssen alle Frauen, auch nicht-muslimische, in der Öffentlichkeit ein Kopftuch tragen. Aus diesem Grund verzichten einige Spielerinnen auf die Teilnahme an der WM. Andere sehen die Angelegenheit pragmatisch. In einem Beitrag hat sich Deutschlandradio Kultur mit diesem Thema beschäftigt und drei Bundesligaspielerinnen des Hamburger SK befragt. Mehr...

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In Kürze (10. Februar bis 5. März 2017) beginnt die Weltmeisterschaft der Frauen, diesmal in Form eines K.o.-Turniers.

Eigentlich hätte das Turnier schon im Herbst 2016 stattfinden sollen, doch es fand sich kein Ausrichter. Bei der letzten Präsidiumssitzung der FIDE am Rande der Schacholympiade in Baku erklärte sich schließlich der Iranische Schachverband zur Ausrichtung bereit. Im Iran müssen Frauen jedoch aus religiösen Gründen in der Öffentlichkeit ein Kopftuch tragen. Aus diesem Grund, aber auch wegen der politischen Gegebenheiten, Spannungen zwischen dem Iran, den USA und Israel, haben eine Reihe von eigentlich qualifizierten Spielerinnen ihre Teilnahme abgesagt.

Die Pflicht zum Tragen eine Kopftuches in der Öffentlichkeit, also auch während des Turniers, gilt im Iran auch für nicht-muslimische Frauen. Diese und weitere Einschränkungen - so darf eine Spielerin sich nicht alleine mit einem "fremden" Mann in einem Zimmer aufhalten, was die Zusammenarbeit der Spielerinnen mit ihren männlichen Trainer stark beeinträchtigt - wurde von einigen Spielerinnen und in der Folge auch von der allgemeinen Presse thematisiert und kritisiert. Andere Spielerinnen sehen die Angelegenheit jedoch pragmatisch und halten sich einfach an die "ortsüblichen Gepflogenheiten".

Der Radiosender Deutschlandradio Kultur hat sich kürzlich in einem Beitrag mit dieser Angelegenheit beschäftigt und interviewte drei betroffene Spielerinnen der Frauen-Bundesligamannschaft des Hamburger Schachklubs, Sarasadat Khademalsharie, Atousha Pourkashian, beide aus dem Iran, und die polnische WGM Monika Socko, sowie Mannschaftsführer Andreas Albers.

Sarasadat Khadelmalsharie berichtet, dass das Leben in ihrem Heimatland viel besser sei, als es anderswo in den Medien dargestellt wird. Für sie sei das Tragen eines Kopftuches ganz normal. Und beim Schach, wo man sich nicht bewege, behindere es auch nicht wie etwa in anderen Sportarten.

Auch Atousha Pourkashian meint, es gäbe einen Unterschied zwischen der Realität des Lebens im Iran und dem, was die Medien hier davon zeigten.

Andreas Albers vom Hamburger Schachklub betont in seinem Statement, dass es sehr schwierig sei, den Sport aus der Politik heraus zu halten, dass die Entscheidungen der Sportverbände bei der Vergabe von Offiziellen Turnieren allerdings manchmal sehr unglücklich sei.

Monika Socko sieht die Anforderung als Profi ganz pragmatisch: Wenn in einem Land das Tragen von Kopftüchern üblich sei, dann erfülle sie eben diese Auflage.

Zudem wurde ein Interview mit dem ehemaligen Basketballbundestrainer Dirk Bauermann geführt , der auch Nationaltrainer in Griechenland, Russland und dem Iran war und über die Unterschiede in den verschiedenen Ländern spricht.

 

 

Zum Beitrag bei Deutschlandradio Kultur

 



André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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Skandal2017 Skandal2017 07.02.2017 08:14
Zitat:"
Andere Spielerinnen sehen die Angelegenheit jedoch pragmatisch und halten sich einfach an die "ortsüblichen Gepflogenheiten"."
Bin mal gespannt, ob sie sich auch an die ortsüblichen Gepflogenheiten halten, wenn Sie des Diebstahls verdächtigt werden und Ihnen öffentlich die Hand amputiert werden soll.

Eine Iranerin äußert in dem Artikel also die Meinung, daß das Leben im Iran viel besser sei als dargestellt.
Darf man dieser Äußerung Glauben schenken - Wohl kaum. Denn was würde wohl passieren, wenn sie öffentlich Kritk an einem totalitären Regime äußern würde?
Schachspieler2 Schachspieler2 07.02.2017 02:09
Wenn von nichtmoslemischen Frauen im Iran verlangt wird, Kopftücher zu tragen, sollten wir von unseren moslemischen Gästen in Deutschland verlangen, Weihnachten zu feiern und die Sonntags-Messe in der Kirche zu besuchen.

Die rückständig denkenden Länder der Welt sind immer die Ersten die nach Toleranz rufen, sind aber nicht bereit, diese selbst zu Leben.

Der Iran war in den 60ern von keiner westlichen Metropole zu unterscheiden. Frauen in der Werbung. Keine Kopftücher, usw. - Wer mit seiner WM-Teilname den Iran unterstützt, sollte am besten für 2 Jahre dort bleiben und spüren, wie es sich als Frau dort lebt.
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